Stephan Zinner:
„Es gibt eine Sehnsucht nach Halt und Glauben“
„Es gibt eine Sehnsucht nach Halt und Glauben“
Derzeit werden mittwochs ab 20.15 Uhr, ORF2, die Folgen der ersten Staffel von „Himmel, Herrgott, Sakrament“ wiederholt. Eine Erfolgs-Serie rund um einen Pfarrer, gespielt von Stephan Zinner, 52, der seine Liebe zu einer Frau nicht versteckt. Ab 22. Juli ist Zinner in neuen Folgen zu sehen.
Herr Zinner, die erste Staffel der Fernsehserie „Himmel, Herrgott, Sakrament“ erzielte hervorragende Zuschauerquoten. Ist es nicht seltsam, dass kirchliche Themen so gut ankommen, obwohl immer mehr Menschen aus der katholischen Kirche austreten?
Ich glaube, das liegt vor allem an der Figur des Pfarrers Reiser. Der Regisseur Franz Xaver Bogner hat ihn nahbar und menschlich angelegt. Die Zuschauer sehen, es geht auch anders. Zudem wird dieses ernste Thema mit einer gewissen Leichtigkeit und dem nötigen Humor behandelt.
Die Buchvorlage stammt vom Pfarrer Rainer Maria Schießler aus München (D), der das Vorbild der Fernseh-Serie ist. Er führt offen eine Beziehung mit einer Frau und betont, dass uns erst die menschlichen Gelüste lebendig machen.
Wo liegt für Sie die Grenze zwischen
gesundem Genuss und schädlichem Verhalten?
Das richtige Maß ist immer entscheidend. Ich habe gestern selbst etwas zu viel Erdäpfelsalat gegessen (lacht). Ich trinke auch gerne einmal ein Vierterl Wein, aber am nächsten Tag ist das wieder ausgeglichen. Letztendlich ist es das Maßhalten in allen Dingen, das dem Leben guttut und nicht schadet.
Glauben Sie, dass die Abschaffung des Zölibates und die Öffnung kirchlicher Ämter für Frauen die katholische Kirche retten könnte?
Ob es die Kirche retten kann, vermag ich nicht zu sagen – aber schaden würde es auf keinen Fall. Ich glaube vielmehr, dass ein Ankommen in der Gegenwart und ein aufrichtiges Interesse an den Menschen die Kirchenbänke nicht weiter leeren würden.
Die Sehnsucht nach Halt und Glauben ist durchaus vorhanden. Die Kirche tut sich jedoch extrem schwer, dies zu vermitteln, solange sie an alten Strukturen festhält. Ein zeitgemäßer Umgang mit Sexualität und gesellschaftlichen Herausforderungen würde dabei helfen, wieder mehr Akzeptanz zu schaffen.
Derzeit wirkt es oft, als würde man den letzten Dinosauriern dabei zusehen, wie sie durch die Savanne stolpern.
Das ist im Grunde traurig, denn die Grundsätze des Glaubens und der Kirche sind eigentlich großartig. Würden wir wirklich danach leben, wären wir als Gesellschaft schon viel weiter.
Es steckt ein enormes Potenzial darin, den Menschen in
der Gemeinschaft einen Halt zu geben, der durch gemeinsame Energie entsteht. In der jetzigen Verfassung ist das für die Kirche jedoch kaum noch zu vermitteln.
Im Jahr 2018 haben Sie sich als guten Esser, guten Trinker, ordentlichen Gitarristen, soliden Ehemann und leidenschaftlichen Shiva-Tänzer charakterisiert. Welche dieser Eigenschaften treffen heute noch auf Sie zu?
Das kann ich alles genau so unterschreiben – im Grunde ist alles beim Alten geblieben. Den Shiva-Tanz habe ich zwar schon länger nicht mehr praktiziert, aber ich bin überzeugt, dass ich ihn immer noch abrufen könnte. Was den soliden Ehemann betrifft – ich hatte erst gestern Abend wieder ein äußerst schönes Abendessen mit meiner Frau …
Sie sind nicht nur Schauspieler, sondern auch Kabarettist und treten am 23. Juli gemeinsam mit Hannes Ringlstetter und Ihrem neuen Kabarettprogramm „Irgendwas mit Küche“ am Wiener Theater im Park auf. Der Titel klingt ein wenig improvisiert – was verbirgt sich dahinter?
