Maria sah das Leiden
Jetzt neu: Hier klicken
und Artikel an Freunde verschenken.
und Artikel an Freunde verschenken.
Im Steinbruch St. Margarethen (B) wird das 100jährige Bestehen der Passionsspiele gefeiert. „Mirjam“ erzählt die Leidensgeschichte Jesu aus Maria Magdalenas Sicht.
Auf Play drücken
um Artikel vorlesen
zu lassen.
um Artikel vorlesen
zu lassen.
Der Wind trägt den Staub über die gewaltigen Felswände des Römersteinbruchs St. Margarethen im Burgenland. Acht Meter vor der ersten Zuschauerreihe wird hier ein Mann ans Kreuz geschlagen. Der Palast von Pontius Pilatus thront hinter dem Geschehen. „Ein gewaltiges Leinwandepos“, so Regisseur Manfred Waba, 66, während Arbeiter Requisiten auf dem sandigen Boden zwischen Gerüsten und Steinblöcken aufbauen.
Seit Wochen schon steht Waba, oft zwölf Stunden täglich, im Steinbruch. „Eine Knochenarbeit“, sagt er. Aber eine Aufgabe, die ihn nicht mehr loslässt. In seiner Funktion als Regisseur und Bühnenbildner kehrt der gebürtige Podersdorfer „nach Hause zurück“. Bereits vor 35 Jahren wirkte er bei Operninszenierungen das erste Mal im Steinbruch mit.
Dieses Mal sind es 50 Meter breite und 14 Meter hohe Aufbauten, Natürlichkeit und Echtheit sind ihm wichtig. „Passion heißt Leidenschaft. Wir wollen nicht nur die Glut erhalten, sondern auch das Feuer neu entfachen.“
Heuer wird das 100jährige Bestehen der Passions-
spiele St. Margarethen gefeiert. Begonnen hat alles 1926 auf einem Bauernhof. Der Dorfpfarrer stellte damals mit Jugendlichen aus dem Ort die erste Passion auf die Beine. Niemand konnte ahnen, dass daraus später einmal eines der größten religiösen Freiluftschauspiele in unserem Land entstehen würde.
Für die Jubiläumsproduktion wagen die Spiele einen radikalen Schritt nach vorne. „Mirjam – Stark wie der Tod ist die Liebe“ erzählt die Geschichte vom Leben und Leiden sowie der Auferstehung Jesu erstmals aus weiblicher Perspektive. Im Zentrum steht Maria Magdalena, auf Hebräisch „Mirjam“.
Die Figur der Maria Magdalena wurde über Jahrhunderte verzerrt, reduziert oder missverstanden. In St. Margarethen soll ihn nun endlich eine Stimme verliehen werden. Diese bekommt sie unter anderem von Renée Gallo. Die Sonne brennt auf den Steinbruch, als die 60jährige über die Bühne geht.
„Die Beziehung zwischen Jesus und Mirjam war aus meiner Sicht eine enge und innige Freundschaft, die beiden haben einander vertraut und gestützt“, sagt die Darstellerin.
„Die Neuinszenierung zeigt auf, dass in der
Gemeinschaft rund um Jesus auch eine Frau eine relevante Rolle innehatte. Es könnte einer der ersten Schritte sein, um Frauen auch in Zukunft mehr Aufgaben und Entscheidungen in der Kirche zukommen zu lassen.“ Für Iris Klemenschitz, 53 (Doppelbesetzung), war dieser Schritt längst überfällig.
„Die Stellung der Frau in der katholischen Kirche braucht eine Grunderneuerung. Das Stück ist zeitgemäß und rückt die Frau in den Mittelpunkt. Mirjam als Apostolin war eine wichtige Vertraute von Jesus, die ihn intensiv begleitete. Jesus vertraute ihr, demnach spielt sie eine wesentliche Rolle. Warum fällt es den Verantwortlichen der katholischen Kirche heute schwer, Frauen zentrale Rollen zu geben?“
Pfarrer Dr. Richard Geier, 65, der Autor des neuen Drehbuches, pflichtet den beden Frauen bei. „Maria Magdalena wurde als Frau in der Männerkirche lange Zeit zur Seite gestellt. Ich wollte das ein bisschen zurechtrücken.“
„Seine“ Mirjam ist keine Randfigur. Durch ihre Augen erlebt das Publikum die Passion neu, emotionaler, persönlicher, verletzlicher.
