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Ausgabe Nr. 39/2026 vom 23.09.2026, Fotos: AdobeStock, Reinker
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Prof. Otte ruft zum Bezahlen mit Bargeld auf.
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Rettet unser Bargeld:
Gefahren des digitalen Euro
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Die Pläne für den digitalen Euro werden konkreter. Die Europäische Zentralbank treibt die Einführung voran und bewirbt sie als sichere, staatliche Alternative zu privaten US-Anbietern.
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Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2027 beginnt die Europäische Zentralbank (EZB) mit Sitz in Frankfurt am Main (D) ein zwölfmonatiges Versuchsprojekt mit ausgewählten Banken und Händlern. Wenn die Testphase nach Plan verläuft, soll im Jahr 2029 der digitale Euro flächendeckend eingeführt werden.

Seit diese digitale Währung im Raum steht, werden die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, 70, und der EZB-Rat nicht müde, gebetsmühlenartig ihr Versprechen zu wiederholen: „Der digitale Euro soll unser vertrautes Bargeld nicht ersetzen, sondern lediglich als moderne Möglichkeit ergänzen.“

Dennoch geht es bei dem Projekt um weit mehr als
nur um ein weiteres Bezahl-System. Für Lagarde ist das digitale Zentralbankgeld ein entscheidender Schritt für Europa, sich aus der Abhängigkeit von amerikanischen Finanz-Giganten wie Visa, Mastercard, PayPal oder Apple Pay zu lösen.

„Angesichts der globalen geopolitischen Spannungen gilt eine eigene, krisenfeste europäische Infrastruktur für den Zahlungsverkehr als Baustein digitaler Souveränität.“

Der „digitale Zwilling“ und das „Blackout“

Doch Lagarde muss das Vertrauen skeptischer Bürger gewinnen, die in dem Projekt den ersten Schritt zur Abschaffung des Bargeldes befürchten. Josef Meichenitsch, Direktor der Österreichischen Nationalbank (OeNB), bezeichnet die neue Währung als „digitalen Zwilling“ des Bargeldes. Er verspricht, dass jede Transaktion kostenlos sein werde, keine versteckten Gebühren anfallen und die Privatsphäre – wie beim Bargeld – gewahrt bleibe. Zudem soll der digitale Euro auch ohne Strom funktionieren, also bei einem „Blackout“.

Sicherheitsexperten der Informationstechnologie, also der IT-Branche, verweisen jedoch auf erhebliche praktische Hürden. Selbst wenn das Zahlungssystem an sich offline-fähig sei, brauchen die benötigten Geräte wie Smartphones oder Kartenleser in den Geschäften weiterhin Energie. Bei einem lang anhaltenden Blackout ließen sich elektronische Geräte kaum nachladen. Experten erachten physisches Bargeld daher auch in Zukunft als die wichtigste Rückfallebene für den Notfall.

Das Risiko der zentralen Überwachung

Überdies kritisieren Forscher der Fakultät Informatik der TU Dresden (D), dass Diskussionen zu den Anforderungen des digitalen Euro ausgeblieben sind. „Leider wird die Chance verpasst, echten Datenschutz und digitale Souveränität beim Bezahlen zu erreichen“, sagt Mikolai Gütschow, der zu digitalen Bezahlsystemen forscht.

Der digitale Euro wird aus zwei Varianten bestehen – einer Online- und einer Offline-Form. Die Online-Variante entspricht technisch den Bankkonten. Der Gesetzesentwurf verspricht, keine personenbezogenen Daten offenzulegen. Das bezieht sich aber nur auf den Verzicht der EZB auf den Zugriff von Identifikationsdaten, nicht aber auf die privaten Zahlungsdienstleister, die den digitalen Euro für die Endkunden verwalten sollen.

Die zentrale Datenbank für den digitalen Euro, die unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank stehen soll, wirft datenschutzrechtliche Fragen auf. Laut Gesetzentwurf sollen Kontostände zwar nur pseudonymisiert – also mit Nummern statt Namen – gespeichert werden. IT-Experten warnen jedoch, dass eine Zusammenführung mit anderen Datensätzen leicht möglich sei. Sinnvoller wäre es, sensible Daten nicht zentral zu bündeln.

Ein weiteres Fundamentalrisiko sehen Kritiker in der geplanten Offline-Variante. Lokale Geldwerte lassen sich ohne zentrale Kontrolle prinzipiell kopieren. Der Experte Mikolai Gütschow warnt dabei vor einem unlösbaren Dilemma: Entweder scheitert die Anonymität an der Täterverfolgung, oder der Kopierschutz wird angesichts hoher finanzieller Anreize früher oder später geknackt.

