Alf Poier, 59: „Für
meine Spompanadeln
zahl‘ ich selbst“
meine Spompanadeln
zahl‘ ich selbst“
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Der frühere Kabarettist Alf Poier, 59, hat sich der Malerei verschrieben.
Seine Kunst sieht der Steirer als stillen Protest gegenüber dem Verfall der Gesellschaft.
Will er zur Ruhe kommen, „flüchtet“ er nach Asien. Derzeit sind seine Werke in der Galerie Kaiblinger in Wien zu sehen.
Seine Kunst sieht der Steirer als stillen Protest gegenüber dem Verfall der Gesellschaft.
Will er zur Ruhe kommen, „flüchtet“ er nach Asien. Derzeit sind seine Werke in der Galerie Kaiblinger in Wien zu sehen.
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Herr Poier, Sie sind in der heimischen Kabarett- und Kunstszene bekannt dafür, zu polarisieren. Wie steht es um unsere Kultur?
Abgesehen davon, dass es in Zeiten der Globalisierung Kultur – so wie ich sie verstehe – kaum noch gibt, fällt mir grundsätzlich auf, dass in der Kunstszene gewisse Themen einseitig behandelt werden. Dabei ist es nicht die Aufgabe der Kunst, möglichst „woke“, politisch korrekt oder elitär zu sein, sondern gesellschaftsimmanente Zustände vollinhaltlich zu thematisieren und den gesellschaftlichen Konsens zu diskutieren. Die Kunst wird zunehmend politisch instrumentalisiert. Künstler, die finanziell nicht gut dastehen, sind auf Förderungen angewiesen und passen sich oftmals meinungstechnisch an, damit die Fördergelder fließen. Doch es gibt kein angestammtes Recht darauf, von der Kunst leben zu können. Auf diese Idee bin ich erst gar nicht gekommen. Aus meiner Sicht hat ein Künstler Freiheiten, für die er etwas opfern muss, und das ist eben die finanzielle Sicherheit. Wenn ich nicht bereit bin, dieses Risiko einzugehen, ist es besser, ein Beamter zu werden. Wie kommt jemand dazu, für mich Steuern zu zahlen, für meine Spompanadeln zahl‘ ich selbst.
Haben Sie je Förderungen beantragt?
Obwohl ich nichts hatte, habe ich nie um Projektförderungen angesucht. Ich kam ja nicht als finanziell voll versorgter Mensch nach Wien. Im Gegenteil, ich wusste nicht, wie ich mir die Miete leisten sollte, hatte weder einen Kühlschrank, noch eine Dusche oder ein WC in der Wohnung. Zu Hause in der Steiermark führten wir ein einfaches Leben.
Mein Papa war Maurer, hat dann beim „Möbel Leiner“ gearbeitet. Familienurlaube im herkömmlichen Sinn gab es nicht. Allerdings erinnere ich mich an schöne Tagesausflüge. Wir haben zwar keinen Mangel gelitten, aber das Wort „sparen“ war mir geläufig, während ich den Begriff „investieren“ nie hörte. Obwohl ich nichts hatte, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, Projektförderungen zu beantragen. Wenn du jemandem nach dem Mund redest, damit das Geld fließt, bist du demjenigen gegenüber verpflichtet. Das will ich nicht, da ich mich als freien Künstler sehe, der sich nicht vereinnahmen lässt.
Sie waren im Vorfeld des Song Contestes in Wien gemeinsam mit den anderen, früheren Teilnehmern beim Bundespräsidenten eingeladen. Warum sind Sie nicht hingegangen?
In der Einladung stand geschrieben, dass wir eingeladen werden, um die Musik und die Vielfalt zu feiern. Da habe ich gleich abgesagt. Aus meiner Sicht war das eine eindeutig politisch konnotierte Aussage, und ich lasse mich nicht unter den Scheffel einer Maxime stellen, die politische Ziele verfolgt. Der Song Contest steht unter dem Motto „United by Music“ (vereint durch Musik) – und das ist es, ein Musik-Bewerb und kein „Outing“- oder „Queerness“-Contest.
Das wäre doch ein Thema für den „dadaistischen Teufel“, der die traditionellen Regeln der Kunst verspottet und der immer wieder in Ihren Bildern auftaucht …
Der dadaistische Teufel ist so etwas wie mein Alter Ego. Viele Bilder, auf denen er zu sehen ist, „cancle“ ich selbst, indem ich sie mit schwarzer Farbe überschütte, um zu zeigen, dass bestimmte Themen in der Kunst nicht erwünscht sind. Ich nenne diese Form „Arte ingrata“, also Kunst, die nicht bereit ist, sich den übertrieben „woken“ Anforderungen des vermeintlich etablierten Kunstbetriebes unterzuordnen.
