„Wir reden über das Leben, aber auch über den Tod“
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Gertrude Mayer, Ernestine Lupac und Herta Stifter verbindet eine ehrliche Freundschaft. Dabei haben die drei Damen erst im hohen Alter zueinandergefunden. Sie alle wohnen im „Haus St. Louise“ in Maria Anzbach (NÖ) und verbringen die meiste Zeit gemeinsam. Dass sie noch einmal solche Freundinnen finden würden, damit hätte keine von ihnen gerechnet.
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Lautes Lachen hallt durch die Gänge im „Haus St. Louise“ der „Barmherzige Schwestern“-Einrichtung in Maria Anzbach (NÖ). Herta Stifter, 85, hält sich den Bauch, Gertrude Mayer, 81, schüttelt den Kopf und Ernestine Lupac, 89, wischt sich die Tränen aus den Augen.
Zuvor hat Mayer ihre Freundin ermahnt, „endlich still zu sein. Ich kann nicht schlucken, wenn du redest“.
Lupac nimmt es gelassen. „Sie lacht mich einfach an und ich muss mitlachen, ganz ohne Grund“, sagt Lupac. „Lachen ist unsere Medizin“, pflichtet ihr Stifter bei.
Wer die drei Damen sieht, würde kaum vermuten, dass sie zusammen mehr als 250 Lebensjahre zählen. Oder dass jede von ihnen erst vor wenigen Jahren einen der schwersten Einschnitte ihres Lebens bewältigen musste.
Denn bevor aus ihnen die „Golden Girls“ wurden, mussten sie alle Abschied nehmen: vom eigenen Zuhause, vom Leben, das sie gewohnt waren, und von Menschen, die sie lieben. Und trotzdem sitzen sie heute hier und lachen.
Jeder Tag beginnt mit dem gleichen Morgenritual. Noch bevor das Haus richtig erwacht, treffen sich die drei zum Spaziergang. Langsam gehen sie mit dem Rollator durch den Garten und zum Grab des verstorbenen Hauskaters „Felix“. „Wir besuchen ihn täglich“, erzählt Stifter stolz. Später sitzen sie gemeinsam beim Frühstück. Danach wird gesungen, geturnt, gelesen, gemalt, gebastelt, Film geschaut, Rommé gespielt oder im Garten gearbeitet. Langweilig wird ihnen nie. „Wir haben so viel zu reden“, erzählt Lupac und schmunzelt.
„Wir plaudern über Gott und die Welt – und über Männer“, fügt Stifter hinzu. Alle drei lachen wieder. „Eigentlich bräuchten wir 100 Jahre, damit wir alles schaffen.“
Genau das ist auch ihr gemeinsames Ziel: hundert werden. Dabei hätte Stifter vor wenigen Jahren kaum geglaubt, überhaupt noch einmal selbstständig gehen zu können. Die heute 85jährige erlitt einen schweren Schlaganfall. Sie war lange bewusstlos, erkannte ihre eigenen Kinder nicht mehr.
Im Spital folgte der nächste Schicksalsschlag – ein Sturz, der einen gebrochenen Lendenwirbel nach sich zog. „Da war klar, dass ich nicht mehr nach Hause komme.“ Ein Satz, der ihr bis heute schwerfällt.
Jetzt wohnt sie seit drei Jahren im Haus. Früher arbeitete Herta Stifter als Betreuerin in einem Mutter-Kind-Haus. Für andere da zu sein, das ist ihr immer wichtig gewesen. Noch heute liest sie Mitbewohnern mit Demenz vor, die selbst nicht mehr lesen können. „Solange es mir gut geht, möchte ich anderen helfen.“ Auch Gertrude Mayer kennt den Schmerz des Abschieds. Ihr Mann lebt bereits seit einigen Jahren im Haus, Ende 2025 musste auch sie ihr Zuhause verlassen. Es steht jetzt zum Verkauf. Die beiden sehen sich regelmäßig. Er bewohnt einen anderen Trakt. Erst vor drei Monaten ist Lupac eingezogen. „Nach zwei Monaten habe ich zu ihr gesagt: Wir sind wie Schwestern“, so Mayer. Ihre Freundin nickt. „Die Wege des Herrn sind unergründlich.“
„Manchmal müssen wir einen Menschen gar nicht lange kennen, um auf einer Wellenlänge zu sein“, so Lupac. Stifter erinnert sich dabei an die erste Begegnung mit ihrer Freundin. „Alle Bewohner saßen im Kreis und warteten aufs Turnen. Dann kam Ernestine mit ihrem Rollator herein, schaute in die Runde und sagte etwas so Witziges, dass wir alle lachen mussten. Da wusste ich: Dieser Mensch bringt Freude in mein Leben.“
Der Funke sprang sofort über. Besser kennengelernt haben sie sich später beim Blumenpflanzen. Beim Gedanken daran müssen sie wieder lachen.
