Jazz Gitti:
„Ich bin ein bisserl schief, schräg bin ich sowieso“
„Ich bin ein bisserl schief, schräg bin ich sowieso“
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Sie ist ein Original und eine fixe Größe in der heimischen Musik und Unterhaltungskultur. Bekannt für ihr freches Mundwerk und ihr schrilles Auftreten, lässt sich die Jazz Gitti in keine Nische einordnen. Die bald 80jährige gebürtige Wienerin sieht sich selbst nicht als Künstlerin, sondern als Naturtalent. Ein Besuch bei der Jazz Gitti am Land.
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Georgi‘, hör jetzt auf, du kleines, verfressenes Luder“, tönt es im Wiener Dialekt aus der Küche. Jazz Gitti maßregelt die 13 Jahre alte Malteser-Hündin „Georgina“. „Eigentlich gehört sie meinem Enkelsohn, aber der wohnt in Wien. Bei mir hier am Land hat es die ,Georgi‘ schöner, weil sie hinaus ins Grüne kann.
Da schau, dort rennt ein Reh. Kürzlich haben sich zwei Rehe im Gartenzaun verfangen. Denen musste Roman helfen, sich wieder zu befreien“, deutet sie in Richtung Wohnzimmerfenster.
Inmitten von Weingärten, in einem kleinen Ort, 25 Kilometer nördlich der Bundeshauptstadt, ist Jazz Gitti zuhause. Dort lebt sie mit Roman Bogner, ihrem „Lebensmenschen“, mit „Georgi“ sowie „Simba“ und „Lilli“. Die beiden Katzen sind gerade draußen unterwegs und somit nicht für die Fotokamera verfügbar, ebenso wie ihr Lebensmensch. „Es geht nur um die Gitti und um ihren bevorstehenden Geburtstag“, sagt der Gentleman und schweigt.
Der 55jährige Manager ist seit 25 Jahren an ihrer Seite, „mit einer kleinen Unterbrechung von drei Jahren. Wenn die Männer in die Pubertät kommen, dann muss man sie lassen. Aber er war mir gegenüber immer anständig, auf ihn kann ich mich nicht hundertprozentig, sondern tausendprozentig verlassen. Er handelt meine Gagen aus, managt die Termine, mäht den Rasen und macht noch vieles mehr. Mich stört einzig, dass er seine Hosen mit nicht geschlossenem Zipp in die Waschmaschine gibt. Ja, den Roman hätte ich schon früher gebraucht, aber da war er leider noch im Kindergarten“, scherzt „die Gitti“, wie sie von allen genannt werden möchte.
Dabei ist „Gitti“ gar nicht ihr „richtiger“ Vorname. Als Martha Margit Bohdal kam sie am 13. Mai 1946 in Wien zur Welt. „Meine Mutter war Jüdin, mein Vater nicht – was damals skandalös war. Mein Vater hat sie im Untergrund versteckt und meine Mutter überlebte den Zweiten Weltkrieg.“ Im Gegensatz zu ihrer „Gitti-Tant‘“, weshalb die kleine Martha in Erinnerung an die Tante immer nur „Gitti“ genannt wurde. „Ich war ein verwöhntes Kind und immer ein Teil meiner Eltern, mit denen ich über alles reden und die ich alles fragen durfte. Aber ich war auch schlimm und frech, deshalb haben sie mich in eine Klosterschule gesteckt, was nichts brachte“, erinnert sie sich.
Die behütete Kindheit endete jäh, als sie 14 Jahre alt war. Die Mutter starb an Diabetes. „Ich denke jeden Tag an meine Mutter, sie fehlt mir. Immer hat sie zu mir gesagt, ,Gitterl, du kannst machen, was du willst, aber du darfst dich nicht erwischen lassen. Und wenn es danebengeht, musst du allein die Verantwortung tragen.‘ Also, was lernen wir daraus? Genau, zuerst denken und dann tun. Meine Mutter war eine kluge und tüchtige Geschäftsfrau. Heute geniere ich mich dafür, dass ich böse auf sie war, als sie starb und ich ihr vorwarf, dass sie mich verlassen hat. Und mein Vater, der bis dahin der beste Vater war, hat sich verändert, weil ein Teil von ihm mit meiner Mutter gestorben ist. Und da ich immer goschert war, hat er es mit mir nicht mehr ausgehalten. Das alles verstehe ich heute“, resümiert sie.