Mir fällt auf, dass viele Künstler und einflussreiche Personen privat ganz anders reden, als wenn sie ein Mikrofon vor der Nase haben. Ich habe das Gefühl, da schwingt ein gewisser Opportunismus mit. In autokratischen Systemen wird die Kunst zu Propagandazwecken missbraucht.
Es ist zwar noch nicht so schlimm bei uns, aber es geht in diese Richtung. Nur bestimmte Themen sind gewollt, und die sind schon so sichtbar, dass nicht nur ich, sondern viele andere davon genervt sind.
Was ist der Kern Ihrer künstlerischen Arbeit?
Ich will den eingangs erwähnten Auftrag der Kunst erledigen, zum einem mit meinen humorvoll-dadaistischen Werken, die abgesehen von sprachkritischen Zugängen oftmals keine großartigen Aussagen beinhalten, zum anderen mit meinen kritischen Werken zum Thema „Cancel-Culture“.
Wenn von der konservativen Seite Kritik kommt, gibt es immer einen Riesenaufschrei in der Kunstszene. Wenn die Verbotsregeln von der linken Seite kommen, ist von Zensur nichts zu hören. Dann bleiben alle brav still und kassieren weiter ihre Förderungen.
Der Kunstbetrieb ist nicht statisch. Immer wieder gibt es Themen, die neu verhandelt werden müssen. Auch Kandinsky und Monet haben anno dazumal für gehörige Skandale gesorgt. Heute gelten beide als Höhepunkte der Kunstgeschichte.
Gegen den Strom zu schwimmen, hat oft Konsequenzen. Spüren Sie diese Folgen?
In meinem Programm „Humor im Hemd“ (2019) brachte ich als einer der ersten Kabarettisten zur Sprache, was heute überhaupt noch gesagt werden darf. Zu dieser Zeit war ich in gewissen Häusern nicht mehr erwünscht. Ebenso bin ich aus gewissen Museen – trotz fixer Zusagen – hinausgeflogen, aufgrund dessen, wie ich rede und denke. Auf diversen Veranstaltungen wurde ich nicht mehr begrüßt und wie Luft behandelt, weil man nicht will, dass ein Künstler so denkt wie ich.
Dabei denken viele wie ich, aber nur wenige sprechen es aus. Ich hatte einen schweren Stand, weil ich es aussprach. Thomas Gottschalk hat es treffend auf den Punkt gebracht, als er meinte, wenn er auf der Bühne nicht mehr so reden kann wie bei ihm zuhause in der Küche, dann hat er keine Lust mehr, weiterzumachen. Genauso geht es mir auch. Ich habe nach meiner letzten Show im Jahr 2021 mehrfach begonnen, an einem neuen Kabarettprogramm zu schreiben, aber nach dem dritten Satz bin ich verzweifelt, denn das geht nicht mehr und das darf man auch nicht mehr sagen …
Unter solchen Bedingungen habe ich keine Lust. „Grüß Gott“ ist beinahe schon zu viel und „Guten Abend, die Damen und Herren“ auch, weil sich viele ausgeschlossen fühlen. Ja, es hat sich sehr, sehr viel geändert.
Haben Sie ein Problem mit der Vielfalt?
Ich bin gerne in Asien, habe ein Grundstück in Costa Rica und hatte Beziehungen mit Frauen aus aller Herren Länder und verschiedenster Kulturen – das kann man mir sicher nicht vorwerfen. Trotz allem aber bin ich der Vielfalt gegenüber etwas skeptisch.
Ich war kürzlich bei einem Anwalt, sah dort ein Aquarium mit vielen bunten Zierfischen und dachte mir, schau, wie bunt und vielfältig. Jetzt könnte jemand sagen, das ist noch zu wenig Vielfalt, geben wir doch noch ein paar Piranhas hinein. Was wird passieren? Die Piranhas bleiben übrig, während der Rest wohl von diesen aufgefressen wird. Das Beispiel zeigt, wie sensibel das Thema „Vielfalt“ ist und wir aufpassen müssen, ob es da nicht auch eine Obergrenze gibt.
