Der tüchtige Sensenmann
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Im Sensenwerk Schröckenfux in Roßleithen (OÖ) wird seit 500 Jahren geschmiedet, geschliffen und gehämmert. In der alten Werkstatt dreht sich alles um das Handwerk mit der richtigen Schneid.
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Wer in Roßleithen (OÖ) dem Schild „Zum Sensenmann“ folgt, landet direkt bei ihm, Klaus Perthmayr. Nicht selten sorgt der Name für lustige Situationen.
„Ich habe mich einmal als Sensenmann vorgestellt“, erzählt Perthmayr lachend. „Da meinte eine Kundin: ‚Wenn der so aussieht wie du, dann fürchte ich mich nicht.‘“
Das Sensenwerk „Franz de Paul Schröckenfux“ in der knapp 2.000-Einwohner-Gemeinde ist eines der letzten seiner Art und die größte Sensenschmiede Europas.
Seit 1540, also seit fast 500 Jahren, werden hier Qualitätssensen produziert. Der Betrieb ist seit Generationen im Familienbesitz. Im Jahr 2014 wurde das alte Handwerk auch in das österreichische immaterielle Kulturerbe aufgenommen.
„Schon vor Jahrtausenden haben unsere Vorfahren die Wiesen mit der Sense gemäht. Der Name Sense kommt aus dem althochdeutschen ‚Segensa‘ und bedeutet ‚Die Schneidende‘. Sie zählt zu den ältesten Arbeitsgeräten der Menschheit“, erklärt der 59jährige.
„Um 1900 erlebte die Sensenproduktion ihre Hochblüte. Zu dieser Zeit gab es allein in Oberösterreich 42 Werke. Primär an Orten, in denen Wasser für die Triebkraft der Hämmer, Wald für das Befeuern der Holzöfen und der Rohstoff Stahl durch die Nähe zum Erzberg vorhanden waren“, weiß Klaus Perthmayr, der für die Technik und den Verkauf im Betrieb zuständig ist.
Die Sense selbst kann dabei in den unterschiedlichsten traditionellen Modellen gefertigt werden. „Sense ist nicht gleich Sense. Ihr Einsatz ist abhängig vom Bewuchs der Fläche, der Bodenbeschaffenheit und der Kontur des Geländes.“
Daraus entwickelte sich die heutige Auswahl an 50 Exemplaren, die sich in Länge, Breite, Bombierung, Spitzhöhe und Form unterscheiden. „Wir können die verschiedensten Formen anbieten, weil unsere Mitarbeiter das Handwerk so gut beherrschen. Besonders stolz sind wir darauf, dass bei 90 Mitarbeitern alle Altersgruppen vertreten sind. Somit ist die Weitergabe des alten Handwerkes gesichert“, zeigt sich Perthmayr zuversichtlich.
Etwa 80.000 Sensen werden im Jahr produziert. Fünf Tage pro Woche wird am Betriebsgelände geschlagen, gehämmert und geschmiedet.
„Für unsere Sensen benötigen wir speziellen Stahl, der gut schmiedbar und härtbar ist. Daraus wird der Rohling in die gesamte Grundform, auch ‚Stangl‘ genannt, gestanzt“, erklärt Perthmayr.
Als Herzstück und einen der schwierigsten Arbeitsschritte beschreibt der Sensenmacher das „Breiten“. „Dabei wird das Stahlstück von 4,5 Millimeter auf nur einen Millimeter heruntergeschmiedet. Etwa 2.000 Sensen braucht es als Übung, bis jemand das wirklich kann. Wer hier anfängt, produziert zuerst einmal viele kreative Versuche.“
Der Heizer hantiert nebenbei am Ofen, der den Stahl auf 1.200 Grad erhitzt, bevor er den glühenden „Zain“ (Rohling) dem Breiter übergibt.
„Jeder Breiter macht seine Sensen, die meisten in zwei Hitzen, selbst fertig. Somit ist jede Sense ein Unikat mit der Handschrift des Handwerkers, die Präzision, enormes Geschick, hohe Konzentration und entsprechende Kraft und Ausdauer voraussetzt.“
Ist die Sense geschmiedet, wird der Sensenrücken aufgestellt. Im Fachjargon wird bei diesem Arbeitsvorgang vom „Abrichten“ gesprochen.
