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Ausgabe Nr. 22/2026 vom 26.05.2026, Fotos: Zeppelzauer, zvg
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Im Alltag helfen, in die Schule begleiten und auch Kuscheln sind die wichtigen Aufgaben von „Melody“.
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Wer Assistenzhunden in Ausbildung ein Leckerli spendieren möchte:
Verein „Fair Trained“
IBAN: AT 44 3293 9000 0141 0893
www.fairtrained.at
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Ferdinand Maurer lebt mit einer angeborenen Zyste im Kleinhirn. Dadurch ist er motorisch eingeschränkt. Eine große Stütze im Alltag ist seine Assistenzhündin „Melody“.
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Aus der Küche duftet es nach heißem Fett, gerösteten Semmelbröseln und paniertem Fleisch. Es ist später Nachmittag, in einer Wohnung im fünften Wiener Gemeindebezirk.

Stephanie Maurer, 43, bereitet gerade das Abendessen zu. „Heute gibt es Schnitzel. Das Lieblingsessen meines Sohnes“, sagt die 43jährige. Im Hintergrund läuft Musik, „Kraftklub“.

Ferdinand Maurer, 13, hat vor seinem DJ-Pult Platz genommen, die Diskolichter flackern blau und rot über die Wände. Neben ihm liegt die Hündin „Melody“. Immer wieder streichelt er seiner „Melly“, wie er sie liebevoll nennt, über den Kopf. Dabei fallen die Kopfhörer zu Boden.

Noch bevor jemand reagieren kann, hebt die Hündin sie vorsichtig mit dem Maul auf und legte sie dem Buben zurück in den Schoß. „Danke, ,Melly‘“, sagt er leise. Der 13jährige lebt seit seiner Geburt mit einer Zyste im Kleinhirn. Seine Bewegungen sind verlangsamt, vieles fällt ihm schwerer als anderen Kindern. Und dennoch ist da dieser Satz, den seine Mutter Stephanie immer wieder von ihm zu hören bekommt: „Ich kann das alleine.“ Früher bedeutete das oft Frust. Heute bedeutet es „Melody“.

Als Ferdinand zur Welt kam, wirkte zunächst alles normal. Wie bei seiner großen Schwester Paula, 14. Doch im Laufe der Zeit bemerkten Stephanie und ihr Mann Benjamin Maurer, 45, dass sich ihr Sohn anders entwickelte. „Da ist kein Grund zur Sorge“, sagten die Ärzte anfangs. „Buben sind oft einfach langsamer.“

Mit nicht einmal einem Jahr bekam der Bub jedoch Physiotherapie verordnet. Die Familie besuchte Entwicklungsambulanzen und ließ Gentests machen, bis Ferdinand eines Tages von einem plötzlichen Fieberkrampf gepackt wurde.

Mit Verdacht auf einen Schlaganfall wurde er mit der Rettung ins Spital ge-
bracht. Mit Hilfe der Computertomo-
grafie (CT) entdeckten die Ärzte schließ-
lich die Ursache, eine angeborene Dandy-Walker-Zyste im Kleinhirn.

„Das ist eine Fehlbildung des zentralen Nervensystems. Sie hat Auswirkungen auf Motorik, Sprache und Entwicklung“, erzählt die Wienerin.

Als Ferdinand Maurer zwei Jahre alt war, bekam er aufgrund dieser Diagnose nur schwer einen Kindergartenplatz. Es gibt keine oder zu wenig Kapazitäten für Kinder mit Beeinträchtigung, hieß es. „Die Bürokratie ist ein Spießrutenlauf“, sagt die Mutter anklagend.

