Julia Jäger, 56:
„Ich hadere mit der Vergänglichkeit“
„Ich hadere mit der Vergänglichkeit“
Die deutsche Schauspielerin Julia Jäger, 56, ist vor allem als Frau des Commissario Brunetti in den „Donna Leon“- Verfilmungen bekannt. Jetzt spielt sie selbst eine Kriminelle.
Gerade war sie drei Wochen in Tirol und stand für die beliebte Serie „Der Bergdoktor“ in St. Johann und Ellmau vor der Kamera. In den neuen Folgen wird Julia Jäger als Mutter zweier Töchter zu sehen sein, die ums Überleben kämpfen.
Es war eine Rückkehr für die deutsche Darstellerin, denn schon vor rund zwölf Jahren hat sie in der Erfolgsserie mitgespielt. Damals als Mutter eines Sohnes, der an Lymphdrüsenkrebs litt.
Eine Frau zu verkörpern, die eine schwere Last zu tragen hat, scheint der sympathischen Schauspielerin auf den Leib geschneidert zu sein. „Das muss so sein, weil das Leben auch traurige Enden hat.“
Schon zu Beginn ihrer Karriere spielte Jäger, die am 28. Jänner 1970 in Angermünde, nordöstlich von Berlin und nur etwa zehn Kilometer von der polnischen Grenze entfernt, zur Welt kam, in „Erster Verlust“ eine verzweifelte Frau.
Sie musste Abschied von ihrem Mann nehmen, der in den Krieg zog. Das war im Jahr 1990, Jäger war gerade 20 Jahre alt und noch Schauspielstudentin, deren Alltag von langen Proben, Gesangs-, Tanz- und Fechtunterricht geprägt war – und von Lehrern, die den Studenten Zeit ließen. „Dafür bin ich dankbar.“
Der renommierte Max-Ophüls-Preis, den sie als beste Nachwuchsdarstellerin mit nach Hause nehmen durfte, war dann der Vorbote einer großen Karriere, die geprägt ist von ernsten Rollen, daran hat sich bis heute nichts geändert. Da ist die Telefonseelsorgerin, die einen Mann beim Sterben begleitet und sich auch noch in ihn verliebt wie im Film „Nacht“, der bald in die Kinos kommt.
Da war die alleinerziehende Mutter im Jahr 1997, die in „Woanders scheint nachts die Sonne“ an AIDS erkrankte. Dazu kamen Krimiserien wie „Polizeiruf 110“ und „Tatort“, die ihr zu einem Gesicht verhalfen, das bald jeder Fernsehzuschauer kannte.
Ihr Name war spätestens dann geläufig, als Julia Jäger im Jahr 2003 die Rolle der Paola Brunetti in den „Donna Leon“-Filmen übernahm und diese bis 2019 mit großer Leidenschaft spielte.
„Ich werde üblicherweise in Reihenformaten eher für das Tragische, Melancholische und Sehnsüchtige besetzt. Aber dann ist mir Frau Brunetti begegnet.“
Damals war sie Anfang 30, hatte alle Romane von Donna Leon verschlungen und sich gedacht: „Was wäre das für eine Rolle, wenn sie jemals verfilmt würde.“
An eine Besetzung glaubte Jäger aber nie. „Ich war viel zu jung für die Rolle.“ Und doch werden manchmal Träume wahr. Aus Julia wurde Paola, die ihrer Karriere eine neue Facette bescherte.
„Möglicherweise hat sie mit ihrem Humor, ihrer Feinsinnigkeit und Wärme den Grundstein dafür gelegt, dass ich neben den weinenden Frauen auch jene mit Spritzigkeit, Leichtigkeit, Herz und Humor darstellen darf.“ Heute, im Alter von 56 Jahren, ist Jäger an dem Punkt angelangt, an dem sie beides miteinander verbinden kann – die Schwere und die Leichtigkeit in Gestalt einer Frau, der das Leben eine Wunde schlug, die aber ebenso mit Witz und Wärme überrascht.
