Kinder als Täter
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Die Jugendkriminalität steigt. Das zeigen die Anzeigen. Schon Zehnjährige und sogar noch jüngere Kinder geraten ins Visier der Polizei. Bei den Maßnahmen scheiden sich die Geister.
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Für ÖVP-Innenminister Gerhard Karner ist die Jugendkriminalität „im wahrsten Sinne des Wortes ein Sorgenkind“, erklärte er bei der Vorstellung der Anzeigen-Statistik. Sie sei in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. „Nicht nur die Zahl der Täter hat zugenommen, sondern die Täter sind auch immer jünger geworden.“
Bei den unter Zehnjährigen wurden um ein Drittel mehr Delikte verzeichnet. Bei den Zehn- bis 14jährigen listet die Kriminalitätsstatistik eine Zunahme um fast zehn Prozent auf. Die Erhebung enthält alle Anzeigen bei der Polizei, die Straftaten betreffen.
Bis 14 Jahre sind Kinder strafunmündig, müssen nicht vor Gericht und keine etwaigen Verurteilungen befürchten. Das machen sich Kriminelle gezielt zunutze. Sie setzen sie für den Transport von Drogen oder Waffen ein. Auch Auftrags-Kriminalität gibt es. Kinder, die noch keine 14 Jahre alt und in betreuten Wohngemeinschaften untergebracht waren, brachen etwa für ältere Jugendliche Autos auf. Die häufigsten Delikte bei minderjährigen Tatverdächtigen sind Körperverletzung, Sachbeschädigung, Diebstahl und Einbruch.
Dass Körperverletzung schon bei unter Zehnjährigen auf einem Spitzenplatz steht, ist „vor allem auf eine stärkere Sensibilisierung und höhere Anzeigenbereitschaft der Gesellschaft zurückzuführen“, heißt es aus dem Bundeskriminalamt. „Die Ausübung von Gewalt, zum Beispiel im Zuge einer Rauferei in der Schule, wird heute viel weniger toleriert und öfter als früher bei der Polizei angezeigt.“ Auch Vandalismus, etwa das Besprühen mit Graffitis, oder Einbrüche sind häufige Delikte bei Minderjährigen. Ein guter Teil der jugendlichen Täter stammt zudem aus dem Ausland.
Bei den Zehn- bis 14jährigen ist es sogar die Mehrheit. „Vor allem die syrischen Tatverdächtigen stechen negativ hervor“, stellt der ÖVP-Innenminister fest. Wie die Gesellschaft mit den jungen Gesetzesbrechern umgehen soll, darüber scheiden sich die Geister. Derzeit können Erziehungsmaßnahmen „verordnet“ werden, etwa die Unterbringung in einer betreuten Wohngemeinschaft.
Die FPÖ fordert vehement eine Senkung des Strafmündigkeitsalters von 14 auf zwölf Jahre. Aber auch der oberösterreichische ÖVP-Jugend-Landesrat Christian Dörfel schlägt in diese Kerbe. „Strafmündig zu sein bedeutet, das Unrecht seiner Tat einzusehen und entsprechend zu handeln – auch 13jährigen muss klar sein, was erlaubt ist und was nicht“, sagt der Landespolitiker. „Wenn es keine Konsequenzen gibt, wird dieses Verständnis nicht entstehen.“ In Oberösterreich sorgte der Halloween-Krawall im Herbst 2022 für Aufsehen.
Damals randalierten rund 200 oft zugewanderte Jugendliche, zum Teil minderjährig, in der Linzer Innenstadt. Sie warfen Böller auf Polizisten, Passanten und die Oberleitung der Straßenbahn. Die schwarz-blaue Landesregierung gab danach eine Studie zum Thema junge Mehrfachstraftäter in Auftrag. Ein Ergebnis lautete: „Weniger als fünf Prozent der männlichen Jugendlichen sind für die Hälfte aller Straftaten und drei Viertel der schweren Delikte ihrer Altersgruppe verantwortlich.“
In Wien gibt es mit dem Projekt Orientierungshilfe seit Oktober ein Sozialprogramm für sogenannte Intensivtäter, die teilweise bis zu 15 Straftaten pro Monat begehen und noch nicht strafmündig sind. Betreut werden zehn- bis 13jährige Burschen. „Ab Mai wird eine Betreuung für Mädchen möglich sein“, erklärt Ingrid Pöschmann, die Sprecherin der Wiener Kinder- und Jugendhilfe. Allgemein liege das Verhältnis in Wien bei Intensivtätern „bei etwa 80 Burschen auf fünf Mädchen“.
