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Ausgabe Nr. 26/2026 vom 24.06.2026, Foto: Jeff Mangione, Disney-Pixar
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Gery Seidl.
Gery Seidl: „Ich lasse mir nicht den Mund verbieten“
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Der Kabarettist und Schauspieler Gery Seidl ist derzeit mit seinem Programm „Eine Runde Seidl“ auf Tour. Daneben leiht er im neuen „Toy Story“-Film einem Spielzeug die Stimme. Eine kritische Stimme hat er auch …
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Herr Seidl, Sie sind im neuen „Toy Story 5“-Abenteuer (ab 23. Juli im Kino), in dem Spielzeug zum Leben erwacht, zwar nicht zu sehen, aber zu hören. Wem leihen Sie in diesem beliebten Filmklassiker Ihre Stimme?

Als „Dr. Nutcase“ (steht auf seiner Schulter) bin ich derjenige, dessen Herz daran hängt, dass das Kinderspielzeug ein Spielzeug bleiben darf und nicht durch das i-Pad (kleiner, tragbarer Computer) ersetzt wird. Aber die bösen Eichhörnchen kleben ihn in luftigen Höhen auf ein Blatt, wo „Dr. Nutcase“ in den Tod zu stürzen droht. Dafür habe ich extra eine weinerliche, nach Hilfe rufende Stimme hervorgekramt (lacht).

Haben Sie das eigens geübt?

Gewohnt bin ich das Synchronsprechen nicht unbedingt, aber ich habe schon viele Werbungen gesprochen. Und im Prinzip ist es immer dieselbe Vorgehensweise, das heißt, ich beginne bei einem Stichwort zu sprechen. Ich durfte mir den Text gewissermaßen „mundig“ machen, damit er frisch und fröhlich österreichisch klingt, was mich freut. Ich bin unbedarft herangegegangen, weil ich von der Figur nichts wissen und keine Bilder sehen durfte. Alles musste streng geheim bleiben, damit vor der Premiere des Filmes ja nichts an die Öffentlichkeit gerät.

Im Kern geht es um den Sinn von Spielsachen.
Mit welchem Spielzeug sind Sie aufgewachsen?


Ich bin in der Lego-Welt groß geworden. Mit einer
Lego-Kiste, an der schon drei Kinder vor mir ihre Freude hatten. Vorlagen gab es für dieses Sammelsurium aus mehreren Kindheiten natürlich nicht mehr. Umso genialer war es für mich, aus den Lego-Steinen Autos, Häuser oder Flugzeuge zu basteln. Ich empfand es als Riesenglück, das Bröselwerk anderer Kinder in meinem Kinderzimmer zu haben. Die Kiste gibt es heute noch. Ich habe Stunden mit meiner Tochter damit verbracht, Gebilde aus den Steinen, die offenbar nie kaputt werden, zu erschaffen.

Die digitale Spiele-Welt spielte in Ihrer Kindheit wohl noch keine Rolle?

Das digitalste, das ich hatte, war ein „tricOtronic“ (ein kleines Computerspiel), was im Vergleich zur heutigen Zeit fast analog ist. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich ein zutiefst analoger Mensch bin, der so anlog wie möglich lebt und ein Freund des Bargeldes ist. Natürlich komme ich nicht um die digitalen Errungenschaften umhin und nehme zur Kenntnis, was ich nicht verhindern kann. Aber ich habe das Glück, beruflich analog unterwegs sein zu dürfen. Denn was gibt es Analogeres, als auf der Bühne zu stehen und die Menschen zu unterhalten?

Wird uns die analoge Welt im kreativen Bereich noch länger erhalten bleiben?

Synchronsprecher schlagen bereits Alarm, weil sie Vertäge unterschreiben sollen, dass ihre Stimme von der künstlichen Intelligenz verwendet werden kann. Soweit sind wir mittlerweile. Ich lebe nicht vom Synchronsprechen, sondern vom Live-Auftritt. Aber ich verstehe jeden einzelnen, der davon betroffen ist und Sorge hat. Vielleicht ist es die Aufgabe meiner Generation, aufzustehen und das nicht schweigend zur Kenntnis zu nehmen. Wir müssen darauf schauen, wie etwas anders gelingen kann. Aber nicht nur das Kreative wird ausgelagert, sondern vielmehr noch das Technische. Irgendein elektronisch gesteuerter Teil lässt das Auto plötzlich nicht mehr weiterfahren. Neue Fahrzeugmodelle filmen dich beim Fahren, und wenn dein Auge müde wird, fährt das Auto rechts ran und hält an. Das können wir natürlich auch super finden, weil dadurch im besten Fall Unfälle verhindert werden.