Humor ist die gemeinsame Sprache der drei Frauen. „Bei uns rennt der Schmäh“, meint Lupac, die von ihren Freundinnen als „Sonnenschein“ bezeichnet wird. „Erna schafft es einfach immer, uns aufzuheitern“, meint Stifter und drückt die Hand der 89jährigen. Doch ihre Freundschaft besteht nicht nur aus Lachen. Auch die schweren Momente tragen sie gemeinsam. „Wir reden über das Leben, aber auch über den Tod“, meint Lupac. Wenn Mayer, die ebenfalls einen Schlaganfall erlitten hat, nach Worten sucht, nimmt sie ihre Hand. „Schatzi, red langsam, ich hab‘ ja Zeit“, sagt sie dann.
Wenn eine traurig wird, hört die andere zu. Wenn eine Hilfe braucht, ist die andere da. „Freundschaft bedeutet“, sagt Stifter leise, „dass da ein Mensch ist, dem ich vertraue. In guten und in schlechten Zeiten. Das ist kostbar und deshalb schauen wir auch so gut aufeinander.“
Auch ein gemeinsames Lieblingsplatzerl haben die drei. „Die Terrasse im Garten mit Blick über Neulengbach, da sitzen wir abends oft beisammen, genießen den Sonnenuntergang und vergessen die Zeit“, schwärmt Lupac.
Alle drei hatten vor dem Einzug große Angst, Angst vor dem Alleinsein und der Einsamkeit im Alter. „Heute möchte ich gar nicht mehr weg“, so Lupac. Die anderen nicken.
„Hier im Haus wird jeder so akzeptiert, wie er ist. Hier darf ich sein, wie ich bin“, pflichtet Stifter bei und hat dabei Tränen in den Augen. „Dass ich mit über 80 noch einmal solche Freundinnen finden würde, damit hätte ich nicht gerechnet. Das war Schicksal.“ Da lachen sie wieder. Schuh
Zuvor hat Mayer ihre Freundin ermahnt, „endlich still zu sein. Ich kann nicht schlucken, wenn du redest“.
Lupac nimmt es gelassen. „Sie lacht mich einfach an und ich muss mitlachen, ganz ohne Grund“, sagt Lupac. „Lachen ist unsere Medizin“, pflichtet ihr Stifter bei.
Wer die drei Damen sieht, würde kaum vermuten, dass sie zusammen mehr als 250 Lebensjahre zählen. Oder dass jede von ihnen erst vor wenigen Jahren einen der schwersten Einschnitte ihres Lebens bewältigen musste.
Denn bevor aus ihnen die „Golden Girls“ wurden, mussten sie alle Abschied nehmen: vom eigenen Zuhause, vom Leben, das sie gewohnt waren, und von Menschen, die sie lieben. Und trotzdem sitzen sie heute hier und lachen.
Jeder Tag beginnt mit dem gleichen Morgenritual. Noch bevor das Haus richtig erwacht, treffen sich die drei zum Spaziergang. Langsam gehen sie mit dem Rollator durch den Garten und zum Grab des verstorbenen Hauskaters „Felix“. „Wir besuchen ihn täglich“, erzählt Stifter stolz. Später sitzen sie gemeinsam beim Frühstück. Danach wird gesungen, geturnt, gelesen, gemalt, gebastelt, Film geschaut, Rommé gespielt oder im Garten gearbeitet. Langweilig wird ihnen nie. „Wir haben so viel zu reden“, erzählt Lupac und schmunzelt.