„Der Sensenrücken wird bei rund 800 Grad in seine charakteristische Form gebracht, damit die Sense eine Drehsteifigkeit bekommt.“
Nach dem Zusammenhämmern und „Grauhämmern“ (in Form bringen und Glätten des Sensenblattes), wird vom Beschneider mit einer Rollenschere der exakte Verlauf der Schneide geschnitten.
„Der Beschneider muss sich dabei auf sein Augenmaß verlassen. Erst später wird jedes Sensenblatt kontrolliert und die vorgeschriebene Breite nachgemessen“, sagt Perthmayr.
Die Verbindung zwischen Sensenblatt und Sensenwurf bildet die „Hamme“, die im richtigen Winkel gestellt werden muss.
Schließlich wird der Stahl ausgehärtet. Dabei wird das Sensenblatt auf 870 Grad erhitzt und im Ölbad abgeschreckt. „Das ist ein wichtiger Arbeitsschritt, damit die Festigkeit der Sense und die Standzeit der Schneide gewährleistet sind.
Ungehärtet würde sich die Sense verformen und die Schneide würde nicht lange halten.“ Mit einem 1,7 Kilo schweren Hammer wird das Sensenblatt dann gerichtet und für noch mehr Stabilität „getupft“.
25 Arbeitsschritte umfasst die Herstellung. „Das ist eine körperlich herausfordernde Arbeit, wenn wir uns vor Augen halten, dass der Handwerker am Tag bis zu 20.000 Hammerschläge macht“, zeigt sich auch Klaus Perthmayr nach all den Jahren noch beeindruckt.
Zu guter Letzt wird die Sense noch scharf geschliffen, damit sie mähfertig das Betriebsgelände verlässt. Um etwa 60 Euro kann sie direkt im Werksverkauf (www.schroeckenfux.at) erworben werden.
Perthmayr betont: „Eine Sense hält über Generationen, das Wichtigste ist eine gute Schneide. Jeder Haushalt sollte eine besitzen.
Nicht nur zum Mähen, sondern auch, weil das Arbeiten mit der Sense entschleunigt. Außerdem ist es umweltfreundlich.“
Wer also wissen will, wie die perfekte Schneid entsteht, landet früher oder später beim „Sensenmann“. Perthmayr garantiert mit einem Schmunzeln im Gesicht, „Das bedeutet aber nichts Lebensbedrohliches.“
Sensenschmiede Schröckenfux
4575 Roßleithen 72
rossleithen@schroeckenfux.at
„Ich habe mich einmal als Sensenmann vorgestellt“, erzählt Perthmayr lachend. „Da meinte eine Kundin: ‚Wenn der so aussieht wie du, dann fürchte ich mich nicht.‘“
Das Sensenwerk „Franz de Paul Schröckenfux“ in der knapp 2.000-Einwohner-Gemeinde ist eines der letzten seiner Art und die größte Sensenschmiede Europas.
Seit 1540, also seit fast 500 Jahren, werden hier Qualitätssensen produziert. Der Betrieb ist seit Generationen im Familienbesitz. Im Jahr 2014 wurde das alte Handwerk auch in das österreichische immaterielle Kulturerbe aufgenommen.
„Schon vor Jahrtausenden haben unsere Vorfahren die Wiesen mit der Sense gemäht. Der Name Sense kommt aus dem althochdeutschen ‚Segensa‘ und bedeutet ‚Die Schneidende‘. Sie zählt zu den ältesten Arbeitsgeräten der Menschheit“, erklärt der 59jährige.
„Um 1900 erlebte die Sensenproduktion ihre Hochblüte. Zu dieser Zeit gab es allein in Oberösterreich 42 Werke. Primär an Orten, in denen Wasser für die Triebkraft der Hämmer, Wald für das Befeuern der Holzöfen und der Rohstoff Stahl durch die Nähe zum Erzberg vorhanden waren“, weiß Klaus Perthmayr, der für die Technik und den Verkauf im Betrieb zuständig ist.