Ein halbes Jahr nach dem Tod der Mutter wollte sie weg aus Wien, wo sie nichts mehr hielt. In Israel, bei ihrem Onkel, fand sie Rückhalt.
„Mit der Zustimmung meines Vaters bin ich allein nach Tel Aviv geflogen. Es waren die 1960er Jahre und es war ein ganz anderes Israel. Ich war im Glück mit meiner Cousine und meinem Cousin. Die waren für mich die Geschwister, die ich mir immer gewünscht habe.“
Am liebsten wäre sie geblieben, doch der Vater hat in der Zwischenzeit das „Espresso Gitti“ am Mexikoplatz im zweiten Wiener Bezirk eröffnet und der Tochter nahegelegt, gefälligst heimzukommen, um im Café zu arbeiten. Das ging mehr schlecht als recht, denn der Vater arbeitete auch dort, mit seiner zweiten Frau.
„Das hat nicht funktioniert und nach zwei Jahren nahm ich die Hochzeit meiner Cousine zum Anlass, wieder nach Israel zu fliegen, um für immer dort zu bleiben. Es wurden neuneinhalb Jahre, weil ich mir leider den falschen Mann aussuchte, der ein armer Hund war und nur 42 Jahre alt wurde. Für ihn zählten nur die Weiber, der Alkohol und die Spielerei, er hat unser ganzes Geld verspielt.
Ich habe als Kellnerin und als Putzfrau gearbeitet. Mich hat er eingefangen mit dem Trick, dass nur ich sein Leben ins Lot bringen könnte. Das Beste an ihm war, dass er mir meine Tochter schenkte.
In dem Moment, als ich schwanger war, hat sich für mich alles geändert. Ich hatte Verantwortung. Shlomit war immer mein Wichtigstes – ein Teil von mir, den ich beschützen muss.
Also nahm ich mein Kind und seilte mich ab. Ich wollte nicht, dass meine Tochter in diesen Verhältnissen aufwächst, Shlomit war sechs Jahre alt.“
Zurück in Wien hatte es die alleinerziehende Mutter schwer.
„Ich habe mich zwar mit meinem Vater getroffen, der hatte inzwischen mit seiner zweiten Frau einen Buben, also eine neue Familie. Für die Frau war mein Vater die große Liebe, mit mir konnte sie nichts anfangen. Ich fühlte mich verlassen. Zu meinem Halbbruder habe ich aber immer noch Kontakt, er lebt in Afrika und hat drei Kinder.“
Jahrelang arbeitete „die Gitti“ als Kellnerin, stets mit dem Traum vom eigenen Lokal. Der erfüllte sich, als sie 40 war, in Form des Cafés „Zuckerl“ in der Heiligenstädter Straße in Wien Döbling, danach lud sie ein in Wiens ersten Jazz-Heurigen, wo sie selbst erstmals auftrat. „Die Gäste hatten Spaß mit mir, aber leider ging ich bankrott. Ich war zwar eine Super-Wirtin, aber eine schlechte Geschäftsfrau“, gibt sie freimütig zu.
Dennoch wagte sie einen dritten Anlauf mit „Gittis Jazzclub“. „Bei mir gingen alle Narren, Hochgebildete aus dem ganzen Land ein und aus. Ich hatte keinen Türsteher und habe mir alles selber geregelt“, sagt sie nicht ohne Stolz. Ein Abend dort brachte sie mit der Rock-Schock-Punk-Gruppe „Drahdiwaberl“ zusammen. Als „Vollfrau“ bereicherte sie die Band von 1980 bis 1983. Besonders bekannt wurde sie in der Rolle der Nymphomanin im Lied „Fleischwolf“.
