Im Glanz der Oliven
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Ein Ehepaar aus unserem Land hat sein Leben völlig umgekrempelt. Rudolf und Beatrix Nemetschke haben Top-Positionen in der Wirtschaft aufgegeben, um ihren Traum zu leben.
Sie besitzen heute einen Olivenhain in Kroatien und stellen das beste Öl der Welt her.
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Jetzt ist es still in den Olivenhainen von Sveti Lovreč. Der kleine Ort liegt auf der kroatischen Halbinsel Istrien im Norden des Landes. Die Adriaküste ist 15 Kilometer entfernt, bis zum lieblichen Küstenstädtchen Rovinj sind es nur wenige Autominuten Richtung Südwesten.
Rudolf Nemetschke, 61, macht einen Kontrollgang durch seinen Olivenhain, bleibt hier und da stehen, greift in einen Zweig und dreht eine noch kleine, feste Olive zwischen den Fingern. Ein prüfender Blick, ein kurzes Nicken. „Heuer sieht es ganz gut aus“, sagt er lächelnd, während die silbrig-grün schimmernden Blätter rings umher von einer sanften Brise zum Tanzen gebracht
werden.
Sein Lebenstraum scheint in diesem Jahr wieder mit einer guten Ernte belohnt zu werden. Immerhin ist der gebürtige Wiener gemeinsam mit seiner Frau Beatrix ein großes Risiko eingegangen. Er hat Karriere in der Bankenwelt gemacht, war Direktor bei der Hypovereinsbank in München (D) und saß im Vorstand mehrerer Tochterbanken. „Im August 2008 habe ich aufgehört“, erzählt Nemetschke. „Ich wollte meinem Leben eine andere Richtung geben. Etwas machen, das auch der Seele guttut.“
Seine Frau sah das genauso und zog mit. Die Linzerin, promovierte Pädagogin und Kommunikationsexpertin, arbeitete ebenfalls in der Welt der Wirtschaft. Gemeinsam suchten sie nach einem Ort, der mehr sein sollte als nur ein Projekt. Ein Ort, der auch Heimat ist.
Fündig wurden die beiden im Jahr 2014 in Sveti Lovreč. Der Markt für Oliven lag darnieder. Viele Grundstücke standen zum Verkauf und so erwarb das Paar 90 Hektar verwildertes und verbuschtes Olivenland, das seit Jahrzehnten sich selbst überlassen war. „Das war alles andere als ein gepflegter Olivenhain“, sagt Beatrix Nemetschke. „Das war Arbeit. Sehr viel und sehr harte Arbeit.“
In einem ersten Schritt wurden 35 Hektar nutzbar gemacht. Der Rest folgt Stück für Stück, wie es die Zeit erlaubt. „Da haben wir noch einiges vor uns“, weiß das Paar. Gut 450 uralte Bäume stehen nun in ihrem Besitz, manche sind mehr als 300 Jahre alt. Knorrig, verdreht, voller Geschichte. Dazwischen pflanzten die Nemetschkes rund 9.000 neue. Bis ein Baum abgeerntet werden kann, vergehen mindestens vier Jahre, manchmal auch zwanzig.
Ihre Früchte stammen aus 20 Sorten. Darunter charakterstarke Oliven wie die „istrianische Blondine“, eine grünliche, ins Weiß gehende Sorte von der Größe einer kleinen Walnuss, etwa zweieinhalb Zentimeter lang. Deren
Öl ist scharf, bitter und intensiv. Eines, das im Hals kratzt und für immer im Gedächtnis bleibt. Daneben gedeihen die istrischen Sorten „Istarska Bjelica“ und die „Buza“-Olive, die eine lila Färbung aufweist und mit einem ausgewogenen Aroma zwischen fruchtig und bitter punktet.
Mit der Sorte „Leccino“ gibt es bei den Nemetschkes auch eine italienische Variante der Olive, die sich beim Reifen von Grün auf Dunkelviolett bis Schwarz verfärbt. Rudolf Nemetschke ist überzeugt, dass die „Leccino“ in Istrien ein einmaliges Aroma entfaltet. Das Öl ist fruchtig und eignet sich gut für Süßspeisen.
Allerdings nur dann, wenn zum richtigen Zeitpunkt geerntet wird, also noch bevor die Oliven selbst von den Bäumen fallen. Eine Druckprobe hilft. „Einfach eine Olive zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen und zusammenpressen. Wenn der Kern fast herausflutscht, ist sie reif“, erklärt der 61jährige Wiener. Das ist in der Regel Ende September der Fall. Dann rücken er und seine Frau mit sechs Helfern aus, um die Früchte von den Bäumen zu holen. Mit der Hand und mit kleinen elektrischen Rüttlern, mit denen sie durch die Äste der nur etwa fünf Meter hohen Bäume streichen. Eile ist geboten. Zehn Tage lang wird von neun Uhr in der Früh bis fünf Uhr am Nachmittag geerntet.
