Nach gefährlichen Gehirnblutungen:
„Von einer Sekunde auf die andere war alles anders“
„Von einer Sekunde auf die andere war alles anders“
Jetzt neu: Hier klicken
und Artikel an Freunde verschenken.
und Artikel an Freunde verschenken.
Karin Mayr aus Vestenthal (NÖ) wurde vom Leben bereits zwei Mal hart auf die Probe gestellt. Nach zwei Gehirnblutungen im Jahr 2015 und 2022 muss sie mit körperlichen Einschränkungen leben. Heute teilt sie ihre Erfahrungen mit Betroffenen. Sie will Menschen, die auch mit Schicksalsschlägen und Lebenskrisen zu kämpfen haben, Mut machen.
Auf Play drücken
um Artikel vorlesen
zu lassen.
um Artikel vorlesen
zu lassen.
Der Teich im Garten der Familie in Vestenthal (NÖ) ist still an diesem Nachmittag. Nur das leise Plätschern des Wassers ist zu hören. Karin Mayr sitzt auf dem Steg und blickt auf die Wasserfläche. Manchmal beobachtet sie die Wolken, die sich darin spiegeln. Oder schließt einfach die Augen. Neben ihr liegt ihre Hündin „Maya“.
„Hier tanke ich Energie“, sagt die 64jährige. Wer sie heute so sitzen sieht, ruhig, warmherzig und mit einem offenen Lächeln, ahnt kaum, wie oft ihr Leben aus den Fugen geraten ist.
Zwei Mal stand Karin Mayr an einem Punkt, an dem nichts mehr selbstverständlich war. Zweimal wurde sie vom Leben regelrecht ausgeknockt. Und zweimal kämpfte sie sich zurück.
Die gebürtige Oberösterreicherin bekam mit ihrem Mann Richard, 62, drei Kinder und widmete sich lange ganz ihrer Familie. Später begann sie eine Ausbildung zur Kinesiologin und arbeitete als Horthelferin. Dort war sie Zuhörerin, Seelentrösterin, Anlaufstelle für Sorgen und kleine Nöte. „Ich habe mich gut aufgehoben gefühlt“, erinnert sie sich.
Dann kam der 26. März 2015, ein Tag, der wie jeder
andere verlief. „Doch am Abend, ich wollte gerade ins Bett gehen, habe ich mich unwohl gefühlt. Ich wusste sofort, da stimmt etwas nicht.“
Sie kippte im Bett auf die linke Seite und schaffte es gerade noch, ihren Mann anzurufen, der Schichtdienst hatte. Wenig später traf die Rettung ein. Ab da wurde
„alles schwarz“. Bis heute fehlen Mayr die Erinnerungen an diesen Abend und den darauffolgenden Tag.
Im Spital wurde mittels Schädel-CT eine Gehirnblutung diagnostiziert. „Von einer Sekunde auf die andere war alles anders. Es gab keine gesundheitlichen Anzeichen. Die Ärzte fanden auch keine Ursache, bis auf einen erhöhten Blutdruck.“
Drei Wochen verbrachte Mayr im Spital. Dann folgte die Rehabilitation. An eine Rückkehr in ihren Beruf war nicht mehr zu denken. Die linke Körperseite war teilweise gelähmt. Das Gleichgewicht funktionierte nicht mehr richtig. Der Fuß drehte sich beim Gehen nach innen, die Hüfte zog nach oben. Aufgeben kam für sie allerdings nicht infrage.
Schritt für Schritt arbeitete sie sich zurück. Erst aus dem Rollstuhl heraus, dann zurück auf die eigenen Beine. „Hippotherapie, also die Therapie auf Pferden, hat mir sehr geholfen“, sagt sie. Doch das Schlimmste war zunächst nicht die körperliche Einschränkung, es war die Angst. Die Angst, dass es jederzeit wieder passieren könnte. Lange lebte sie in dieser Unsicherheit.
„Irgendwann habe ich bewusst eine Entscheidung getroffen und beschlossen, positiv zu bleiben und nach vorne zu schauen.“ Sie glaubte, das Schicksal hinter sich gelassen zu haben.
Doch im März 2022 passierte es wieder. „Vor dem Zubettgehen spürte ich einen seltsamen Schmerz am Hinterkopf. Es war, als würde mir jemand mit der flachen Hand auf den Kopf schlagen.“
Wieder rief ihr Mann die Rettung, wieder lautete die
Diagnose „Gehirnblutung“. „Warum schon wieder ich? Warum jetzt noch einmal?“, fragte sie sich damals voller Verzweiflung.
