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Ausgabe Nr. 20/2026 vom 12.05.2026, Foto: Thomas&Thomas
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Udo Lindenberg:
„Seid schön verrückt“
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Er hat sich in seiner Karriere immer wieder neu erfunden und möchte das weiterhin tun. Obwohl Udo Lindenberg am Sonntag, dem 17. Mai, bereits seinen 80. Geburtstag feiert.
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Dieser Udo Gerhard Lindenberg, der Sohn von Hermine und Gustav, geboren 1946 im westfälischen Gronau nahe der niederländischen Grenze und aufgewachsen im kleinbürgerlichen Nachkriegsmief der Fünfziger, ist einer der wenigen noch aktiven Jahrhundertkünstler, die Deutschland zu bieten hat.

Eine Legende, eine Ikone, ein im besten Sinne Durchgeknallter. Öffentlich tritt er stets mit Hut, Sonnenbrille und Lederjacke in Erscheinung. „Ich halte mich für geschmeidig, bekömmlich und easy“, so seine Selbsteinschätzung. Seinen Ehrentag, behauptet der nach wie vor und trotz schwerer Knieoperation im Herbst 2023 ausgesprochen fit wirkende Jubilar, gedenke er in der Südsee zu verbringen, so weit wie möglich weg vom Trubel.

Denn richtig sexy finde er den Gedanken, achtzig zu werden, gar nicht, wie er sagt. Gedanken an den Ruhestand verschwendet er ebensowenig. „Es gibt ja nicht nur die jungen Wilden. Ich kann die Menschen ja nicht hängen lassen, sie brauchen ihr Udopium und ihren neuen Stoff. Die irdische Zeitzählung ist nichts für mich. Bei anderen Menschen in meinem Alter denke ich immer, dass das eine ganz andere Generation ist.

Ich bin zeitlos und werde „der Elasto-Mann“ genannt. Ich bin grazil wie eine Gazelle. Die „Panik-Festspiele“, wie Lindenberg selbst das ganze Trara rund um seinen Runden bezeichnet, laufen freilich schon seit Wochen auf höchsten Touren.

Vor allem seine Wahlheimatstadt Hamburg, in der der Künstler seit Mitte der Neunziger eine Suite im Nobelhotel „Atlantic“ bewohnt und wo er sich am Abend gern unters reisende Volk an der Bar mischt, feiert den Mann und sein Wirken aufs Gewaltigste.

Herzstück ist das „Udoversum“, eine bis Anfang Oktober währende Multimedia-Ausstellung im „stilwerk“, die sich auf vier Etagen der Gesamtkunst, vor allem der Malerei des Meisters, widmet.

Daneben wurden zwanzig aus den mehr als 800 seiner Kompositionen neu, liebevoll und teils originell von Kolleginnen und Kollegen wie Hans Zimmer, „Tokio Hotel“, Elif oder Lara Hulo interpretiert. Sie finden sich auf dem neuen Tribute-Album „We love Udo“. Wer mehr will, kann sich gleich die 41-CD-Box „Alles unter einem Hut“ zulegen, und auch das Fernsehen feiert mit. Seit 10. Mai ist in der ARD-Mediathek die Dokumentation „UDO Rebell. Rockstar. Ikone.“ zu sehen.

Ein Tribut für einen Künstler, der zunächst Schlagzeug gespielt hat und mit einer Jazzband aufgetreten ist. Im Jahr 1972 erschien sein deutschsprachiges Debüt „Daumen im Wind“, ein Jahr später „Alles klar auf der Andrea Doria“. Mit einem Schlag war er berühmt.

Er singt Rockmusik auf Deutsch, damals die Sprache des Schlagers. „Keine Panik“ wurde zum geflügelten Wort. Eine ganze Generation übernahm seinen Jargon, ohne es zu merken.

1983 brachte er das Lied „Sonderzug nach Pankow“ heraus. Im selben Jahr durfte er in Ost-Berlin auftreten, aber nur vor ausgewähltem Publikum im Palast der Republik, streng kontrolliert. Eine für das Folgejahr geplante Tournee durch die DDR wurde von der Staatsführung abgeblasen.

In den Neunzigern ging es steil bergab. Lindenberg, als Sohn eines Alkoholikers früh mit dem Suff sozialisiert, verlor sich im Dauerrausch, seine Musik wurde immer schwächer. Er versackte und drohte den Lebenshunger zu verlieren. Nach dem Tod der Mutter war er dem Selbstmord nahe, doch er rappelte sich wieder auf. „Ich wollte nicht so enden wie Elvis in Las Vegas.“

Sein Rat an die Jugend ist dann doch wieder ein typischer Lindenberg. „Lange schlafen. Bisschen saufen. Und seid schön verrückt.“ steffen rüth
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