„Sie ist die erste Zeugin der Auferstehung Jesu und nimmt einen herausragenden Platz ein“, merkt Geier an. Mehr als 400 Menschen sind an dem Projekt beteiligt. 300 Laiendarsteller stehen auf der Bühne, weitere 100 Helfer dahinter. Alle stammen aus St. Margarethen oder der Umgebung, etwa Tischler, Lehrer, Winzer, Pensionisten, Schüler. Sie alle investieren Monate ihrer Freizeit und arbeiten ehrenamtlich mit. Die Kostüme und Requisiten kommen aus Mailand, um die Kleidung der damaligen Zeit möglichst authentisch wirken zu lassen.
Zwischen den mächtigen Felsen entsteht so Stück für Stück ein biblisches Jerusalem, inklusive Ölberg und Grabstätte. „Der Zuschauer soll sich in der Geschichte verlieren und schließlich wiederfinden“, betont Waba.
Jesus wird dabei zum einen von Andreas Schalling verkörpert. Der 33jährige hat in den Jahren davor schon Erfahrungen als Apostel gesammelt. „Die Kreuzigungsszene ist körperlich besonders fordernd. Die Verhörszenen nehmen einen mit, und natürlich die durchaus echten Peitschenschläge beim Kreuzweg, ebenso wie das Abendmahl bis hin zur Auferstehung sind für mich emotional aufgeladene Darbietungen“, erzählt er.
Rupert Kugler beschreibt seine Zweitbesetzung als Jesus weniger als Schauspiel, sondern als inneres Glaubensbekenntnis. „Die Figur nur aus dem Kopf heraus zu spielen, ist für mich unvorstellbar“, sagt der 45jährige. „Jesus wohnt im Herzen jedes Menschen. Das Passionsspiel ist Verkündigung. Wir wollen niemanden belehren. Berühren, das wäre wunderschön.“
Dabei wird versucht, Gläubige wie Nichtgläubige zu erreichen. „Menschen, die der Kirche fernstehen, sind besonders willkommen.
Die Passion ist ein zeitloses Drama, das die Themen der modernen Zeit behandelt, und zwar Liebe, Hoffnung, Verrat, Macht und Tod“, erklärt der Regisseur.
Mittlerweile strömen Zehntausende Besucher in den Römersteinbruch. 70.000 waren es im Rekordjahr 2006.
Die Premiere findet heuer am Samstag, 23. Mai, statt, gespielt wird bis 12. Juli. Der Erlös fließt in soziale Hilfsprojekte.
Seit Wochen schon steht Waba, oft zwölf Stunden täglich, im Steinbruch. „Eine Knochenarbeit“, sagt er. Aber eine Aufgabe, die ihn nicht mehr loslässt. In seiner Funktion als Regisseur und Bühnenbildner kehrt der gebürtige Podersdorfer „nach Hause zurück“. Bereits vor 35 Jahren wirkte er bei Operninszenierungen das erste Mal im Steinbruch mit.
Dieses Mal sind es 50 Meter breite und 14 Meter hohe Aufbauten, Natürlichkeit und Echtheit sind ihm wichtig. „Passion heißt Leidenschaft. Wir wollen nicht nur die Glut erhalten, sondern auch das Feuer neu entfachen.“
Heuer wird das 100jährige Bestehen der Passions-
spiele St. Margarethen gefeiert. Begonnen hat alles 1926 auf einem Bauernhof. Der Dorfpfarrer stellte damals mit Jugendlichen aus dem Ort die erste Passion auf die Beine. Niemand konnte ahnen, dass daraus später einmal eines der größten religiösen Freiluftschauspiele in unserem Land entstehen würde.
Für die Jubiläumsproduktion wagen die Spiele einen radikalen Schritt nach vorne. „Mirjam – Stark wie der Tod ist die Liebe“ erzählt die Geschichte vom Leben und Leiden sowie der Auferstehung Jesu erstmals aus weiblicher Perspektive. Im Zentrum steht Maria Magdalena, auf Hebräisch „Mirjam“.
