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Ausgabe Nr. 25/2026 vom 17.06.2026, Fotos: AdobeStock, zvg
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Damit beim Abnehmen nicht zu viel Muskeln verlorengehen, ist regelmäßiges Muskeltraining nötig.
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Um Muskeln zu erhalten und aufzubauen, braucht es Eiweiß. Gut sind Fisch, Fleisch, Eier, Milchprodukte.
Der Wettbewerb der neuen Abnehmmittel
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Abnehmspritzen sind die neuen „Wundermittel“ in der Therapie von Fettleibigkeit (Adipositas). Die erste Abnehmpille vergrößert in Kürze die Auswahl. Eine weitere Spritze verspricht in den Studien Erfolge, wie sie bisher nur eine Magenverkleinerung ermöglichte.
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Die neuen Zahlen lassen keinen Platz für Zweifel. Wir werden dick und dicker. Rund 51 Prozent der Erwachsenen sind übergewichtig. Rund jeder Sechste hat starkes Übergewicht (Adipositas). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft das seit dem Jahr 2000 als Krankheit ein.

Bei Kindern und Jugendlichen zeigt sich ebenfalls Handlungsbedarf. Knapp jedes fünfte Mädchen und jeder fünfte Bub sind übergewichtig. Von besonderer Bedeutung ist die klinische Adipositas, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Gelenksbeschwerden führt.

„Betroffene brauchen dann medizinischen Beistand“, betont Dr. Helmut Brath von der Diabetes- und Fettstoffwechselambulanz am ÖGK-Gesundheitszentrum Favoriten in Wien. Hilfe beim Abnehmen für die Menschen mit starkem Übergewicht und den damit verbundenen Begleiterkrankungen können nun nach jahrzehntelanger Forschung, teuren Studien, Tests und Entwicklungen Pharmafirmen wie Novo Nordisk und Eli Lilly anbieten.

Seit knapp vier Jahren bringen sie sogenannte Abnehmspritzen und nun auch Tabletten auf den Markt. Diese neuen, wirksamen Schlankheitsmittel machen es zum ersten Mal jedem möglich abzunehmen. Man fühlt sich länger satt und nach einer Einnahme nimmt das Hungergefühl ab. Dadurch sinkt im Laufe der Zeit das Körpergewicht. Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, schmerzende oder kaputte Knie und Gelenke werden seltener. Wir brauchen weniger Medikamente und Operationen. Das entlastet uns und die Krankenkassen.

Die Erfolge bescheren den Herstellern Umsatzrekorde. Bisher waren aber Spritzen nötig, die man sich regelmäßig selbst geben musste, um sich die Medikamente zu verabreichen. Spritzen sind für die meisten Menschen freilich unangenehm, daher wurde daran geforscht, Tabletten mit ähnlicher Abnehmwirkung auf den Markt zu bringen.

Das dänische Unternehmen Novo Nordisk hat alle Tests bestanden und bringt in Kürze die erste, käufliche Abnehmpille in unseren Breiten in die Apotheken. Die Tabletten werden wie die Spritzen auch Wegovy heißen. Die Europäische Arzneimittelagentur hat bereits ihre Empfehlung ausgesprochen. Die Freigabe durch die EU-Kommission, vermutlich Ende Juli, gilt als Formalität.

Im Test verloren Patienten über 60 Wochen im Schnitt knapp 14 Prozent ihres Körpergewichtes. „Im Gegensatz zur Spritze, die man sich ein Mal in der Woche setzt, ist die Abnehmpille täglich einzunehmen. Damit sie wirkt, darf davor acht Stunden nichts gegessen werden, und bis zur nächsten Mahlzeit muss dreißig Minuten gewartet werden. Die Wegovy-Pille muss vom Arzt verschrieben und darf nur an Erwachsene ausgegeben werden. Regelmäßig eingenommen, verstärkt sie das Sättigungsgefühl. Durch den Gewichtsverlust bessern sich Herz-Kreislaufbelastungen, Schlafprobleme, Gelenksbeschwerden und Diabetes Typ 2. Wie bei der Spritze kann es, vor allem, wenn damit begonnen wird, zu Nebenwirkungen kommen, darunter Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Verstopfung“, teilt ein Sprecher der Europäischen Arzneimittelagentur in einer Erklärung mit.