Das Programm ist, ohne zu übertreiben, tatsächlich in der Küche entstanden und bisweilen lassen wir auch Raum für Improvisationen. Im Kern haben wir unsere Lieder und Geschichten rund um das Phänomen „Küche“ erweitert und daraus, glaube ich, ein richtig sauberes Programm zusammengebaut. Ich bin zwar eigentlich kein klassischer Open-Air-Anhänger, aber in der wunderbaren Kulisse des Schwarzenberg Gartens ist es fantastisch zu spielen.
Es heißt, Sie würden die Ruhe des Bayerischen Waldes schätzen, gerne kochen und dazu ein gutes Bierchen genießen. Wie sieht für Sie der perfekte Feierabend abseits des Trubels aus?
Ich trinke auch gerne ein „Weinderl“ – sehr gerne übrigens aus österreichischen Landen. Kulinarisch bin ich rustikal und mit Schinkennudeln vollauf zufrieden, aber es darf natürlich hin und wieder etwas Feineres sein. Ich bin da offen für alles. Genau darum freue ich mich auch immer, über die Grenze zu fahren. Denn eines muss ich neidlos anerkennen – bei der Kulinarik sind Sie in Österreich oft besser als wir.
Zur Person:
Stephan Zinner wurde am 26. Juni 1974 in
Trostberg (D) geboren. Er absolvierte eine Ausbildung
an der Ruth-von-Zerboni-Schauspielschule in München.
Der Kabarettist, Autor und Schauspieler wurde als
„Metzger Simmerl“ in den „Eberhofer“-Krimis – der neue Film „Steckerlfischfiasko“ ist ab 13. August in unseren Kinos zu sehen – sowie durch seine Hauptrolle in der Fernseh-Serie „Himmel, Herrgott, Sakrament“ bekannt. Zudem ist der leidenschaftliche Gitarrist und Hobby-Koch regelmäßig in den „Polizeiruf 110“-Krimis im Einsatz.
Zinner ist aus der Kirche ausgetreten, schätzt jedoch die christlichen Grundwerte. Er lebt mit seiner Frau Kristin, einer Neurochirurgin, und den drei gemeinsamen
Kindern Konrad, 24, Lotte, 19, und Emma, 15, in München.
Ich glaube, das liegt vor allem an der Figur des Pfarrers Reiser. Der Regisseur Franz Xaver Bogner hat ihn nahbar und menschlich angelegt. Die Zuschauer sehen, es geht auch anders. Zudem wird dieses ernste Thema mit einer gewissen Leichtigkeit und dem nötigen Humor behandelt.
Die Buchvorlage stammt vom Pfarrer Rainer Maria Schießler aus München (D), der das Vorbild der Fernseh-Serie ist. Er führt offen eine Beziehung mit einer Frau und betont, dass uns erst die menschlichen Gelüste lebendig machen.
Wo liegt für Sie die Grenze zwischen
gesundem Genuss und schädlichem Verhalten?
Das richtige Maß ist immer entscheidend. Ich habe gestern selbst etwas zu viel Erdäpfelsalat gegessen (lacht). Ich trinke auch gerne einmal ein Vierterl Wein, aber am nächsten Tag ist das wieder ausgeglichen. Letztendlich ist es das Maßhalten in allen Dingen, das dem Leben guttut und nicht schadet.
Glauben Sie, dass die Abschaffung des Zölibates und die Öffnung kirchlicher Ämter für Frauen die katholische Kirche retten könnte?
Ob es die Kirche retten kann, vermag ich nicht zu sagen – aber schaden würde es auf keinen Fall. Ich glaube vielmehr, dass ein Ankommen in der Gegenwart und ein aufrichtiges Interesse an den Menschen die Kirchenbänke nicht weiter leeren würden.