In der Tragikomödie „Heute fängt mein neues Leben an“, die am Freitag (ab 20.15 Uhr, Das Erste) zu sehen ist, verkörpert sie die Kleptomanin Amelie, die nach sieben Monaten aus dem Gefängnis entlassen wird. „Der Film wurde in der Justizvollzugsanstalt Aichach gezeigt und hat dort vielen Frauen Mut gemacht. Mut, zu lernen, auf sich selbst zu vertrauen, sich selbst anzunehmen und vor allen Dingen sich zu verzeihen und damit neu ins Leben zu starten“, erzählt Julia Jäger.
Eineinhalb Jahre ist es jetzt her, seit der Film abgedreht wurde. Wann ihr wieder so eine Rolle angeboten wird, steht in den Sternen. Drehbücher für Frauen jenseits der 50 sind rar.
„Es ist schwieriger geworden, überhaupt an eine Rolle zu kommen“, sagt Jäger, die sich aber nicht über zu wenige Rollenangebote beklagen kann. Sie spielt Theater, vertont Hörspiele und hat mit ihrer Kollegin Annett Renneberg, 48, gemeinsame Projekte angedacht.
Die beiden kennen sich von Dreharbeiten für „In aller Freundschaft“ und den „Donna Leon“-Verfilmungen. Darin hat Renneberg die überaus einfallsreiche wie begabte Sekretärin des Vice Questore verkörpert, die aber dem Commissario Brunetti stets hilfreich zur Seite stand.
Uwe Kockisch, der Commissario, war auch der traurige Anlass ihres bislang letzten Treffens. Die beiden haben Abschied von ihrem Kollegen in Berlin (D) genommen. Jägers langjähriger Film-Ehemann aus den Venedig-Krimis war am 22. Dezember im Alter von 81 Jahren verstorben. „Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der mit der Vergänglichkeit hadert“, sagt Jäger. „Und deshalb bin ich gar nicht gut darauf zu sprechen, dass der Uwe nicht mehr da sein soll. Die Lücke, die Menschen, die mich verlassen haben, hinterlassen, bleibt für immer.“
Für immer bleiben aber auch die schönen Erinnerungen – an Venedig (I) ebenso wie an andere Meilensteine einer einzigartigen Karriere.
Im nächsten Jahr ist es 20 Jahre her, dass „Spielzeugland“, worin Jäger die Hauptrolle spielte, veröffentlicht wurde. Ein denkwürdiges Ereignis, da das 14-minütige Werk mit einem „Oscar“ in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ ausgezeichnet wurde.
Hollywood hat Jäger auch noch in ihren Lebenslauf gepackt. Das war 2009, als Jäger am Samstag nach einem Dreh nach Los Angeles flog, sonntags bei der Verleihung dabei war und am Montag wieder ins Flugzeug zurück nach Deutschland stieg.
„Als hätte ich das alles nur geträumt.“ Die Eindrücke aus dem „Kodak Theatre“ waren freilich nachhaltig. „Ich sah all diese wunderschönen, teuer ausgestatteten Menschen, die da entlangflanierten. Und ich dachte mir, die sehen wirklich aus wie aus dem Hochglanzmagazin. Es war wunderschön“, erinnert sich Jäger, „aber gleichzeitig waren da diese vielen Fotografen. Wenn es Teil dieses Berufes sein soll, ständig unter Beobachtung zu stehen, weiß ich gar nicht, wie das auszuhalten wäre.“
Diese Zurückhaltung ist wohl der Grund, warum die 56jährige, die in der deutschen Hauptstadt lebt, ein stiller „Star“ geblieben ist. Auszeichnungen wie der „Grimme“-Preis sind Zeugen einer Schauspielkunst, die schon in ihren Anfangsjahren sichtbar war.
Doch bereits als junge Schauspielerin lehnte Jäger Einladungen zu Talkshows ab und ist bei der Zusage zu Interviews bis heute selektiv geblieben. „Sagen wir so: Ich weiß, dass ich den Umgang mit öffentlichen Medien nach wie vor üben darf.“
Das Privatleben bleibt im Hintergrund. Bekannt ist, dass Jäger mit ihrem Mann Thomas Förster, einem Erzieher, drei Kinder hat, einen 25jährigen Sohn und Zwillingsmädchen, die 2004 zur Welt kamen.