Dazwischen wird im Schatten eine schnelle Jause, auch „Marenda“ genannt, verzehrt. Ein einfaches Mahl, das aus Weißbrot, Speck sowie ein paar Schluck Wasser besteht. „Viel Zeit bleibt nicht. Es muss alles rasch gehen“, sagt Nemetschke. „Die Erntekisten dürfen nicht in der Sonne stehen. Daher müssen wir sie immer hin- und herschleppen. Je nachdem, wo die Sonne gerade steht.“ Denn jede Stunde entscheidet über die Qualität. Daher kommen noch am Tag der Ernte die Oliven in die Mühle, wo sie kalt gepresst werden. Im Vorjahr wurden 15 Tonnen Oliven geerntet, die 1.300 Liter Öl ergeben haben.
Eine goldgelbe Flüssigkeit, die in Flaschen abgefüllt wurde und die den heimischen Olivenbauern großes, internationales Lob eingebracht hat. Denn Anfang des Jahres wurden in New York (USA) auf der Olivenmesse, einer der renommiertesten der Welt, von einer Jury die besten Öle des Jahres gekürt. Und dort holten sich Rudolf und Beatrix Nemetschke mit ihrer Marke „Avistria“ gleich sechs Mal Gold für extra natives Premium-Olivenöl, das nach Kriterien wie Fruchtigkeit, Bitterkeit, Schärfe und Gesamtbalance bewertet wurde.
„Mit Oliven ist es wie an der Börse“, sagt der frühere Bankfachmann, „wenn du den richtigen Moment verpasst, ist alles weniger wert.“ Welche Sorten er mischt und in welchem Verhältnis, verrät der 61jährige freilich nicht. Wohl aber, dass dies Sinn macht. „Wir können dadurch die Fruchtigkeit verstärken und Bitterkeit zurückdrängen. Das wollen wir in den nächsten Jahren noch besser machen.“
Wichtig sei seinen Angaben zufolge aber auch, dass sich der Baum anstrengen soll. „Je mehr er das machen muss, umso besser wird das Öl“, sagt Nemetschke. Besonders auf den kargen, steinigen Böden entstehen intensive Aromen. Bitter, mit vielen wertvollen Polyphenolen. Das sind Stoffe, die entzündungshemmend wirken, unsere Zellen schützen und sogar Alterungsprozesse verlangsamen.
Das Öl verkauft das Paar, das zwischen dem Hauptwohnsitz am Wolfgangsee und Istrien pendelt, direkt und übers Internet unter avistria.at. Der halbe Liter kostet 16 Euro plus Umsatzsteuer für die „istrianische Blondine“, einige andere hocharomatische Sorten wie die „Buza“ kosten 24 Euro plus Umsatzsteuer. „Öle sollen kein Luxusprodukt sein“, sagen die beiden. „Sondern etwas, das wir jeden Tag verwenden können.“
Die beiden nehmen ihr Öl zum Kochen, Braten, für Salate und sogar für die Zubereitung von Schokolade-
kuchen. „Statt der Butter kommt dabei unser ,Leccino‘-Öl zum Einsatz.“ Jelincic
Rudolf Nemetschke, 61, macht einen Kontrollgang durch seinen Olivenhain, bleibt hier und da stehen, greift in einen Zweig und dreht eine noch kleine, feste Olive zwischen den Fingern. Ein prüfender Blick, ein kurzes Nicken. „Heuer sieht es ganz gut aus“, sagt er lächelnd, während die silbrig-grün schimmernden Blätter rings umher von einer sanften Brise zum Tanzen gebracht
werden.
Sein Lebenstraum scheint in diesem Jahr wieder mit einer guten Ernte belohnt zu werden. Immerhin ist der gebürtige Wiener gemeinsam mit seiner Frau Beatrix ein großes Risiko eingegangen. Er hat Karriere in der Bankenwelt gemacht, war Direktor bei der Hypovereinsbank in München (D) und saß im Vorstand mehrerer Tochterbanken. „Im August 2008 habe ich aufgehört“, erzählt Nemetschke. „Ich wollte meinem Leben eine andere Richtung geben. Etwas machen, das auch der Seele guttut.“
Seine Frau sah das genauso und zog mit. Die Linzerin, promovierte Pädagogin und Kommunikationsexpertin, arbeitete ebenfalls in der Welt der Wirtschaft. Gemeinsam suchten sie nach einem Ort, der mehr sein sollte als nur ein Projekt. Ein Ort, der auch Heimat ist.
Fündig wurden die beiden im Jahr 2014 in Sveti Lovreč. Der Markt für Oliven lag darnieder. Viele Grundstücke standen zum Verkauf und so erwarb das Paar 90 Hektar verwildertes und verbuschtes Olivenland, das seit Jahrzehnten sich selbst überlassen war. „Das war alles andere als ein gepflegter Olivenhain“, sagt Beatrix Nemetschke. „Das war Arbeit. Sehr viel und sehr harte Arbeit.“
In einem ersten Schritt wurden 35 Hektar nutzbar gemacht. Der Rest folgt Stück für Stück, wie es die Zeit erlaubt. „Da haben wir noch einiges vor uns“, weiß das Paar. Gut 450 uralte Bäume stehen nun in ihrem Besitz, manche sind mehr als 300 Jahre alt. Knorrig, verdreht, voller Geschichte. Dazwischen pflanzten die Nemetschkes rund 9.000 neue. Bis ein Baum abgeerntet werden kann, vergehen mindestens vier Jahre, manchmal auch zwanzig.