Bald danach gründete sie mit „Jazz Gitti & her Disco Killers“ die erste eigene Band. Mit dem Lied „Hey Du“ schaffte sie es im Jahr 1984 bis in die Endausscheidung für den Song Contest. Im selben Jahr gab sie die Gastronomie auf, um fortan als Künstlerin zu arbeiten. Ihr erstes Album „A Wunda“ (1990) wurde mehr als 100.000 Mal verkauft und mehrfach ausgezeichnet.
Die Wienerin selbst sieht sich nicht als Künstlerin, „weil ich nichts gelernt habe, ich kann keine Noten lesen, obwohl ich seit mehr als dreißig Jahren im Geschäft bin. Ich bin ein Naturtalent, meine Tochter, wunderbare Mutter meiner drei Enkelkinder, ist eine Künstlerin.
Sie ist Sängerin, Schauspielerin und Dozentin an der Schauspielschule. Im Vergleich zu meiner Tochter habe ich das Showgeschäft nie ernstgenommen, weil ich zu impulsiv bin. Aber der Verantwortung bin ich mir wohl bewusst, dass Menschen zu mir kommen, dafür bezahlen und ich ihnen etwas biete.“
Ein Gespür für Menschen habe ihr der Hebräisch-Lehrer im Kibbuz Ulpan in Israel attestiert. „Ich habe im Laufe meines Lebens festgestellt, dass sich nur Menschen mögen, die ähnlich ticken. Meine echten Anhänger, die mich wirklich gern haben, sind ähnlich drauf wie ich“, sagt die nach eigenen Angaben „typische Stiergeborene“.
„Ich bin im Grunde gemütlich, aber reizen darf mich niemand, dann sehe ich rot. An meinem Jähzorn arbeite ich mich schon seit meiner Kindheit ab. Als einmal jemand meine Mutter beleidigte, das war in der Schule, hätte ich ihn fast aus dem Fenster des vierten Stockes geworfen“, erzählt sie, die als Kind oft diskriminiert wurde, „weil ich dick war. Weil ich weiß, wie verletzend das ist, käme es mir nie in den Sinn, jemandem weh zu tun.“
Von 165 Kilo in ihren Spitzenzeiten hat sie auf 70 Kilo abgespeckt, war aber „die meiste Zeit meines Lebens übergewichtig. Der Körper merkt sich das, ich habe Diabetes, zwei neue Knie, zwei Schrauben im Rücken, sechs Stents, einen Herzschrittmacher und eine Herzklappe. Mein Orthopäde attestiert mir zwar jungfräuliche Hüften, dem muss ich jedoch widersprechen. Ich bin ein bisschen schief, schräg bin ich sowieso, aber was will ich mit 80“, nimmt sie es locker. „Ich bin ein Oldmobil, wenn ich Probleme habe, fahre ich in die Werkstatt und lasse mich reparieren.“
Spazierengehen könne sie nicht, „dazu bin ich zu müde, ich komme eben erst von einer Reise mit meinen Anhängern in der Steiermark zurück. Im Haushalt und im Garten hilft mir Roman, ich koche, wasche die Wäsche und bügle.
Er organisiert gerade das große Geburtstagsfest mit meinen Wegbegleitern und Freunden im Marchfelderhof am 12. Mai. Ich sage immer, ich bin ,die Gitti‘ und er ist der Jazz – ich liebe ihn abgöttisch (lacht). Und er plant bereits die Termine für die Werbe-Tour anlässlich meiner neuen Single.“
Die trägt den tiefgründigen Titel „Wenn‘s Zeit wird für mi, dass i geh“ und erscheint zum Jubiläum. „Manchmal werde ich in der Früh munter und denke mir, im Großen und Ganzen habe ich nichts ausgelassen, schön war‘s. Aber am nächsten Tag fällt mir ein, dass ich noch so viel vorhabe. Ich liebe Harmonie, Frieden und Spaß. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert und der Tod schon gar nicht“, wird die Jubilarin melancholisch. Aber sofort ist da wieder das Blitzen in ihren Augen, wenn sie meint, „ich mache mir überall eine Gaudi. Und wenn ich einen schlechten Tag habe, bleibe ich daheim und lasse meine Laune an Roman aus. Wofür habe ich einen Mann?“
Eines weiß sie fix, „nach den Feiern fahre ich im Juli mit meiner Freundin Monika nach Umag (Kroatien). Dort brauche ich nur eine Luftmatratze, einen Liegestuhl, schönes Wetter und das Meer. Das ist Luxus – leiwande Freunde zu haben und gesund zu sein.“ m. wieser
Da schau, dort rennt ein Reh. Kürzlich haben sich zwei Rehe im Gartenzaun verfangen. Denen musste Roman helfen, sich wieder zu befreien“, deutet sie in Richtung Wohnzimmerfenster.
