Ausgabe Nr. 17/2026 vom 22.04.2026, Fotos: AdobeStock, APA-Images, picture alliance, zvg, Michael Löwa / Greenpeace
Trotz Super-GAU soll Atom-Strom unsere Zukunft sichern
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Beim Atomstrom scheiden sich die Geister. Für die EU-Präsidentin von der Leyen ist er in Europa unverzichtbar. Neue Technologien mit anderen Rohstoffen sollen Reaktoren sicherer machen. Für die Gegner ist die Gefahr radioaktiver Verseuchung wie nach dem Unglück in Tschernobyl zu groß. Zudem könne erneuerbare Energie den Atomstrom ersetzen.
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Es war ein Sicherheitstest, der sich zur schlimmsten Atomkatastrophe eines Kraftwerkes entwickelte. Denn am 25. April 1986, um 23.23 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit, explodierte der Reaktor Nummer vier in Tschernobyl, im Norden der Ukraine, nahe der Grenze zu Weißrussland. Damals gehörte das Gebiet noch zur Sowjetunion.
Dabei sollte lediglich überprüft werden, ob dem Reaktor nach einem Stromausfall genügend Energie für die Notkühlung zur Verfügung stehen würde. Doch aufgrund von Konstruktionsmängeln gab es eine Reihe von folgenschweren Reaktionen, die zur Überhitzung der Brennstäbe und letztlich zur völligen Zerstörung des Reaktors führte. Die freigesetzte Radioaktivität ließ nicht nur im weiten Umkreis um das Kraftwerk eine Öde zurück, sie verseuchte zudem weite Teile Europas bis in unser Land.
Wie viele Menschen durch dieses Unglück, das nach internationalen Maßstäben in die höchste Kategorie sieben für nukleare Ereignisse eingestuft wurde, ihr Leben verloren haben, ist nicht genau geklärt. Schätzungen gehen von 4.000 Toten durch Verstrahlung aus.
Rund um Tschernobyl wurde in einem Radius von 30 Kilometern eine Sperrzone errichtet. Dort ist aufgrund der Strahlenbelastung keine menschliche Besiedelung mehr möglich. Um weitere radioaktive Strahlung zu vermeiden, wurde um den Reaktor im Jahr 2019 eine neue Schutzhülle errichtet, die 100 Jahre halten sollte. Doch sie soll nach einem russischen Drohnenangriff im Februar 2025 ihre Sicherheitsfunktion weitgehend eingebüßt haben. Dazu kommt eine Warnung von Greenpeace, dass die innere Strahlenschutzhülle unkontrolliert einzustürzen drohe, was eine massive radioaktive Verseuchung auslösen könnte.
Einer Schätzung französischer Experten zufolge dürfte die Instandsetzung der Hülle knapp 500 Millionen Euro kosten. Eine vollständige Wiederherstellung soll bis 2030 angestrebt werden, sofern der Baubeginn bis Ende 2027 gelingt.
Der Ausfall der Kühlung führte auch am 11. März 2011 zur Kernschmelze und Atomkatastrophe im japanischen Fukushima. Dort mussten wie in Tschernobyl zehntausende Menschen evakuiert werden.
Doch trotz dieser Katastrophen gilt die Kernenergie als zukunftsweisend. Auch für Europa, das hat die Präsidentin der Europäischen Union, Ursula von der Leyen, erst am 11. März bei einem Gipfel zur Atomenergie nahe Paris (Frankreich) deutlich gemacht.
