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Ausgabe Nr. 28/2026 vom 08.07.2026, Fotos: APA-Images, Pixabay, Zeppelzauer, Quelle: Eurydice, 2025/26, gerundet
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Elternvertreter Georg Brockmeyer: „Wissensverlust durch lange Ferien.“
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Keine Verkürzung:
Gewerkschafter Paul Kimberger.
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„Sechs Wochen sind genug“
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Neun Wochen Ferien bringen Eltern an ihre Grenzen. Schüler vergessen in der langen Pause viel Gelerntes. Elternvertreter fordern deshalb, die Sommerferien müssen kürzer werden.
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Die nächsten neun Wochen werden hart. Zumindest für die Eltern von jüngeren Schulkindern. Für sie sind die langen Sommerferien ein logistischer Kraftakt. Urlaube werden zeitversetzt genommen, Großeltern und andere Verwandte eingespannt oder Ferienlager gebucht, damit der Nachwuchs betreut ist.

Aber nicht nur deswegen will Georg Brockmeyer eine Verkürzung der Ferienzeit. „Sechs Wochen Sommerferien sind genug“, sagt der Vorsitzende des Landesverbandes der Wiener Pflichtschul-Elternvereine (LEVW). „Es gibt zwei entscheidende Gründe, warum wir dafür sind, die Sommerferien neu zu organisieren. Der wichtigste Grund ist, dass die Bildungsforschung schon vor Jahren herausgefunden hat, dass es einen sogenannten Ferieneffekt gibt.“

Schulkinder haben „bei überlangen Sommerferien einfach Wissensverluste. Beim Beginn des Schuljahres zeigt sich das dann vor allem in Rechtschreibung und Mathematik.“ Studien aus den USA zeigen seit Jahrzehnten die negativen Auswirkungen langer Ferien. Bis zu ein Drittel dessen, was die Schüler im vergangenen Schuljahr gelernt haben, wird vergessen. Eine Studie der Universität Graz bei Zehn- bis Zwölfjährigen bestätigt, dass es bei „Rechtschreibung und dem rechnerischen Denken“ über den Sommer „zu deutlichen Einbußen“ kam. Vor allem, weil diese Fertigkeiten im Alltag seltener angewandt werden. Die Lesefähigkeit stieg hingegen. Insgesamt brauchen die Kinder neun Wochen, um Lernverluste im nächsten Schuljahr wieder wettzumachen.

Zum Wissensschwund in der langen Sommerpause kommt „natürlich die Betreuungsfrage“, erklärt Georg Brockmeyer. Wir haben hierzulande „insgesamt 14 Wochen Schulferien für die Schulkinder, und das müssen Sie als Eltern erst einmal stemmen. Das ist nicht so einfach“, weiß der Vater eines Volksschulkindes.

Mit fünf, höchstens sechs Wochen Urlaubsanspruch wird das schwierig. „Eltern wollen eine wertvolle Betreuung für ihre Kinder haben und sie nicht einfach vor den Computer oder das Smartphone setzen.“ In Wien kosten die „Summer City Camps“ der Stadt 80 Euro pro Woche. Bei privaten Anbietern können ohne Übernachtung schon einmal 400 Euro und mehr fällig werden. Das kann ins Geld gehen.

Zumal nicht nur die Sommerpause überbrückt werden muss. Mit drei Wochen kürzeren Sommerferien hätten Schüler und Lehrer noch immer elf Wochen Erholung pro Jahr. „Es gibt ja Beispiele aus anderen Ländern, wo das funktioniert“, erklärt Georg Brockmeyer, der im „Zivilberuf“ in der Öffentlichkeitsarbeit einer Firma der Stadt Wien arbeitet. Davor war er unter anderem Landesgeschäftsführer der SPÖ Oberösterreich.