Die Malerei ist ein einsamer Prozess.
Wie gut halten Sie Einsamkeit aus?
Ich habe zwar eine Bindungsphobie und lebe immer alleine in meinen jeweiligen Wohnstätten, aber ich bin niemand, der total abgeschieden allein leben könnte. Soziale Kontakte brauche ich schon. Allerdings halte ich es nur eine Zeitlang unter Menschen aus.
Nach einer Weile muss ich mich wieder zurückziehen. Den Eskapismus, also einen totalen Rückzug, habe ich zwar probiert, kann ich aber nicht ertragen.
Sind Sie mittlerweile lieber in Asien?
Ich habe das Gefühl, dass unser System hoffnungslos verfilzt ist. Kaum lande ich am Flughafen Schwechat, ärgere ich mich. In Asien ist das alles so weit weg von mir, dass sich mein Geist wieder beruhigen kann. Ich führe dort ein glücklicheres Leben, obwohl die asiatische Politik noch viel korrupter ist als hierzulande – aber ich kriege es nicht mit. Bei uns ist die gespaltene Gesellschaft mittlerweile an jeder Ecke zu spüren. Das fällt in Asien weg, dort gibt es einen stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Sie schreiben gerade an Ihrer Biografie, die im Herbst herauskommt. Gibt’s schon einen Titel dafür?
Sie wird unter dem Titel „Extrem ‚normal‘“ im Seifert Verlag erscheinen. Die Biografie beginnt mit meinem
letzten Auftritt auf der Kabarettbühne und endet in
vollkommener Stille in einer buddhistischen Medita-
tions-Höhle in Südthailand. Dazwischen gibt es Rückblenden auf all meine Höhen und Tiefen, skurrile Liebschaften und Skandale – nichts wird ausgespart.
Zur Person:
Alf Poier wurde am 22. Februar 1967 in Judenburg in der Steiermark geboren. Der Kabarettist, Liedermacher und Maler ist bekannt für seinen dadaistischen Humor und Wortwitz. Seit dem Beginn seiner Karriere (1995)
verbindet er dadaistische – also absurde, sinnfreie,
spöttische und skurrile – Elemente mit satirischer Kunst.
Im Jahr 2003 erreichte er beim Song Contest in Riga (Lettland) mit dem Lied „Weil der Mensch zählt“ den 6. Platz.
Seine dadaistische Bilderwelt präsentiert der Universalkünstler in der Galerie Kaiblinger, Spiegelgasse 21, 1010 Wien.
Die Verkaufsausstellung trägt den Titel
„Cosmó hat den Tanzschein, Poier hat den Kunstschein!“
und ist noch bis zum 30. Mai für Besucher geöffnet.
Abgesehen davon, dass es in Zeiten der Globalisierung Kultur – so wie ich sie verstehe – kaum noch gibt, fällt mir grundsätzlich auf, dass in der Kunstszene gewisse Themen einseitig behandelt werden. Dabei ist es nicht die Aufgabe der Kunst, möglichst „woke“, politisch korrekt oder elitär zu sein, sondern gesellschaftsimmanente Zustände vollinhaltlich zu thematisieren und den gesellschaftlichen Konsens zu diskutieren. Die Kunst wird zunehmend politisch instrumentalisiert. Künstler, die finanziell nicht gut dastehen, sind auf Förderungen angewiesen und passen sich oftmals meinungstechnisch an, damit die Fördergelder fließen. Doch es gibt kein angestammtes Recht darauf, von der Kunst leben zu können. Auf diese Idee bin ich erst gar nicht gekommen. Aus meiner Sicht hat ein Künstler Freiheiten, für die er etwas opfern muss, und das ist eben die finanzielle Sicherheit. Wenn ich nicht bereit bin, dieses Risiko einzugehen, ist es besser, ein Beamter zu werden. Wie kommt jemand dazu, für mich Steuern zu zahlen, für meine Spompanadeln zahl‘ ich selbst.
Haben Sie je Förderungen beantragt?
Obwohl ich nichts hatte, habe ich nie um Projektförderungen angesucht. Ich kam ja nicht als finanziell voll versorgter Mensch nach Wien. Im Gegenteil, ich wusste nicht, wie ich mir die Miete leisten sollte, hatte weder einen Kühlschrank, noch eine Dusche oder ein WC in der Wohnung. Zu Hause in der Steiermark führten wir ein einfaches Leben.
