Archiv der Herzen
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Das Liebesbriefarchiv der Universität Koblenz (D) beherbergt zehntausende Liebesbriefe
aus vier Jahrhunderten. Die privaten Liebeserklärungen sind Zeugnisse unserer Alltagskultur.
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Begonnen hat alles Ende der 90er Jahre mit einem Aufruf in Schweizer Zeitungen – „Liebesbriefe gesucht“. Innerhalb von sechs Monaten bekam die Sprachwissenschaftlerin Eva Wyss mehr als 2.500 private Liebesbriefe „gespendet“. Es war die Geburt des Liebesbriefarchivs, das damals noch im schweizerischen Zürich beheimatet war.
Die Forschung interessierte sich lange Zeit vor allem für Liebesbriefe berühmter Dichter, Komponisten oder Schauspieler. Eva Wyss hingegen richtete ihr Augenmerk auf private Liebesbotschaften. Die Briefe verraten viel „über die Zeit, in der sie geschrieben wurden, über die Alltagskommunikation und über die Menschen selbst“, erklärte sie einmal. Denn Liebesbriefe werden in allen Gesellschaftsschichten geschrieben.
Das Archiv enthält seitenlange Liebeserklärungen ebenso wie kurze Botschaften. Auf einer Kalenderseite rund um 1960 ist beispielsweise zu lesen: „Cherie, ich liebe dich unsagbar, ich hab solche Sehnsucht nach dir, Liebes!“ Insgesamt sind es fast 65.000 Liebesbriefe aus 67 Ländern.
Sogar ein Brief auf einem bestickten Stofftaschentuch als Papierersatz hat seinen Weg in die Sammlung gefunden. „Gelieber Monsieur, dieses Taschentuch gebe ich zu einem Abschied, wie wohl noch keiner in meinem Leben trauriger war“, beginnen die darauf gemalten Zeilen im Mai 1959. Es endet mit Worten des Liedes „Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt“ aus der Operette „Das Land des Lächelns“ von Franz Lehár. „Aus dem Paradies flog ein Traum uns zu: eine Harmonie, ich und du!“ Das Taschentuch wird „zum Träger ewiger Gefühle von der Verfasserin, die in jeder (Stoff-)faser spürbar bleiben“, lautet der Kommentar aus dem Liebesbriefarchiv.
Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Liebesbrief gewandelt, von der oft nach strengen Vorgaben formulierten handschriftlichen Botschaft zu Nachrichten in Echtzeit über soziale Medien oder Sofort-Nachrichten-Dienste wie beispielsweise Whats-App. Kann heute per Tastendruck ein Herz-Symbol versendet werden, zeichneten frühere Generationen die Herzen noch selbst.
Der Schwerpunkt der Sammlung im deutschen Koblenz liegt „auf dem späten 19. und dem 20. Jahrhundert. Das hängt mit der besseren Überlieferung zusammen“, erklärt Eva Wyss, die Gründerin des Archivs. „Briefe wurden häufiger aufbewahrt und weitergegeben. Zudem steigt mit der allgemeinen Verbesserung der Bildung auch die Zahl der Schreibenden. Insgesamt zeigt sich: Je näher wir der Gegenwart kommen, desto vielfältiger werden die Materialien, Briefformate und auch die Liebesbeziehungen der Menschen.“
Gesammelt werden deshalb auch „digitale Liebesbriefe wie etwa E-Mails. Es finden sich auch Liebesbotschaften, die stärker vom Briefschema abweichen wie SMS oder WhatsApp-Nachrichten im Archiv. Sie gehören heute selbstverständlich zur Liebeskommunikation“, sagt die Sprachwissenschaftlerin Wyss. Deren Aufbewahrung ist aber schwieriger. Außerdem sei zu beobachten, dass sich die Liebeskommunikation heute stark in Richtung bildlicher und öffentlicher Formate verschiebt – „etwa auf Instagram. Auch solche Formen werden zunehmend als Teil zeitgenössischer ,Liebesbriefe‘ verstanden.“
Auch wenn sich die Form verändert hat, inhaltlich gibt es viele Gemeinsamkeiten. Es „bleiben zum Beispiel Themen wie Sehnsucht, Nähe oder Zukunftsgestaltung“. Verändert haben sich neben den Mitteln und Materialien auch die Ausdrucksformen. Heute seien sie direkter im Ausdruck, oft kürzer und teilweise auch öffentlich. Gleichzeitig bleibt die Funktion ähnlich. „Beziehung herstellen, Nähe über Distanz erzeugen und Gefühle kommunizieren – wenn auch in neuen Formen.“ Zu besonderen Anlässen wird manchmal aber auch wieder zum Papier gegriffen.