Inmitten von Weingärten, in einem kleinen Ort, 25 Kilometer nördlich der Bundeshauptstadt, ist Jazz Gitti zuhause. Dort lebt sie mit Roman Bogner, ihrem „Lebensmenschen“, mit „Georgi“ sowie „Simba“ und „Lilli“. Die beiden Katzen sind gerade draußen unterwegs und somit nicht für die Fotokamera verfügbar, ebenso wie ihr Lebensmensch. „Es geht nur um die Gitti und um ihren bevorstehenden Geburtstag“, sagt der Gentleman und schweigt.
Der 55jährige Manager ist seit 25 Jahren an ihrer Seite, „mit einer kleinen Unterbrechung von drei Jahren. Wenn die Männer in die Pubertät kommen, dann muss man sie lassen. Aber er war mir gegenüber immer anständig, auf ihn kann ich mich nicht hundertprozentig, sondern tausendprozentig verlassen. Er handelt meine Gagen aus, managt die Termine, mäht den Rasen und macht noch vieles mehr. Mich stört einzig, dass er seine Hosen mit nicht geschlossenem Zipp in die Waschmaschine gibt. Ja, den Roman hätte ich schon früher gebraucht, aber da war er leider noch im Kindergarten“, scherzt „die Gitti“, wie sie von allen genannt werden möchte.
Dabei ist „Gitti“ gar nicht ihr „richtiger“ Vorname. Als Martha Margit Bohdal kam sie am 13. Mai 1946 in Wien zur Welt. „Meine Mutter war Jüdin, mein Vater nicht – was damals skandalös war. Mein Vater hat sie im Untergrund versteckt und meine Mutter überlebte den Zweiten Weltkrieg.“ Im Gegensatz zu ihrer „Gitti-Tant‘“, weshalb die kleine Martha in Erinnerung an die Tante immer nur „Gitti“ genannt wurde. „Ich war ein verwöhntes Kind und immer ein Teil meiner Eltern, mit denen ich über alles reden und die ich alles fragen durfte. Aber ich war auch schlimm und frech, deshalb haben sie mich in eine Klosterschule gesteckt, was nichts brachte“, erinnert sie sich.
Die behütete Kindheit endete jäh, als sie 14 Jahre alt war. Die Mutter starb an Diabetes. „Ich denke jeden Tag an meine Mutter, sie fehlt mir. Immer hat sie zu mir gesagt, ,Gitterl, du kannst machen, was du willst, aber du darfst dich nicht erwischen lassen. Und wenn es danebengeht, musst du allein die Verantwortung tragen.‘ Also, was lernen wir daraus? Genau, zuerst denken und dann tun. Meine Mutter war eine kluge und tüchtige Geschäftsfrau. Heute geniere ich mich dafür, dass ich böse auf sie war, als sie starb und ich ihr vorwarf, dass sie mich verlassen hat. Und mein Vater, der bis dahin der beste Vater war, hat sich verändert, weil ein Teil von ihm mit meiner Mutter gestorben ist. Und da ich immer goschert war, hat er es mit mir nicht mehr ausgehalten. Das alles verstehe ich heute“, resümiert sie.
Ein halbes Jahr nach dem Tod der Mutter wollte sie weg aus Wien, wo sie nichts mehr hielt. In Israel, bei ihrem Onkel, fand sie Rückhalt.