Zum zweiten Mal zog es ihr den Boden unter den Füßen weg, diesmal aber noch härter. Die Lähmung der linken Körperseite verschlechterte sich deutlich. Da die zweite Blutung im Bereich des Kleinhirnes auftrat, war nun auch die rechte Hand betroffen.
Greifen fällt ihr teilweise noch immer schwer. Auch das Sprachzentrum hat Schaden genommen. Sätze brauchen länger, Worte wollen nicht mehr kommen. Der Alltag veränderte sich erneut.
Ein Rollstuhl und später ein Treppenlift wurden zu ihren ständigen Begleitern. Den größten Teil des Haushaltes hat mittlerweile ihr Mann übernommen. „Richard hilft mir durch die schweren Zeiten.“ Auch ihre Kinder, ihre Hündin „Maya“ und die beiden Kater „Herkules“ und „Merlin“ geben ihr Kraft.
Und dennoch macht Mayr vieles mit sich selbst aus. Vor allem eines musste sie lernen: geduldig sein. „Mit anderen habe ich eine Engelsgeduld. Mit mir selbst hatte ich sie nie.“ Heute versucht sie, liebevoller mit sich umzugehen. „In den vergangenen Jahren habe ich entdeckt, wie groß meine innere Stärke ist. Ich wusste nicht, dass ich so einen Überlebenswillen habe und wozu ich fähig bin.“
Die Schicksalsschläge haben ihre Sicht auf das Leben verändert. Sie lebt bewusster, schätzt die Augenblicke und geht achtsamer durch den Tag.
Und sie tut das, was sie immer schon tat, anderen zuzuhören (www.bewegung-mensch.at). Menschen kommen mit ihren Sorgen zu ihr, erzählen von Ängsten, Schmerzen, Lebenskrisen und Verlusten. Mayr teilt ihre Erfahrungen mit ihnen und macht Mut. Durch emotionale Körperarbeit möchte sie helfen, Stress abzubauen und geistige Blockaden zu lösen. „Weil ich weiß, wie es sich anfühlt, plötzlich alles zu verlieren.“
Heute blickt sie positiv in die Zukunft und schreibt viel. Sie verfasst kleine Geschichten, Gedanken über das Leben und Texte, die ihr helfen, das Erlebte zu verarbeiten. „Das Schreiben ist für mich zur Therapie geworden.“
Materielle Dinge bedeuten ihr wenig. Viel wichtiger sind für sie „Begegnungen, tiefe, ehrliche Gespräche und die Neugier darauf, was das Leben noch bereithält“.
Der Teich im Garten glitzert in der Nachmittagssonne. „Das Leben legt uns Steine in den Weg, über die wir im ersten Moment stolpern. Aber auch aus diesen Steinen können wir etwas Schönes bauen“. meint Karin Mayr mit einem Lächeln auf den Lippen. Schuh
„Hier tanke ich Energie“, sagt die 64jährige. Wer sie heute so sitzen sieht, ruhig, warmherzig und mit einem offenen Lächeln, ahnt kaum, wie oft ihr Leben aus den Fugen geraten ist.
Zwei Mal stand Karin Mayr an einem Punkt, an dem nichts mehr selbstverständlich war. Zweimal wurde sie vom Leben regelrecht ausgeknockt. Und zweimal kämpfte sie sich zurück.
Die gebürtige Oberösterreicherin bekam mit ihrem Mann Richard, 62, drei Kinder und widmete sich lange ganz ihrer Familie. Später begann sie eine Ausbildung zur Kinesiologin und arbeitete als Horthelferin. Dort war sie Zuhörerin, Seelentrösterin, Anlaufstelle für Sorgen und kleine Nöte. „Ich habe mich gut aufgehoben gefühlt“, erinnert sie sich.
Dann kam der 26. März 2015, ein Tag, der wie jeder
andere verlief. „Doch am Abend, ich wollte gerade ins Bett gehen, habe ich mich unwohl gefühlt. Ich wusste sofort, da stimmt etwas nicht.“
Sie kippte im Bett auf die linke Seite und schaffte es gerade noch, ihren Mann anzurufen, der Schichtdienst hatte. Wenig später traf die Rettung ein. Ab da wurde
„alles schwarz“. Bis heute fehlen Mayr die Erinnerungen an diesen Abend und den darauffolgenden Tag.