Ihre Früchte stammen aus 20 Sorten. Darunter charakterstarke Oliven wie die „istrianische Blondine“, eine grünliche, ins Weiß gehende Sorte von der Größe einer kleinen Walnuss, etwa zweieinhalb Zentimeter lang. Deren
Öl ist scharf, bitter und intensiv. Eines, das im Hals kratzt und für immer im Gedächtnis bleibt. Daneben gedeihen die istrischen Sorten „Istarska Bjelica“ und die „Buza“-Olive, die eine lila Färbung aufweist und mit einem ausgewogenen Aroma zwischen fruchtig und bitter punktet.
Mit der Sorte „Leccino“ gibt es bei den Nemetschkes auch eine italienische Variante der Olive, die sich beim Reifen von Grün auf Dunkelviolett bis Schwarz verfärbt. Rudolf Nemetschke ist überzeugt, dass die „Leccino“ in Istrien ein einmaliges Aroma entfaltet. Das Öl ist fruchtig und eignet sich gut für Süßspeisen.
Allerdings nur dann, wenn zum richtigen Zeitpunkt geerntet wird, also noch bevor die Oliven selbst von den Bäumen fallen. Eine Druckprobe hilft. „Einfach eine Olive zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen und zusammenpressen. Wenn der Kern fast herausflutscht, ist sie reif“, erklärt der 61jährige Wiener. Das ist in der Regel Ende September der Fall. Dann rücken er und seine Frau mit sechs Helfern aus, um die Früchte von den Bäumen zu holen. Mit der Hand und mit kleinen elektrischen Rüttlern, mit denen sie durch die Äste der nur etwa fünf Meter hohen Bäume streichen. Eile ist geboten. Zehn Tage lang wird von neun Uhr in der Früh bis fünf Uhr am Nachmittag geerntet.
Dazwischen wird im Schatten eine schnelle Jause, auch „Marenda“ genannt, verzehrt. Ein einfaches Mahl, das aus Weißbrot, Speck sowie ein paar Schluck Wasser besteht. „Viel Zeit bleibt nicht. Es muss alles rasch gehen“, sagt Nemetschke. „Die Erntekisten dürfen nicht in der Sonne stehen. Daher müssen wir sie immer hin- und herschleppen. Je nachdem, wo die Sonne gerade steht.“ Denn jede Stunde entscheidet über die Qualität. Daher kommen noch am Tag der Ernte die Oliven in die Mühle, wo sie kalt gepresst werden. Im Vorjahr wurden 15 Tonnen Oliven geerntet, die 1.300 Liter Öl ergeben haben.
Eine goldgelbe Flüssigkeit, die in Flaschen abgefüllt wurde und die den heimischen Olivenbauern großes, internationales Lob eingebracht hat. Denn Anfang des Jahres wurden in New York (USA) auf der Olivenmesse, einer der renommiertesten der Welt, von einer Jury die besten Öle des Jahres gekürt. Und dort holten sich Rudolf und Beatrix Nemetschke mit ihrer Marke „Avistria“ gleich sechs Mal Gold für extra natives Premium-Olivenöl, das nach Kriterien wie Fruchtigkeit, Bitterkeit, Schärfe und Gesamtbalance bewertet wurde.
„Mit Oliven ist es wie an der Börse“, sagt der frühere Bankfachmann, „wenn du den richtigen Moment verpasst, ist alles weniger wert.“ Welche Sorten er mischt und in welchem Verhältnis, verrät der 61jährige freilich nicht. Wohl aber, dass dies Sinn macht. „Wir können dadurch die Fruchtigkeit verstärken und Bitterkeit zurückdrängen. Das wollen wir in den nächsten Jahren noch besser machen.“
Wichtig sei seinen Angaben zufolge aber auch, dass sich der Baum anstrengen soll. „Je mehr er das machen muss, umso besser wird das Öl“, sagt Nemetschke. Besonders auf den kargen, steinigen Böden entstehen intensive Aromen. Bitter, mit vielen wertvollen Polyphenolen. Das sind Stoffe, die entzündungshemmend wirken, unsere Zellen schützen und sogar Alterungsprozesse verlangsamen.
Das Öl verkauft das Paar, das zwischen dem Hauptwohnsitz am Wolfgangsee und Istrien pendelt, direkt und übers Internet unter avistria.at. Der halbe Liter kostet 16 Euro plus Umsatzsteuer für die „istrianische Blondine“, einige andere hocharomatische Sorten wie die „Buza“ kosten 24 Euro plus Umsatzsteuer. „Öle sollen kein Luxusprodukt sein“, sagen die beiden. „Sondern etwas, das wir jeden Tag verwenden können.“
Die beiden nehmen ihr Öl zum Kochen, Braten, für Salate und sogar für die Zubereitung von Schokolade-
kuchen. „Statt der Butter kommt dabei unser ,Leccino‘-Öl zum Einsatz.“ Jelincic
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