Wer nicht die strengen Vorgaben der Österreichischen Gesundheitskasse erfüllt, muss die Kosten für Adipositas-Medikamente selbst tragen. Je nach Produkt und Dosierung liegen sie bei € 200,– bis € 400,– im Monat. Freilich hilft auch beim Abnehmen mit diesen Medikamenten eine Ernährungsumstellung und regelmäßige Bewegung.

Andernfalls droht ein zu großer Verlust von Muskelmasse und ein Jo-Jo-Effekt, wenn das Medikament wieder abgesetzt wird.

Das gilt insbesondere für jene neue Abnehmspritze, die der Pharmakonzern Eli Lilly (USA) bald anbietet. Die Rede ist vom Wirkstoff Retatrutide, der im Vergleich zu seinen Vorgängern einen viel stärkeren Gewichtsverlust bewirkt. Bis zu 30 Prozent des Körpergewichtes in etwas mehr als eineinhalb Jahren sind mit der höchsten Dosis möglich. „Diese Gewichtsreduktion wurde bisher nur mit der Adipositas-Chirurgie, also der Magenverkleinerung erreicht“, sagt Kenneth Custer von Eli Lilly. „Es ist das erste Medikament von Eli Lilly, das drei Hormonrezeptoren gleichzeitig aktiviert. Es senkt das Hungergefühl und stärkt das Sättigungsgefühl. Es reguliert den Blutzucker und kurbelt den Energieverbrauch an.“

Retatrutide ist für Patienten gedacht, die besonders viel Gewicht verlieren müssen.

Wer Fett verliert, verliert auch Muskelmasse

Die Nebenwirkungen sind auch beim Wirkstoff Retatrutide Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung. Allerdings treten sie häufiger auf. Es kann auch zu einer vorübergehenden Herzfrequenzerhöhung kommen. Von spürbarer Bedeutung beim raschen Abnehmen ist der fast immer einhergehende Verlust von Muskelmasse. Unter solch hoch dosierten, hochwirksamen Therapien nimmt die Muskelmasse um zehn Prozent ab. Das ist mit zunehmender Mühe bei alltäglichen Aufgaben, wie etwa Einkäufe nach Hause zu tragen, verbunden. Ein ergänzendes Muskel-Kraft-Training und eiweißreiche Ernährung sind daher nötig, um dem entgegenzuwirken.

Bei chronischen Erkrankungen wie Fettleibigkeit ist die
Verträglichkeit wichtig. Die Nebenwirkungen sind der Hauptgrund, warum Patienten die Therapien abbrachen.

Weniger abnehmen, weniger Nebenwirkung

Während sich viele Hersteller im Wettlauf der Wirksamkeit befinden, gibt es eine Firma, die die Idee eines besonders nebenwirkungsarmen Abnehm-Medikaments verfolgt, die Zealand Pharma. Deren Geschäftsführer Adam Steensberg sagt: „In Befragungen gaben vier von fünf Patienten an, sie wollten weniger als 20 Prozent ihres Körpergewichtes verlieren. Wir müssen den Wettlauf der Gewichtsreduktion stoppen.“

Die Tests und Entwicklungen eines neuen Wirkstoffes dauern Jahre und kosten Millionen. Daher braucht Zealand Pharma finanzstarke Partner. Deren Chef Steensberg konnte sich mit der Schweizer Firma Roche auf eine Entwicklungspartnerschaft einigen. Ihr neuer Wirkstoff heißt Petrelintide.

Tests zeigen, in 40 Wochen verloren die Patienten damit „nur“ etwa zehn Prozent ihres Gewichtes. Aber sie hatten keine statistisch auffälligen Nebenwirkungen.

„Die Gewinner der nächsten Generation von Fettleibigkeits-Medikamenten werden jene sein, die die Patienten gut vertragen“, glaubt der Zealand-Geschäftsführer.

Die beiden Entwicklungspartner hoffen, in spätestens drei Jahren ihr sanftes, besonders verträgliches Abnehmmittel anbieten zu können.
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