Die Betreuer, sogenannte „Buddys“ (englisch: Freund), „begleiten das Kind, konfrontieren es mit den angezeigten Taten und unterstützen es, ohne dass die Zustimmung des Kindes oder der Familie erforderlich ist“, erklärt die Jugendamtssprecherin Pöschmann. „Idealerweise nimmt die Familie die Unterstützung an.
Ziel ist, dass das Kind lernt, Erwachsenen zu vertrauen, sinnvolle Freizeitaktivitäten kennenlernt, regelmäßig die Schule oder Therapie besucht und so wieder in die Gesellschaft eingegliedert wird. Dadurch kann das Kind auch alternative Männlichkeitsbilder kennenlernen, die nicht ‚Haft‘ oder aggressive Stärke idealisieren.“
Erste Erfolge des Programmes gibt es bereits. Von den 14 Teilnehmern gehen zehn wieder in die Schule. Drei Kinder begehen derzeit keine Straftaten. Noch vor dem Sommer soll es für Straftäter unter 14 Jahren, die gar nicht anders erreichbar sind, eine sogenannte „Auszeit-Wohngemeinschaft“ am Stadtrand mit eingeschränktem Kontakt zur Außenwelt geben.
„Vorerst werden zwei Plätze angeboten. Ob das ausreicht, hängt vom individuellen Bedarf ab“, weiß Ingrid Pöschmann.
Die Strafunmündigkeit endet mit dem 14. Geburtstag. Bis zum 18. Geburtstag gilt das Jugendstrafrecht. Für diese Altersgruppe gibt es, anders als bei den Minderjährigen, auch Zahlen zu den tatsächlichen Verurteilungen vor Gericht. „Geht man von der Anzahl verurteilter Jugendlicher aus, sinkt die Jugendkriminalität“, sagt Thomas Marecek vom Verein Neustart. 2024 wurden 1.543 Jugendliche verurteilt. „Im Jahr 2015 waren es 1.806 Personen. Das heißt, im Zehnjahresvergleich gab es einen Rückgang von knapp 15 Prozent.“ Hierzulande leben laut Marecek rund 400.000 Jugendliche. „Es ist also eine sehr kleine Gruppe, die straffällig ist. Aber diese Gruppe ist natürlich relevant und die Gesellschaft muss auf die Straffälligkeit reagieren.“
Der Verein Neustart arbeitet in der Bewährungshilfe, also mit Jugendlichen, die bereits verurteilt wurden oder eine Diversion bekommen haben, das heißt, es wird auf ein Strafverfahren verzichtet, dafür gibt es eine Art „Wiedergutmachung“, beispielsweise durch gemeinnützige Arbeit.
In der Bewährungshilfe werden bestimmte Gemeinsamkeiten bei Jugendlichen beobachtet, die mit dem Gesetz in Konflikt kommen. „Viele der jungen Menschen haben selbst häufig Gewalt erfahren, und zwar als Opfer, zum Beispiel in der Familie. Ihnen wurde Gewalt als eine vermeintliche Lösung bei Problemen vorgelebt und nun versuchen sie selbst, ihre Probleme mit Gewalt zu lösen“, sagt Thomas Marecek. Bei vielen fehlen verantwortungsvolle erwachsene Bezugspersonen. Sind sie nicht in der Schule, Lehre oder Arbeit, fehlt ihnen zudem die Tagesstruktur.
