David Attenborough: Ein langes Leben im Dienste der Natur
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Er ist die Stimme der Natur und für viele die Stimme des Gewissens. Sir David Attenborough führt uns die Wunder der Welt vor Augen. Seine Bilder begeisterten Millionen und brachten Generationen dazu, genauer hinzusehen. Nun feierte der Tier- und Naturfilmer seinen 100er.
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Als Kind sammelte er Steine, Fossilien und alles, was nach Natur aussah. Er war gerade einmal elf Jahre alt, als er eine Universität, die auf der Suche nach Molchen war, mit zahlreichen Exemplaren belieferte. Was die Forscher nicht wussten, der kleine David Attenborough hatte sie aus einem Teich direkt neben dem Universitätsgebäude gefischt und für ein paar Pence weiterverkauft. Das war sein kleines Geschäftsgeheimnis.
Von da an war klar, dass das Leben des am 8. Mai 1926 in Isleworth geborenen Engländers irgendwie einmalig verlaufen würde. Großgezogen wurden er und sein Bruder Richard, der als Schauspieler („Jurassic Park“) und Regisseur („Gandhi“) bekannt wurde, in Leicester (England) von einem Universitätsrektor und einer sozial engagierten Mutter.
Sie war es auch, die während der Nazi-Zeit zwei jüdische Mädchen als Pflegekinder aufnahm. Darüber waren ihre Söhne anfangs wenig begeistert, bekamen dadurch aber wohl genau jenen Blick auf die Welt, der sie selbst prägte. Die Lehre fürs Leben: Verantwortung endet nicht an der eigenen Haustür.
Auch privat fand Attenborough früh Halt. Im Jahr 1950 heiratete er Jane Oriel, die im Jahr 1997 im Alter von 70 Jahren an einer Gehirnblutung starb. Aus der Ehe gingen Sohn Richard, der Bioanthropologie an der Universität Cambridge unterrichtet, und Tochter Susan hervor. Die frühere Volksschullehrerin steht heute beruflich und privat ihrem Vater zur Seite. Sie kocht für ihn und erledigt Einkäufe.
Attenborough selbst studierte Naturwissenschaften an der britischen Elite-Universität Cambridge mit den Schwerpunkten Zoologie und Geologie, absolvierte einen kurzen Militärdienst und begann Anfang der 1950er Jahre schließlich seine Karriere beim britischen Fernsehsender BBC. Zur damaligen Zeit waren Tiere im Fernsehen, wenn überhaupt, nur Studiogäste. Das änderte sich, als der ambitionierte Neuling dazustieß und seine Protagonisten dort zeigen wollte, wo sie tatsächlich lebten.
Der Engländer hing damit nicht nur den eigenen Träumen nach, sondern revolutionierte ganz nebenbei mit Serien wie „Life on Earth“, „Planet Earth“ oder „Blue Planet“ das Genre der Naturdokumentationen. Plötzlich spannend und nahbar, erreichte er damit ein Millionenpublikum.
Der Mann mit der markanten Stimmmelodie beließ es nicht bei nüchterner Wissenschaft, sondern wurde zum Erzähler mehrerer Generationen – einer, der es schaffte, ein Insekt zum Hauptdarsteller einer Tragödie zu machen oder aus dem Aufeinandertreffen mit einem Gorilla eine Begegnung auf Augenhöhe entstehen zu lassen.
Eine der berühmtesten Attenborough-Szenen stammt aus dem Jahr 1979, als sich in „Life on Earth“ ein junger Berggorilla zu ihm legte und ihn neugierig untersuchte. Die Begegnung im Urwald Ruandas ist ein Musterbeispiel für gegenseitiges Verständnis zwischen Mensch und Tier.
Für seine Filme machte Attenborough selbst vor eigenen Grenzen nicht Halt und tauchte noch im hohen Alter von 88 Jahren für eine Doku über das Große Barriere Riff vor der Ostküste Australiens in einem speziell entwickelten U-Boot 300 Meter tief ab.