„Mit der Zustimmung meines Vaters bin ich allein nach Tel Aviv geflogen. Es waren die 1960er Jahre und es war ein ganz anderes Israel. Ich war im Glück mit meiner Cousine und meinem Cousin. Die waren für mich die Geschwister, die ich mir immer gewünscht habe.“
Am liebsten wäre sie geblieben, doch der Vater hat in der Zwischenzeit das „Espresso Gitti“ am Mexikoplatz im zweiten Wiener Bezirk eröffnet und der Tochter nahegelegt, gefälligst heimzukommen, um im Café zu arbeiten. Das ging mehr schlecht als recht, denn der Vater arbeitete auch dort, mit seiner zweiten Frau.
„Das hat nicht funktioniert und nach zwei Jahren nahm ich die Hochzeit meiner Cousine zum Anlass, wieder nach Israel zu fliegen, um für immer dort zu bleiben. Es wurden neuneinhalb Jahre, weil ich mir leider den falschen Mann aussuchte, der ein armer Hund war und nur 42 Jahre alt wurde. Für ihn zählten nur die Weiber, der Alkohol und die Spielerei, er hat unser ganzes Geld verspielt.
Ich habe als Kellnerin und als Putzfrau gearbeitet. Mich hat er eingefangen mit dem Trick, dass nur ich sein Leben ins Lot bringen könnte. Das Beste an ihm war, dass er mir meine Tochter schenkte.
In dem Moment, als ich schwanger war, hat sich für mich alles geändert. Ich hatte Verantwortung. Shlomit war immer mein Wichtigstes – ein Teil von mir, den ich beschützen muss.
Also nahm ich mein Kind und seilte mich ab. Ich wollte nicht, dass meine Tochter in diesen Verhältnissen aufwächst, Shlomit war sechs Jahre alt.“
Zurück in Wien hatte es die alleinerziehende Mutter schwer.
„Ich habe mich zwar mit meinem Vater getroffen, der hatte inzwischen mit seiner zweiten Frau einen Buben, also eine neue Familie. Für die Frau war mein Vater die große Liebe, mit mir konnte sie nichts anfangen. Ich fühlte mich verlassen. Zu meinem Halbbruder habe ich aber immer noch Kontakt, er lebt in Afrika und hat drei Kinder.“
Jahrelang arbeitete „die Gitti“ als Kellnerin, stets mit dem Traum vom eigenen Lokal. Der erfüllte sich, als sie 40 war, in Form des Cafés „Zuckerl“ in der Heiligenstädter Straße in Wien Döbling, danach lud sie ein in Wiens ersten Jazz-Heurigen, wo sie selbst erstmals auftrat. „Die Gäste hatten Spaß mit mir, aber leider ging ich bankrott. Ich war zwar eine Super-Wirtin, aber eine schlechte Geschäftsfrau“, gibt sie freimütig zu.
Dennoch wagte sie einen dritten Anlauf mit „Gittis Jazzclub“. „Bei mir gingen alle Narren, Hochgebildete aus dem ganzen Land ein und aus. Ich hatte keinen Türsteher und habe mir alles selber geregelt“, sagt sie nicht ohne Stolz. Ein Abend dort brachte sie mit der Rock-Schock-Punk-Gruppe „Drahdiwaberl“ zusammen. Als „Vollfrau“ bereicherte sie die Band von 1980 bis 1983. Besonders bekannt wurde sie in der Rolle der Nymphomanin im Lied „Fleischwolf“.
Bald danach gründete sie mit „Jazz Gitti & her Disco Killers“ die erste eigene Band. Mit dem Lied „Hey Du“ schaffte sie es im Jahr 1984 bis in die Endausscheidung für den Song Contest. Im selben Jahr gab sie die Gastronomie auf, um fortan als Künstlerin zu arbeiten. Ihr erstes Album „A Wunda“ (1990) wurde mehr als 100.000 Mal verkauft und mehrfach ausgezeichnet.