Im Spital wurde mittels Schädel-CT eine Gehirnblutung diagnostiziert. „Von einer Sekunde auf die andere war alles anders. Es gab keine gesundheitlichen Anzeichen. Die Ärzte fanden auch keine Ursache, bis auf einen erhöhten Blutdruck.“
Drei Wochen verbrachte Mayr im Spital. Dann folgte die Rehabilitation. An eine Rückkehr in ihren Beruf war nicht mehr zu denken. Die linke Körperseite war teilweise gelähmt. Das Gleichgewicht funktionierte nicht mehr richtig. Der Fuß drehte sich beim Gehen nach innen, die Hüfte zog nach oben. Aufgeben kam für sie allerdings nicht infrage.
Schritt für Schritt arbeitete sie sich zurück. Erst aus dem Rollstuhl heraus, dann zurück auf die eigenen Beine. „Hippotherapie, also die Therapie auf Pferden, hat mir sehr geholfen“, sagt sie. Doch das Schlimmste war zunächst nicht die körperliche Einschränkung, es war die Angst. Die Angst, dass es jederzeit wieder passieren könnte. Lange lebte sie in dieser Unsicherheit.
„Irgendwann habe ich bewusst eine Entscheidung getroffen und beschlossen, positiv zu bleiben und nach vorne zu schauen.“ Sie glaubte, das Schicksal hinter sich gelassen zu haben.
Doch im März 2022 passierte es wieder. „Vor dem Zubettgehen spürte ich einen seltsamen Schmerz am Hinterkopf. Es war, als würde mir jemand mit der flachen Hand auf den Kopf schlagen.“
Wieder rief ihr Mann die Rettung, wieder lautete die
Diagnose „Gehirnblutung“. „Warum schon wieder ich? Warum jetzt noch einmal?“, fragte sie sich damals voller Verzweiflung.
Zum zweiten Mal zog es ihr den Boden unter den Füßen weg, diesmal aber noch härter. Die Lähmung der linken Körperseite verschlechterte sich deutlich. Da die zweite Blutung im Bereich des Kleinhirnes auftrat, war nun auch die rechte Hand betroffen.
Greifen fällt ihr teilweise noch immer schwer. Auch das Sprachzentrum hat Schaden genommen. Sätze brauchen länger, Worte wollen nicht mehr kommen. Der Alltag veränderte sich erneut.
Ein Rollstuhl und später ein Treppenlift wurden zu ihren ständigen Begleitern. Den größten Teil des Haushaltes hat mittlerweile ihr Mann übernommen. „Richard hilft mir durch die schweren Zeiten.“ Auch ihre Kinder, ihre Hündin „Maya“ und die beiden Kater „Herkules“ und „Merlin“ geben ihr Kraft.
Und dennoch macht Mayr vieles mit sich selbst aus. Vor allem eines musste sie lernen: geduldig sein. „Mit anderen habe ich eine Engelsgeduld. Mit mir selbst hatte ich sie nie.“ Heute versucht sie, liebevoller mit sich umzugehen. „In den vergangenen Jahren habe ich entdeckt, wie groß meine innere Stärke ist. Ich wusste nicht, dass ich so einen Überlebenswillen habe und wozu ich fähig bin.“
Die Schicksalsschläge haben ihre Sicht auf das Leben verändert. Sie lebt bewusster, schätzt die Augenblicke und geht achtsamer durch den Tag.
Und sie tut das, was sie immer schon tat, anderen zuzuhören (www.bewegung-mensch.at). Menschen kommen mit ihren Sorgen zu ihr, erzählen von Ängsten, Schmerzen, Lebenskrisen und Verlusten. Mayr teilt ihre Erfahrungen mit ihnen und macht Mut. Durch emotionale Körperarbeit möchte sie helfen, Stress abzubauen und geistige Blockaden zu lösen. „Weil ich weiß, wie es sich anfühlt, plötzlich alles zu verlieren.“
Heute blickt sie positiv in die Zukunft und schreibt viel. Sie verfasst kleine Geschichten, Gedanken über das Leben und Texte, die ihr helfen, das Erlebte zu verarbeiten. „Das Schreiben ist für mich zur Therapie geworden.“
Materielle Dinge bedeuten ihr wenig. Viel wichtiger sind für sie „Begegnungen, tiefe, ehrliche Gespräche und die Neugier darauf, was das Leben noch bereithält“.
Der Teich im Garten glitzert in der Nachmittagssonne. „Das Leben legt uns Steine in den Weg, über die wir im ersten Moment stolpern. Aber auch aus diesen Steinen können wir etwas Schönes bauen“. meint Karin Mayr mit einem Lächeln auf den Lippen. Schuh
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.
Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung
