„Die Abkehr von der Atomenergie in Europa war ein Fehler“, erklärte die konservative Politikerin. „Während 1990 noch ein Drittel des europäischen Stromes aus der Atomkraft stammte, sind es heute nur noch knapp 15 Prozent. Der Rückgang des Kernenergieanteiles war eine bewusste Entscheidung. Rückblickend war es aber ein strategischer Fehler Europas, einer zuverlässigen und bezahlbaren Quelle emissionsarmer Energie den Rücken zu kehren. Das sollte sich ändern, denn Atomkraft und erneuerbare Energien spielen eine Schlüsselrolle; es handelt sich nicht um ein Entweder-Oder. Ihre größte Stärke liegt in ihrer Kombination. Was wir brauchen, ist ein optimaler Energiemix – sauber, bezahlbar, belastbar und europäisch. Wir müssen Investitionen in die Atomkraft tätigen.“
Zudem kündigte sie an, 200 Millionen Euro zur Unterstützung von Investitionen in innovative Kerntechnologien bereitzustellen. Während unser Land nach dem Volksentscheid vom 5. November 1978 „Nein“ zum Atomkraftwerk Zwentendorf (NÖ) und damit zur Atomenergie gesagt hat und auch Deutschland aus der Kernenergie ausgestiegen ist, wollen andere Länder wie Frankreich neue Akzente setzen. Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, bis 2050 sechs neue Druckwasserreaktoren der zweiten Generation bauen und den Bau von acht weiteren Reaktoren prüfen zu wollen.
Wobei freilich Milliarden von Euro aus öffentlicher Hand investiert werden müssen. Denn die Vermeidung des an den Pranger gestellten CO2, dessen Ausstoß durch die Reaktoren vermieden werden soll, ist kostspielig. Das gilt nicht nur für die Stromerzeugung selbst, sondern natürlich auch für die Lagerung des Atommülles.
Eine derartige Deponie wollen die Franzosen in einem wenig besiedelten Gebiet im Nordosten betreiben, in Bure. Das Tunnelsystem liegt 500 Meter unter der Erdoberfläche in einer Tonschicht. Wobei der Bau, die Nutzung sowie die Versiegelung am Ende den französischen Bürgern teuer kommen. Der Staat schätzt die Kosten derzeit auf 33 Milliarden Euro.
Im Mittelpunkt der Überlegungen für die Atomenergie steht meist die Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes. Doch die gelingt ebenso mit erneuerbaren Energien wie Wasserkraft, Wind- und Sonnenenergie. Der deutsche Atomphysiker Heinz Smital, der für Greenpeace tätig ist, bemängelt zudem die von der Kommissions-Präsidentin von der Leyen angesprochene Zuverlässigkeit der Atomkraftwerke. „Atomenergie ist weder zuverlässig noch wirtschaftlich, da alte Reaktoren störanfällig sind. So gibt es zum Beispiel Korrosionsschäden an französischen AKW und der Bau neuer Anlagen verzögert sich oft um Jahrzehnte.“ Das musste sogar Macron eingestehen, deshalb will er ebenso in neue Windkraftanlagen investieren, weil neue Reaktoren wohl nicht vor 2040 ans Netz gehen werden.
Auch für Smital ist das die Zukunft. „Der Rückgang fossiler Emissionen, also CO2, ist vor allem dem Ausbau erneuerbarer Energien zu verdanken und nicht der Atomkraft. Auch im weltweiten Strommix sinkt der Anteil der Atomenergie. Zudem zeigen Analysen, dass Atomstrom drei bis sechs Mal teurer ist als Solar- oder Windenergie. Die Kosten der Wasserkraft sind stark standortabhängig und etwas teurer als Windkraft (jene vor den Küsten). Neue Atomkraftwerke gelten zudem als wirtschaftlich riskant. Für ein erneuerbares Energiesystem sind auch Investitionen in Flexibilität, Netzstabilität und Speicher wichtig, für die deutliche Kostensenkungen prognostiziert werden.“
Nicht zu unterschätzen sind die Gefahren, die von einem Kernkraftwerk in Betrieb ausgehen. Wie in Tschernobyl kann es zu einer folgenschweren Kettenreaktion und zum Super-GAU kommen. Anders sähe es aus, wenn es gelänge, diese Reaktion zu unterbinden, sodass sich das Kraftwerk von selbst herunterfährt. Ohne Gefahr für Leib und Leben darzustellen.
