Wenn 46 Grad
zum Alltag werden
zum Alltag werden
Was uns aufgrund des Klimawandels erwartet, lässt sich an anderen Orten absehen – dauerhaft Werte von 40 bis 50 Grad. Doch die Menschen passen sich der Hitze an.
Bitte braten Sie keine Eier auf unseren Felsen.“ Diese Aufforderung richten die Aufseher im „Death Valley“ (Tal des Todes) an Besucher des Nationalparks. Er liegt im Südosten des US-Staates Kalifornien und grenzt an den Nachbarstaat Nevada. Die berühmte Spielerstadt Las Vegas ist nur rund 50 Kilometer entfernt.
In einem Video im Internet sieht man, wie dort ein Ei mit bloßer Sonnenkraft in einer Pfanne gebraten wird. Viele Touristen ahmen das nach, manche am Asphalt direkt auf Gehwegen, andere nutzten Felsen als „Kochplatte“. Zurück blieben zum Ärger der Ranger Eierkartons, Schalen und halb gestocktes Eigelb und Eiklar. 70 Grad sind nötig, um ein Spiegelei zu braten. Das ist kein Problem in der freien Natur des „Todestales“. In der nahegelegenen Siedlung Furnace Creek, die als einer der heißesten bewohnten Orte der Welt gilt, steigen die Luft-Temperaturen regelmäßig auf 46 Grad.
Doch nicht nur dort kann es viel heißer werden als hierzulande.
Wer in Kuwait Stadt an der Küste des Persischen Golfes zwischen 1. Juni und 31. August nachmittags eine Pizza möchte, hat Pech gehabt. Arbeiten im Freien ist dort zwischen elf und 16 Uhr hitzebedingt verboten. Neben Bauarbeiten betrifft das auch Lieferdienste. Die Behörden verhängen Geldstrafen und auch der Entzug von Arbeitsgenehmigungen droht. Das Thermometer stieg zuletzt auf bis zu 47 Grad.
In Dubai findet das Leben im Sommer fast ausschließlich in gekühlten Hallen statt. Das kleine Emirat nahe der Straße von Hormus ist reich und kann sich das leisten.
„Dubai im Sommer ist längst nicht so schlimm, wie viele glauben“, erklärt Jodi Thompson, eine Immobilienunternehmerin vor Ort.
„Das Leben geht fast ganz normal weiter. Freizeitaktivitäten werden eben in klimatisierte Bereiche verlegt.“ Sogar Schifahren in Einkaufszentren ist dort bei Hitze möglich.
Im Jahr 2024 erreichte die gefühlte Außentemperatur in Dubai 62 Grad und selbst die Nächte brachten kaum Erlösung. Mit 37 Grad waren sie noch so heiß wie die heißesten Tage bei uns. Sogar die Bushaltestellen sind deshalb in Dubai klimatisiert.
In der Hauptstadt Riad, gelegen im Zentrum Saudi Arabiens, tun sich die hitzegeplagten Gläubigen beim Beten schwer. Barfußgehen in den Innenhöfen der Moschee, wie die Muslime es gewöhnt sind, geht nicht, weil sie sich dabei die Füße verbrennen. Deshalb ziehen sie sich für ihre Andacht in die klimatisierten Innenräume der Moscheen zurück.
Zwischen Mai und September klettern die Temperaturen in Riad regelmäßig auf mehr als 40 Grad. Es ist eine trockene Hitze bei nur zehn Prozent Luftfeuchtigkeit. In den Sommermonaten sind aber auch Sandstürme und Temperaturen von mehr als 50 Grad nicht ungewöhnlich.
Doch Muslime bringen im wahrsten Sinn des Wortes Hitzeopfer, um etwa zu ihrer berühmten Pilgerstätte in Mekka zu kommen. Während des Haddschs (Pilgerfahrt) im Jahr 2024 stiegen die Temperaturen auf bis zu 51,8 Grad. Mehr als 1,8 Millionen Menschen waren trotzdem unterwegs, viele zu Fuß, viele alt, viele stundenlang in der Sonne.
Damals starben 1.300 Gläubige. Sonnenschirme, nasse Tücher, behördlich verteilte Wasserflaschen und medizinische Einsatzkräfte konnten daran nichts ändern.
Inzwischen hat die Stadtregierung wenigstens die Schattenflächen um die Moschee ausgebaut.
