Auf in luftige Höhen
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Der Bau der Rax-Seilbahn gilt bis heute als Meisterleistung der heimischen Ingenieurskunst. 1926 wurde sie als erste Seilschwebebahn eröffnet und feiert nun ihr 100jähriges Jubiläum.
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Die Türen schließen mit einem dumpfen Klacken. Ein kurzes Rucken, dann schwebt die Kabine lautlos aus der Talstation, 528 Meter über dem Meeresspiegel. Unter den Füßen verschwindet Reichenau an der Rax (NÖ), die
Dächer werden kleiner, die Luft klarer. In acht Minuten wird eine andere Welt vor den Fahrgästen liegen – das Rax-Plateau, auf 1.546 Meter Seehöhe.
„Bei meiner Arbeit habe ich eine der schönsten Aussichten unseres Landes“, sagt Josef Ulrich und lacht. Seit eineinhalb Jahren begleitet er die Fahrgäste in den grünen Waggons der Rax-Seilbahn hinauf und hinunter. Oft fährt er die zwei Kilometer lange Strecke bis zu 90 Mal täglich, das macht rund 90.000 Höhenmeter pro Tag.
Seit mittlerweile 100 Jahren verbindet die Bahn Berg und Tal. Was heute selbstverständlich wirkt, war im Jahr 1926 eine Sensation. Die Rax-Seilbahn ist die erste Personen-Seilschwebebahn unseres Landes und war dazumals eine technische Weltneuheit.
Das steile Gelände war eine Herausforderung. Da es keine Hilfsmaschinen gab, war der Bau eine reine Handarbeit, 124 Männer und Frauen arbeiteten zwei Jahre lang nahezu rund um die Uhr, auch im Winter wurde durchgearbeitet. Heute zählt die Bahn rund 200.000 Gäste pro Jahr und gilt als „Hausberg der Wiener“. Schon früh zog das größte alpine Hochplateau unseres Landes auch Künstler, Denker und Prominente an.
Der Psychiater Viktor Frankl, der Arzt und Tiefenpsychologe Sigmund Freud, die Musikerin und Literarin Alma Mahler, der Dramatiker Arthur Schnitzler oder der Schriftsteller Franz Werfel suchten hier bereits Inspiration und Ruhe. Für den Wiener Hochadel galt die Rax als beliebter Rückzugsort zur „Sommerfrische“.
„Und dennoch bleibt die Rax ein Berg für alle“, versichert der Seilbahnbetreiber Bernd Scharfegger, 42.
„Hier oben treffen Politiker auf Hausmeister, Bergsteiger auf Genussmenschen, Touristen auf Einheimische, Junge auf Alte. Der Berg verbindet alle gesellschaftlichen Schichten und ist eine Begegnungszone“, sagt Scharfegger. „Ob Wanderer, Naturliebhaber, Familien, Sportler oder einfach Menschen, die einmal tief durchatmen wollen, sie alle finden hier ihren Platz.“
Das liegt unter anderem daran, dass eine öffentliche Anreise zur Talstation möglich ist. „Es wird kein eigenes Auto oder ein Führerschein benötigt, um auf den Berg zu kommen. Die Bahnverbindung aus Wien endet praktisch vor unserer Haustür. Ich habe das selbst ausprobiert. Von hier war ich mit den Öffis in eineinhalb Stunden am Stephansplatz in Wien“, sagt Scharfegger.
Währenddessen schwebt die Kabine ruhig weiter über Baumwipfel und Felsen. Getragen wird sie nach den Prinzipien des „Bleichert-Zuegg-Systems“ (straffe Seilspannung, automatische Fangbremse), das seit einem Jahrhundert zuverlässig funktioniert. Fünf Stützen tragen die Bahn, bis zu 30 Personen finden pro Fahrt Platz.
Maximal 2.250 Kilo Gewicht darf eine Kabine transportieren. Eine Berg- und Talfahrt für Erwachsene kostet 38 Euro. „Ein Seil hält oft 25 bis 30 Jahre“, erklärt Ulrich beiläufig. Dass die Bahn seit 100 Jahren unfallfrei unterwegs ist, erfüllt die Betreiber mit Stolz.