„Die sterbenden Korallenriffe zu sehen und die Erkenntnis, dass ich und alle anderen Menschen diesen Schaden angerichtet haben, waren furchtbar“, erinnert er sich. Und jetzt, kurz vor seinem 100. Geburtstag, kommentierte er noch mit ungebrochener Präzision Szenen über die Flugkünste von Schwänen.
Da verziehen ihm Zuschauer und Kritiker auch, als bei Attenborough plötzlich der Umweltschützer verstummte und der Fernsehmann die Regie übernahm. Positiv war, dass er in seiner Zeit als Programmdirektor bei BBC2 in den 1960er Jahren die Tenniswelt veränderte.
Da weiße Bälle im neuen Farbfernsehen kaum zu erkennen waren, setzte er gelbe durch. Sein Einfallsreichtum ging aber nicht immer gut aus. So stellte sich eine Szene mit einem Eisbären später als Zoo-Aufnahme und nicht als eine in freier Natur aufgenommene heraus. „Die Illusion ist Teil der Wirkung“, meinte er dazu unbeeindruckt. Auch sein Format „Zoo Quest“, in dem Tiere für Zoos gefangen wurden, wurde schließlich eingestellt.
Vielleicht wurde Attenborough seine Verantwortung im Laufe der Jahre immer bewusster. Die Zuschauer nahmen sich zu Herzen, was ihnen der vertrauenserweckende, feine ältere Herr mit der ruhigen Stimme erzählte – und der sogenannte „Attenborough-Effekt“ belegte das eindrucksvoll.
Als in „Blue Planet II“ die dramatischen Folgen von Plastikmüll in den Ozeanen gezeigt wurden – trübes Wasser, in dem Abfall wie ein unsichtbarer Schleier zwischen den Lebewesen trieb –, veränderte dies das Verhalten vieler Menschen. Das Interesse an Recycling stieg sprunghaft, der Verbrauch von Einwegplastik ging zurück. Auch politisch blieben seine
Dokumentationen nicht folgenlos. Aufnahmen der Grundschleppnetz-Fischerei – einer Fangmethode, bei der schwere Netze den Meeresboden durchpflügen und ganze Lebensräume zerstören –, führten zu internationalen Diskussionen und strengeren Schutzmaßnahmen.
Der Brite verzichtete dabei stets auf den erhobenen Zeigefinger und verwendete stattdessen starke Bilder, die zu noch größerer Betroffenheit führten.
Bilder, die auch ein Zeitzeugnis einer mittlerweile mehr als 70jährigen Karriere sind und Attenborough den Rekord als längstdienender Fernsehmoderator der Welt einbrachte.
Ein weiterer Rekord kam im Zeitalter der sozialen Medien hinzu. Als sich Attenborough im September 2020 beim sozialen Medium Instagram präsentierte, sammelte er in nur vier Stunden und 44 Minuten eine Million „Follower“ – schneller als jeder vor ihm.
Noch im selben Jahr zog er sich allerdings wieder zurück. „Ich bin so alt, ich komme mit diesen neuen Medien einfach nicht zurecht“, sagte er.
„Ich bin nur überredet worden, eine Botschaft zum Naturschutz zu verbreiten aber jetzt bin ich schon wieder weg.“
Seine Popularität blieb dennoch ungebrochen. Bis heute bekommt Sir David, der von der früheren britischen Königin Elisabeth II. im Jahr 1985 zum Ritter geschlagen und 2022 von König Charles III. erneut ausgezeichnet wurde, rund 70 Briefe pro Tag. „Ich tue mein Bestes, um alle zu beantworten.“
Wer eine Antwort erhält, hat ein Andenken für die Ewigkeit. Allen anderen wird David Attenborough trotzdem nicht verlorengehen. Nach ihm sind rund 50 Tier- und Pflanzenarten benannt – darunter Käfer, Spinnen, ein Langschnabeligel und sogar eine fleischfressende Pflanze. Auch eine Meerenge in der Antarktis und ein britisches Polarforschungsschiff tragen seinen Namen.