Doch auch europäische Städte heizen sich zunehmend auf. Klimaexperten erwarten für Sevilla, der Hauptstadt der südspanischen Provinz Andalusien, in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine Häufung von Hitzetagen mit Temperaturen um die 50 Grad.
Deshalb werden schon jetzt riesige Stoffbahnen im Sommer über die Einkaufsstraßen gespannt.
Was zunächst wie ein Festschmuck aussieht, bildet in Wirklichkeit kilometerlange Schattentunnel, weil das Einkaufen sonst unmöglich wäre.
Das reicht freilich längst nicht aus, um die Temperaturen erträglich zu machen. Deshalb hat die Stadtregierung mit einem Planungsteam eine etwa 3.000 Jahre alte persische Technik für sich entdeckt. Dabei wird durch unterirdische Kanäle, sogenannte Qanate, Wasser geleitet.
Es kühlt sich dort nachts auf natürliche Weise ab und wird tagsüber durch Pumpen, die mit Solarstrom betrieben werden, an die Oberfläche geholt. Damit werden Mauern und Plätze gekühlt, das erwärmte Wasser fließt wieder zurück in die Kanäle, wo der Kreislauf von Neuem beginnt.
Mit dieser alten Technik kann die Oberflächentemperatur um bis zu zehn Grad gesenkt werden. Auch sogenannte bioklimatische Parkbänke, die mithilfe des wasserbasierten Systems kühle Luft im Sitzbereich erzeugen, sollen errichtet werden.
„Extreme Hitze ist unsere neue Realität. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren, wir müssen uns anpassen“, erklärt die Forscherin María de la Paz Montero Gutiérrez.
Ein seltsames Kleidungsstück hat die Hitze im technikaffinen Japan hervorgebracht – Kühljacken mit eingebauten, batteriebetriebenen Ventilatoren.
Sie blasen Luft in den Stoff, der sich aufbläht. Außerdem sorgt die elektrische Spielerei dafür, dass Schweiß schneller verdunstet.
In Ländern wie Japan mit eher feuchter Hitze ist das wichtig. „Diese Kleidung entwickelte sich zu einem Teil des Alltages und der Mode“, erklärt Tomoyuki Iwabuchi, der Sprecher der Firma Kuchofuku, die das Konzept bereits im Jahr 2004 auf den Markt gebracht hat.
Pragmatisch reagiert auch die Stadtregierung von Phoenix im US-Bundesstaat Arizona auf die Hitze. Sie bietet mit dem sogenannten „Heat Relief Networks“ (auf Deutsch: Hitzeschutznetzwerk) einen digitalen Stadtplan an, der statt Sehenswürdigkeiten und Restaurants Orte zum Überleben bei Hitze anzeigt.
Dazu gehören unter anderem Kühlzentren, also klimatisierte öffentliche Räume. Mehr als 200 davon öffnen demnach hitzegeplagten Bewohnern und Touristen ihre Türen.
Außerdem zeigt der Plan Trinkwasserstationen und Anlaufstellen für ärztliche Hilfe an.
Die Tageshöchstwerte liegen in Phoenix regelmäßig bei bis zu 41 Grad. Was in dieser Stadt aus Beton und Asphalt gefährlich ist.
Wie viel Hitze ein Mensch aushält, hängt freilich nicht nur von der Temperatur ab. Entscheidend sind Luftfeuchtigkeit, Sonne, Wind, Kleidung, Alter, Gesundheit und Bewegung.
Eine Körperkerntemperatur von 40 Grad gilt als Grenzwert. Dann kann es zu Verwirrtheit, Krämpfen, Bewusstlosigkeit, Organschäden und im schlimmsten Fall sogar zum Tod kommen.
Das scheint die Touristen im „Tal des Todes“ in Kalifornien nicht zu beeindrucken. Sie flüchten nicht vor der Hitze, im Gegenteil, für sie ist sie eine Art Sehenswürdigkeit.
Vor dem mit 41 Metern höchsten Thermometer der Welt, zu bewundern in Baker, steigen sie für Selbstporträts aus ihren gekühlten Autos. Das findet die Stadtverwaltung noch in Ordnung, denn wer dabei umfällt, bekommt rasch Hilfe.
Schwieriger wird das beim Wandern. Die Ranger akzeptieren das nur, wenn die Ausflügler literweise Wasser mit auf den Weg nehmen und wenn sie in einem guten Auto mit funktionierender Klimaanlage und einem Reserverad in die Natur fahren. Denn jede Panne fernab der Zivilisation kann im „Death Valley“ das Leben kosten.