Die Sense selbst kann dabei in den unterschiedlichsten traditionellen Modellen gefertigt werden. „Sense ist nicht gleich Sense. Ihr Einsatz ist abhängig vom Bewuchs der Fläche, der Bodenbeschaffenheit und der Kontur des Geländes.“
Daraus entwickelte sich die heutige Auswahl an 50 Exemplaren, die sich in Länge, Breite, Bombierung, Spitzhöhe und Form unterscheiden. „Wir können die verschiedensten Formen anbieten, weil unsere Mitarbeiter das Handwerk so gut beherrschen. Besonders stolz sind wir darauf, dass bei 90 Mitarbeitern alle Altersgruppen vertreten sind. Somit ist die Weitergabe des alten Handwerkes gesichert“, zeigt sich Perthmayr zuversichtlich.
Etwa 80.000 Sensen werden im Jahr produziert. Fünf Tage pro Woche wird am Betriebsgelände geschlagen, gehämmert und geschmiedet.
„Für unsere Sensen benötigen wir speziellen Stahl, der gut schmiedbar und härtbar ist. Daraus wird der Rohling in die gesamte Grundform, auch ‚Stangl‘ genannt, gestanzt“, erklärt Perthmayr.
Als Herzstück und einen der schwierigsten Arbeitsschritte beschreibt der Sensenmacher das „Breiten“. „Dabei wird das Stahlstück von 4,5 Millimeter auf nur einen Millimeter heruntergeschmiedet. Etwa 2.000 Sensen braucht es als Übung, bis jemand das wirklich kann. Wer hier anfängt, produziert zuerst einmal viele kreative Versuche.“
Der Heizer hantiert nebenbei am Ofen, der den Stahl auf 1.200 Grad erhitzt, bevor er den glühenden „Zain“ (Rohling) dem Breiter übergibt.
„Jeder Breiter macht seine Sensen, die meisten in zwei Hitzen, selbst fertig. Somit ist jede Sense ein Unikat mit der Handschrift des Handwerkers, die Präzision, enormes Geschick, hohe Konzentration und entsprechende Kraft und Ausdauer voraussetzt.“
Ist die Sense geschmiedet, wird der Sensenrücken aufgestellt. Im Fachjargon wird bei diesem Arbeitsvorgang vom „Abrichten“ gesprochen.
„Der Sensenrücken wird bei rund 800 Grad in seine charakteristische Form gebracht, damit die Sense eine Drehsteifigkeit bekommt.“
Nach dem Zusammenhämmern und „Grauhämmern“ (in Form bringen und Glätten des Sensenblattes), wird vom Beschneider mit einer Rollenschere der exakte Verlauf der Schneide geschnitten.
„Der Beschneider muss sich dabei auf sein Augenmaß verlassen. Erst später wird jedes Sensenblatt kontrolliert und die vorgeschriebene Breite nachgemessen“, sagt Perthmayr.
Die Verbindung zwischen Sensenblatt und Sensenwurf bildet die „Hamme“, die im richtigen Winkel gestellt werden muss.
Schließlich wird der Stahl ausgehärtet. Dabei wird das Sensenblatt auf 870 Grad erhitzt und im Ölbad abgeschreckt. „Das ist ein wichtiger Arbeitsschritt, damit die Festigkeit der Sense und die Standzeit der Schneide gewährleistet sind.
Ungehärtet würde sich die Sense verformen und die Schneide würde nicht lange halten.“ Mit einem 1,7 Kilo schweren Hammer wird das Sensenblatt dann gerichtet und für noch mehr Stabilität „getupft“.
25 Arbeitsschritte umfasst die Herstellung. „Das ist eine körperlich herausfordernde Arbeit, wenn wir uns vor Augen halten, dass der Handwerker am Tag bis zu 20.000 Hammerschläge macht“, zeigt sich auch Klaus Perthmayr nach all den Jahren noch beeindruckt.
Zu guter Letzt wird die Sense noch scharf geschliffen, damit sie mähfertig das Betriebsgelände verlässt. Um etwa 60 Euro kann sie direkt im Werksverkauf (www.schroeckenfux.at) erworben werden.
Perthmayr betont: „Eine Sense hält über Generationen, das Wichtigste ist eine gute Schneide. Jeder Haushalt sollte eine besitzen.
Nicht nur zum Mähen, sondern auch, weil das Arbeiten mit der Sense entschleunigt. Außerdem ist es umweltfreundlich.“
Wer also wissen will, wie die perfekte Schneid entsteht, landet früher oder später beim „Sensenmann“. Perthmayr garantiert mit einem Schmunzeln im Gesicht, „Das bedeutet aber nichts Lebensbedrohliches.“
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4575 Roßleithen 72
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