Das Älterwerden schenkte ihr eine neue Freiheit. Die Kinder sind aus dem Haus. „Ich kann jetzt nach Lust und Laune arbeiten.“ b. reiter
Es war eine Rückkehr für die deutsche Darstellerin, denn schon vor rund zwölf Jahren hat sie in der Erfolgsserie mitgespielt. Damals als Mutter eines Sohnes, der an Lymphdrüsenkrebs litt.
Eine Frau zu verkörpern, die eine schwere Last zu tragen hat, scheint der sympathischen Schauspielerin auf den Leib geschneidert zu sein. „Das muss so sein, weil das Leben auch traurige Enden hat.“
Schon zu Beginn ihrer Karriere spielte Jäger, die am 28. Jänner 1970 in Angermünde, nordöstlich von Berlin und nur etwa zehn Kilometer von der polnischen Grenze entfernt, zur Welt kam, in „Erster Verlust“ eine verzweifelte Frau.
Sie musste Abschied von ihrem Mann nehmen, der in den Krieg zog. Das war im Jahr 1990, Jäger war gerade 20 Jahre alt und noch Schauspielstudentin, deren Alltag von langen Proben, Gesangs-, Tanz- und Fechtunterricht geprägt war – und von Lehrern, die den Studenten Zeit ließen. „Dafür bin ich dankbar.“
Der renommierte Max-Ophüls-Preis, den sie als beste Nachwuchsdarstellerin mit nach Hause nehmen durfte, war dann der Vorbote einer großen Karriere, die geprägt ist von ernsten Rollen, daran hat sich bis heute nichts geändert. Da ist die Telefonseelsorgerin, die einen Mann beim Sterben begleitet und sich auch noch in ihn verliebt wie im Film „Nacht“, der bald in die Kinos kommt.
Da war die alleinerziehende Mutter im Jahr 1997, die in „Woanders scheint nachts die Sonne“ an AIDS erkrankte. Dazu kamen Krimiserien wie „Polizeiruf 110“ und „Tatort“, die ihr zu einem Gesicht verhalfen, das bald jeder Fernsehzuschauer kannte.
Ihr Name war spätestens dann geläufig, als Julia Jäger im Jahr 2003 die Rolle der Paola Brunetti in den „Donna Leon“-Filmen übernahm und diese bis 2019 mit großer Leidenschaft spielte.
„Ich werde üblicherweise in Reihenformaten eher für das Tragische, Melancholische und Sehnsüchtige besetzt. Aber dann ist mir Frau Brunetti begegnet.“
Damals war sie Anfang 30, hatte alle Romane von Donna Leon verschlungen und sich gedacht: „Was wäre das für eine Rolle, wenn sie jemals verfilmt würde.“
An eine Besetzung glaubte Jäger aber nie. „Ich war viel zu jung für die Rolle.“ Und doch werden manchmal Träume wahr. Aus Julia wurde Paola, die ihrer Karriere eine neue Facette bescherte.
„Möglicherweise hat sie mit ihrem Humor, ihrer Feinsinnigkeit und Wärme den Grundstein dafür gelegt, dass ich neben den weinenden Frauen auch jene mit Spritzigkeit, Leichtigkeit, Herz und Humor darstellen darf.“ Heute, im Alter von 56 Jahren, ist Jäger an dem Punkt angelangt, an dem sie beides miteinander verbinden kann – die Schwere und die Leichtigkeit in Gestalt einer Frau, der das Leben eine Wunde schlug, die aber ebenso mit Witz und Wärme überrascht.
In der Tragikomödie „Heute fängt mein neues Leben an“, die am Freitag (ab 20.15 Uhr, Das Erste) zu sehen ist, verkörpert sie die Kleptomanin Amelie, die nach sieben Monaten aus dem Gefängnis entlassen wird. „Der Film wurde in der Justizvollzugsanstalt Aichach gezeigt und hat dort vielen Frauen Mut gemacht. Mut, zu lernen, auf sich selbst zu vertrauen, sich selbst anzunehmen und vor allen Dingen sich zu verzeihen und damit neu ins Leben zu starten“, erzählt Julia Jäger.