„Viele Menschen müssen erst lernen, dass solch hohe Temperaturen töten können“, meinte Abby Wines, die stellvertretende Leiterin des
„Death Valley National Parks“.
Alexander Höbe
In einem Video im Internet sieht man, wie dort ein Ei mit bloßer Sonnenkraft in einer Pfanne gebraten wird. Viele Touristen ahmen das nach, manche am Asphalt direkt auf Gehwegen, andere nutzten Felsen als „Kochplatte“. Zurück blieben zum Ärger der Ranger Eierkartons, Schalen und halb gestocktes Eigelb und Eiklar. 70 Grad sind nötig, um ein Spiegelei zu braten. Das ist kein Problem in der freien Natur des „Todestales“. In der nahegelegenen Siedlung Furnace Creek, die als einer der heißesten bewohnten Orte der Welt gilt, steigen die Luft-Temperaturen regelmäßig auf 46 Grad.
Doch nicht nur dort kann es viel heißer werden als hierzulande.
Wer in Kuwait Stadt an der Küste des Persischen Golfes zwischen 1. Juni und 31. August nachmittags eine Pizza möchte, hat Pech gehabt. Arbeiten im Freien ist dort zwischen elf und 16 Uhr hitzebedingt verboten. Neben Bauarbeiten betrifft das auch Lieferdienste. Die Behörden verhängen Geldstrafen und auch der Entzug von Arbeitsgenehmigungen droht. Das Thermometer stieg zuletzt auf bis zu 47 Grad.
In Dubai findet das Leben im Sommer fast ausschließlich in gekühlten Hallen statt. Das kleine Emirat nahe der Straße von Hormus ist reich und kann sich das leisten.
„Dubai im Sommer ist längst nicht so schlimm, wie viele glauben“, erklärt Jodi Thompson, eine Immobilienunternehmerin vor Ort.
„Das Leben geht fast ganz normal weiter. Freizeitaktivitäten werden eben in klimatisierte Bereiche verlegt.“ Sogar Schifahren in Einkaufszentren ist dort bei Hitze möglich.
Im Jahr 2024 erreichte die gefühlte Außentemperatur in Dubai 62 Grad und selbst die Nächte brachten kaum Erlösung. Mit 37 Grad waren sie noch so heiß wie die heißesten Tage bei uns. Sogar die Bushaltestellen sind deshalb in Dubai klimatisiert.
In der Hauptstadt Riad, gelegen im Zentrum Saudi Arabiens, tun sich die hitzegeplagten Gläubigen beim Beten schwer. Barfußgehen in den Innenhöfen der Moschee, wie die Muslime es gewöhnt sind, geht nicht, weil sie sich dabei die Füße verbrennen. Deshalb ziehen sie sich für ihre Andacht in die klimatisierten Innenräume der Moscheen zurück.
Zwischen Mai und September klettern die Temperaturen in Riad regelmäßig auf mehr als 40 Grad. Es ist eine trockene Hitze bei nur zehn Prozent Luftfeuchtigkeit. In den Sommermonaten sind aber auch Sandstürme und Temperaturen von mehr als 50 Grad nicht ungewöhnlich.
Doch Muslime bringen im wahrsten Sinn des Wortes Hitzeopfer, um etwa zu ihrer berühmten Pilgerstätte in Mekka zu kommen. Während des Haddschs (Pilgerfahrt) im Jahr 2024 stiegen die Temperaturen auf bis zu 51,8 Grad. Mehr als 1,8 Millionen Menschen waren trotzdem unterwegs, viele zu Fuß, viele alt, viele stundenlang in der Sonne.
Damals starben 1.300 Gläubige. Sonnenschirme, nasse Tücher, behördlich verteilte Wasserflaschen und medizinische Einsatzkräfte konnten daran nichts ändern.
Inzwischen hat die Stadtregierung wenigstens die Schattenflächen um die Moschee ausgebaut.
Doch auch europäische Städte heizen sich zunehmend auf. Klimaexperten erwarten für Sevilla, der Hauptstadt der südspanischen Provinz Andalusien, in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine Häufung von Hitzetagen mit Temperaturen um die 50 Grad.
Deshalb werden schon jetzt riesige Stoffbahnen im Sommer über die Einkaufsstraßen gespannt.
