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Ausgabe Nr. 24/2026 vom 10.06.2026, Fotos: action press
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Seit der Geburt sind die beiden unzertrennlich.
Vatersein gegen alle Widerstände
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Ted Buras hatte in seinem Leben nur einen einzigen Wunsch, er wollte unbedingt Vater werden. In seinen Traum investierte er 100.000 Euro, denn eine Leihmutter trug für ihn seinen Sohn Beau aus. Für einige ist er ein Vorbild, von anderen wurde er dafür angefeindet.
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Auf diesen Moment hatte Ted Buras 20 Jahre lang gewartet. Vorsichtig wurde ihm das Baby zum ersten Mal auf die Brust gelegt. Zärtlich streichelte er dem Neugeborenen über die Wange, die kleinen Hände umschlossen seine Finger. Der damals 41jährige saß in einem Kreißsaal in Kentucky (USA) und konnte sein Glück kaum fassen.

In den frühen Morgenstunden des 25. April 2020 hatte ihm eine Leihmutter soeben seinen Sohn Beau geboren. „Es war ein unbeschreibliches Gefühl.“ Monate voller Unsicherheit lagen zu diesem Zeitpunkt hinter ihm.

Die Corona-Pandemie hatte den Alltag zum Erliegen gebracht, Ärzte arbeiteten unter strengen Auflagen. Buras hatte zwei Wochen allein in einem Hotel verbracht, um die Quarantänebestimmungen einzuhalten und bei der Geburt dabei sein zu können.

Dass er einmal Vater werden wollte, wusste der 47jährige schon als Jugendlicher. Während viele seiner Freunde von Partys, Abenteuern und vage von der Zukunft sprachen, beschäftigte er sich täglich mit diesem Gedanken.Sogar einen Namen hatte er längst ausgesucht. Und er ging wie selbstverständlich davon aus, dass dieser Lebensabschnitt einmal kommen würde. Doch die Jahre vergingen und Beziehungen endeten. Lebenspläne verschoben sich. Aus dem „irgendwann“ wurde ein ferner Zeitpunkt, der womöglich nie eintreten würde.

Nach dem Ende einer langjährigen Beziehung traf er deshalb mit Ende 30 eine Entscheidung, die Menschen in seinem Umfeld überraschte. Er wollte nicht länger warten und auch ohne Partnerin Vater werden.

Bevor er Kontakt zu einer Agentur aufnahm, verbrachte er nach eigenen Angaben ein Jahr in therapeutischer Begleitung. Er wollte sicher sein, dass er die Herausforderungen realistisch einschätzte. Alleinerziehend zu sein, bedeutete schließlich weit mehr als nur den Wunsch nach einem Kind. Es bedeutete, Verantwortung zu übernehmen und finanzielle Risiken einzugehen.

Als die Entscheidung feststand, begann ein Prozess, den Buras heute rückblickend als „emotionalen Marathon“ beschreibt. Er suchte eine Eizellenspenderin, also eine Leihmutter, und arbeitete sich durch medizinische, organisatorische und rechtliche Verfahren. Bereits zu Beginn musste er einen herben Rückschlag einstecken.

Seine erste Fruchtbarkeitsanalyse fiel so schlecht aus, dass die Ärzte ihm zunächst wenig Hoffnung machten. Fast ein Jahr lang nahm er Medikamente ein, um seine Werte zu verbessern. „Die Hormone brachten meinen ganzen Körper durcheinander. Es fühlte sich an, als wäre ich schwanger. Ich habe gegessen wie verrückt und war unglaublich emotional“, erinnert er sich heute.

Mit jeder Verzögerung stiegen die Kosten. Als die Behandlungen schließlich abgeschlossen waren, hatte Buras rund 120.000 Dollar investiert (100.000 Euro).

Das Geld stammte größtenteils aus Immobiliengeschäften, die er in seinen Dreißigern gemacht hatte. Für die Aussicht auf ein eigenes Kind setzte er praktisch seine gesamten Ersparnisse ein.