Warum hängen Sie so an der analogen Welt?

Ich zitiere Hirnforscher, die immer wieder betonen, dass es an den Eltern liegt, ihren Kindern Aufgaben zu geben, die sie lösen können. Wenn du keine Aufgaben mehr löst, verkümmert das Gehirn. Das Kind sitzt in der Sandkiste mit einem Küberl und baut eine Sandburg. Dabei verschmilzt es mit dem Sand, weshalb es kein Problem damit hat, Sand zu essen. Ebenso hat das Kind kein Problem damit, in Wasserlacken zu springen, bis die Gummistiefel voll sind, weil es mit der dreidimensionalen Welt verschmilzt. Ein Kind, das schon beim Frühstück vor dem Computer sitzt, befindet sich hingegen in einer zweidimensionalen Welt, mit der es nicht verschmelzen kann, sondern hineinkippt in einen Raum, den es nicht gibt. Wir wissen aber, dass jedes Pendel zurückschlägt. In fünf Jahren werden wir für ein Hotelzimmer drei Mal so viel zahlen, wenn es dort keine Internet-Verbindung, sondern Ruhe aufgrund von Nichterreichbarkeit gibt. Das wird der wahre Luxus sein.

Was ist für Sie persönlich Luxus?

Dass ich mir nicht den Mund verbieten lasse. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir uns auf der Siegerstraße bewegen, weder als Gesellschaft, noch als Europa. Wir versinken im Paragraphen-Dschungel und sind nicht mehr lebendig. Wenn heute jemand ein Wirtshaus eröffnen möchte, wird er von Millionen von Auflagen abgeschreckt. Das finde ich schade. Ich will unseren Politikern nichts umhängen, aber 55 Prozent von dem, was ich erarbeite, überweise ich in der guten Hoffnung, dass sie das Geld gut verteilen.

Und – machen das die Politiker?

Ich konnte nirgendwo unterschreiben, damit einverstanden zu sein, dass wir viele Milliarden Euro an die Ukraine überweisen, um damit Bomben und Raketen zu kaufen. Wofür gibt es Experten, Politologen und Volkswirte, die sich bitte gerne einschalten dürfen?

Wir haben 4,5 Milliarden für das Testen eines Virus‘ ausgegeben und jemand sagte „Koste es, was es wolle“. Es wurde Angst geschürt. Ein Virus greift dich an, wenn dein Immunsystem schwach ist. Also hätte ich der Bevölkerung mitteilen können, mach was, damit dein Immunsystem stärker wird.

Bewegung, gesunde Ernährung, Antibiotika-Hendl raus aus den Regalen. Stattdessen gab es die Impfung, bei der angekündigt wurde, sie hätte keine Nebenwirkungen. Ich wäre angefressen, hätte ich mich impfen lassen. Denn jetzt heißt es, dass es schon Nebenwirkungen gab. Als Geimpfter würde ich mich spätestens jetzt wehren.

Nutzen Sie die Kabarett-Bühne auch, um heikle Themen schonungslos ansprechen zu können?

Ich bin weder ein Impf-Experte, noch ein Virologe, aber ich halte den Druck, der auf Menschen in Bezug auf das Impfen während der Corona-Pandemie ausgeübt wurde, für mehr als gefährlich. Ich wurde zwölf Wochen lang weggesperrt, was mich nicht störte.
Es war meine Entscheidung, zumal ich ein Immunsystem wie ein Büffel habe (lacht).