„Wir plaudern über Gott und die Welt – und über Männer“, fügt Stifter hinzu. Alle drei lachen wieder. „Eigentlich bräuchten wir 100 Jahre, damit wir alles schaffen.“
Genau das ist auch ihr gemeinsames Ziel: hundert werden. Dabei hätte Stifter vor wenigen Jahren kaum geglaubt, überhaupt noch einmal selbstständig gehen zu können. Die heute 85jährige erlitt einen schweren Schlaganfall. Sie war lange bewusstlos, erkannte ihre eigenen Kinder nicht mehr.
Im Spital folgte der nächste Schicksalsschlag – ein Sturz, der einen gebrochenen Lendenwirbel nach sich zog. „Da war klar, dass ich nicht mehr nach Hause komme.“ Ein Satz, der ihr bis heute schwerfällt.
Jetzt wohnt sie seit drei Jahren im Haus. Früher arbeitete Herta Stifter als Betreuerin in einem Mutter-Kind-Haus. Für andere da zu sein, das ist ihr immer wichtig gewesen. Noch heute liest sie Mitbewohnern mit Demenz vor, die selbst nicht mehr lesen können. „Solange es mir gut geht, möchte ich anderen helfen.“ Auch Gertrude Mayer kennt den Schmerz des Abschieds. Ihr Mann lebt bereits seit einigen Jahren im Haus, Ende 2025 musste auch sie ihr Zuhause verlassen. Es steht jetzt zum Verkauf. Die beiden sehen sich regelmäßig. Er bewohnt einen anderen Trakt. Erst vor drei Monaten ist Lupac eingezogen. „Nach zwei Monaten habe ich zu ihr gesagt: Wir sind wie Schwestern“, so Mayer. Ihre Freundin nickt. „Die Wege des Herrn sind unergründlich.“
„Manchmal müssen wir einen Menschen gar nicht lange kennen, um auf einer Wellenlänge zu sein“, so Lupac. Stifter erinnert sich dabei an die erste Begegnung mit ihrer Freundin. „Alle Bewohner saßen im Kreis und warteten aufs Turnen. Dann kam Ernestine mit ihrem Rollator herein, schaute in die Runde und sagte etwas so Witziges, dass wir alle lachen mussten. Da wusste ich: Dieser Mensch bringt Freude in mein Leben.“
Der Funke sprang sofort über. Besser kennengelernt haben sie sich später beim Blumenpflanzen. Beim Gedanken daran müssen sie wieder lachen.
Humor ist die gemeinsame Sprache der drei Frauen. „Bei uns rennt der Schmäh“, meint Lupac, die von ihren Freundinnen als „Sonnenschein“ bezeichnet wird. „Erna schafft es einfach immer, uns aufzuheitern“, meint Stifter und drückt die Hand der 89jährigen. Doch ihre Freundschaft besteht nicht nur aus Lachen. Auch die schweren Momente tragen sie gemeinsam. „Wir reden über das Leben, aber auch über den Tod“, meint Lupac. Wenn Mayer, die ebenfalls einen Schlaganfall erlitten hat, nach Worten sucht, nimmt sie ihre Hand. „Schatzi, red langsam, ich hab‘ ja Zeit“, sagt sie dann.
Wenn eine traurig wird, hört die andere zu. Wenn eine Hilfe braucht, ist die andere da. „Freundschaft bedeutet“, sagt Stifter leise, „dass da ein Mensch ist, dem ich vertraue. In guten und in schlechten Zeiten. Das ist kostbar und deshalb schauen wir auch so gut aufeinander.“
Auch ein gemeinsames Lieblingsplatzerl haben die drei. „Die Terrasse im Garten mit Blick über Neulengbach, da sitzen wir abends oft beisammen, genießen den Sonnenuntergang und vergessen die Zeit“, schwärmt Lupac.
Alle drei hatten vor dem Einzug große Angst, Angst vor dem Alleinsein und der Einsamkeit im Alter. „Heute möchte ich gar nicht mehr weg“, so Lupac. Die anderen nicken.
„Hier im Haus wird jeder so akzeptiert, wie er ist. Hier darf ich sein, wie ich bin“, pflichtet Stifter bei und hat dabei Tränen in den Augen. „Dass ich mit über 80 noch einmal solche Freundinnen finden würde, damit hätte ich nicht gerechnet. Das war Schicksal.“ Da lachen sie wieder. Schuh
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