Er selbst trägt eine Botschaft in die Welt, die ebenfalls Nachhaltigkeit beinhaltet:
„Wir decken auf, warum es unseren Ozeanen so schlecht geht, und was noch viel wichtiger ist, wir zeigen, wie sie wieder gesund werden können.
Ich wünsche mir, dass die Menschen erkennen, was auf dem Spiel steht – und, dass wir handeln, solange wir noch können.“ b.reiter
Von da an war klar, dass das Leben des am 8. Mai 1926 in Isleworth geborenen Engländers irgendwie einmalig verlaufen würde. Großgezogen wurden er und sein Bruder Richard, der als Schauspieler („Jurassic Park“) und Regisseur („Gandhi“) bekannt wurde, in Leicester (England) von einem Universitätsrektor und einer sozial engagierten Mutter.
Sie war es auch, die während der Nazi-Zeit zwei jüdische Mädchen als Pflegekinder aufnahm. Darüber waren ihre Söhne anfangs wenig begeistert, bekamen dadurch aber wohl genau jenen Blick auf die Welt, der sie selbst prägte. Die Lehre fürs Leben: Verantwortung endet nicht an der eigenen Haustür.
Auch privat fand Attenborough früh Halt. Im Jahr 1950 heiratete er Jane Oriel, die im Jahr 1997 im Alter von 70 Jahren an einer Gehirnblutung starb. Aus der Ehe gingen Sohn Richard, der Bioanthropologie an der Universität Cambridge unterrichtet, und Tochter Susan hervor. Die frühere Volksschullehrerin steht heute beruflich und privat ihrem Vater zur Seite. Sie kocht für ihn und erledigt Einkäufe.
Attenborough selbst studierte Naturwissenschaften an der britischen Elite-Universität Cambridge mit den Schwerpunkten Zoologie und Geologie, absolvierte einen kurzen Militärdienst und begann Anfang der 1950er Jahre schließlich seine Karriere beim britischen Fernsehsender BBC. Zur damaligen Zeit waren Tiere im Fernsehen, wenn überhaupt, nur Studiogäste. Das änderte sich, als der ambitionierte Neuling dazustieß und seine Protagonisten dort zeigen wollte, wo sie tatsächlich lebten.
Der Engländer hing damit nicht nur den eigenen Träumen nach, sondern revolutionierte ganz nebenbei mit Serien wie „Life on Earth“, „Planet Earth“ oder „Blue Planet“ das Genre der Naturdokumentationen. Plötzlich spannend und nahbar, erreichte er damit ein Millionenpublikum.
Der Mann mit der markanten Stimmmelodie beließ es nicht bei nüchterner Wissenschaft, sondern wurde zum Erzähler mehrerer Generationen – einer, der es schaffte, ein Insekt zum Hauptdarsteller einer Tragödie zu machen oder aus dem Aufeinandertreffen mit einem Gorilla eine Begegnung auf Augenhöhe entstehen zu lassen.
Eine der berühmtesten Attenborough-Szenen stammt aus dem Jahr 1979, als sich in „Life on Earth“ ein junger Berggorilla zu ihm legte und ihn neugierig untersuchte. Die Begegnung im Urwald Ruandas ist ein Musterbeispiel für gegenseitiges Verständnis zwischen Mensch und Tier.
Für seine Filme machte Attenborough selbst vor eigenen Grenzen nicht Halt und tauchte noch im hohen Alter von 88 Jahren für eine Doku über das Große Barriere Riff vor der Ostküste Australiens in einem speziell entwickelten U-Boot 300 Meter tief ab.
„Die sterbenden Korallenriffe zu sehen und die Erkenntnis, dass ich und alle anderen Menschen diesen Schaden angerichtet haben, waren furchtbar“, erinnert er sich. Und jetzt, kurz vor seinem 100. Geburtstag, kommentierte er noch mit ungebrochener Präzision Szenen über die Flugkünste von Schwänen.