Die anhaltende Treue zum Bargeld

Die Skepsis der Bevölkerung gegenüber der digitalen Währung ist vor diesem Hintergrund verständlich. Für die Mehrheit der Menschen ist Bargeld mehr als nur ein Zahlungsmittel, es ist ein physischer, krisensicherer Anker in Zeiten von Inflation, Geopolitik und Cyberangriffen. Zahlen auf dem Bildschirm vermitteln schlicht weniger Stabilität als der herkömmliche Notgroschen.

Wie tief diese Verbundenheit sitzt, bewies im Jahr 2022 das österreichische Volksbegehren „Für uneingeschränkte Bargeldzahlung“, das von 530.930 Menschen unterstützt wurde. Während die Politik der Forderung nach einem Verfassungsschutz des Bargeldes positiv gegenübersteht, wird sie längst von der Realität eingeholt. Denn eine EU-weite Obergrenze für Barzahlungen tritt bereits Mitte des kommenden Jahres in Kraft.

Kein Verfassungsschutz – Vorbild Schweiz

Von der Initiative bleibt, dass sie deutlich die ungebrochene Liebe zum Bargeld zeigt, demonstriert aber zugleich die engen Grenzen nationaler Selbstbestimmung in einer europäisch regulierten Finanzwelt.

Bis heute gibt es in unserem Land kein in der Verfassung verankertes Gesetz, das Bargeld ausdrücklich schützt oder ein „Recht auf Bargeld“ festschreibt. Parteien wie die FPÖ oder auch Ex-Bundeskanzler Karl Nehammer im Jahr 2023 forderten mehrfach eine Verfassungsabsicherung, die Umsetzung scheiterte jedoch an den notwendigen Mehrheiten.

Anders ist das in der Schweiz. Dort wurde der Erhalt des Bargeldes im März offiziell in der Bundesverfassung verankert. Zwar lehnte die Bevölkerung eine Volksinitiative ab, befürwortete jedoch den Gegenentwurf der Regierung mit deutlichen 73,42 Prozent der Stimmen. Damit wurde ein stabiler rechtlicher Schutz für den Schweizer Franken und das Bargeld geschaffen. wieser


„Der Zug in Richtung eines digitalen Totalitarismus ist im Grunde abgefahren“

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Max Otte.
Der Wirtschaftswissenschaftler und Vermögensberater sieht in der Verdrängung des Bargeldes eine Gefährdung der finanziellen Freiheit und einen Schritt hin zur totalen Überwachung durch Staaten und Banken.

Er steht dafür ein, im Alltag demonstrativ bar zu bezahlen, um den Erhalt von Noten und Münzen aktiv zu verteidigen.

Herr Professor Otte, wird Europa durch den digitalen Euro eigenständiger?

Das ist durchaus denkbar, denn der digitale Euro könnte Europa stärken.
Da der Markt derzeit von amerikanischen und chinesischen Anbietern dominiert wird, liegt es nahe, dass wir in Europa eine eigene Alternative brauchen. Allerdings ist die Gefahr massiv, dass der digitale Euro gegen die eigenen Bürger eingesetzt wird. Denn der gläserne Mensch lässt sich bei keiner digitalen Währung völlig verhindern.

Um dem entgegenzuwirken, sollte ein unbegrenztes Recht auf Bargeldzahlung in der Verfassung verankert werden – gekoppelt mit der Pflicht, Bargeld in unbegrenzter Höhe anzunehmen.

Soll es ein Grundrecht sein, die freie Wahl zwischen
bar und digital zu haben?


Definitiv. Länder wie die Schweiz, wie Slowenien und Ungarn haben das Recht auf Bargeld bereits in ihrer Verfassung verankert.

Auch wenn solche Gesetze den Trend zur Digitalisierung nicht allein umkehren können – da sie immer wieder ausgehebelt oder umgangen werden –, sind sie ein wichtiger erster Schritt.

Dass das Bargeld immer weiter zurückgedrängt wird, ist nicht von der Hand zu weisen. Gibt es überhaupt noch eine Chance auf eine Trendumkehr, oder ist der Abschied vom Bargeld bereits beschlossene Sache?

Dass eine Rückbesinnung möglich ist, zeigt Schweden. Dort hat die Regierung erkannt, dass das Bargeld zur kritischen Infrastruktur gehört – vor allem für den ländlichen Raum.

Größere Banken werden nun wieder gesetzlich verpflichtet, Bargeld anzunehmen und bereitzustellen. Bargeld ist in vielen Bereichen des täglichen Lebens einfach praktischer und krisensicherer. Dennoch hat dies nur eine ergänzende Funktion, das ist klar.
Der weltweite Trend zur Bargeldlosigkeit entwickelt sich ungebremst weiter, der Zug in Richtung eines digitalen
Totalitarismus ist im Grunde abgefahren. Umso wichtiger ist es, dass wir uns im Hier und Jetzt gewisse Bastionen und Rückzugsorte sichern, in denen wir ohne Bargeld
nicht auskommen.