Auch die Suche nach einer barrierefreien Schule stellte sich später als schwierig heraus. Auf abgelehnte Ansuchen folgten Diskussionen über Rampen und Aufzüge. „Ich hatte immer wieder das Gefühl, mich für grundlegende Dinge rechtfertigen zu müssen. Meistens behindert das Umfeld einen mehr als die eigentliche Behinderung.“

Drei Therapien pro Woche (Ergothe-
rapie, Logopädie und Physiotherapie) muss der 13jährige wahrnehmen. Trotzdem versucht er, einfach Kind zu sein. Er liebt Videospiele, Karaoke, Sushi und Schnitzel. Er hilft beim Ko-
chen, schneidet Gemüse und geht gerne ins Kino. Auch in
seiner Schule fühlt er sich nun endlich angekommen und akzeptiert.

Dann kam „Melody“ in sein Leben. Die Familie entdeckte den Verein „Fair Trained“ zufällig über ein Plakat und wurde so auf das Thema Assistenzhund aufmerksam.

Eineinhalb Jahre warteten sie, bis sie die Hündin kennenlernen durften. „Wir waren sofort schockverliebt“, sagt Maurer und lacht. Der semmelfarbene Labrador-Retriever war damals erst ein Jahr alt.

Die Ausbildung eines staatlich geprüften Assistenzhundes kostet rund 25.000 Euro. Den Großteil davon finanzierte die Familie selbst, organisierte Spenden und suchte um Förderungen an. Zu Weihnachten vor fünf Jahren war es schließlich so weit. „,Melody‘ kam 2021 zu uns. Sie hat unser aller Leben verändert, aber vor allem jenes von Ferdinand.“

Heute begleitet ihn die siebenjährige Hündin überallhin. In die Schule, in den Urlaub und sogar ins Disneyland nach Paris (Frankreich).

Im Alltag hilft sie ihm, Federpenal, Stifte oder das Handy aufzuheben. Sie schließt und öffnet Türen, zieht ihm die Socken aus, hilft ihm aus dem Rollstuhl und bringt Gegenstände.

„,Melody‘ hilft ihm dabei, selbstständig zu werden. Er muss nicht dauernd Erwachsene um Hilfe bitten. Das hat bei meinem Sohn viel ausgelöst.“ Und manchmal ist sie auch sein Schutzschild gegen eine Welt, in der Menschen mit Beeinträchtigungen immer noch diskriminiert werden.

Seit „Melody“ da ist, ist er jedenfalls mutiger, ruhiger und selbstbewusster geworden, bestätigen die Eltern.

„Wenn er überdreht ist, legt sich die Hündin einfach zu ihm. Dann kommt er runter. Früher schlief
sie sogar in seinem Bett, dadurch hat er gelernt, alleine einzuschlafen“, weiß Mama Maurer. „,Melody‘ schnarcht inzwischen am lautesten von uns allen. Und sie ist äußerts verfressen und kennt alle Kebapstände in der Umgebung“, meint Benjamin Maurer und schmunzelt.

„Sie ist seine treue Begleiterin, aber natürlich darf sie auch Hund sein. Sie hat ihre fixen Ruhezeiten.“

Dabei stellt Maurer klar: „Ein Assistenzhund ist kein Therapiehund.“ Mit ihrer rot-gelben Kenndecke ist „Melody“ im Arbeitsmodus.

Dann gelten klare Regeln. Nicht streicheln, nicht ablenken, nicht locken, nicht ansprechen. Doch genau das passiert ständig. Fremde greifen nach dem Hund, tuscheln oder starren auf das Kind im Rollstuhl. Menschen diskutieren mit der Familie, ob der Hund Zutritt bekommt. „Das ist oft extrem übergriffig.“ Es sei anstrengend geworden, ständig Aufklärungsarbeit leisten zu müssen, so die Familie.

Trotzdem sieht sie nur das Positive. „,Melody‘ ist für uns alle eine Bereicherung, nicht nur für Ferdinand. Unser Leben ist durch sie so viel bunter und schöner geworden. Sie gibt uns enorm viel zurück. Ein Leben ohne sie können wir uns gar nicht mehr vorstellen.“ Schuh
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