Es wird so oft und gerne von Toleranz gesprochen. Wo war sie, als Menschen sagten, dass sie sich nicht impfen lassen? Jeder hat seine Bühne – die einen könnten als Journalisten den Herrn Drosten anrufen, und ihn bitten, nochmals zu erklären, wie tödlich dieses Virus sei. Ebenso hat der Bäcker seine Bühne, um zu sagen, „schönen guten Morgen, heute ist der Kornspitz im Angebot“.
Jeder Lehrer hat die Möglichkeit, sich mit Kindern zu umgeben, die Freude am Lernen haben.
Aber natürlich kann die Bühne auch missbraucht werden, wenn der Lehrer darauf bedacht ist, sein Ego zu stärken, indem er die Schüler als Idioten hinstellt.

Während der Corona-Pandemie hat sich im Volk wenig Widerstand geregt. Hat Sie das gestört?

Die Macht geht vom Volk aus. Wenn wir aber eine träge, lenkbare Masse sind, dann haben die Politiker ein leichtes Spiel mit uns, und wir verdienen genau das, was oben an den Hebeln sitzt.

Wie bereits gesagt, das Pendel schlägt immer zurück – wir müssen nur warten. Spätestens zu dem Zeitpunkt, als uns mitgeteilt wurde, dass es sich gar nicht testen lässt, ob Geimpfte das Virus weitergeben können, war das für mich die Bestätigung dafür, dass es nie eine Pandemie der Ungeimpften war.

Der Ungeimpfte sei eine Gefahr für die Gesellschaft, sagte die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Bislang hat niemand die Dame gebeten, sich dafür zu entschuldigen.

Wo wäre es Ihres Erachtens notwendig, die Hebel anzusetzen?

Meine große Hoffnung ist, dass vieles auffliegt und wir es schaffen, neu anzufangen. Im Kleinen tut sich ganz schön viel.

Die ServusTV-Serie „Ab Hof“ etwa zeigt junge Menschen, die wieder nachhaltig und ganz ohne Spritzmittel Landwirtschaft betreiben. Die kämpfen natürlich gegen Windmühlen, aber sie tun es trotzdem.

Wenn wir Beispiele, die zeigen, dass es auch anders geht, in den Vordergrund rücken, dann haben wir schon etwas erreicht.

Wie sehen Ihre Pläne für die nächsten Monate aus?

Ich bin noch mit meinem Programm „Eine Runde Seidl“ unterwegs (www.oeticket.com), das dann von meinem Weihnachtsprogramm „Aufputzt is’“ abgelöst wird.

Ab Jänner gibt es ein neues Programm von mir, an dem ich bereits arbeite und damit beschäftigt bin, mir zu überlegen, was man so sagen kann, noch sagen darf und was ich mir selbst nicht verbieten darf (lacht).

Zudem schreibe ich gemeinsam mit Thomas Mraz an einem Drehbuch für einen Film, in dem es es um Freundschaft geht.

Im Mittelpunkt steht die Kindheit, die man nur ein Mal hat. Im Idealfall kannst du davon ein Leben lang zehren, im zweiten Idealfall kannst du sie irgendwann ablegen, sollte sie nicht so prickelnd gut gewesen sein.

Das Schöne an der Entwicklung ist, eine Verwicklung zu lösen. Denn Entwicklung heißt, es morgen besser zu machen.

Vielleicht entwickeln wir uns ja als Gesellschaft nach dem Credo, aufeinander aufzupassen, mit dem Ziel vor Augen, alles besser zu machen.


Zur Person:

Gery Seidl wurde am 11. Mai 1975 in Wien geboren und wuchs im niederösterreichischen Höflein an der Donau, nahe Wien auf. In jungen Jahren hat er sich der Technik verschrieben und die Höhere Technische Lehranstalt für Hochbau absolviert. Danach arbeitete er in der Bauwirtschaft.

Seit gut 20 Jahren ist Seidl als Kabarettist erfolgreich.
Unter anderem mit seinem Programm „Aufputzt is‘“. Unter dem selben Titel brachte er im Vorjahr einen
Weihnachtsfilm in die heimischen Kinos, der ihm
großen Erfolg beschert hat. Er hat das Drehbuch
geschrieben und die Hauptrolle gespielt.

Seidl ist verheiratet und hat eine Tochter namens Lilly.
Die Familie lebt in Höflein, Niederösterreich.
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