Die EZB bewirbt den digitalen Euro als „digitalen Zwilling“ des Bargeldes – wie sehen Sie das?

Nein, das ist er nicht. Der digitale Euro ist genauso kontrollierbar wie der Bitcoin oder andere elektronische Zahlungsmittel.

Man kann Geld zwar in sogenannte Wallets (digitale Geldbörsen) einzahlen und damit unter Umständen relativ anonym bezahlen. Letztlich lassen sich diese Konten aber auf Knopfdruck sperren oder komplett löschen.

Beim Bezahlen bietet er zwar den Komfort von Bargeld, liefert den Nutzer aber derselben Kontrolle aus wie
jedes andere elektronische Geld.

Was hat der Bürger konkret vom digitalen Euro?

Es ist bequem, früher war das Zücken der Karte und Eintippen des Codes im Supermarkt langsamer und
unpraktischer als das Bezahlen mit Scheinen und Münzen.

Heute geht das kontaktlose Vorbeiziehen der Karte oder des Smartphones deutlich schneller. Die Tücke liegt allerdings im Detail, man kontrolliert seine Ausgaben nicht mehr so genau und verliert leichter den Überblick, vor allem bei kleineren Einkäufen.

Zudem droht älteren Menschen die Diskriminierung.
Schon heute nehmen einige Kommunen in Deutschland in öffentlichen Verkehrsmitteln kein Bargeld mehr an.

Für die ältere Generation ist das eine enorme Hürde.

Die Verantwortlichen betonen, dass der Datenschutz oberste Priorität hat. Sind wir tatsächlich geschützt?

Natürlich nicht. Selbst wenn die Datenschutz-Regeln
am Anfang eingehalten werden sollten, werden
sie mit der Zeit schleichend aufgeweicht.
Auf Dauer schützt uns das sicher nicht.

Wird durch den digitalen Euro weniger Geld gewaschen?

Nein. Geldwäsche und Terrorismus-Finanzierung sind in diesem Zusammenhang reine Propaganda-Argumente.
Die echte, großflächige Geldwäsche passiert etwa im Umfeld internationaler Konflikte wie in der Ukraine und mit großen Waffenlieferungen. Was im privaten Bereich passiert, ist im Vergleich dazu verschwindend gering und geradezu lächerlich.

Die Befürworter des digitalen Euro weisen darauf hin, dass das Geld nicht programmierbar sein wird und der Staat uns somit nicht vorschreiben kann, wofür wir es ausgeben. Beruhigt Sie das?

Keineswegs, denn der aktuelle Gesetzesentwurf deutet auf das genaue Gegenteil hin. Das System ist von Grund auf so konzipiert, dass Überwachung und gezielte Sanktionen technisch möglich sind – der Staat oder die
Europäische Zentralbank kann also sehr wohl ganz genau hinschauen.
Überdies bringt das digitale Projekt das traditionelle Bankenwesen massiv ins Wanken und stößt in der Branche auf großen Widerstand. Während klassische Geschäftsbanken seit der Finanzkrise extrem streng reguliert werden, genießen moderne Zahlungsdienstleister wie PayPal oder Apple Pay noch immer deutlich mehr Freiheiten.
Die Banken verlieren zunehmend ihre Kernfunktionen und müssen sich radikal anpassen, um nicht den Anschluss zu verlieren.


Das ist der digitale Euro

Der digitale Euro ist das digitale Geld der Europäischen Zentralbank (EZB), das ab 2029 die bestehenden Euro-Scheine und Euro-Münzen ergänzen soll.

Im Gegensatz zu den Guthaben auf Girokonten ist der Schuldner hier nicht die Hausbank, sondern direkt die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main (D), was „maximale Sicherheit“ bieten soll, da die Zentralbank das Geld selbst herausgibt und kontrolliert.

Offline-Modus:
Zahlungen sollen auch ohne Internet-Verbindung per Smartphone von Gerät zu Gerät möglich sein.

Kostenlos:
Die Basis-Nutzung für Privatpersonen ist gesetzlich als gebührenfrei verordnet.

Halte-Limits:
Um einen plötzlichen Abfluss von Bankeinlagen („Bank Run“) zu verhindern, wird es eine Obergrenze für den digitalen Euro auf der privaten „Wallet“ (digitale Geldbörse) geben (diskutiert werden etwa 3.000 Euro).

Kein Krypto:
Der digitale Euro ist keine schwankende Krypto-Währung wie beispielsweise Bitcoin, sondern eins zu eins an den physischen Euro gekoppelt.
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