Da verziehen ihm Zuschauer und Kritiker auch, als bei Attenborough plötzlich der Umweltschützer verstummte und der Fernsehmann die Regie übernahm. Positiv war, dass er in seiner Zeit als Programmdirektor bei BBC2 in den 1960er Jahren die Tenniswelt veränderte.
Da weiße Bälle im neuen Farbfernsehen kaum zu erkennen waren, setzte er gelbe durch. Sein Einfallsreichtum ging aber nicht immer gut aus. So stellte sich eine Szene mit einem Eisbären später als Zoo-Aufnahme und nicht als eine in freier Natur aufgenommene heraus. „Die Illusion ist Teil der Wirkung“, meinte er dazu unbeeindruckt. Auch sein Format „Zoo Quest“, in dem Tiere für Zoos gefangen wurden, wurde schließlich eingestellt.
Vielleicht wurde Attenborough seine Verantwortung im Laufe der Jahre immer bewusster. Die Zuschauer nahmen sich zu Herzen, was ihnen der vertrauenserweckende, feine ältere Herr mit der ruhigen Stimme erzählte – und der sogenannte „Attenborough-Effekt“ belegte das eindrucksvoll.
Als in „Blue Planet II“ die dramatischen Folgen von Plastikmüll in den Ozeanen gezeigt wurden – trübes Wasser, in dem Abfall wie ein unsichtbarer Schleier zwischen den Lebewesen trieb –, veränderte dies das Verhalten vieler Menschen. Das Interesse an Recycling stieg sprunghaft, der Verbrauch von Einwegplastik ging zurück. Auch politisch blieben seine
Dokumentationen nicht folgenlos. Aufnahmen der Grundschleppnetz-Fischerei – einer Fangmethode, bei der schwere Netze den Meeresboden durchpflügen und ganze Lebensräume zerstören –, führten zu internationalen Diskussionen und strengeren Schutzmaßnahmen.
Der Brite verzichtete dabei stets auf den erhobenen Zeigefinger und verwendete stattdessen starke Bilder, die zu noch größerer Betroffenheit führten.
Bilder, die auch ein Zeitzeugnis einer mittlerweile mehr als 70jährigen Karriere sind und Attenborough den Rekord als längstdienender Fernsehmoderator der Welt einbrachte.
Ein weiterer Rekord kam im Zeitalter der sozialen Medien hinzu. Als sich Attenborough im September 2020 beim sozialen Medium Instagram präsentierte, sammelte er in nur vier Stunden und 44 Minuten eine Million „Follower“ – schneller als jeder vor ihm.
Noch im selben Jahr zog er sich allerdings wieder zurück. „Ich bin so alt, ich komme mit diesen neuen Medien einfach nicht zurecht“, sagte er.
„Ich bin nur überredet worden, eine Botschaft zum Naturschutz zu verbreiten aber jetzt bin ich schon wieder weg.“
Seine Popularität blieb dennoch ungebrochen. Bis heute bekommt Sir David, der von der früheren britischen Königin Elisabeth II. im Jahr 1985 zum Ritter geschlagen und 2022 von König Charles III. erneut ausgezeichnet wurde, rund 70 Briefe pro Tag. „Ich tue mein Bestes, um alle zu beantworten.“
Wer eine Antwort erhält, hat ein Andenken für die Ewigkeit. Allen anderen wird David Attenborough trotzdem nicht verlorengehen. Nach ihm sind rund 50 Tier- und Pflanzenarten benannt – darunter Käfer, Spinnen, ein Langschnabeligel und sogar eine fleischfressende Pflanze. Auch eine Meerenge in der Antarktis und ein britisches Polarforschungsschiff tragen seinen Namen.
Er selbst trägt eine Botschaft in die Welt, die ebenfalls Nachhaltigkeit beinhaltet:
„Wir decken auf, warum es unseren Ozeanen so schlecht geht, und was noch viel wichtiger ist, wir zeigen, wie sie wieder gesund werden können.
Ich wünsche mir, dass die Menschen erkennen, was auf dem Spiel steht – und, dass wir handeln, solange wir noch können.“ b.reiter
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