Der chinesische Thorium-Flüssigsalzreaktor TMSR‑LF1 ist ein kleiner Forschungsreaktor – aber mit großer Signalwirkung in dieser Hinsicht. Der Reaktor steht in der Wüste Gobi und läuft seit 2024 mit voller Leistung. Er liefert zwei Megawatt. Thorium kommt wesentlich häufiger vor und ist daher deutlich günstiger als Uran. Es gilt seit Jahren als Hoffnungsträger der Atomkraft, weil es als eine weniger problematische Alternative zu Uran angesehen wird.
Der Schweizer Maurice Bourquin, ein ehemaliger Physikprofessor der Universität Genf, setzt ebenfalls auf Thorium. Er entwickelt derzeit mit dem Unternehmen Transmutex einen Reaktor, der mit diesem Stoff betrieben werden soll. Und er setzt große Hoffnungen in sein Projekt. „Unser Reaktor wird nicht nur sauberen Strom produzieren, sondern zusätzlich sogar radioaktiven Müll der alten AKW unschädlich machen“, erklärt Bourquin, der noch auf der Suche nach einem Standort ist.
Denn in der Schweiz darf er seinen Plan nicht ausführen.
Allerdings belasten auch seine radioaktiven Abfälle die Umwelt 300 Jahre lang. Im Vergleich zu den hunderttausenden von Jahren des derzeitigen Atommülles ist das freilich wenig.
Dennoch wollen Atomgegner lieber kein Kraftwerk in ihrer Nähe haben, weil noch „alte“, mit Uran betriebene Anlagen in Betrieb sind und eine ständige Gefahr darstellen.
Vor allem jene, die seit Jahrzehnten am Netz hängen. „Fünf unserer acht Nachbarländer betreiben AKW“, sagt Herbert Stoiber, der Geschäftsführer vom Verein „atomstopp-atomkraftfrei leben“.
„Wir haben kürzlich daran erinnert, dass in St. Pantaleon-Erla, nur etwa 15 Kilometer von Linz entfernt, in den 70er Jahren ein zweites AKW errichtet werden sollte. Wenn es dort einen Super-GAU gegeben hätte, wären einige 100.000 Menschen zu evakuieren gewesen. Also, es lohnt sich, gegen jedes AKW zu kämpfen.“
Stoiber verweist zudem auf eine Studie von Wissenschaftlern der Harvard-Universität. „Sie haben nachgewiesen, dass Regionen bis zu 200 Kilometer um ein AKW höhere Krebssterblichkeitsraten aufweisen. Insgesamt schätzen die Forscher, dass im Untersuchungszeitraum 2000 bis 2018 fast 115.600 Krebstodesfälle mit der Nähe zu Atomkraftwerken in Ver-
bindung stehen, wobei die Studie keine Kausalität zeigt, sondern statistische Zusammenhänge.“
Nicht zu übersehen ist jedoch, dass der Strombedarf stetig steigt. Allein in unserem Land soll er sich bis 2040 auf knapp 140 Terrawattstunden (TWh) verdoppeln. Weil wir auf Elektro-Autos umsteigen, die Informationstechnologie mit leistungsstarken Speichern ausbauen und auch unser privater Verbrauch steigt.
Neue Energiequellen müssen also her. Atomstrom wollen wir nicht, aber selbst die Alternativen sind nicht gefragt. Bundesländer wie Tirol oder Kärnten weigern sich, Windkraft-Anlagen zu bauen und in der niederösterreichischen Gemeinde Burgschleinitz-Kühnring haben die Bürger selbst eine Anlage, die aus drei Windrädern bestehen sollte, abgelehnt. Bürgermeister Andreas Boigenfürst, ÖVP, hat seine Schäfchen abstimmen lassen, 410 waren dafür (49,22 %), 423 dagegen (50,78 %). Der Orts-Chef war enttäuscht, akzeptierte jedoch die Entscheidung.
