Ausgabe Nr. 27/2026 vom 01.07.2026, Fotos: zvg, instagram, Helge Bauer, Arnold Poeschl
Streit ums „Negerbrot“
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Ein Klagenfurter Traditionsgeschäft verkauft eine Nussschokolade unter der Bezeichnung „Negerbrot“. Der Stadttheater-Intendant Aron Stiehl hält den Namen für rassistisch und fordert eine Umbenennung. Nun droht ein Rechtsstreit.
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Wer in Klagenfurt durch die Innenstadt geht, kennt das Traditionshaus Zehrer. Ein Geschäft, in dem Stammkunden seit Jahrzehnten einkaufen, in dem Süßes, Erinnerungen und alte Gewohnheiten eng zusammenliegen.
Auch der Stadttheater-Intendant Aron Stiehl ging dort lange gerne hin. Der Zehrer sei für ihn ein „netter Tante-Emma-Laden“ und eines seiner Lieblingsgeschäfte in Klagenfurt gewesen, sagt er. Das dürfte nun vorbei sein. Denn Stiehl wurde auf den Online-Laden von Zehrer aufmerksam, wo eine Erdnussschokolade unter der Bezeichnung „Negerbrot“ verkauft wird, 100 Gramm kosten 4,98 Euro.
Die Süßware wird auch im Geschäft angeboten, versehen mit einem Infoblatt, worauf klargestellt wird, dass es sich um „eine reine Sachbezeichnung einer Süßwarenspezialität“ handle und nicht um eine abwertend gemeinte Bezeichnung von „Personen mit dunkler Hautfarbe“.
Gekauft werde sie, „weil Menschen diese Spezialität aus ihrer Jugend kennen und weil sich die Menschen freuen, dass es diese Schokolade noch gibt“, erklärt Dr. Peter Nimmervoll, der Geschäftsführer des Traditionshauses.
„Als ich vor mehr als 50 Jahren in die Firma meiner Eltern eingetreten bin, hat es
die Erdnussschokolade unter dieser Bezeichnung schon gegeben.“
Für Aron Stiehl geht es aber nicht um eine harmlose Süßware, sondern um einen Begriff, der Menschen verletzt. „Weil ich das Geschäft früher gerne besucht habe, bin ich zunächst persönlich hingegangen, um mit Herrn Nimmervoll zu sprechen. Doch die Situation ist rasch eskaliert“, sagt Stiehl. Ihn beschäftige die Wirkung des Wortes. Im Stadttheater sei darüber gesprochen worden, auch mit Künstlerinnen und Künstlern. „Schwarze Sänger fühlen sich durch die Bezeichnung herabgewürdigt.“
Für Stiehl ist das entscheidend: „Was ist so schwer daran, die Schokolade anders zu benennen?“ Dass sich das Unternehmen auf Tradition beruft, lässt Stiehl nicht gelten. „Da denkt er zu kurz“, sagt er über Nimmervoll.
Sprache verändere sich, ist Stiehl überzeugt und Menschen müssten bereit sein, dazuzulernen.
Für den Intendanten ist die Debatte auch eine Frage von Verantwortung. „Wer ein Geschäft führt, muss bedenken, was Begriffe bei anderen auslösen können.“
Er vergleicht es mit einer persönlichen Grenzüberschreitung. „Wenn jemand einen anderen mit einem abwertenden Ausdruck anspricht und behauptet, es sei nicht so gemeint, ändert das nichts daran, dass es verletzen kann. Es geht um Respekt.“
Da Nimmervoll seine „Negerbrot“-Schokolade nach der ersten Beschwerde Stiehls nicht umbenennen wollte, folgte ein E-Mail-Austausch, der rasch an Schärfe gewann. Stiehl kritisierte nicht nur die Produktbezeichnung, sondern auch Nimmervolls Festhalten daran. Nimmervoll wiederum empfand mehrere Formulierungen als persönliche Herabwürdigung. Schließlich forderte Nimmervoll den Intendanten über seinen Anwalt zur Abgabe einer Unterlassungserklärung auf.
„Wir wollen Herrn Stiehl nicht verklagen, weil er eine andere Meinung zum Begriff Negerbrot-Schokolade hat als wir“, sagt Nimmervoll. Vielmehr gehe es ihm um die Form des Austausches.
Stiehl habe ihn in E-Mails unter anderem rassistischer Handlungen bezichtigt. Auch Formulierungen wie „Ewiggestriger“, „eigentlich widerlich“ und „Menschen wie Sie, ohne Anstand und Kultur“, stören ihn.
Bestärkt sieht sich der Zehrer-Chef durch Kunden, die ihren Unmut darüber äußern würden, „dass einige Personen glauben, anderen vorschreiben zu können, was sie sagen dürfen und was nicht“. Diese Stimmung ist sogar auf der Straße festzustellen. „Ich gehe seit vielen Jahren gerne zum Zehrer einkaufen“, meint Hermine Karner, 74. „Den Begriff ,Negerbrot‘ gibt es schon ewig. Ich habe mir dabei nie etwas Böses gedacht. Für mich ist diese Schokolade eine Erinnerung an früher.“ Bei den Jüngeren hingegen stößt die alte Bezeichnung auf Unverständnis. „Wer stur an rassistischen Begriffen festhält, zeigt doch nur, dass ihm die eigenen nostalgischen Gefühle wichtiger sind als der Respekt vor seinen Mitmenschen. Ein neuer Name nimmt der Schokolade nicht den Geschmack – aber er nimmt dem Laden den rassistischen Beigeschmack“, ist sich Lukas Moser, 26, sicher.