Mein Papa war Maurer, hat dann beim „Möbel Leiner“ gearbeitet. Familienurlaube im herkömmlichen Sinn gab es nicht. Allerdings erinnere ich mich an schöne Tagesausflüge. Wir haben zwar keinen Mangel gelitten, aber das Wort „sparen“ war mir geläufig, während ich den Begriff „investieren“ nie hörte. Obwohl ich nichts hatte, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, Projektförderungen zu beantragen. Wenn du jemandem nach dem Mund redest, damit das Geld fließt, bist du demjenigen gegenüber verpflichtet. Das will ich nicht, da ich mich als freien Künstler sehe, der sich nicht vereinnahmen lässt.
Sie waren im Vorfeld des Song Contestes in Wien gemeinsam mit den anderen, früheren Teilnehmern beim Bundespräsidenten eingeladen. Warum sind Sie nicht hingegangen?
In der Einladung stand geschrieben, dass wir eingeladen werden, um die Musik und die Vielfalt zu feiern. Da habe ich gleich abgesagt. Aus meiner Sicht war das eine eindeutig politisch konnotierte Aussage, und ich lasse mich nicht unter den Scheffel einer Maxime stellen, die politische Ziele verfolgt. Der Song Contest steht unter dem Motto „United by Music“ (vereint durch Musik) – und das ist es, ein Musik-Bewerb und kein „Outing“- oder „Queerness“-Contest.
Das wäre doch ein Thema für den „dadaistischen Teufel“, der die traditionellen Regeln der Kunst verspottet und der immer wieder in Ihren Bildern auftaucht …
Der dadaistische Teufel ist so etwas wie mein Alter Ego. Viele Bilder, auf denen er zu sehen ist, „cancle“ ich selbst, indem ich sie mit schwarzer Farbe überschütte, um zu zeigen, dass bestimmte Themen in der Kunst nicht erwünscht sind. Ich nenne diese Form „Arte ingrata“, also Kunst, die nicht bereit ist, sich den übertrieben „woken“ Anforderungen des vermeintlich etablierten Kunstbetriebes unterzuordnen.
Mir fällt auf, dass viele Künstler und einflussreiche Personen privat ganz anders reden, als wenn sie ein Mikrofon vor der Nase haben. Ich habe das Gefühl, da schwingt ein gewisser Opportunismus mit. In autokratischen Systemen wird die Kunst zu Propagandazwecken missbraucht.
Es ist zwar noch nicht so schlimm bei uns, aber es geht in diese Richtung. Nur bestimmte Themen sind gewollt, und die sind schon so sichtbar, dass nicht nur ich, sondern viele andere davon genervt sind.
Was ist der Kern Ihrer künstlerischen Arbeit?
Ich will den eingangs erwähnten Auftrag der Kunst erledigen, zum einem mit meinen humorvoll-dadaistischen Werken, die abgesehen von sprachkritischen Zugängen oftmals keine großartigen Aussagen beinhalten, zum anderen mit meinen kritischen Werken zum Thema „Cancel-Culture“.
Wenn von der konservativen Seite Kritik kommt, gibt es immer einen Riesenaufschrei in der Kunstszene. Wenn die Verbotsregeln von der linken Seite kommen, ist von Zensur nichts zu hören. Dann bleiben alle brav still und kassieren weiter ihre Förderungen.
Der Kunstbetrieb ist nicht statisch. Immer wieder gibt es Themen, die neu verhandelt werden müssen. Auch Kandinsky und Monet haben anno dazumal für gehörige Skandale gesorgt. Heute gelten beide als Höhepunkte der Kunstgeschichte.
Gegen den Strom zu schwimmen, hat oft Konsequenzen. Spüren Sie diese Folgen?
In meinem Programm „Humor im Hemd“ (2019) brachte ich als einer der ersten Kabarettisten zur Sprache, was heute überhaupt noch gesagt werden darf. Zu dieser Zeit war ich in gewissen Häusern nicht mehr erwünscht. Ebenso bin ich aus gewissen Museen – trotz fixer Zusagen – hinausgeflogen, aufgrund dessen, wie ich rede und denke. Auf diversen Veranstaltungen wurde ich nicht mehr begrüßt und wie Luft behandelt, weil man nicht will, dass ein Künstler so denkt wie ich.