„Ich persönlich hätte es als Chance gesehen, die Energiewende ein bisschen voranzutreiben. Wenn jeder einen kleinen Teil leistet, würden wir das gut schaffen in unserem Land.“
„Wir sind erleichtert“, sagt ein Gegner aus Zogelsdorf, der anonym bleiben will. „Die Windräder wären mir viel zu nahe am Ort gewesen, auch den Lärm der Anlagen haben wir gefürchtet.“
Dabei sollte lediglich überprüft werden, ob dem Reaktor nach einem Stromausfall genügend Energie für die Notkühlung zur Verfügung stehen würde. Doch aufgrund von Konstruktionsmängeln gab es eine Reihe von folgenschweren Reaktionen, die zur Überhitzung der Brennstäbe und letztlich zur völligen Zerstörung des Reaktors führte. Die freigesetzte Radioaktivität ließ nicht nur im weiten Umkreis um das Kraftwerk eine Öde zurück, sie verseuchte zudem weite Teile Europas bis in unser Land.
Wie viele Menschen durch dieses Unglück, das nach internationalen Maßstäben in die höchste Kategorie sieben für nukleare Ereignisse eingestuft wurde, ihr Leben verloren haben, ist nicht genau geklärt. Schätzungen gehen von 4.000 Toten durch Verstrahlung aus.
Rund um Tschernobyl wurde in einem Radius von 30 Kilometern eine Sperrzone errichtet. Dort ist aufgrund der Strahlenbelastung keine menschliche Besiedelung mehr möglich. Um weitere radioaktive Strahlung zu vermeiden, wurde um den Reaktor im Jahr 2019 eine neue Schutzhülle errichtet, die 100 Jahre halten sollte. Doch sie soll nach einem russischen Drohnenangriff im Februar 2025 ihre Sicherheitsfunktion weitgehend eingebüßt haben. Dazu kommt eine Warnung von Greenpeace, dass die innere Strahlenschutzhülle unkontrolliert einzustürzen drohe, was eine massive radioaktive Verseuchung auslösen könnte.
Einer Schätzung französischer Experten zufolge dürfte die Instandsetzung der Hülle knapp 500 Millionen Euro kosten. Eine vollständige Wiederherstellung soll bis 2030 angestrebt werden, sofern der Baubeginn bis Ende 2027 gelingt.
Der Ausfall der Kühlung führte auch am 11. März 2011 zur Kernschmelze und Atomkatastrophe im japanischen Fukushima. Dort mussten wie in Tschernobyl zehntausende Menschen evakuiert werden.
Doch trotz dieser Katastrophen gilt die Kernenergie als zukunftsweisend. Auch für Europa, das hat die Präsidentin der Europäischen Union, Ursula von der Leyen, erst am 11. März bei einem Gipfel zur Atomenergie nahe Paris (Frankreich) deutlich gemacht.
„Die Abkehr von der Atomenergie in Europa war ein Fehler“, erklärte die konservative Politikerin. „Während 1990 noch ein Drittel des europäischen Stromes aus der Atomkraft stammte, sind es heute nur noch knapp 15 Prozent. Der Rückgang des Kernenergieanteiles war eine bewusste Entscheidung. Rückblickend war es aber ein strategischer Fehler Europas, einer zuverlässigen und bezahlbaren Quelle emissionsarmer Energie den Rücken zu kehren. Das sollte sich ändern, denn Atomkraft und erneuerbare Energien spielen eine Schlüsselrolle; es handelt sich nicht um ein Entweder-Oder. Ihre größte Stärke liegt in ihrer Kombination. Was wir brauchen, ist ein optimaler Energiemix – sauber, bezahlbar, belastbar und europäisch. Wir müssen Investitionen in die Atomkraft tätigen.“
Zudem kündigte sie an, 200 Millionen Euro zur Unterstützung von Investitionen in innovative Kerntechnologien bereitzustellen. Während unser Land nach dem Volksentscheid vom 5. November 1978 „Nein“ zum Atomkraftwerk Zwentendorf (NÖ) und damit zur Atomenergie gesagt hat und auch Deutschland aus der Kernenergie ausgestiegen ist, wollen andere Länder wie Frankreich neue Akzente setzen. Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, bis 2050 sechs neue Druckwasserreaktoren der zweiten Generation bauen und den Bau von acht weiteren Reaktoren prüfen zu wollen.