„In den Niederlanden, in Dänemark, in Deutschland und in der Schweiz sind sechs Wochen Sommerferien die Regel“, sagt der Elternvertreter. In der Schweiz gibt es sogar einen Kanton, der nur drei Wochen Sommerferien hat. „So weit gehen wir noch nicht einmal. Also insofern
zeigen die Beispiele, dass es auch anders geht.“

Für den obersten Pflichtschullehrer-Gewerkschafter Paul Kimberger ist eine Verkürzung der Sommerferien keine Option. „Abgesehen vom derzeitigen Hitzeproblem in den Klassen sollte sich das Leben unserer Kinder und Jugendlichen doch nicht nur im schulischen Kontext abspielen“, sagt er. „Familie, Freunde, Zeit für Hobbys, Erholung und neue Erfahrungen abseits des Unterrichts sind wichtige Bestandteile einer guten Entwicklung mit Blick auf ein glückliches und selbstbestimmtes Leben.“

Zumal unser Land „im internationalen Ferienvergleich im Mittelfeld“ liege. „Zwar haben einige deutsche Bundesländer kürzere Sommerferien, dafür aber deutlich längere Semester-, Oster- und Pfingstferien.“

Dreißig Grad und mehr zeigten die Thermometer in vielen Klassenzimmern zuletzt an. NEOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr hat eine Hitzefrei-Regelung angekündigt. Dem Vorschlag, die Sommerferien schon früher beginnen zu lassen, ist er nicht abgeneigt. Das müsse allerdings „mit allen Involvierten abgestimmt und koordiniert sein“, damit es umgesetzt werden kann, heißt es im Bildungsministerium. Auch die Tourismuswirtschaft hat wohl ein Wörtchen mitzureden.

Noch ist im Schulzeitgesetz festgelegt, dass die Hauptferien im Burgenland, in Niederösterreich und Wien „an dem Samstag, der frühestens auf den 28. Juni und spätestens auf den 4. Juli fällt“ beginnen. In den anderen Bundesländern dementsprechend eine Woche später. „Natürlich kann man die Sommerferien vorverlegen“, sagt der Lehrergewerkschafter Paul Kimberger. „Was tun wir aber, wenn uns dann Ende August oder Anfang September die nächste Hitzewelle trifft? Verschieben wir die Sommerferien dann wieder nach hinten? Es wird jedenfalls kein Weg daran vorbeiführen, alle unsere Schulen österreichweit möglichst klimafit zu machen.“

Das bedeute „Architektur nach pädagogischen Gesichtspunkten statt Glaspalästen, mehr Begrünung statt Versiegelung, versorgt durch Photovoltaik, gut belüftet und klimatisiert, lern- und gesundheitsfördernd.“ Auch der Wiener Elternvertreter Georg Brockmeyer stimmt dem zu. „Über eine Vorverlegung kann man diskutieren, aber das löst das Kernproblem nicht. Es braucht auf jeden Fall eine Klima-Anpassungsstrategie.“ Doch es könne nicht sein, „dass Hitzewellen als Argument herhalten müssen, um pädagogische Erkenntnisse zu negieren.“

Dass es heiße, „uns ist es egal, ob es einen Ferieneffekt gibt und die Kinder einen Wissensverlust haben. Weil es so heiß ist, müssen wir jetzt neun Wochen Ferien machen. Was passiert dann in anderen Monaten, in denen wir auch schon enorm heiße Tage hatten?“

Der Wiener Pflichtschul-Elternverband schlägt vor, die drei gewonnenen Wochen „für Aktivitäten zu nutzen, für die im normalen Schuljahr nicht viel Zeit ist. Auch weil einfach die Lehrerinnen und Lehrer stark belastet sind.“ Exkursionen, Projekte, Radfahr- oder Schwimmkurse könnten auch standortübergreifend stattfinden, „damit die Kinder eben nicht immer in überhitzten Schulgebäuden drinnen sein müssen.“

Kürzere Ferien würden den Schulalltag „entzerren“, ist Brockmeyer überzeugt. „Natürlich brauchen die Pädagoginnen und Pädagogen genug Vorbereitungszeit, um ihren Unterricht zu machen. Ich denke aber, das ist alles möglich.“ Genauso wie eine andere Organisation der Pflichtpraktika in höheren berufsbildenden Schulen. Eine Wiener Volksschullehrerin gibt den Eltern prinzipiell Recht. „Momentan ist der Zeitdruck während des Schuljahres enorm hoch. Drei Wochen mehr Übungszeit wären für alle Schüler gut.“

Gut 37.000 der 1,1 Millionen Schüler haben im Vorjahr die zweiwöchige Sommerschule besucht. Ab heuer ist sie für Schüler mit schlechten Deutschkenntnissen verpflichtend. Eine Verkürzung der Sommerferien ist im NEOS-Bildungsressort jedoch kein Thema. „Das steht für uns derzeit nicht zur Debatte und ist auch im Regierungsprogramm nicht vorgesehen.“
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