„Seilbahnfahren ist in unserem Land das sicherste Transportmittel. Das liegt an den überaus strengen Gesetzen und Auflagen“, erklärt Scharfegger.
Hinter diesem Sicherheitsversprechen steckt tägliche Arbeit, 14 Mitarbeiter kümmern sich laufend um Wartung und Betrieb. 4,5 Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren in die Renovierung und Instandhaltung investiert. „Wir fahren außerdem im Pendelbetrieb, das ist eine besonders effiziente Fahrweise“, sagt Ulrich.
Oben angekommen, verändert sich die Welt spürbar. Die Temperaturen liegen im Sommer oft zehn Grad unter jenen im Tal. Im Herbst und Winter hingegen scheint oben häufig die Sonne, während unten noch der Nebel hängt. „Außerdem gibt es hier keinen Pollenflug. Für Allergiker ist das ideal“, sagt Scharfegger und lacht. „Ich weiß, wovon ich spreche. Ich bin selbst einer.“
Der Blick über die Gipfel, die Weite des Plateaus, die schroffen Felsen, für Scharfegger bedeutet der Berg „in erster Linie natürlich Arbeit, aber gleichzeitig ist er mein Ausgleich und meine Entschleunigung. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht herkomme und den Blick über die Berge schweifen lasse. Jeden Tag sehen sie anders aus, ich bin von ihnen fasziniert.“
Die Geschichte der Bahn ist eng mit der Familie Scharf-
egger verbunden. Im Jahr 1970 zogen Fritz und Grete Scharfegger aus der Steiermark nach Reichenau und kauften die Seilbahn aus der Insolvenz heraus. Seitdem wird sie als Familienbetrieb geführt.
„Das Erbe meiner Eltern ist für mich auch gleichzeitig ein Auftrag“, sagt Scharfegger. „Nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht. Ich will auch die Kultur bewahren und weiterführen. Das ist Verantwortung.“ Deshalb wird auch bewusst auf sanften Tourismus gesetzt. Maximal 2.800 Menschen können täglich auf den Berg transportiert werden. „Mehr sollen gar nicht kommen. Mehr verträgt der Berg auch nicht“, sagt Scharfegger.
„So bleiben Natur und Bevölkerung im Einklang.“ Seinen Lieblingsplatz oben auf der Rax möchte der 42jährige nicht verraten. „Ich sage nur so viel. Schon Viktor Frankl verweilte dort gerne“, sagt er mit einem Augenzwinkern.
Dächer werden kleiner, die Luft klarer. In acht Minuten wird eine andere Welt vor den Fahrgästen liegen – das Rax-Plateau, auf 1.546 Meter Seehöhe.
„Bei meiner Arbeit habe ich eine der schönsten Aussichten unseres Landes“, sagt Josef Ulrich und lacht. Seit eineinhalb Jahren begleitet er die Fahrgäste in den grünen Waggons der Rax-Seilbahn hinauf und hinunter. Oft fährt er die zwei Kilometer lange Strecke bis zu 90 Mal täglich, das macht rund 90.000 Höhenmeter pro Tag.
Seit mittlerweile 100 Jahren verbindet die Bahn Berg und Tal. Was heute selbstverständlich wirkt, war im Jahr 1926 eine Sensation. Die Rax-Seilbahn ist die erste Personen-Seilschwebebahn unseres Landes und war dazumals eine technische Weltneuheit.
Das steile Gelände war eine Herausforderung. Da es keine Hilfsmaschinen gab, war der Bau eine reine Handarbeit, 124 Männer und Frauen arbeiteten zwei Jahre lang nahezu rund um die Uhr, auch im Winter wurde durchgearbeitet. Heute zählt die Bahn rund 200.000 Gäste pro Jahr und gilt als „Hausberg der Wiener“. Schon früh zog das größte alpine Hochplateau unseres Landes auch Künstler, Denker und Prominente an.
Der Psychiater Viktor Frankl, der Arzt und Tiefenpsychologe Sigmund Freud, die Musikerin und Literarin Alma Mahler, der Dramatiker Arthur Schnitzler oder der Schriftsteller Franz Werfel suchten hier bereits Inspiration und Ruhe. Für den Wiener Hochadel galt die Rax als beliebter Rückzugsort zur „Sommerfrische“.