Das sollte bei Gesetzesbrechern, die noch keine 14 Jahre alt sind, nicht der Fall sein – sie sind noch schulpflichtig. Fast 2.200 Kinder und Jugendliche wurden im Schuljahr 2024/25 wegen Gewalt von der Schule suspendiert. Sie dürfen dann bis zu vier Wochen nicht in die Schule gehen. Ab Herbst ist für sie eine Suspendierungsbegleitung vorgesehen.
Dazu gehört nicht nur ein Unterricht ohne Noten. Sie müssen während ihrer „Klassen-Sperre“ auch bis zu zehn Stunden pro Woche an „psychosozialen“ Maßnahmen zur Wiedereingliederung teilnehmen.
Straftaten Jugendlicher, die angezeigt wurden:
Im Jahr 2025 konnte die Polizei in der Altersgruppe bis 18 Jahren 49.067 Tatverdächtige ausforschen. Das ist rund ein Siebentel aller Verdächtigen.
Gezählt werden allerdings nicht Einzelpersonen, sondern
Anzeigen von Straftaten, die mutmaßlichen Tätern zugeordnet werden. Eine Person kann für mehrere Delikte verantwortlich sein, wird aber für jede Tat extra in der Kriminalitätsstatistik verzeichnet!
1.119 unter 10jährige
Davon sind 47,5 % Ausländer.
13.179 10- bis 14jährige
Davon sind 51,3 % Ausländer.
34.769 14- bis 18jährige
Davon sind 42,2 % Ausländer.
Bei den unter Zehnjährigen wurden um ein Drittel mehr Delikte verzeichnet. Bei den Zehn- bis 14jährigen listet die Kriminalitätsstatistik eine Zunahme um fast zehn Prozent auf. Die Erhebung enthält alle Anzeigen bei der Polizei, die Straftaten betreffen.
Bis 14 Jahre sind Kinder strafunmündig, müssen nicht vor Gericht und keine etwaigen Verurteilungen befürchten. Das machen sich Kriminelle gezielt zunutze. Sie setzen sie für den Transport von Drogen oder Waffen ein. Auch Auftrags-Kriminalität gibt es. Kinder, die noch keine 14 Jahre alt und in betreuten Wohngemeinschaften untergebracht waren, brachen etwa für ältere Jugendliche Autos auf. Die häufigsten Delikte bei minderjährigen Tatverdächtigen sind Körperverletzung, Sachbeschädigung, Diebstahl und Einbruch.
Dass Körperverletzung schon bei unter Zehnjährigen auf einem Spitzenplatz steht, ist „vor allem auf eine stärkere Sensibilisierung und höhere Anzeigenbereitschaft der Gesellschaft zurückzuführen“, heißt es aus dem Bundeskriminalamt. „Die Ausübung von Gewalt, zum Beispiel im Zuge einer Rauferei in der Schule, wird heute viel weniger toleriert und öfter als früher bei der Polizei angezeigt.“ Auch Vandalismus, etwa das Besprühen mit Graffitis, oder Einbrüche sind häufige Delikte bei Minderjährigen. Ein guter Teil der jugendlichen Täter stammt zudem aus dem Ausland.
Bei den Zehn- bis 14jährigen ist es sogar die Mehrheit. „Vor allem die syrischen Tatverdächtigen stechen negativ hervor“, stellt der ÖVP-Innenminister fest. Wie die Gesellschaft mit den jungen Gesetzesbrechern umgehen soll, darüber scheiden sich die Geister. Derzeit können Erziehungsmaßnahmen „verordnet“ werden, etwa die Unterbringung in einer betreuten Wohngemeinschaft.
Die FPÖ fordert vehement eine Senkung des Strafmündigkeitsalters von 14 auf zwölf Jahre. Aber auch der oberösterreichische ÖVP-Jugend-Landesrat Christian Dörfel schlägt in diese Kerbe. „Strafmündig zu sein bedeutet, das Unrecht seiner Tat einzusehen und entsprechend zu handeln – auch 13jährigen muss klar sein, was erlaubt ist und was nicht“, sagt der Landespolitiker. „Wenn es keine Konsequenzen gibt, wird dieses Verständnis nicht entstehen.“ In Oberösterreich sorgte der Halloween-Krawall im Herbst 2022 für Aufsehen.