Dass Nimmervoll den Namen partout nicht ändern will, empfindet Intendant Stiehl als Trotz. Es gehe nicht darum, jemandem Sprache zu verbieten, „sondern um Rücksicht auf Menschen, die von solchen Begriffen betroffen sind. Ich selbst habe Begriffe verwendet, die ich heute nicht mehr verwende. Es fiel mir jedenfalls nicht schwer, umzulernen.“
In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Streitereien über Wörter, die dem heutigen Sprachgebrauch nicht mehr zuträglich seien. Statt Indianer wird meist Indigene gesagt und Neger ohnedies als Menschen mit schwarzer Hautfarbe oder Afrikaner bezeichnet. Aus den Supermarktregalen verschwand die Knab-
berei Zigeunerräder, heute gibt es Feuerräder.
Dass so ein Namensstreit gewaltbereite „Gutmenschen“ anzieht, war zu befürchten. Vorige Woche beschmierten Aktivisten des „Widerstandskollektivs Klagenfurt/Celovec“ die Schaufenster von Zehrer mit pinker, abwaschbarer Kreidefarbe und brachten Protestplakate an. Darauf war unter anderem zu lesen: „Habt ihr den Schuss nicht gehört?!“ In einer Stellungnahme erklärte das Kollektiv: „Unsere Botschaft ist klar: Rassismus hat keinen Platz in Klagenfurt.“ Nimmervoll erstattete Anzeige. „Wir lassen uns doch nicht erpressen“, erklärt der Geschäftsführer.
Seinen angekündigten rechtlichen Schritten Stiehl gegenüber, sieht der Intendant gelassen entgegen.
„Die geltend gemachten Anwalts
kosten von 800 Euro für
die Unterlassungserklärung zahle ich nicht, auch unterschreibe ich nichts“, sagt er.
Für den Fall eines Verstoßes gegen die Unterlassungserklärung stehen 5.000 Euro Vertragsstrafe im Raum.
Eine mögliche Klage schreckt Stiehl ebenfalls nicht. Aus seiner Sicht habe er zulässige Kritik an einem rassistisch belasteten Begriff geübt.
Zugleich berichtet der Intendant, die Debatte habe inzwischen eine Schärfe bekommen, die ihn traurig mache. „Neben Zustimmung bekommen wir im Stadttheater auch Drohanrufe und Hass-E-Mails.“
Dennoch bleibe er dabei: Solche Begriffe dürften nicht einfach als
Tradition verteidigt werden. morri
Auch der Stadttheater-Intendant Aron Stiehl ging dort lange gerne hin. Der Zehrer sei für ihn ein „netter Tante-Emma-Laden“ und eines seiner Lieblingsgeschäfte in Klagenfurt gewesen, sagt er. Das dürfte nun vorbei sein. Denn Stiehl wurde auf den Online-Laden von Zehrer aufmerksam, wo eine Erdnussschokolade unter der Bezeichnung „Negerbrot“ verkauft wird, 100 Gramm kosten 4,98 Euro.
Die Süßware wird auch im Geschäft angeboten, versehen mit einem Infoblatt, worauf klargestellt wird, dass es sich um „eine reine Sachbezeichnung einer Süßwarenspezialität“ handle und nicht um eine abwertend gemeinte Bezeichnung von „Personen mit dunkler Hautfarbe“.
Gekauft werde sie, „weil Menschen diese Spezialität aus ihrer Jugend kennen und weil sich die Menschen freuen, dass es diese Schokolade noch gibt“, erklärt Dr. Peter Nimmervoll, der Geschäftsführer des Traditionshauses.
„Als ich vor mehr als 50 Jahren in die Firma meiner Eltern eingetreten bin, hat es
die Erdnussschokolade unter dieser Bezeichnung schon gegeben.“
Für Aron Stiehl geht es aber nicht um eine harmlose Süßware, sondern um einen Begriff, der Menschen verletzt. „Weil ich das Geschäft früher gerne besucht habe, bin ich zunächst persönlich hingegangen, um mit Herrn Nimmervoll zu sprechen. Doch die Situation ist rasch eskaliert“, sagt Stiehl. Ihn beschäftige die Wirkung des Wortes. Im Stadttheater sei darüber gesprochen worden, auch mit Künstlerinnen und Künstlern. „Schwarze Sänger fühlen sich durch die Bezeichnung herabgewürdigt.“
Für Stiehl ist das entscheidend: „Was ist so schwer daran, die Schokolade anders zu benennen?“ Dass sich das Unternehmen auf Tradition beruft, lässt Stiehl nicht gelten. „Da denkt er zu kurz“, sagt er über Nimmervoll.