„Und dennoch bleibt die Rax ein Berg für alle“, versichert der Seilbahnbetreiber Bernd Scharfegger, 42.
„Hier oben treffen Politiker auf Hausmeister, Bergsteiger auf Genussmenschen, Touristen auf Einheimische, Junge auf Alte. Der Berg verbindet alle gesellschaftlichen Schichten und ist eine Begegnungszone“, sagt Scharfegger. „Ob Wanderer, Naturliebhaber, Familien, Sportler oder einfach Menschen, die einmal tief durchatmen wollen, sie alle finden hier ihren Platz.“
Das liegt unter anderem daran, dass eine öffentliche Anreise zur Talstation möglich ist. „Es wird kein eigenes Auto oder ein Führerschein benötigt, um auf den Berg zu kommen. Die Bahnverbindung aus Wien endet praktisch vor unserer Haustür. Ich habe das selbst ausprobiert. Von hier war ich mit den Öffis in eineinhalb Stunden am Stephansplatz in Wien“, sagt Scharfegger.
Währenddessen schwebt die Kabine ruhig weiter über Baumwipfel und Felsen. Getragen wird sie nach den Prinzipien des „Bleichert-Zuegg-Systems“ (straffe Seilspannung, automatische Fangbremse), das seit einem Jahrhundert zuverlässig funktioniert. Fünf Stützen tragen die Bahn, bis zu 30 Personen finden pro Fahrt Platz.
Maximal 2.250 Kilo Gewicht darf eine Kabine transportieren. Eine Berg- und Talfahrt für Erwachsene kostet 38 Euro. „Ein Seil hält oft 25 bis 30 Jahre“, erklärt Ulrich beiläufig. Dass die Bahn seit 100 Jahren unfallfrei unterwegs ist, erfüllt die Betreiber mit Stolz.
„Seilbahnfahren ist in unserem Land das sicherste Transportmittel. Das liegt an den überaus strengen Gesetzen und Auflagen“, erklärt Scharfegger.
Hinter diesem Sicherheitsversprechen steckt tägliche Arbeit, 14 Mitarbeiter kümmern sich laufend um Wartung und Betrieb. 4,5 Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren in die Renovierung und Instandhaltung investiert. „Wir fahren außerdem im Pendelbetrieb, das ist eine besonders effiziente Fahrweise“, sagt Ulrich.
Oben angekommen, verändert sich die Welt spürbar. Die Temperaturen liegen im Sommer oft zehn Grad unter jenen im Tal. Im Herbst und Winter hingegen scheint oben häufig die Sonne, während unten noch der Nebel hängt. „Außerdem gibt es hier keinen Pollenflug. Für Allergiker ist das ideal“, sagt Scharfegger und lacht. „Ich weiß, wovon ich spreche. Ich bin selbst einer.“
Der Blick über die Gipfel, die Weite des Plateaus, die schroffen Felsen, für Scharfegger bedeutet der Berg „in erster Linie natürlich Arbeit, aber gleichzeitig ist er mein Ausgleich und meine Entschleunigung. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht herkomme und den Blick über die Berge schweifen lasse. Jeden Tag sehen sie anders aus, ich bin von ihnen fasziniert.“
Die Geschichte der Bahn ist eng mit der Familie Scharf-
egger verbunden. Im Jahr 1970 zogen Fritz und Grete Scharfegger aus der Steiermark nach Reichenau und kauften die Seilbahn aus der Insolvenz heraus. Seitdem wird sie als Familienbetrieb geführt.
„Das Erbe meiner Eltern ist für mich auch gleichzeitig ein Auftrag“, sagt Scharfegger. „Nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht. Ich will auch die Kultur bewahren und weiterführen. Das ist Verantwortung.“ Deshalb wird auch bewusst auf sanften Tourismus gesetzt. Maximal 2.800 Menschen können täglich auf den Berg transportiert werden. „Mehr sollen gar nicht kommen. Mehr verträgt der Berg auch nicht“, sagt Scharfegger.
„So bleiben Natur und Bevölkerung im Einklang.“ Seinen Lieblingsplatz oben auf der Rax möchte der 42jährige nicht verraten. „Ich sage nur so viel. Schon Viktor Frankl verweilte dort gerne“, sagt er mit einem Augenzwinkern.
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