Ausgabe Nr. 18/2026 vom 28.04.2026, Fotos: Thron Ullberg/The Royal Court of Sweden, Linda Broström/The Royal Court of Sweden, mauritius images / World Book Inc., AdobeStock, APA-Images, Clément Morin/The Royal Court of Sweden
König Carl Gustaf:
Alter Schwede
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König Carl Gustaf feiert am 30. April nicht nur seinen 80. Geburtstag, sondern auch die Goldene Hochzeit mit seiner Silvia.
Sie war es, die das Schicksal Schwedens maßgeblich mitprägte.
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Eigentlich begann seine Geschichte mit einem Moment des Glücks. Als Carl Gustaf am 30. April 1946 geboren wurde, war es für seine Mutter, Prinzessin Sibylla, eine große Erleichterung. Damals gab es noch keinen Ultraschall, und so erfuhr sie erst bei der Geburt, dass nach vier Mädchen endlich der erhoffte Thronfolger das Licht der Welt erblickt hat. Die 84 Salutschüsse, die den Säugling begrüßten, waren Ausdruck von Freude und Bürde zugleich. Für ihn stand von der ersten Minute an fest, dass er kein normales Leben führen würde. Dass es dann aber früher als gedacht ernst wurde, lag an einer Tragödie.
Carl Gustaf war erst neun Monate alt, als sein Vater, Prinz Gustaf Adolf, 1947 mit nur 40 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Mit einem Schlag rückte der kleine Bub in der Thronfolge um einen Platz nach vor. Die Kindheit verlief entsprechend. Es gab für ihn das Palastleben in Stockholm statt Herumtollen am Spielplatz, und Pflicht statt Leichtigkeit. Ihm wurde sogar geraten, sich von seinen Schwestern fernzuhalten, da zu viel weibliche Nähe für einen Buben „ungesund“ sei.
„Das war ein einsames Leben“, sagte er später über diese Zeit. Die Räume im Südflügel von Schloss Drottningholm, in dem er mit Mutter und Schwestern lebte, verließ er kaum. Seine wichtigste Bezugsperson war nicht die Mutter, die unter dem Tod ihres Mannes litt, sondern die Gouvernante Ingrid Björnberg, genannt „Nenne“. „Ihre Tür war näher und sie war immer da.“ Der Verlust des Vaters hatte tiefe Spuren hinterlassen – gesprochen wurde darüber jedoch nicht. „Es war ein Trauma“, erinnert sich Carl Gustaf. „Ich habe erst mit 13 oder 14 Jahren durch Eigenrecherche aus Zeitungen erfahren, was wirklich passiert ist.“ In der Dokumentation „Der König und ich“ sagte er später: „Man hat uns beigebracht, uns abzuhärten. Um zu überleben.“ Ein Satz, der sein Leben erklärt.
Im Jahr 1950 starb sein Urgroßvater Gustaf V., als Carl Gustaf vier Jahre alt war. Großvater Gustaf VI. Adolf bestieg den Thron. Danach kehrte für einige Zeit Ruhe ein – bis zur nächsten Tragödie. Ende November 1972 starb Mutter Sibylla mit nur 64 Jahren an Darmkrebs. Wenige Monate später, am 15. September 1973, folgte ihr der Großvater nach. Weil ja auch sein Vater bereits tot war, begann für den 27jährigen Carl Gustaf schlagartig ein Leben, auf das er nicht vorbereitet war. Filmaufnahmen zeigen ihn nach dem Tod des Opas vor dem Spital, Tränen in den Augen, vor einer Wand aus Kameras. Zu hören ist nur das Klicken der Fotoapparate, ansonsten herrschte Stille – bis jemand rief: „Lang lebe der König!“ Vier Tage später wurde Carl XVI. Gustaf gekrönt.
Elternlos, unerfahren – und plötzlich Staatsoberhaupt. Freunde versuchten, ihn auf ihre Weise darauf vorzubereiten und nannten ihn „The King“ („der König“). „Damit ich mich daran gewöhne. Der Name ist mir geblieben.“ Ebenso der Titel, was ging, war die Macht. Die Monarchie war durch Reformen zur Institution ohne Einfluss geworden, sie sollte sogar abgeschafft werden.