Die Wienerin selbst sieht sich nicht als Künstlerin, „weil ich nichts gelernt habe, ich kann keine Noten lesen, obwohl ich seit mehr als dreißig Jahren im Geschäft bin. Ich bin ein Naturtalent, meine Tochter, wunderbare Mutter meiner drei Enkelkinder, ist eine Künstlerin.
Sie ist Sängerin, Schauspielerin und Dozentin an der Schauspielschule. Im Vergleich zu meiner Tochter habe ich das Showgeschäft nie ernstgenommen, weil ich zu impulsiv bin. Aber der Verantwortung bin ich mir wohl bewusst, dass Menschen zu mir kommen, dafür bezahlen und ich ihnen etwas biete.“
Ein Gespür für Menschen habe ihr der Hebräisch-Lehrer im Kibbuz Ulpan in Israel attestiert. „Ich habe im Laufe meines Lebens festgestellt, dass sich nur Menschen mögen, die ähnlich ticken. Meine echten Anhänger, die mich wirklich gern haben, sind ähnlich drauf wie ich“, sagt die nach eigenen Angaben „typische Stiergeborene“.
„Ich bin im Grunde gemütlich, aber reizen darf mich niemand, dann sehe ich rot. An meinem Jähzorn arbeite ich mich schon seit meiner Kindheit ab. Als einmal jemand meine Mutter beleidigte, das war in der Schule, hätte ich ihn fast aus dem Fenster des vierten Stockes geworfen“, erzählt sie, die als Kind oft diskriminiert wurde, „weil ich dick war. Weil ich weiß, wie verletzend das ist, käme es mir nie in den Sinn, jemandem weh zu tun.“
Von 165 Kilo in ihren Spitzenzeiten hat sie auf 70 Kilo abgespeckt, war aber „die meiste Zeit meines Lebens übergewichtig. Der Körper merkt sich das, ich habe Diabetes, zwei neue Knie, zwei Schrauben im Rücken, sechs Stents, einen Herzschrittmacher und eine Herzklappe. Mein Orthopäde attestiert mir zwar jungfräuliche Hüften, dem muss ich jedoch widersprechen. Ich bin ein bisschen schief, schräg bin ich sowieso, aber was will ich mit 80“, nimmt sie es locker. „Ich bin ein Oldmobil, wenn ich Probleme habe, fahre ich in die Werkstatt und lasse mich reparieren.“
Spazierengehen könne sie nicht, „dazu bin ich zu müde, ich komme eben erst von einer Reise mit meinen Anhängern in der Steiermark zurück. Im Haushalt und im Garten hilft mir Roman, ich koche, wasche die Wäsche und bügle.
Er organisiert gerade das große Geburtstagsfest mit meinen Wegbegleitern und Freunden im Marchfelderhof am 12. Mai. Ich sage immer, ich bin ,die Gitti‘ und er ist der Jazz – ich liebe ihn abgöttisch (lacht). Und er plant bereits die Termine für die Werbe-Tour anlässlich meiner neuen Single.“
Die trägt den tiefgründigen Titel „Wenn‘s Zeit wird für mi, dass i geh“ und erscheint zum Jubiläum. „Manchmal werde ich in der Früh munter und denke mir, im Großen und Ganzen habe ich nichts ausgelassen, schön war‘s. Aber am nächsten Tag fällt mir ein, dass ich noch so viel vorhabe. Ich liebe Harmonie, Frieden und Spaß. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert und der Tod schon gar nicht“, wird die Jubilarin melancholisch. Aber sofort ist da wieder das Blitzen in ihren Augen, wenn sie meint, „ich mache mir überall eine Gaudi. Und wenn ich einen schlechten Tag habe, bleibe ich daheim und lasse meine Laune an Roman aus. Wofür habe ich einen Mann?“
Eines weiß sie fix, „nach den Feiern fahre ich im Juli mit meiner Freundin Monika nach Umag (Kroatien). Dort brauche ich nur eine Luftmatratze, einen Liegestuhl, schönes Wetter und das Meer. Das ist Luxus – leiwande Freunde zu haben und gesund zu sein.“ m. wieser
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