Die Figur der Maria Magdalena wurde über Jahrhunderte verzerrt, reduziert oder missverstanden. In St. Margarethen soll ihn nun endlich eine Stimme verliehen werden. Diese bekommt sie unter anderem von Renée Gallo. Die Sonne brennt auf den Steinbruch, als die 60jährige über die Bühne geht.
„Die Beziehung zwischen Jesus und Mirjam war aus meiner Sicht eine enge und innige Freundschaft, die beiden haben einander vertraut und gestützt“, sagt die Darstellerin.
„Die Neuinszenierung zeigt auf, dass in der
Gemeinschaft rund um Jesus auch eine Frau eine relevante Rolle innehatte. Es könnte einer der ersten Schritte sein, um Frauen auch in Zukunft mehr Aufgaben und Entscheidungen in der Kirche zukommen zu lassen.“ Für Iris Klemenschitz, 53 (Doppelbesetzung), war dieser Schritt längst überfällig.
„Die Stellung der Frau in der katholischen Kirche braucht eine Grunderneuerung. Das Stück ist zeitgemäß und rückt die Frau in den Mittelpunkt. Mirjam als Apostolin war eine wichtige Vertraute von Jesus, die ihn intensiv begleitete. Jesus vertraute ihr, demnach spielt sie eine wesentliche Rolle. Warum fällt es den Verantwortlichen der katholischen Kirche heute schwer, Frauen zentrale Rollen zu geben?“
Pfarrer Dr. Richard Geier, 65, der Autor des neuen Drehbuches, pflichtet den beden Frauen bei. „Maria Magdalena wurde als Frau in der Männerkirche lange Zeit zur Seite gestellt. Ich wollte das ein bisschen zurechtrücken.“
„Seine“ Mirjam ist keine Randfigur. Durch ihre Augen erlebt das Publikum die Passion neu, emotionaler, persönlicher, verletzlicher.
„Sie ist die erste Zeugin der Auferstehung Jesu und nimmt einen herausragenden Platz ein“, merkt Geier an. Mehr als 400 Menschen sind an dem Projekt beteiligt. 300 Laiendarsteller stehen auf der Bühne, weitere 100 Helfer dahinter. Alle stammen aus St. Margarethen oder der Umgebung, etwa Tischler, Lehrer, Winzer, Pensionisten, Schüler. Sie alle investieren Monate ihrer Freizeit und arbeiten ehrenamtlich mit. Die Kostüme und Requisiten kommen aus Mailand, um die Kleidung der damaligen Zeit möglichst authentisch wirken zu lassen.
Zwischen den mächtigen Felsen entsteht so Stück für Stück ein biblisches Jerusalem, inklusive Ölberg und Grabstätte. „Der Zuschauer soll sich in der Geschichte verlieren und schließlich wiederfinden“, betont Waba.
Jesus wird dabei zum einen von Andreas Schalling verkörpert. Der 33jährige hat in den Jahren davor schon Erfahrungen als Apostel gesammelt. „Die Kreuzigungsszene ist körperlich besonders fordernd. Die Verhörszenen nehmen einen mit, und natürlich die durchaus echten Peitschenschläge beim Kreuzweg, ebenso wie das Abendmahl bis hin zur Auferstehung sind für mich emotional aufgeladene Darbietungen“, erzählt er.
Rupert Kugler beschreibt seine Zweitbesetzung als Jesus weniger als Schauspiel, sondern als inneres Glaubensbekenntnis. „Die Figur nur aus dem Kopf heraus zu spielen, ist für mich unvorstellbar“, sagt der 45jährige. „Jesus wohnt im Herzen jedes Menschen. Das Passionsspiel ist Verkündigung. Wir wollen niemanden belehren. Berühren, das wäre wunderschön.“
Dabei wird versucht, Gläubige wie Nichtgläubige zu erreichen. „Menschen, die der Kirche fernstehen, sind besonders willkommen.
Die Passion ist ein zeitloses Drama, das die Themen der modernen Zeit behandelt, und zwar Liebe, Hoffnung, Verrat, Macht und Tod“, erklärt der Regisseur.
Mittlerweile strömen Zehntausende Besucher in den Römersteinbruch. 70.000 waren es im Rekordjahr 2006.
Die Premiere findet heuer am Samstag, 23. Mai, statt, gespielt wird bis 12. Juli. Der Erlös fließt in soziale Hilfsprojekte.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.
Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung

