Was zunächst wie ein Festschmuck aussieht, bildet in Wirklichkeit kilometerlange Schattentunnel, weil das Einkaufen sonst unmöglich wäre.
Das reicht freilich längst nicht aus, um die Temperaturen erträglich zu machen. Deshalb hat die Stadtregierung mit einem Planungsteam eine etwa 3.000 Jahre alte persische Technik für sich entdeckt. Dabei wird durch unterirdische Kanäle, sogenannte Qanate, Wasser geleitet.
Es kühlt sich dort nachts auf natürliche Weise ab und wird tagsüber durch Pumpen, die mit Solarstrom betrieben werden, an die Oberfläche geholt. Damit werden Mauern und Plätze gekühlt, das erwärmte Wasser fließt wieder zurück in die Kanäle, wo der Kreislauf von Neuem beginnt.
Mit dieser alten Technik kann die Oberflächentemperatur um bis zu zehn Grad gesenkt werden. Auch sogenannte bioklimatische Parkbänke, die mithilfe des wasserbasierten Systems kühle Luft im Sitzbereich erzeugen, sollen errichtet werden.
„Extreme Hitze ist unsere neue Realität. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren, wir müssen uns anpassen“, erklärt die Forscherin María de la Paz Montero Gutiérrez.
Ein seltsames Kleidungsstück hat die Hitze im technikaffinen Japan hervorgebracht – Kühljacken mit eingebauten, batteriebetriebenen Ventilatoren.
Sie blasen Luft in den Stoff, der sich aufbläht. Außerdem sorgt die elektrische Spielerei dafür, dass Schweiß schneller verdunstet.
In Ländern wie Japan mit eher feuchter Hitze ist das wichtig. „Diese Kleidung entwickelte sich zu einem Teil des Alltages und der Mode“, erklärt Tomoyuki Iwabuchi, der Sprecher der Firma Kuchofuku, die das Konzept bereits im Jahr 2004 auf den Markt gebracht hat.
Pragmatisch reagiert auch die Stadtregierung von Phoenix im US-Bundesstaat Arizona auf die Hitze. Sie bietet mit dem sogenannten „Heat Relief Networks“ (auf Deutsch: Hitzeschutznetzwerk) einen digitalen Stadtplan an, der statt Sehenswürdigkeiten und Restaurants Orte zum Überleben bei Hitze anzeigt.
Dazu gehören unter anderem Kühlzentren, also klimatisierte öffentliche Räume. Mehr als 200 davon öffnen demnach hitzegeplagten Bewohnern und Touristen ihre Türen.
Außerdem zeigt der Plan Trinkwasserstationen und Anlaufstellen für ärztliche Hilfe an.
Die Tageshöchstwerte liegen in Phoenix regelmäßig bei bis zu 41 Grad. Was in dieser Stadt aus Beton und Asphalt gefährlich ist.
Wie viel Hitze ein Mensch aushält, hängt freilich nicht nur von der Temperatur ab. Entscheidend sind Luftfeuchtigkeit, Sonne, Wind, Kleidung, Alter, Gesundheit und Bewegung.
Eine Körperkerntemperatur von 40 Grad gilt als Grenzwert. Dann kann es zu Verwirrtheit, Krämpfen, Bewusstlosigkeit, Organschäden und im schlimmsten Fall sogar zum Tod kommen.
Das scheint die Touristen im „Tal des Todes“ in Kalifornien nicht zu beeindrucken. Sie flüchten nicht vor der Hitze, im Gegenteil, für sie ist sie eine Art Sehenswürdigkeit.
Vor dem mit 41 Metern höchsten Thermometer der Welt, zu bewundern in Baker, steigen sie für Selbstporträts aus ihren gekühlten Autos. Das findet die Stadtverwaltung noch in Ordnung, denn wer dabei umfällt, bekommt rasch Hilfe.
Schwieriger wird das beim Wandern. Die Ranger akzeptieren das nur, wenn die Ausflügler literweise Wasser mit auf den Weg nehmen und wenn sie in einem guten Auto mit funktionierender Klimaanlage und einem Reserverad in die Natur fahren. Denn jede Panne fernab der Zivilisation kann im „Death Valley“ das Leben kosten.
„Viele Menschen müssen erst lernen, dass solch hohe Temperaturen töten können“, meinte Abby Wines, die stellvertretende Leiterin des
„Death Valley National Parks“.
Alexander Höbe








