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Ausgabe Nr. 28/2026 vom 08.07.2026, Foto: defrancesco_photography/Roland Defrancesco
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Wolfgang Ambros:
„Meine Schmerzen waren höllisch“
Wolfgang Ambros: „Meine Schmerzen waren höllisch“
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Wolfgang Ambros hat den Austropop geprägt wie kaum ein anderer Musiker. Auch in diesem Sommer geht der 74jährige mit seiner Band auf Tour und hat jetzt ein neues Lied veröffentlicht. Trotz vieler persönlicher Rückschläge – oder gerade deswegen.
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Herr Ambros, Sie haben nach 14 Jahren mit „Die Sunnseitn vom Lebn“ wieder ein Lied veröffentlicht, obwohl Sie das eigentlich nicht mehr wollten.
Was hat Sie umgestimmt?


Wir spielen das Lied ja schon seit etwa einem Jahr. Die Idee war, die Menschen mit einem fröhlichen Lied in die Pause zu schicken. Es gibt ja einen Teil, bei dem gepfiffen wird. Das hebt die Laune. Roland Vogel (Anm.: Gitarrist in der Band von Wolfgang Ambros) tritt mit seinem Partner als „Die Wödmasta“ auf und hatte das Lied schon vorher produziert und mit seiner Stimme
aufgenommen. Dann haben sie mich gefragt, ob ich es nicht einsingen möchte.

Und Sie haben gleich „Ja“ gesagt?

Ich dachte mir, na gut, was soll schon sein. Ich brauche die Menschen und ich will, dass alles homogen abläuft. Ich bin ein Homogenist, wenn man so möchte, und will als solcher, dass alles in Ordnung ist und es keine Streitigkeiten gibt. Zuerst dachte ich ja, es wird ein Geschenk für Freunde und Bekannte. Dass es jetzt größer geworden ist, ist eine „coole“ Sache.

„Die Sunnseitn vom Lebn“ ist eine deutsche Version des Klassikers „Always Look On The Bright Sight Of Life“ aus Monty Pythons Film-Komödie „Das Leben des Brian“.
Mögen Sie den britischen Humor?


Ich habe die Briten kennen- und schätzengelernt, als ich mit 17 Jahren nach London gegangen bin. Ich habe dort in meinem Lieblingsberuf als Plattenverkäufer gearbeitet, bis ich Mitte 18 war. Ich hatte mir dort bereits einen Kundenstock aufgebaut. Die Menschen haben geschätzt, dass ich immer wusste, was gut und neu ist. Eric Clapton, Mick Jagger und solche Leute.

Schauen Sie eher auf die Sunn – oder die Schattenseiten des Lebens?

Ich kann mich gar nicht erinnern, dass ich bei Rückschlägen, die ich einstecken musste, jemals auf die Sunnseitn geblickt habe. Eigentlich habe ich mir eher gedacht: Scheiße, das auch noch. Auf welche Seite man schaut, hängt sicher auch davon ab, wieviel schon passiert ist in so einem Leben. Ich hatte in der Vergangenheit einiges wegzustecken. Meine Wirbelsäule musste versteift werden, ich konnte nicht mehr Golf spielen, nicht mehr Rad fahren, gar nichts mehr. Ich verliere bei allem das Gleichgewicht und kann nur noch
meinen Fitnessraum aufsuchen, um nicht alle Muskeln zu verlieren.

Eine Operation sollte eigentlich Heilung bringen. Warum ging es Ihnen nicht besser?

Beim Versteifen wurde ein Wirbel vergessen und ist abgebrochen. Danach bin ich immer nach links gekippt. Die Schmerzen waren so unterträglich, dass es keine „Sunnseitn“ mehr gab. Nach zweieinhalb bis drei Jahren war ich so fertig, dass ich geglaubt habe, ich kann nicht mehr. Ich bin schließlich in Graz noch einmal operiert worden. Auch da waren die Schmerzen nach der OP so stark, dass ich dachte, ich bin in der Hölle. Aber mittlerweile sind sie weg und das wird bis ans Ende meiner Tage hoffentlich so bleiben.

Niemand glaubt, dass er je gebrechlich sein könnte. Wie war das bei Ihnen?

Mit 50 Jahren war ich noch gut beisammen, aber Punkt 60 hat das alles angefangen. Ich wollte Schi fahren und konnte plötzlich keinen Rechtsschwung mehr machen. Mittlerweile kann ich zumindest wieder alleine von A nach B gehen. Mit Hilfe meiner Stöcke schaffe ich das sogar aufrecht.

Haben Sie je daran gedacht, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen?

Es gibt viele Gedanken in so einer Situation, vor allem so lange, bis man damit zurechtkommt. Ich weiß natürlich, dass ich mir nichts zu erhoffen brauche. Es wird nicht mehr besser. Aber das ist mir egal, solange ich meinen Beruf noch ausüben kann.

Sie sind im Video zum neuen Lied mit einem Totenkopf in der Hand zu sehen.
Ist der Tod ein Thema, das Sie beschäftigt?


Na, wer beschäftigt sich nicht damit? Ich habe das schon in jungen Jahren gemacht. Aber bei mir ist dann alles so schön und befriedigend geworden, dass das keine Rolle mehr gespielt hat. Bis zu diesem schrecklichen Erlebnis in Griechenland. Damals ist mir einer ins Boot gefahren, und jemand, der auf meinem Boot war, ist gestorben. Sein Pech war, dass er nicht wie alle anderen aus dem Boot geschleudert wurde. Da habe ich lange darüber nachgedacht. Irgendwann hatte ich das Gefühl, es musste so kommen, weil zu diesem Zeitpunkt einfach alles so gut geklappt hat. Ich hatte zwar am Unfall keine Schuld, die Zeitungen haben aber geschrieben: „Mörder“. Da fragt man sich schon, wie es weitergehen soll. Aber es geht immer weiter.


Zur Person:
Wolfgang Ambros wurde am 19. März 1952 als Sohn einer Lehrerin und eines Volksschuldirektors in Wien geboren. Er wuchs in Wolfsgraben in Niederösterreich auf und besuchte später ein Gymnasium mit Internat in Wien.

Ambros gilt als Pionier des Austropop und feierte
im Jahr 1971 mit dem Hit „Da Hofa“ seinen Durchbruch.
In seiner Karriere entstanden zahlreiche Hits wie
„Schifoan“, „Es lebe der Zentralfriedhof“, „Die Blume
aus dem Gemeindebau“ oder „Zwickt‘s mi“.

Ambros ist seit dem Jahr 2017 in dritter Ehe mit Uta
verheiratet und lebt mit ihr in Waidring in Tirol. Er ist Vater von drei Kindern. Sohn Matthias ist ebenfalls Musiker und spielt in der Band von „Seiler und Speer“.
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