Dass es nicht dazu kam, lag in weiblicher Hand. Im Jahr 1972 hatte Carl Gustaf bei den Olympischen Spielen in München (D) Silvia Sommerlath kennengelernt. Sie war gebildet, selbstbewusst und bürgerlich, deshalb wurde die 30jährige am Hof kritisch beäugt. Zudem war sie drei Jahre älter als er. Ein Skandal. Doch Carl Gustaf setzte sich durch, heiratete seine Silvia 1976 und traf damit rückblickend eine Entscheidung von historischer Tragweite. Silvia brachte Wärme, Nähe und Modernität ins Königshaus und gewann damit auch das Volk.
Es folgte das private Glück, 1977 wurde Victoria geboren, 1979 Carl Philip, 1982 Madeleine. Für die Erstgeborene wurde 1980 sogar die Thronfolge reformiert – erstmals konnten auch Frauen den Thron erben. Victoria wurde Kronprinzessin und zur Zukunft der Monarchie.
Ganz wie im Märchen verlief das Leben der Königsfamilie dennoch nicht. Der Druck, der auf Victoria lastete, wirkte sich aus. Mitte der 1990er Jahre erkrankte sie an Magersucht und erholte sich erst, als sie Abstand gewann und nach Amerika übersiedelte. Später spielte ihr Mann Daniel Westling eine wichtige Rolle bei ihrer Genesung. Der König wiederum kämpfte mit eigenen Dämonen. Schon früh galt er als lebenslustig und wurde vielfach als „Playboy“ tituliert. Gerüchte über Kontakte ins Rotlichtmilieu kursierten lange, wurden aber erst 2010 öffentlich, als die Biografie „Der widerwillige Monarch“ erschien.
Der König reagierte knapp. „Das liegt lange zurück. Meine Familie und ich wollen nach vorne schauen.“
Königin Silvia schwieg, blieb und verzieh. Die Zeit heilte die Wunden und auch den Ruf des Königshauses.
Maßgeblich dazu beigetragen haben die acht Enkerln, die zwischen 2012 und 2021 geboren wurden und die Herzen der Schweden eroberten. Ebenso wie Kronprinzessin Victoria, die als große Hoffnung des Landes gilt. Ihr Vater, der am längsten dienende König, den die schwedische Monarchie je hatte, will selbst nach 53 Jahren nicht abdanken. Bis heute fährt er noch selbst mit dem Auto von Schloss Drottningholm am Rande der Stadt in sein zehn Kilometer entferntes Büro ins Zentrum von Stockholm. Sechs Räume stehen ihm dort zur Verfügung, zwei davon strikt privat. „Die kleine Privatsphäre eines öffentlichen Lebens. Es begann mit meiner Geburt und dauert bis heute an. Aber ich habe mich nie daran gewöhnt.“ br
Carl Gustaf war erst neun Monate alt, als sein Vater, Prinz Gustaf Adolf, 1947 mit nur 40 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Mit einem Schlag rückte der kleine Bub in der Thronfolge um einen Platz nach vor. Die Kindheit verlief entsprechend. Es gab für ihn das Palastleben in Stockholm statt Herumtollen am Spielplatz, und Pflicht statt Leichtigkeit. Ihm wurde sogar geraten, sich von seinen Schwestern fernzuhalten, da zu viel weibliche Nähe für einen Buben „ungesund“ sei.
„Das war ein einsames Leben“, sagte er später über diese Zeit. Die Räume im Südflügel von Schloss Drottningholm, in dem er mit Mutter und Schwestern lebte, verließ er kaum. Seine wichtigste Bezugsperson war nicht die Mutter, die unter dem Tod ihres Mannes litt, sondern die Gouvernante Ingrid Björnberg, genannt „Nenne“. „Ihre Tür war näher und sie war immer da.“ Der Verlust des Vaters hatte tiefe Spuren hinterlassen – gesprochen wurde darüber jedoch nicht. „Es war ein Trauma“, erinnert sich Carl Gustaf. „Ich habe erst mit 13 oder 14 Jahren durch Eigenrecherche aus Zeitungen erfahren, was wirklich passiert ist.“ In der Dokumentation „Der König und ich“ sagte er später: „Man hat uns beigebracht, uns abzuhärten. Um zu überleben.“ Ein Satz, der sein Leben erklärt.