Dabei denken viele wie ich, aber nur wenige sprechen es aus. Ich hatte einen schweren Stand, weil ich es aussprach. Thomas Gottschalk hat es treffend auf den Punkt gebracht, als er meinte, wenn er auf der Bühne nicht mehr so reden kann wie bei ihm zuhause in der Küche, dann hat er keine Lust mehr, weiterzumachen. Genauso geht es mir auch. Ich habe nach meiner letzten Show im Jahr 2021 mehrfach begonnen, an einem neuen Kabarettprogramm zu schreiben, aber nach dem dritten Satz bin ich verzweifelt, denn das geht nicht mehr und das darf man auch nicht mehr sagen …
Unter solchen Bedingungen habe ich keine Lust. „Grüß Gott“ ist beinahe schon zu viel und „Guten Abend, die Damen und Herren“ auch, weil sich viele ausgeschlossen fühlen. Ja, es hat sich sehr, sehr viel geändert.
Haben Sie ein Problem mit der Vielfalt?
Ich bin gerne in Asien, habe ein Grundstück in Costa Rica und hatte Beziehungen mit Frauen aus aller Herren Länder und verschiedenster Kulturen – das kann man mir sicher nicht vorwerfen. Trotz allem aber bin ich der Vielfalt gegenüber etwas skeptisch.
Ich war kürzlich bei einem Anwalt, sah dort ein Aquarium mit vielen bunten Zierfischen und dachte mir, schau, wie bunt und vielfältig. Jetzt könnte jemand sagen, das ist noch zu wenig Vielfalt, geben wir doch noch ein paar Piranhas hinein. Was wird passieren? Die Piranhas bleiben übrig, während der Rest wohl von diesen aufgefressen wird. Das Beispiel zeigt, wie sensibel das Thema „Vielfalt“ ist und wir aufpassen müssen, ob es da nicht auch eine Obergrenze gibt.
Die Malerei ist ein einsamer Prozess.
Wie gut halten Sie Einsamkeit aus?
Ich habe zwar eine Bindungsphobie und lebe immer alleine in meinen jeweiligen Wohnstätten, aber ich bin niemand, der total abgeschieden allein leben könnte. Soziale Kontakte brauche ich schon. Allerdings halte ich es nur eine Zeitlang unter Menschen aus.
Nach einer Weile muss ich mich wieder zurückziehen. Den Eskapismus, also einen totalen Rückzug, habe ich zwar probiert, kann ich aber nicht ertragen.
Sind Sie mittlerweile lieber in Asien?
Ich habe das Gefühl, dass unser System hoffnungslos verfilzt ist. Kaum lande ich am Flughafen Schwechat, ärgere ich mich. In Asien ist das alles so weit weg von mir, dass sich mein Geist wieder beruhigen kann. Ich führe dort ein glücklicheres Leben, obwohl die asiatische Politik noch viel korrupter ist als hierzulande – aber ich kriege es nicht mit. Bei uns ist die gespaltene Gesellschaft mittlerweile an jeder Ecke zu spüren. Das fällt in Asien weg, dort gibt es einen stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Sie schreiben gerade an Ihrer Biografie, die im Herbst herauskommt. Gibt’s schon einen Titel dafür?
Sie wird unter dem Titel „Extrem ‚normal‘“ im Seifert Verlag erscheinen. Die Biografie beginnt mit meinem
letzten Auftritt auf der Kabarettbühne und endet in
vollkommener Stille in einer buddhistischen Medita-
tions-Höhle in Südthailand. Dazwischen gibt es Rückblenden auf all meine Höhen und Tiefen, skurrile Liebschaften und Skandale – nichts wird ausgespart.
Zur Person:
Alf Poier wurde am 22. Februar 1967 in Judenburg in der Steiermark geboren. Der Kabarettist, Liedermacher und Maler ist bekannt für seinen dadaistischen Humor und Wortwitz. Seit dem Beginn seiner Karriere (1995)
verbindet er dadaistische – also absurde, sinnfreie,
spöttische und skurrile – Elemente mit satirischer Kunst.
Im Jahr 2003 erreichte er beim Song Contest in Riga (Lettland) mit dem Lied „Weil der Mensch zählt“ den 6. Platz.
Seine dadaistische Bilderwelt präsentiert der Universalkünstler in der Galerie Kaiblinger, Spiegelgasse 21, 1010 Wien.
Die Verkaufsausstellung trägt den Titel
„Cosmó hat den Tanzschein, Poier hat den Kunstschein!“
und ist noch bis zum 30. Mai für Besucher geöffnet.
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