Wobei freilich Milliarden von Euro aus öffentlicher Hand investiert werden müssen. Denn die Vermeidung des an den Pranger gestellten CO2, dessen Ausstoß durch die Reaktoren vermieden werden soll, ist kostspielig. Das gilt nicht nur für die Stromerzeugung selbst, sondern natürlich auch für die Lagerung des Atommülles.
Eine derartige Deponie wollen die Franzosen in einem wenig besiedelten Gebiet im Nordosten betreiben, in Bure. Das Tunnelsystem liegt 500 Meter unter der Erdoberfläche in einer Tonschicht. Wobei der Bau, die Nutzung sowie die Versiegelung am Ende den französischen Bürgern teuer kommen. Der Staat schätzt die Kosten derzeit auf 33 Milliarden Euro.
Im Mittelpunkt der Überlegungen für die Atomenergie steht meist die Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes. Doch die gelingt ebenso mit erneuerbaren Energien wie Wasserkraft, Wind- und Sonnenenergie. Der deutsche Atomphysiker Heinz Smital, der für Greenpeace tätig ist, bemängelt zudem die von der Kommissions-Präsidentin von der Leyen angesprochene Zuverlässigkeit der Atomkraftwerke. „Atomenergie ist weder zuverlässig noch wirtschaftlich, da alte Reaktoren störanfällig sind. So gibt es zum Beispiel Korrosionsschäden an französischen AKW und der Bau neuer Anlagen verzögert sich oft um Jahrzehnte.“ Das musste sogar Macron eingestehen, deshalb will er ebenso in neue Windkraftanlagen investieren, weil neue Reaktoren wohl nicht vor 2040 ans Netz gehen werden.
Auch für Smital ist das die Zukunft. „Der Rückgang fossiler Emissionen, also CO2, ist vor allem dem Ausbau erneuerbarer Energien zu verdanken und nicht der Atomkraft. Auch im weltweiten Strommix sinkt der Anteil der Atomenergie. Zudem zeigen Analysen, dass Atomstrom drei bis sechs Mal teurer ist als Solar- oder Windenergie. Die Kosten der Wasserkraft sind stark standortabhängig und etwas teurer als Windkraft (jene vor den Küsten). Neue Atomkraftwerke gelten zudem als wirtschaftlich riskant. Für ein erneuerbares Energiesystem sind auch Investitionen in Flexibilität, Netzstabilität und Speicher wichtig, für die deutliche Kostensenkungen prognostiziert werden.“
Nicht zu unterschätzen sind die Gefahren, die von einem Kernkraftwerk in Betrieb ausgehen. Wie in Tschernobyl kann es zu einer folgenschweren Kettenreaktion und zum Super-GAU kommen. Anders sähe es aus, wenn es gelänge, diese Reaktion zu unterbinden, sodass sich das Kraftwerk von selbst herunterfährt. Ohne Gefahr für Leib und Leben darzustellen.
Der chinesische Thorium-Flüssigsalzreaktor TMSR‑LF1 ist ein kleiner Forschungsreaktor – aber mit großer Signalwirkung in dieser Hinsicht. Der Reaktor steht in der Wüste Gobi und läuft seit 2024 mit voller Leistung. Er liefert zwei Megawatt. Thorium kommt wesentlich häufiger vor und ist daher deutlich günstiger als Uran. Es gilt seit Jahren als Hoffnungsträger der Atomkraft, weil es als eine weniger problematische Alternative zu Uran angesehen wird.