Trotzdem blieb die Unsicherheit. Aus seinen Spermien und einer gespendeten Eizelle entstanden vier lebensfähige Embryonen. Nur einer davon war männlich. Buras ertappte sich dabei, wie er hoffte, dass daraus der Sohn werden könnte, den er sich seit seiner Jugend vorgestellt hatte. Gleichzeitig versuchte er bewusst, sich nicht auf diese Vorstellung festzulegen. Er dachte über Mädchennamen nach und gewöhnte sich an den Gedanken, dass alles anders kommen könnte.

Als schließlich feststand, welcher Embryo eingesetzt werden konnte, befand sich Buras auf einer Rucksacktour in der Arktis. Mitten in einer abgelegenen Region erhielt er über ein Satellitengerät die Nachricht der Klinik. Kurz darauf folgte das erste Foto eines positiven Schwangerschaftstests. „Ich begann zu weinen. Das war einer der glücklichsten Momente meines Lebens“, sagt er.

In den folgenden Monaten reiste er regelmäßig nach Kentucky (USA), begleitete Termine und lernte die Familie der Leihmutter kennen. Die Beziehung entwickelte sich weit über ein rein organisatorisches Verhältnis hinaus. Zu Weihnachten saß er sogar mit ihnen am Tisch.

Dann kam Beau zur Welt. Die ersten Monate als Vater verliefen anders, als Buras es sich vorgestellt hatte. Wegen der Pandemie konnten Freunde und Verwandte zunächst nur auf Abstand Anteil nehmen.

Unterstützung gab es von seinen Eltern und der Familie des Bruders nur durch Fensterscheiben oder Videotelefonate. Gleichzeitig empfand er diese Zeit als intensiv. Er und sein Sohn waren von Beginn an aufeinander angewiesen.

Heute ist Beau sechs Jahre alt. Der 47jährige beschreibt ihn als neugierig, humorvoll und außergewöhnlich fürsorglich. „Er ist ein brillantes, lustiges und unglaublich liebevolles Kind“, sagt Buras voller Stolz. „Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass ich einmal Vater eines so wundervollen Buben sein würde.“

Buras arbeitet als App-Entwickler von zu Hause aus und organisiert sein Leben konsequent um seinen Sohn herum. Der Bub besucht inzwischen die Schule, und vieles, was seinem Vater früher Sorgen bereitete, ist längst Alltag geworden. Wenn Beau nach seiner Mutter fragt, erklärt Buras ihm, dass Familien unterschiedlich aussehen können. Für den Sechsjährigen scheint das völlig selbstverständlich zu sein.

Doch nicht alle begegnen der kleinen Familie mit Offenheit. Nachdem der Amerikaner öffentlich über seine Erfahrungen mit der Leihmutterschaft berichtet hat, wurde er zum Ziel einer regelrechten Hasskampagne im Internet.

Unbekannte veröffentlichten persönliche Daten, bestellten unbezahlte Lieferungen an seine Adresse und überschütteten ihn mit beleidigenden Nachrichten. Buras änderte seine Telefonnummer, baute Kameras ein und informierte die örtliche Polizei.

Den Rückzug aus der Öffentlichkeit zog er dennoch nie ernsthaft in Betracht. „Mir haben so viele Menschen geschrieben, dass ich eine Inspiration für sie sei und dass meine Geschichte ihnen Mut mache.“

Menschen, die selbst über alternative Wege zur Familiengründung nachdachten oder sich nicht in traditionellen Familienbildern sahen. Heute, sechs Jahre nach der Geburt seines Sohnes, blickt Ted Buras nicht auf die Kosten oder die Anfeindungen zurück.

Bis heute spricht er offen über seinen ungewöhnlichen Weg zum Vaterglück. Bereut hat er ihn nie. „Ich würde alles genau so wieder machen. Hundert Mal.“ Schuh
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