Anmelden
Abonnieren
Ausgabe Nr. 27/2026 vom 01.07.2026, Fotos: APA-Images
Artikel-Bild
Sigourney Weaver.
Artikel-Bild
Weaver mit Ehemann Jim Simpson und
der gemeinsamen Tochter Charlotte.
Artikel-Bild
Als Leutnant Ellen Ripley in „Alien“.
Artikel-Bild
In James Camerons „Avatar“.
Artikel-Bild
Sam Worthington, Michelle Rodriguez (hinten),
Sigourney Weaver und Joel Moore in „Avatar“.
Sigourney Weaver:
Zum Küssen zu groß
Jetzt neu: Hier klicken
und Artikel an Freunde verschenken.
Sigourney Weaver ist eine großartige Schauspielerin, groß im Geschäft und groß an Wuchs. Das bereitete Filmpartnern zuweilen Probleme. Die mussten auf Hilfsmittel zurückgreifen …
Auf Play drücken
um Artikel vorlesen
zu lassen.
Sie war vor fast fünf Jahrzehnten die erste Film-Heldin, die in „Alien“ mit außerirdischen Wesen gekämpft hat. Und sie gehört heute mit der Filmreihe „Avatar“ noch immer zu jenen Darstellerinnen, die fremde Arten und Welten für Zuschauer in packende Szenen verwandelt. Im Kino ebenso wie in den Internet-Kanälen.

Freilich hat sich die amerikanische Darstellerin Sigourney Weaver in all den Jahren ebenso erfolgreich in anderen Bereichen der Filmwelt bewiesen, in Komödien wie in Dramen. Nicht umsonst war sie drei Mal für die höchste Auszeichnung, den „Oscar“, nominiert, überreicht hat sie ihn noch nie bekommen. Die Wertschätzung des Publikums ist der am 8. Oktober 1949 in New York geborenen Darstellerin hingegen gewiss.

Obwohl ihre Eltern, eine englische Schauspielerin und ein amerikanischer Fernseh-Direktor, strikt gegen ihre Berufswahl waren. Kein Wunder, die Tochter hat nicht den Eindruck erweckt, sie könne später einmal in diesem Haifischbecken bestehen. „Ich war miserabel, schüchtern, unbeholfen und umständlich. Manchmal habe ich mich wie eine einsame, gigantische Spinne gefühlt“, erinnert sich die Hollywood-Darstellerin, die ihren Seelenzustand auf ihre ungewöhnliche Größe, heute misst sie 182 Zentimeter, zurückführt.

Das Mädchen Susan Alexandra Weaver, genannt „Susie“, verbrachte ihre ersten Lebensjahre zusammen mit ihrem älteren Bruder Trajan, er starb im Vorjahr, in einem feinen Stadtteil von New York und hat eine Elite-Schule im Nachbarstaat Connecticut besucht. Und sie hat vieles von dem nachgeplappert, was sie gehört oder gelesen hat. Als sie im Alter von 14 Jahren eines Tages in den Schulferien nach Hause kam, brachte sie eine Überraschung mit.

„Ich heiße nicht mehr Susie“, eröffnete sie ihren Eltern. „Ich bin jetzt Sigourney. Es war der Augenblick, in dem ich rebellierte, in dem mein Leben richtig begann“, meint Weaver heute. Den Namen Sigourney hat sie aus F. Scott Fitzgeralds Roman „Der große Gatsby“ übernommen. Um Vater und Mutter zu beweisen, dass sie eine gute Darstellerin werden könne, zitierte sie lange Passagen aus dem berühmten Buch – und durfte Schauspiel studieren. Zumal sich ihre Selbstzweifel nach der Namensänderung gelegt hatten. Deshalb überstand sie die ersten Jahre ihrer beruflichen Laufbahn unbeschadet. Es war eine glücklose Zeit auf verschiedenen Bühnen Amerikas. Erst als Weaver 26 Jahre alt war, gab ihr Woody Allen eine winzige Rolle im Film „Der Stadtneurotiker“.

