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Ausgabe Nr. 28/2026 vom 08.07.2026, Fotos: Kathrin Egger, zvg, Werner Schuh, NPHT/Kortmann
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Natur als Klassenzimmer.
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Alles rund ums Abenteuer:
Tel: +43 6562 408 49-33 www.hohetauern.at

Karoline Winkler (Mi.) ist als Rangerin mit den Kindern im Sommer unterwegs.
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Die Kinder und Jugendlichen schlafen in Selbstversorgerhütten.
Natur als Klassenzimmer
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Fährten lesen, Bäche erforschen, ein Lagerfeuer machen – in den Ferienlagern des Nationalparks Hohe Tauern tauschen Kinder und Jugendliche das Tablet gegen Taschenmesser.
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Schaut einmal, da bewegt sich was.“ Acht Kinder stehen barfuß in dem Gebirgsbach, vorsichtig wird ein Stein angehoben. Da huscht eine winzige Köcherfliegenlarve durchs Wasser. Sekunden später wollen alle wissen, wie sie heißt, warum sie dort lebt und ob sie beißt.

Für Karoline Winkler sind das die schönsten Momente ihres Berufes. „Kinder können noch unbeschwert staunen. Das fasziniert mich jedes Mal aufs Neue.“

Die 40jährige ist Rangerin im Nationalpark Hohe Tauern, der sich über die Bundesländer Kärnten, Salzburg und Tirol erstreckt. Mit einer Fläche von 1.800 Quadratkilometern ist er der größte Nationalpark Mitteleuropas.

„Wir haben hier eine außergewöhnliche Artenvielfalt.
Bei uns leben Pflanzen und Wildtiere, die aus den Kältesteppen, der Arktis oder Südeuropa stammen“, sagt Winkler ehrfürchtig.

„Rangerin zu sein, ist für mich Beruf und Berufung gleichermaßen. Es ist meine Aufgabe, dieses Ökosystem zu schützen und das Wissen an die nächsten Generationen weiterzugeben.“ Genau hier setzt Winkler an, bei ihr wird der Nationalpark auch in den Ferien zum Klassenzimmer.

Im Forscherklub untersuchen Vier- bis Sechsjährige spielerisch Bartgeier, Forellen oder Gämse. Die älteren Kinder lernen in Tageskursen, wie sie in der Wildnis überleben oder Spuren lesen. Im „Junior Ranger“-Programm dürfen Jugendliche sogar zwei Wochen lang mit den Rangern mitarbeiten.

Statt Schulheften liegen Lupen im Rucksack, statt auf Handys zu wischen, werden Steine umgedreht. „Jede Pflanze, jedes Tier und jeder Baum hat seine Aufgabe. Wenn Kinder das verstehen, gehen sie automatisch achtsamer mit der Natur um“, weiß die gebürtige Kärntnerin.

Das Lernen erfolgt dann nebenbei. „Warum brennt die Brennnessel?“, „Warum riecht diese Blume nach Schokolade?“ und „Können wir Löwenzahn wirklich essen?“ Karoline Winkler liebt diese Fragen.

„Viele haben zuerst Angst vor der Brennnessel“, erzählt sie lachend. „Dann zeige ich ihnen, wo die Brennhaare sitzen und wie wir sie richtig angreifen. Plötzlich trauen sie sich. Oder wir entdecken ein Kohlröschen, das tatsächlich nach Schokolade riecht. Da sind alle völlig begeistert.“

Wie schnell aus Unsicherheit Begeisterung wird, erlebt auch die Rangerin Sophie Mönnekes, 27, immer wieder. Sie betreut seit vier Jahren Wildniscamps mit Hüttenübernachtungen im Nationalpark. „Am Anfang der Woche sind wir eine Gruppe Fremder“, erzählt sie.

„Am Ende sind wir eine Gemeinschaft. Es entstehen Freundschaften, die oft noch lange nach dem Camp bestehen“ (für Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 15 Jahren, max. 20 Teilnehmer, Kosten € 320,– inkl. Übernachtung und Verpflegung).

Luxus gibt es auf den Hütten nicht, ebensowenig wie Handyempfang. „Wir sind auf einer Selbstversorgerhütte. Das heißt, wir kochen gemeinsam und müssen auch selbst wieder aufräumen. Es gibt nur Strom für Licht und wir haben kein warmes Wasser.“

Was zunächst wie Verzicht klingt, wird zum Abenteuer. Tagsüber führen Wanderungen zu Mooren und Bergseen, nachts geht es mit Stirnlampen durch den Wald oder hinaus ans Lagerfeuer. Wenn das Wetter mitspielt, schlafen die Teilnehmer sogar unter freiem Himmel oder in einem selbst aufgebauten Tipi. „Dabei werden sie unglaublich kreativ“, erzählt Mönnekes. „Manche schnitzen sich sogar ihr eigenes Besteck.“

Die Faszination für die Natur ist bei Kindern fast immer da, sagen beide Rangerinnen. Allerdings gäbe es manchmal Unterschiede zwischen Stadt- und Landkindern. „Manche trauen sich am Anfang kaum, in den Matsch zu greifen oder einen Käfer anzufassen“, sagt Winkler. „Aber wenn eines beginnt, machen die anderen mit. Die Neugierde steckt an.“ Was die Rangerinnen allerdings zunehmend beschäftigt, ist etwas anderes. „Viele Kinder sind heute gehschwächer als früher“, sagt Mönnekes. „Wir merken, dass sich Eltern oft nicht mehr die Zeit nehmen, mit ihren Kindern hinauszugehen.“

Für Winkler geht das weit über körperliche Fitness hinaus. „Die Menschen haben keinen Bezug mehr zur Natur.“ Deshalb beginnt Naturschutz für sie damit, „sich einfach in eine Wiese zu setzen und den Vögeln zu lauschen. Welche Gerüche nimmst du wahr? Was fühlst du? Die Natur erdet uns.“

Die Kinder verstehen das ganz selbstverständlich. „Bei uns kommt am Abend kaum ein Kind sauber in die Hütte zurück, dafür aber immer mit leuchtenden Augen.“ Niemand beschwert sich über fehlendes Internet.

„Grillen am Lagerfeuer, das Pfeifen eines Murmeltieres, das bleibt für immer in Erinnerung. Oder die Erkenntnis, dass eine Köcherfliegenlarve mindestens genauso spannend sein kann wie ein Bildschirm“, so Winkler. „Gerade wir Erwachsene können von Kindern unglaublich viel lernen. Wir haben vergessen, neugierig zu bleiben, über kleine Dinge zu staunen oder das Einfache zu schätzen. Zufriedenheit hat nichts mit einem vollen Geldbeutel zu tun.“ Mönnekes pflichtet ihrer Kollegin bei.

„Glück ist manchmal etwas ganz Einfaches. Schmutzige Wanderschuhe, ein Taschenmesser voller Holzspäne oder ein Blick durchs Fernglas.“
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