Die Sehnsucht nach Halt und Glauben ist durchaus vorhanden. Die Kirche tut sich jedoch extrem schwer, dies zu vermitteln, solange sie an alten Strukturen festhält. Ein zeitgemäßer Umgang mit Sexualität und gesellschaftlichen Herausforderungen würde dabei helfen, wieder mehr Akzeptanz zu schaffen.
Derzeit wirkt es oft, als würde man den letzten Dinosauriern dabei zusehen, wie sie durch die Savanne stolpern.
Das ist im Grunde traurig, denn die Grundsätze des Glaubens und der Kirche sind eigentlich großartig. Würden wir wirklich danach leben, wären wir als Gesellschaft schon viel weiter.
Es steckt ein enormes Potenzial darin, den Menschen in
der Gemeinschaft einen Halt zu geben, der durch gemeinsame Energie entsteht. In der jetzigen Verfassung ist das für die Kirche jedoch kaum noch zu vermitteln.
Im Jahr 2018 haben Sie sich als guten Esser, guten Trinker, ordentlichen Gitarristen, soliden Ehemann und leidenschaftlichen Shiva-Tänzer charakterisiert. Welche dieser Eigenschaften treffen heute noch auf Sie zu?
Das kann ich alles genau so unterschreiben – im Grunde ist alles beim Alten geblieben. Den Shiva-Tanz habe ich zwar schon länger nicht mehr praktiziert, aber ich bin überzeugt, dass ich ihn immer noch abrufen könnte. Was den soliden Ehemann betrifft – ich hatte erst gestern Abend wieder ein äußerst schönes Abendessen mit meiner Frau …
Sie sind nicht nur Schauspieler, sondern auch Kabarettist und treten am 23. Juli gemeinsam mit Hannes Ringlstetter und Ihrem neuen Kabarettprogramm „Irgendwas mit Küche“ am Wiener Theater im Park auf. Der Titel klingt ein wenig improvisiert – was verbirgt sich dahinter?
Das Programm ist, ohne zu übertreiben, tatsächlich in der Küche entstanden und bisweilen lassen wir auch Raum für Improvisationen. Im Kern haben wir unsere Lieder und Geschichten rund um das Phänomen „Küche“ erweitert und daraus, glaube ich, ein richtig sauberes Programm zusammengebaut. Ich bin zwar eigentlich kein klassischer Open-Air-Anhänger, aber in der wunderbaren Kulisse des Schwarzenberg Gartens ist es fantastisch zu spielen.
Es heißt, Sie würden die Ruhe des Bayerischen Waldes schätzen, gerne kochen und dazu ein gutes Bierchen genießen. Wie sieht für Sie der perfekte Feierabend abseits des Trubels aus?
Ich trinke auch gerne ein „Weinderl“ – sehr gerne übrigens aus österreichischen Landen. Kulinarisch bin ich rustikal und mit Schinkennudeln vollauf zufrieden, aber es darf natürlich hin und wieder etwas Feineres sein. Ich bin da offen für alles. Genau darum freue ich mich auch immer, über die Grenze zu fahren. Denn eines muss ich neidlos anerkennen – bei der Kulinarik sind Sie in Österreich oft besser als wir.
Zur Person:
Stephan Zinner wurde am 26. Juni 1974 in
Trostberg (D) geboren. Er absolvierte eine Ausbildung
an der Ruth-von-Zerboni-Schauspielschule in München.
Der Kabarettist, Autor und Schauspieler wurde als
„Metzger Simmerl“ in den „Eberhofer“-Krimis – der neue Film „Steckerlfischfiasko“ ist ab 13. August in unseren Kinos zu sehen – sowie durch seine Hauptrolle in der Fernseh-Serie „Himmel, Herrgott, Sakrament“ bekannt. Zudem ist der leidenschaftliche Gitarrist und Hobby-Koch regelmäßig in den „Polizeiruf 110“-Krimis im Einsatz.
Zinner ist aus der Kirche ausgetreten, schätzt jedoch die christlichen Grundwerte. Er lebt mit seiner Frau Kristin, einer Neurochirurgin, und den drei gemeinsamen
Kindern Konrad, 24, Lotte, 19, und Emma, 15, in München.