In früheren Jahrhunderten war die Sprache blumiger, wenn es um Liebesgeständnisse ging. „Ein göttliches Feuer strömt in meinen Adern“, ließ etwa ein Verehrer im 18. Jahrhundert seine Angebetete brieflich wissen. Heute ist der Schreibstil lockerer, vor allem in Kurznachrichten, die sich Liebende schicken. Selbst an den verwendeten Kosenamen ist die Spur der Zeit abzulesen. Wurden die Liebsten einst Engel oder „teuerste Innigstgeliebte“ tituliert, reicht die Palette später vom Froschmäulchen bis zum Feuerigel. Insgesamt sind aber Hasi, Mausi, Schatz oder Liebling die beliebtesten Koseworte.
Die Briefe stammen aus den verschiedensten Quellen. Oft sind es die Kinder oder Enkerl, die bei einer Wohnungsauflösung über die Liebesbriefe der Eltern oder Großeltern stolpern und sie dann dem Archiv überlassen. Andere sind Flohmarkt-Funde und immer wieder schicken Menschen ihre eigenen Liebesbriefe an die Wissenschaftler.
Eine junge Frau hat den Forschern etwa „aus verschiedenen verflossenen Beziehungen ein ganzes Paket zugeschickt“, erzählte Eva Wyss vor Kurzem in einem Radio-Interview, „und uns gesagt, sie würde damit jetzt eigentlich eine Organspende vornehmen“ – eine Art Herzspende.
Manchmal erreichen das Archiv ganze Pakete, sogar ein Koffer mit knapp 1.000 Briefen kam schon einmal an. Andere Briefe kommen einzeln in Umschlägen oder als Bündel, wie ein wertvolles Geschenk samt Schleife verpackt.
Brief-Spenden sind nach wie vor möglich. Auch aus unserem Land hat die Sammlung „einige Bestände, allerdings in kleinerem Umfang“, stellt Eva Wyss fest. „Es wäre schön, wenn wir auch mehr Briefspenden aus Österreich erhalten könnten.“
Informationen dazu gibt es online auf
liebesbriefarchiv.de.
Die Forschung interessierte sich lange Zeit vor allem für Liebesbriefe berühmter Dichter, Komponisten oder Schauspieler. Eva Wyss hingegen richtete ihr Augenmerk auf private Liebesbotschaften. Die Briefe verraten viel „über die Zeit, in der sie geschrieben wurden, über die Alltagskommunikation und über die Menschen selbst“, erklärte sie einmal. Denn Liebesbriefe werden in allen Gesellschaftsschichten geschrieben.
Das Archiv enthält seitenlange Liebeserklärungen ebenso wie kurze Botschaften. Auf einer Kalenderseite rund um 1960 ist beispielsweise zu lesen: „Cherie, ich liebe dich unsagbar, ich hab solche Sehnsucht nach dir, Liebes!“ Insgesamt sind es fast 65.000 Liebesbriefe aus 67 Ländern.
Sogar ein Brief auf einem bestickten Stofftaschentuch als Papierersatz hat seinen Weg in die Sammlung gefunden. „Gelieber Monsieur, dieses Taschentuch gebe ich zu einem Abschied, wie wohl noch keiner in meinem Leben trauriger war“, beginnen die darauf gemalten Zeilen im Mai 1959. Es endet mit Worten des Liedes „Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt“ aus der Operette „Das Land des Lächelns“ von Franz Lehár. „Aus dem Paradies flog ein Traum uns zu: eine Harmonie, ich und du!“ Das Taschentuch wird „zum Träger ewiger Gefühle von der Verfasserin, die in jeder (Stoff-)faser spürbar bleiben“, lautet der Kommentar aus dem Liebesbriefarchiv.
Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Liebesbrief gewandelt, von der oft nach strengen Vorgaben formulierten handschriftlichen Botschaft zu Nachrichten in Echtzeit über soziale Medien oder Sofort-Nachrichten-Dienste wie beispielsweise Whats-App. Kann heute per Tastendruck ein Herz-Symbol versendet werden, zeichneten frühere Generationen die Herzen noch selbst.
Der Schwerpunkt der Sammlung im deutschen Koblenz liegt „auf dem späten 19. und dem 20. Jahrhundert. Das hängt mit der besseren Überlieferung zusammen“, erklärt Eva Wyss, die Gründerin des Archivs. „Briefe wurden häufiger aufbewahrt und weitergegeben. Zudem steigt mit der allgemeinen Verbesserung der Bildung auch die Zahl der Schreibenden. Insgesamt zeigt sich: Je näher wir der Gegenwart kommen, desto vielfältiger werden die Materialien, Briefformate und auch die Liebesbeziehungen der Menschen.“
Gesammelt werden deshalb auch „digitale Liebesbriefe wie etwa E-Mails. Es finden sich auch Liebesbotschaften, die stärker vom Briefschema abweichen wie SMS oder WhatsApp-Nachrichten im Archiv. Sie gehören heute selbstverständlich zur Liebeskommunikation“, sagt die Sprachwissenschaftlerin Wyss. Deren Aufbewahrung ist aber schwieriger. Außerdem sei zu beobachten, dass sich die Liebeskommunikation heute stark in Richtung bildlicher und öffentlicher Formate verschiebt – „etwa auf Instagram. Auch solche Formen werden zunehmend als Teil zeitgenössischer ,Liebesbriefe‘ verstanden.“
Auch wenn sich die Form verändert hat, inhaltlich gibt es viele Gemeinsamkeiten. Es „bleiben zum Beispiel Themen wie Sehnsucht, Nähe oder Zukunftsgestaltung“. Verändert haben sich neben den Mitteln und Materialien auch die Ausdrucksformen. Heute seien sie direkter im Ausdruck, oft kürzer und teilweise auch öffentlich. Gleichzeitig bleibt die Funktion ähnlich. „Beziehung herstellen, Nähe über Distanz erzeugen und Gefühle kommunizieren – wenn auch in neuen Formen.“ Zu besonderen Anlässen wird manchmal aber auch wieder zum Papier gegriffen.
In früheren Jahrhunderten war die Sprache blumiger, wenn es um Liebesgeständnisse ging. „Ein göttliches Feuer strömt in meinen Adern“, ließ etwa ein Verehrer im 18. Jahrhundert seine Angebetete brieflich wissen. Heute ist der Schreibstil lockerer, vor allem in Kurznachrichten, die sich Liebende schicken. Selbst an den verwendeten Kosenamen ist die Spur der Zeit abzulesen. Wurden die Liebsten einst Engel oder „teuerste Innigstgeliebte“ tituliert, reicht die Palette später vom Froschmäulchen bis zum Feuerigel. Insgesamt sind aber Hasi, Mausi, Schatz oder Liebling die beliebtesten Koseworte.
Die Briefe stammen aus den verschiedensten Quellen. Oft sind es die Kinder oder Enkerl, die bei einer Wohnungsauflösung über die Liebesbriefe der Eltern oder Großeltern stolpern und sie dann dem Archiv überlassen. Andere sind Flohmarkt-Funde und immer wieder schicken Menschen ihre eigenen Liebesbriefe an die Wissenschaftler.
Eine junge Frau hat den Forschern etwa „aus verschiedenen verflossenen Beziehungen ein ganzes Paket zugeschickt“, erzählte Eva Wyss vor Kurzem in einem Radio-Interview, „und uns gesagt, sie würde damit jetzt eigentlich eine Organspende vornehmen“ – eine Art Herzspende.
Manchmal erreichen das Archiv ganze Pakete, sogar ein Koffer mit knapp 1.000 Briefen kam schon einmal an. Andere Briefe kommen einzeln in Umschlägen oder als Bündel, wie ein wertvolles Geschenk samt Schleife verpackt.
Brief-Spenden sind nach wie vor möglich. Auch aus unserem Land hat die Sammlung „einige Bestände, allerdings in kleinerem Umfang“, stellt Eva Wyss fest. „Es wäre schön, wenn wir auch mehr Briefspenden aus Österreich erhalten könnten.“
Informationen dazu gibt es online auf
liebesbriefarchiv.de.
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