Der Schweizer Maurice Bourquin, ein ehemaliger Physikprofessor der Universität Genf, setzt ebenfalls auf Thorium. Er entwickelt derzeit mit dem Unternehmen Transmutex einen Reaktor, der mit diesem Stoff betrieben werden soll. Und er setzt große Hoffnungen in sein Projekt. „Unser Reaktor wird nicht nur sauberen Strom produzieren, sondern zusätzlich sogar radioaktiven Müll der alten AKW unschädlich machen“, erklärt Bourquin, der noch auf der Suche nach einem Standort ist.
Denn in der Schweiz darf er seinen Plan nicht ausführen.
Allerdings belasten auch seine radioaktiven Abfälle die Umwelt 300 Jahre lang. Im Vergleich zu den hunderttausenden von Jahren des derzeitigen Atommülles ist das freilich wenig.
Dennoch wollen Atomgegner lieber kein Kraftwerk in ihrer Nähe haben, weil noch „alte“, mit Uran betriebene Anlagen in Betrieb sind und eine ständige Gefahr darstellen.
Vor allem jene, die seit Jahrzehnten am Netz hängen. „Fünf unserer acht Nachbarländer betreiben AKW“, sagt Herbert Stoiber, der Geschäftsführer vom Verein „atomstopp-atomkraftfrei leben“.
„Wir haben kürzlich daran erinnert, dass in St. Pantaleon-Erla, nur etwa 15 Kilometer von Linz entfernt, in den 70er Jahren ein zweites AKW errichtet werden sollte. Wenn es dort einen Super-GAU gegeben hätte, wären einige 100.000 Menschen zu evakuieren gewesen. Also, es lohnt sich, gegen jedes AKW zu kämpfen.“
Stoiber verweist zudem auf eine Studie von Wissenschaftlern der Harvard-Universität. „Sie haben nachgewiesen, dass Regionen bis zu 200 Kilometer um ein AKW höhere Krebssterblichkeitsraten aufweisen. Insgesamt schätzen die Forscher, dass im Untersuchungszeitraum 2000 bis 2018 fast 115.600 Krebstodesfälle mit der Nähe zu Atomkraftwerken in Ver-
bindung stehen, wobei die Studie keine Kausalität zeigt, sondern statistische Zusammenhänge.“
Nicht zu übersehen ist jedoch, dass der Strombedarf stetig steigt. Allein in unserem Land soll er sich bis 2040 auf knapp 140 Terrawattstunden (TWh) verdoppeln. Weil wir auf Elektro-Autos umsteigen, die Informationstechnologie mit leistungsstarken Speichern ausbauen und auch unser privater Verbrauch steigt.
Neue Energiequellen müssen also her. Atomstrom wollen wir nicht, aber selbst die Alternativen sind nicht gefragt. Bundesländer wie Tirol oder Kärnten weigern sich, Windkraft-Anlagen zu bauen und in der niederösterreichischen Gemeinde Burgschleinitz-Kühnring haben die Bürger selbst eine Anlage, die aus drei Windrädern bestehen sollte, abgelehnt. Bürgermeister Andreas Boigenfürst, ÖVP, hat seine Schäfchen abstimmen lassen, 410 waren dafür (49,22 %), 423 dagegen (50,78 %). Der Orts-Chef war enttäuscht, akzeptierte jedoch die Entscheidung.
„Ich persönlich hätte es als Chance gesehen, die Energiewende ein bisschen voranzutreiben. Wenn jeder einen kleinen Teil leistet, würden wir das gut schaffen in unserem Land.“
„Wir sind erleichtert“, sagt ein Gegner aus Zogelsdorf, der anonym bleiben will. „Die Windräder wären mir viel zu nahe am Ort gewesen, auch den Lärm der Anlagen haben wir gefürchtet.“
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