Eineinhalb Jahre ist es jetzt her, seit der Film abgedreht wurde. Wann ihr wieder so eine Rolle angeboten wird, steht in den Sternen. Drehbücher für Frauen jenseits der 50 sind rar.
„Es ist schwieriger geworden, überhaupt an eine Rolle zu kommen“, sagt Jäger, die sich aber nicht über zu wenige Rollenangebote beklagen kann. Sie spielt Theater, vertont Hörspiele und hat mit ihrer Kollegin Annett Renneberg, 48, gemeinsame Projekte angedacht.
Die beiden kennen sich von Dreharbeiten für „In aller Freundschaft“ und den „Donna Leon“-Verfilmungen. Darin hat Renneberg die überaus einfallsreiche wie begabte Sekretärin des Vice Questore verkörpert, die aber dem Commissario Brunetti stets hilfreich zur Seite stand.
Uwe Kockisch, der Commissario, war auch der traurige Anlass ihres bislang letzten Treffens. Die beiden haben Abschied von ihrem Kollegen in Berlin (D) genommen. Jägers langjähriger Film-Ehemann aus den Venedig-Krimis war am 22. Dezember im Alter von 81 Jahren verstorben. „Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der mit der Vergänglichkeit hadert“, sagt Jäger. „Und deshalb bin ich gar nicht gut darauf zu sprechen, dass der Uwe nicht mehr da sein soll. Die Lücke, die Menschen, die mich verlassen haben, hinterlassen, bleibt für immer.“
Für immer bleiben aber auch die schönen Erinnerungen – an Venedig (I) ebenso wie an andere Meilensteine einer einzigartigen Karriere.
Im nächsten Jahr ist es 20 Jahre her, dass „Spielzeugland“, worin Jäger die Hauptrolle spielte, veröffentlicht wurde. Ein denkwürdiges Ereignis, da das 14-minütige Werk mit einem „Oscar“ in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ ausgezeichnet wurde.
Hollywood hat Jäger auch noch in ihren Lebenslauf gepackt. Das war 2009, als Jäger am Samstag nach einem Dreh nach Los Angeles flog, sonntags bei der Verleihung dabei war und am Montag wieder ins Flugzeug zurück nach Deutschland stieg.
„Als hätte ich das alles nur geträumt.“ Die Eindrücke aus dem „Kodak Theatre“ waren freilich nachhaltig. „Ich sah all diese wunderschönen, teuer ausgestatteten Menschen, die da entlangflanierten. Und ich dachte mir, die sehen wirklich aus wie aus dem Hochglanzmagazin. Es war wunderschön“, erinnert sich Jäger, „aber gleichzeitig waren da diese vielen Fotografen. Wenn es Teil dieses Berufes sein soll, ständig unter Beobachtung zu stehen, weiß ich gar nicht, wie das auszuhalten wäre.“
Diese Zurückhaltung ist wohl der Grund, warum die 56jährige, die in der deutschen Hauptstadt lebt, ein stiller „Star“ geblieben ist. Auszeichnungen wie der „Grimme“-Preis sind Zeugen einer Schauspielkunst, die schon in ihren Anfangsjahren sichtbar war.
Doch bereits als junge Schauspielerin lehnte Jäger Einladungen zu Talkshows ab und ist bei der Zusage zu Interviews bis heute selektiv geblieben. „Sagen wir so: Ich weiß, dass ich den Umgang mit öffentlichen Medien nach wie vor üben darf.“
Das Privatleben bleibt im Hintergrund. Bekannt ist, dass Jäger mit ihrem Mann Thomas Förster, einem Erzieher, drei Kinder hat, einen 25jährigen Sohn und Zwillingsmädchen, die 2004 zur Welt kamen.
Das Älterwerden schenkte ihr eine neue Freiheit. Die Kinder sind aus dem Haus. „Ich kann jetzt nach Lust und Laune arbeiten.“ b. reiter