Sprache verändere sich, ist Stiehl überzeugt und Menschen müssten bereit sein, dazuzulernen.
Für den Intendanten ist die Debatte auch eine Frage von Verantwortung. „Wer ein Geschäft führt, muss bedenken, was Begriffe bei anderen auslösen können.“
Er vergleicht es mit einer persönlichen Grenzüberschreitung. „Wenn jemand einen anderen mit einem abwertenden Ausdruck anspricht und behauptet, es sei nicht so gemeint, ändert das nichts daran, dass es verletzen kann. Es geht um Respekt.“
Da Nimmervoll seine „Negerbrot“-Schokolade nach der ersten Beschwerde Stiehls nicht umbenennen wollte, folgte ein E-Mail-Austausch, der rasch an Schärfe gewann. Stiehl kritisierte nicht nur die Produktbezeichnung, sondern auch Nimmervolls Festhalten daran. Nimmervoll wiederum empfand mehrere Formulierungen als persönliche Herabwürdigung. Schließlich forderte Nimmervoll den Intendanten über seinen Anwalt zur Abgabe einer Unterlassungserklärung auf.
„Wir wollen Herrn Stiehl nicht verklagen, weil er eine andere Meinung zum Begriff Negerbrot-Schokolade hat als wir“, sagt Nimmervoll. Vielmehr gehe es ihm um die Form des Austausches.
Stiehl habe ihn in E-Mails unter anderem rassistischer Handlungen bezichtigt. Auch Formulierungen wie „Ewiggestriger“, „eigentlich widerlich“ und „Menschen wie Sie, ohne Anstand und Kultur“, stören ihn.
Bestärkt sieht sich der Zehrer-Chef durch Kunden, die ihren Unmut darüber äußern würden, „dass einige Personen glauben, anderen vorschreiben zu können, was sie sagen dürfen und was nicht“. Diese Stimmung ist sogar auf der Straße festzustellen. „Ich gehe seit vielen Jahren gerne zum Zehrer einkaufen“, meint Hermine Karner, 74. „Den Begriff ,Negerbrot‘ gibt es schon ewig. Ich habe mir dabei nie etwas Böses gedacht. Für mich ist diese Schokolade eine Erinnerung an früher.“ Bei den Jüngeren hingegen stößt die alte Bezeichnung auf Unverständnis. „Wer stur an rassistischen Begriffen festhält, zeigt doch nur, dass ihm die eigenen nostalgischen Gefühle wichtiger sind als der Respekt vor seinen Mitmenschen. Ein neuer Name nimmt der Schokolade nicht den Geschmack – aber er nimmt dem Laden den rassistischen Beigeschmack“, ist sich Lukas Moser, 26, sicher.
Dass Nimmervoll den Namen partout nicht ändern will, empfindet Intendant Stiehl als Trotz. Es gehe nicht darum, jemandem Sprache zu verbieten, „sondern um Rücksicht auf Menschen, die von solchen Begriffen betroffen sind. Ich selbst habe Begriffe verwendet, die ich heute nicht mehr verwende. Es fiel mir jedenfalls nicht schwer, umzulernen.“
In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Streitereien über Wörter, die dem heutigen Sprachgebrauch nicht mehr zuträglich seien. Statt Indianer wird meist Indigene gesagt und Neger ohnedies als Menschen mit schwarzer Hautfarbe oder Afrikaner bezeichnet. Aus den Supermarktregalen verschwand die Knab-
berei Zigeunerräder, heute gibt es Feuerräder.
Dass so ein Namensstreit gewaltbereite „Gutmenschen“ anzieht, war zu befürchten. Vorige Woche beschmierten Aktivisten des „Widerstandskollektivs Klagenfurt/Celovec“ die Schaufenster von Zehrer mit pinker, abwaschbarer Kreidefarbe und brachten Protestplakate an. Darauf war unter anderem zu lesen: „Habt ihr den Schuss nicht gehört?!“ In einer Stellungnahme erklärte das Kollektiv: „Unsere Botschaft ist klar: Rassismus hat keinen Platz in Klagenfurt.“ Nimmervoll erstattete Anzeige. „Wir lassen uns doch nicht erpressen“, erklärt der Geschäftsführer.
Seinen angekündigten rechtlichen Schritten Stiehl gegenüber, sieht der Intendant gelassen entgegen.
„Die geltend gemachten Anwalts
kosten von 800 Euro für
die Unterlassungserklärung zahle ich nicht, auch unterschreibe ich nichts“, sagt er.
Für den Fall eines Verstoßes gegen die Unterlassungserklärung stehen 5.000 Euro Vertragsstrafe im Raum.
Eine mögliche Klage schreckt Stiehl ebenfalls nicht. Aus seiner Sicht habe er zulässige Kritik an einem rassistisch belasteten Begriff geübt.
Zugleich berichtet der Intendant, die Debatte habe inzwischen eine Schärfe bekommen, die ihn traurig mache. „Neben Zustimmung bekommen wir im Stadttheater auch Drohanrufe und Hass-E-Mails.“
Dennoch bleibe er dabei: Solche Begriffe dürften nicht einfach als
Tradition verteidigt werden. morri
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