Im Jahr 1950 starb sein Urgroßvater Gustaf V., als Carl Gustaf vier Jahre alt war. Großvater Gustaf VI. Adolf bestieg den Thron. Danach kehrte für einige Zeit Ruhe ein – bis zur nächsten Tragödie. Ende November 1972 starb Mutter Sibylla mit nur 64 Jahren an Darmkrebs. Wenige Monate später, am 15. September 1973, folgte ihr der Großvater nach. Weil ja auch sein Vater bereits tot war, begann für den 27jährigen Carl Gustaf schlagartig ein Leben, auf das er nicht vorbereitet war. Filmaufnahmen zeigen ihn nach dem Tod des Opas vor dem Spital, Tränen in den Augen, vor einer Wand aus Kameras. Zu hören ist nur das Klicken der Fotoapparate, ansonsten herrschte Stille – bis jemand rief: „Lang lebe der König!“ Vier Tage später wurde Carl XVI. Gustaf gekrönt.
Elternlos, unerfahren – und plötzlich Staatsoberhaupt. Freunde versuchten, ihn auf ihre Weise darauf vorzubereiten und nannten ihn „The King“ („der König“). „Damit ich mich daran gewöhne. Der Name ist mir geblieben.“ Ebenso der Titel, was ging, war die Macht. Die Monarchie war durch Reformen zur Institution ohne Einfluss geworden, sie sollte sogar abgeschafft werden.
Dass es nicht dazu kam, lag in weiblicher Hand. Im Jahr 1972 hatte Carl Gustaf bei den Olympischen Spielen in München (D) Silvia Sommerlath kennengelernt. Sie war gebildet, selbstbewusst und bürgerlich, deshalb wurde die 30jährige am Hof kritisch beäugt. Zudem war sie drei Jahre älter als er. Ein Skandal. Doch Carl Gustaf setzte sich durch, heiratete seine Silvia 1976 und traf damit rückblickend eine Entscheidung von historischer Tragweite. Silvia brachte Wärme, Nähe und Modernität ins Königshaus und gewann damit auch das Volk.
Es folgte das private Glück, 1977 wurde Victoria geboren, 1979 Carl Philip, 1982 Madeleine. Für die Erstgeborene wurde 1980 sogar die Thronfolge reformiert – erstmals konnten auch Frauen den Thron erben. Victoria wurde Kronprinzessin und zur Zukunft der Monarchie.
Ganz wie im Märchen verlief das Leben der Königsfamilie dennoch nicht. Der Druck, der auf Victoria lastete, wirkte sich aus. Mitte der 1990er Jahre erkrankte sie an Magersucht und erholte sich erst, als sie Abstand gewann und nach Amerika übersiedelte. Später spielte ihr Mann Daniel Westling eine wichtige Rolle bei ihrer Genesung. Der König wiederum kämpfte mit eigenen Dämonen. Schon früh galt er als lebenslustig und wurde vielfach als „Playboy“ tituliert. Gerüchte über Kontakte ins Rotlichtmilieu kursierten lange, wurden aber erst 2010 öffentlich, als die Biografie „Der widerwillige Monarch“ erschien.
Der König reagierte knapp. „Das liegt lange zurück. Meine Familie und ich wollen nach vorne schauen.“
Königin Silvia schwieg, blieb und verzieh. Die Zeit heilte die Wunden und auch den Ruf des Königshauses.
Maßgeblich dazu beigetragen haben die acht Enkerln, die zwischen 2012 und 2021 geboren wurden und die Herzen der Schweden eroberten. Ebenso wie Kronprinzessin Victoria, die als große Hoffnung des Landes gilt. Ihr Vater, der am längsten dienende König, den die schwedische Monarchie je hatte, will selbst nach 53 Jahren nicht abdanken. Bis heute fährt er noch selbst mit dem Auto von Schloss Drottningholm am Rande der Stadt in sein zehn Kilometer entferntes Büro ins Zentrum von Stockholm. Sechs Räume stehen ihm dort zur Verfügung, zwei davon strikt privat. „Die kleine Privatsphäre eines öffentlichen Lebens. Es begann mit meiner Geburt und dauert bis heute an. Aber ich habe mich nie daran gewöhnt.“ br
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