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Ausgabe Nr. 24/2026 vom 10.06.2026, Fotos: Martin Rauchenwald
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Mit dem Tankwagen
wird das Wasser geliefert.
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Nicolas und Alexandra Lausegger haben ihr Becken mit Thermalwasser befüllt.
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Bürgermeister verkauft
Thermalwasser für „Pools“
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Während Gemeinden aufgrund der Trockenheit das Befüllen privater Schwimmbecken bereits verboten haben, setzt Bad Bleiberg (K) auf eine ungewöhnliche Lösung.
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Der Regen der vergangenen Wochen hat nicht gereicht. In unserem Land sinkt der Grundwasserspiegel immer tiefer. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat nun 224 Grundwasser-Messstellen im ganzen Land ausgewertet. Gut 86 Prozent lagen auf niedrigem oder sehr niedrigem Niveau – das sind 193 Messstellen. Ende April waren es noch 70 Prozent.

Die Lage hat sich also binnen eines Monats noch deutlich verschlechtert. Besonders alarmierend ist, dass an jeder vierten Messstelle Ende Mai der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen wurde. Manche Messreihen reichen bis in die 1950er Jahre zurück. „Unsere Böden und Äcker verdorren zunehmend. Gleichzeitig sinkt unser lebenswichtiger Grundwasserschatz vielerorts dramatisch ab“, warnt der Greenpeace-Wasserexperte Sebastian Theissing-Matei.

„Darunter leiden die Natur, die Landwirtschaft und die Wasserversorger.“ Einen einzigen „richtigen“ Grundwasserstand fürs ganze Land gibt es freilich nicht. Der Normalwert ist von Ort zu Ort unterschiedlich. Deshalb wird jede Messstelle mit ihren eigenen langjährigen Durchschnittswerten verglichen. Ein Beispiel zeigt, wie groß die Abweichung sein kann. In St. Johann in Tirol lag der Grundwasserstand Ende April bei etwas mehr als 652 Metern über der Adria. Diese Angabe bedeutet: Der Wasserspiegel wird von einem festgelegten Nullpunkt aus gemessen und zwar vom Meeresspiegel der Adria. Normal wäre in St. Anton zu dieser Jahreszeit ein Wasserspiegel von 654 Meter über der Adria. Es fehlten also ungefähr eineinhalb bis zwei Meter auf den üblichen Wert.

Die Folgen des Wasserverlustes sind bereits vielerorts spürbar. In Griffen (K) wurde das Befüllen von privaten Schwimmbecken, das Bewässern von Rasenflächen, Hecken und Bäumen sowie das Waschen von Autos verboten. Laut Bürgermeister Josef Müller (ÖVP) liefern die Quellen wegen fehlender Niederschläge um 20 bis 25 Prozent weniger Wasser. Auch in Guttaring (K) und Iselsberg-Stronach in Osttirol gibt es Einschränkungen. In Reith im Alpbachtal (T) wurde zum Wassersparen aufgerufen, in Hönigtal in der Steiermark darf an Wochenenden kein „Pool“ befüllt werden.

Für Greenpeace zeigen solche Beispiele, wie dringend nötig mehr Überblick über den Wasserverbrauch ist. Die Organisation fordert deshalb ein Wasserentnahme-Register. Es soll zeigen, wer wie viel Wasser aus Grundwasser, Flüssen oder Quellen entnimmt – vor allem große Verbraucher aus Industrie und Landwirtschaft. Damit die Pegel wieder in den Normalbereich kommen, brauche es nicht nur Regen, sondern auch weniger Versiegelung, sparsameren Verbrauch und klare Daten über die Wasserentnahme.

„Genau deshalb wollen wir wertvolles Trinkwasser schonen und verkaufen für die ,Pool‘-Befüllung unser Thermalwasser“, sagt Christian Hecher, der Bürgermeister von Bad Bleiberg (K), der der ULB (Unabhängige Liste Bleiberger Tal) angehört. Das Wasser ist 26,1 Grad warm, kostet 2,99 Euro pro Kubikmeter, also 1.000 Liter, und stammt aus rund 3.600 Metern Tiefe im ehemaligen Bad Bleiberger Bergbaugebiet.

„Das Thermalwasser ist kein Trinkwasser“, stellt Hecher klar. Der „angebohrte Schatz“ wurde 1951 bei einem Wassereinbruch im damaligen Blei- und Zinkbergwerk entdeckt. In 641 Metern unter Tage traten große Mengen Thermalwasser aus dem Berginneren aus. Seit 1962 wird es über die Pumpstation beim Franz-Josef-Stollen zum Rudolf-Hauptschacht und weiter an die Oberfläche gefördert. Es handelt sich um eine akratische, also schwach mineralisierte Kalzium-, Magnesium- und Hydrokarbonat-Thermalquelle.

Das Wasser wird seit Jahrzehnten im Kur- und Heilwesen genutzt, etwa bei Beschwerden von Gelenken, Wirbelsäule, Bewegungsapparat und Herz-Kreislauf-System. Für private Nutzer empfiehlt die Gemeinde dennoch ärztliche Rücksprache. Doch seit sechs Jahren wird das Wasser zur privaten „Pool“-Befüllung verkauft, rund 500 Kubikmeter pro Jahr. Deutlich mehr nutzen touristische Betriebe. Das Vivea Hotel Bad Bleiberg und das BLEIB BERG F.X. Mayr Retreat kommen gemeinsam auf 10.000 bis 11.000 Kubikmeter jährlich. Heuer gebe es aber für private „Pool“-Befüllungen täglich Anfragen aus ganz Kärnten, aber auch Kunden aus anderen Bundesländern zeigten Interesse, heißt es.

Die Lieferung müssen Käufer selbst organisieren. Die Gemeinde kooperiert dabei mit Transportunternehmen, die Kosten hängen von Entfernung und Anbieter ab. Verrechnet werden Anfahrt, Befüllung, Lieferung und Entladung. Der Stundenpreis liegt bei etwa 125 Euro brutto, damit kann ein 17 Kubikmeter großes Becken befüllt werden.

„Wir nutzen das Thermalwasser bereits seit Jahren für unser eigenes Becken“, erzählt Nicolas Lausegger, 19. Die Entscheidung lag nahe – im wahrsten Sinn des Wortes. Denn die Quelle ist nur etwa 30 Meter vom Haus der Familie entfernt, gleich daneben liegt das Kurhotel. Befüllt wird das aufstellbare Becken mit einem Feuerwehrschlauch. „Rund 15 Kubikmeter passen hinein. Eine Pool-Befüllung kostet uns etwa 45 Euro“, sagt Lausegger. Seine Mutter Alexandra Lausegger, 48, schätzt das Thermalwasser. „Ich merke es vor allem bei Beschwerden am Handgelenk und am Ellbogen“, erzählt sie. „Das warme Wasser tut gut und wirkt Gelenksproblemen entgegen.“

Eine Obergrenze für die Entnahme gebe es derzeit nicht. Denn das Thermalwasser sei reichlich vorhanden, betont Bürgermeister Hecher. Was nicht genutzt wird, fließt ohnehin ab und zwar über den Franz-Josef-Stollen in die Drau.
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