Ihre Auftritte dauerten nur wenige Sekunden, doch sie ermöglichten Weaver den Aufstieg zu einer der größten weiblichen Darstellerinnen der Traumfabrik. Allerdings hat ihr hoher Wuchs vor der Kamera immer wieder zusätzliche Bemühungen erfordert. So mussten Kollegen zuweilen bei Kuss-Szenen auf einen Schemel steigen, um den Größenunterschied auszugleichen.

Was der Filmemacher Ridley Scott an Weavers Auftritt in der „Stadtneurotiker“-Komödie gesehen hat, veranlasste ihn, der hochgewachsenen Künstlerin 1979 die Rolle des Leutnants Ellen Ripley im Science-Fiction-Klassiker „Alien“ anzuvertrauen. Es wurde der finanziell erfolgreichste Film jener Jahre. „Von da an konnte ich mich kaum noch der eintreffenden Angebote erwehren“, erinnert sich die 76jährige.

Begeistert nahm sie 2009 das Angebot James Camerons an, die Hauptrolle in „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ zu übernehmen. Mit dem revolutionären Regisseur hatte Weaver bereits andere Filme gedreht. Im Jahr 2022 folgte die Fortsetzung „Avatar – The Way of Water“. Weavers Weltraum-Filme stellten schwere körperliche Herausforderungen an die Schauspielerin. Nun zahlte es sich aus, dass sie nie ihr tägliches, hartes Training aufgegeben hat. In ihrer großen Wohnung in New York gibt es ein Sport-Studio, das sie regelmäßig nutzt. In Neuseeland, wo Teile der Filme gedreht wurden, übte Weaver unter der Aufsicht eines früheren Angehörigen der amerikanischen Spezialtruppe Navy Seals sechs Monate lang ungewöhnliche Bewegungen, harte Griffe und das Sprechen unter Wasser. Ihr Mann Jim Simpson, 70, mit 187 Zentimetern ebenfalls ein Hüne, hat mit ihr trainiert und stolz verkündet: „Es ist uns gelungen, die Luft unter Wasser sechseinhalb Minuten anzuhalten.“ Seine Frau hielt fest, dass ihr seine Anwesenheit gutgetan habe.

„Er ist die am wenigsten gestresste Person, die ich kenne. Während er als früherer Surfer über psychologische Wellen hinwegreitet, bleibe ich oft in ihnen stecken.“ Die Schauspielerin und der Theater-Direktor aus Hawaii haben im Jahr 1984 geheiratet und führen eine glückliche und skandalfreie Ehe. Ihre 1990 geborene Tochter Charlotte Simpson, genannt „Shar“, ist Professorin für Digitale Literatur an der New Yorker Columbia-Universität. Vom glamourösen und wilden Leben Hollywoods hat sich die Familie möglichst ferngehalten. „Jedes Mal, wenn ich nach Los Angeles fliegen musste, um mich mit Studio-Bossen zu treffen, habe ich mich unwohl gefühlt“, gibt Weaver zu. „Immer habe ich
dort unglaublichen Sexismus gespürt, ebenso den Ärger der Mächtigen darüber, dass sie mich anhören mussten, weil ich ebenso über Macht verfügt habe und deshalb meine Bedingungen formulieren konnte.“

Ihr Mann und ihre Tochter haben akzeptiert, dass sie selbst mit Mitte siebzig noch ihrem Drang folgt, in Kinos rund um den Globus und auf Abermillionen Bildschirmen spannende Geschichten zu erzählen. Derzeit ist Weaver in „Star Wars: The Mandalorian and Grogu“ in unseren Kinos zu sehen.

„Dass mir die beiden Rückhalt geben, dafür bin ich ihnen dankbar“, sagt die Schauspielerin, fügt jedoch mit leisem Schmerz in der Stimme hinzu:

„Es ist jedes Mal schwer, sie zu verlassen. Ich habe sogar aufgrund meiner Schuldgefühle viele Stunden beim Psychiater verbracht.“
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung