Kinder leiden, wenn das „Handy“ wichtiger ist
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Es ist bereits ein gewohntes Bild. Ob beim gemeinsamen Essen, am Spielplatz oder unterwegs. Mama oder Papa starrt auf das Mobiltelefon, der Nachwuchs ist ausgeblendet. Eine Studie zeigt nun, Kinder leiden, wenn Eltern ständig auf den Bildschirm sehen.
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Der Blick ist auf den Bildschirm gerichtet, wo Fotos, YouTube und private Videos die Aufmerksamkeit der Großen „fesseln“. Es werden E-Mails und Nachrichtenseiten gelesen. Es braucht Antworten. Das Smartphone ist für Eltern ein ständiger Begleiter, auch in Gegenwart der eigenen Kinder.
Nicht selten fühlen sich Mama und Papa sogar gestört, wenn das Kind während der Handynutzung Aufmerksamkeit möchte.
Was sie vermutlich nicht ahnen, die ständige digitale Ablenkung kann für ihre Kinder schädlich sein, vor allem, wenn sie im Baby- und Vorschulalter sind. Das zeigen Wissenschaftler der Universität Wollongong in Australien auf, die eine Analyse von mehr als zwanzig Forschungsarbeiten mit fast fünfzehntausend Teilnehmern aus zehn Ländern vornahmen.
Das Problem heißt Technoferenz
Für dieses moderne Phänomen haben die Wissenschaftler bereits einen eigenen Namen, wie Dr. Marcelo Toledo-Vargas, einer der Studienautoren, aufklärt.
„Die Nutzung elterlicher Technologie in Anwesenheit eines Kindes bezeichnen wir als Technoferenz. Sie ist ein wachsendes Problem in der Familiendynamik.“ Die Ergebnisse der australischen Analyse sollten in der Tat aufmerksam machen, denn die Folgen dieser Technoferenz sind bereits erkennbar.
Die Studienautoren erkannten, dass Kinder, deren Eltern sich häufig in ihrer Gegenwart mit dem Smartphone beschäftigen, geringere kognitive Fähigkeiten zeigten. Das heißt, ihre Fähigkeiten, Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und im Gedächtnis zu speichern, waren beeinträchtigt. Sie zeigten auch eher emotionale Probleme sowie Verhaltensprobleme und verhielten sich weniger sozial.
„Es ist für die kognitive Entwicklung kleiner Kinder von wesentlicher Bedeutung, dass sie qualitativ hochwertige, nachhaltige und wechselseitige Interaktionen durch ihre Eltern bekommen, insbesondere zu Hause, wo kleine Kinder die meiste Zeit verbringen“, betont Dr. Toledo-Vargas.
Kinder verpassen Entwicklungschancen
Die Wirklichkeit sieht aber immer öfter anders aus. Eltern, die in Anwesenheit ihrer Kinder häufig auf ihr Smartphone schauen, antworten auf die Bemühungen der Kinder, Aufmerksamkeit zu bekommen, mit verzögerten, abweisenden, oberflächlichen oder fehlenden Reaktionen. Die Forscher sprechen dabei von „verpassten Entwicklungsmöglichkeiten“ für die Kinder.
„Eltern sind die ersten und wichtigsten Lehrer der Kinder. Widersprüchliche Reaktionen können zu Frustration bei Kindern führen. Sie können sich bei den Versuchen, ihre Eltern einzubeziehen, ignoriert fühlen.“ Immer wieder auf das Smartphone zu sehen, halte Eltern davon ab, sich an gemeinsamen Aktivitäten mit dem Kind zu beteiligen, die Gelegenheiten für körperliche Aktivität wahrzunehmen und die motorischen Fähigkeiten ihres Kinder zu fördern.
Die Kinder haben mehr Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, ihre Gefühle zu regulieren und gute Noten zu bekommen. Insgesamt haben die Kinder eine schwächere Bindung an ihre Eltern.
Mehr als 70 Prozent der Eltern haben angegeben, dass sie beim Spielen mit ihren Kindern oder beim Essen digitale Geräte benutzen. Dass die ständige digitale Ablenkung ihren Kindern schadet, sei den meisten nicht bewusst. Die Auswirkungen auf Kinder seien gleichermaßen negativ, ganz gleich, ob Eltern generell in Anwesenheit ihrer Kinder am Smartphone waren oder ob eine laufende Eltern-Kind-Interaktion von einer Nachricht oder einem Anruf unterbrochen wurde.
Kinder sollten nicht das Gefühl haben, mit dem Smartphone konkurrieren zu müssen. Fühlen sich Kinder nicht wahrgenommen, beeinträchtigt das auch ihre sozialen Fähigkeiten. In einer kanadischen Studie zeigten Forscher auf, dass die häufige digitale Ablenkung der Eltern bei den Kindern Angstsymptome, Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität begünstige.
„Werden die emotionalen und körperlichen Bedürfnisse von Kindern immer wieder ignoriert oder wird unangemessen darauf reagiert, besteht bei ihnen das Risiko, psychische Probleme zu entwickeln“, erklärte Prof. Dr. Sheri Madigan von der Universität Calgary in Alberta (Kanada).
Weniger Aufmerksamkeit für die Kinder, weniger Eltern-Kind-Gespräche und geringere gemeinsame Spielzeit führen sogar zu einem höheren Verletzungsrisiko bei Kindern. Weil das Alter von neun bis elf Jahren eine besonders sensible Phase der Gehirnentwicklung darstellt und mit einem erhöhten Risiko für psychische Probleme verbunden sei, konzentrierten sich die kanadischen Experten auf diese Altersgruppe.
Diese Probleme sind in heimische Familien vorgedrungen. Die Kinder- und Jugendhilfe Oberösterreich hat daher eine Broschüre herausgegeben, die Mamas und Papas helfen soll, die Bildschirmzeit kindgerecht zu gestalten (www.kjh-ooe.at, im Suchfeld eingeben: Sprache fördern).
„Sprache entwickelt sich im direkten Miteinander, durch Blickkontakt, Zuhören und gemeinsames Sprechen. Im Alltag spielt es eine große Rolle, wie präsent Erwachsene für ihre Kinder sind“, sagt zu dem Anlass der OÖ-Landesrat Martin Winkler (SPÖ).
Bildschirmfreie Zeit beim Essen und Spielen
Wichtig ist der bewusste Umgang mit Smartphones. Das beginnt in den ersten Lebenswochen des Kindes. „Dein Baby braucht ungeteilte Zuwendung. Kein Handy beim Stillen oder Wickeln“, lautet eine Empfehlung. Auch Marcelo Toledo-Vargas rät, „Beim Essen, während der Spielzeiten und beim Ins-Bett-bringen das Smartphone auf stumm schalten oder außerhalb des Zimmers aufbewahren.“
Und Eltern sollten ihre Kinder ansehen, wenn sie mit ihnen sprechen und spielen. Singen, Reimen, Finger- und Bewegungsspiele fördern die Gehirnentwicklung des Kindes. Technologie ist nicht schlecht, betonen die Studienautoren. Wichtig ist nur, bildschirmfreie Zeiten und Zonen zu schaffen, wenn der Umgang mit Kindern im Vordergrund stehen soll.
Nicht selten fühlen sich Mama und Papa sogar gestört, wenn das Kind während der Handynutzung Aufmerksamkeit möchte.
Was sie vermutlich nicht ahnen, die ständige digitale Ablenkung kann für ihre Kinder schädlich sein, vor allem, wenn sie im Baby- und Vorschulalter sind. Das zeigen Wissenschaftler der Universität Wollongong in Australien auf, die eine Analyse von mehr als zwanzig Forschungsarbeiten mit fast fünfzehntausend Teilnehmern aus zehn Ländern vornahmen.
Das Problem heißt Technoferenz
Für dieses moderne Phänomen haben die Wissenschaftler bereits einen eigenen Namen, wie Dr. Marcelo Toledo-Vargas, einer der Studienautoren, aufklärt.
„Die Nutzung elterlicher Technologie in Anwesenheit eines Kindes bezeichnen wir als Technoferenz. Sie ist ein wachsendes Problem in der Familiendynamik.“ Die Ergebnisse der australischen Analyse sollten in der Tat aufmerksam machen, denn die Folgen dieser Technoferenz sind bereits erkennbar.
Die Studienautoren erkannten, dass Kinder, deren Eltern sich häufig in ihrer Gegenwart mit dem Smartphone beschäftigen, geringere kognitive Fähigkeiten zeigten. Das heißt, ihre Fähigkeiten, Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und im Gedächtnis zu speichern, waren beeinträchtigt. Sie zeigten auch eher emotionale Probleme sowie Verhaltensprobleme und verhielten sich weniger sozial.
„Es ist für die kognitive Entwicklung kleiner Kinder von wesentlicher Bedeutung, dass sie qualitativ hochwertige, nachhaltige und wechselseitige Interaktionen durch ihre Eltern bekommen, insbesondere zu Hause, wo kleine Kinder die meiste Zeit verbringen“, betont Dr. Toledo-Vargas.
Kinder verpassen Entwicklungschancen
Die Wirklichkeit sieht aber immer öfter anders aus. Eltern, die in Anwesenheit ihrer Kinder häufig auf ihr Smartphone schauen, antworten auf die Bemühungen der Kinder, Aufmerksamkeit zu bekommen, mit verzögerten, abweisenden, oberflächlichen oder fehlenden Reaktionen. Die Forscher sprechen dabei von „verpassten Entwicklungsmöglichkeiten“ für die Kinder.
„Eltern sind die ersten und wichtigsten Lehrer der Kinder. Widersprüchliche Reaktionen können zu Frustration bei Kindern führen. Sie können sich bei den Versuchen, ihre Eltern einzubeziehen, ignoriert fühlen.“ Immer wieder auf das Smartphone zu sehen, halte Eltern davon ab, sich an gemeinsamen Aktivitäten mit dem Kind zu beteiligen, die Gelegenheiten für körperliche Aktivität wahrzunehmen und die motorischen Fähigkeiten ihres Kinder zu fördern.
Die Kinder haben mehr Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, ihre Gefühle zu regulieren und gute Noten zu bekommen. Insgesamt haben die Kinder eine schwächere Bindung an ihre Eltern.
Mehr als 70 Prozent der Eltern haben angegeben, dass sie beim Spielen mit ihren Kindern oder beim Essen digitale Geräte benutzen. Dass die ständige digitale Ablenkung ihren Kindern schadet, sei den meisten nicht bewusst. Die Auswirkungen auf Kinder seien gleichermaßen negativ, ganz gleich, ob Eltern generell in Anwesenheit ihrer Kinder am Smartphone waren oder ob eine laufende Eltern-Kind-Interaktion von einer Nachricht oder einem Anruf unterbrochen wurde.
Kinder sollten nicht das Gefühl haben, mit dem Smartphone konkurrieren zu müssen. Fühlen sich Kinder nicht wahrgenommen, beeinträchtigt das auch ihre sozialen Fähigkeiten. In einer kanadischen Studie zeigten Forscher auf, dass die häufige digitale Ablenkung der Eltern bei den Kindern Angstsymptome, Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität begünstige.
„Werden die emotionalen und körperlichen Bedürfnisse von Kindern immer wieder ignoriert oder wird unangemessen darauf reagiert, besteht bei ihnen das Risiko, psychische Probleme zu entwickeln“, erklärte Prof. Dr. Sheri Madigan von der Universität Calgary in Alberta (Kanada).
Weniger Aufmerksamkeit für die Kinder, weniger Eltern-Kind-Gespräche und geringere gemeinsame Spielzeit führen sogar zu einem höheren Verletzungsrisiko bei Kindern. Weil das Alter von neun bis elf Jahren eine besonders sensible Phase der Gehirnentwicklung darstellt und mit einem erhöhten Risiko für psychische Probleme verbunden sei, konzentrierten sich die kanadischen Experten auf diese Altersgruppe.
Diese Probleme sind in heimische Familien vorgedrungen. Die Kinder- und Jugendhilfe Oberösterreich hat daher eine Broschüre herausgegeben, die Mamas und Papas helfen soll, die Bildschirmzeit kindgerecht zu gestalten (www.kjh-ooe.at, im Suchfeld eingeben: Sprache fördern).
„Sprache entwickelt sich im direkten Miteinander, durch Blickkontakt, Zuhören und gemeinsames Sprechen. Im Alltag spielt es eine große Rolle, wie präsent Erwachsene für ihre Kinder sind“, sagt zu dem Anlass der OÖ-Landesrat Martin Winkler (SPÖ).
Bildschirmfreie Zeit beim Essen und Spielen
Wichtig ist der bewusste Umgang mit Smartphones. Das beginnt in den ersten Lebenswochen des Kindes. „Dein Baby braucht ungeteilte Zuwendung. Kein Handy beim Stillen oder Wickeln“, lautet eine Empfehlung. Auch Marcelo Toledo-Vargas rät, „Beim Essen, während der Spielzeiten und beim Ins-Bett-bringen das Smartphone auf stumm schalten oder außerhalb des Zimmers aufbewahren.“
Und Eltern sollten ihre Kinder ansehen, wenn sie mit ihnen sprechen und spielen. Singen, Reimen, Finger- und Bewegungsspiele fördern die Gehirnentwicklung des Kindes. Technologie ist nicht schlecht, betonen die Studienautoren. Wichtig ist nur, bildschirmfreie Zeiten und Zonen zu schaffen, wenn der Umgang mit Kindern im Vordergrund stehen soll.
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