Damals randalierten rund 200 oft zugewanderte Jugendliche, zum Teil minderjährig, in der Linzer Innenstadt. Sie warfen Böller auf Polizisten, Passanten und die Oberleitung der Straßenbahn. Die schwarz-blaue Landesregierung gab danach eine Studie zum Thema junge Mehrfachstraftäter in Auftrag. Ein Ergebnis lautete: „Weniger als fünf Prozent der männlichen Jugendlichen sind für die Hälfte aller Straftaten und drei Viertel der schweren Delikte ihrer Altersgruppe verantwortlich.“
In Wien gibt es mit dem Projekt Orientierungshilfe seit Oktober ein Sozialprogramm für sogenannte Intensivtäter, die teilweise bis zu 15 Straftaten pro Monat begehen und noch nicht strafmündig sind. Betreut werden zehn- bis 13jährige Burschen. „Ab Mai wird eine Betreuung für Mädchen möglich sein“, erklärt Ingrid Pöschmann, die Sprecherin der Wiener Kinder- und Jugendhilfe. Allgemein liege das Verhältnis in Wien bei Intensivtätern „bei etwa 80 Burschen auf fünf Mädchen“.
Die Betreuer, sogenannte „Buddys“ (englisch: Freund), „begleiten das Kind, konfrontieren es mit den angezeigten Taten und unterstützen es, ohne dass die Zustimmung des Kindes oder der Familie erforderlich ist“, erklärt die Jugendamtssprecherin Pöschmann. „Idealerweise nimmt die Familie die Unterstützung an.
Ziel ist, dass das Kind lernt, Erwachsenen zu vertrauen, sinnvolle Freizeitaktivitäten kennenlernt, regelmäßig die Schule oder Therapie besucht und so wieder in die Gesellschaft eingegliedert wird. Dadurch kann das Kind auch alternative Männlichkeitsbilder kennenlernen, die nicht ‚Haft‘ oder aggressive Stärke idealisieren.“
Erste Erfolge des Programmes gibt es bereits. Von den 14 Teilnehmern gehen zehn wieder in die Schule. Drei Kinder begehen derzeit keine Straftaten. Noch vor dem Sommer soll es für Straftäter unter 14 Jahren, die gar nicht anders erreichbar sind, eine sogenannte „Auszeit-Wohngemeinschaft“ am Stadtrand mit eingeschränktem Kontakt zur Außenwelt geben.
„Vorerst werden zwei Plätze angeboten. Ob das ausreicht, hängt vom individuellen Bedarf ab“, weiß Ingrid Pöschmann.
Die Strafunmündigkeit endet mit dem 14. Geburtstag. Bis zum 18. Geburtstag gilt das Jugendstrafrecht. Für diese Altersgruppe gibt es, anders als bei den Minderjährigen, auch Zahlen zu den tatsächlichen Verurteilungen vor Gericht. „Geht man von der Anzahl verurteilter Jugendlicher aus, sinkt die Jugendkriminalität“, sagt Thomas Marecek vom Verein Neustart. 2024 wurden 1.543 Jugendliche verurteilt. „Im Jahr 2015 waren es 1.806 Personen. Das heißt, im Zehnjahresvergleich gab es einen Rückgang von knapp 15 Prozent.“ Hierzulande leben laut Marecek rund 400.000 Jugendliche. „Es ist also eine sehr kleine Gruppe, die straffällig ist. Aber diese Gruppe ist natürlich relevant und die Gesellschaft muss auf die Straffälligkeit reagieren.“
Der Verein Neustart arbeitet in der Bewährungshilfe, also mit Jugendlichen, die bereits verurteilt wurden oder eine Diversion bekommen haben, das heißt, es wird auf ein Strafverfahren verzichtet, dafür gibt es eine Art „Wiedergutmachung“, beispielsweise durch gemeinnützige Arbeit.
In der Bewährungshilfe werden bestimmte Gemeinsamkeiten bei Jugendlichen beobachtet, die mit dem Gesetz in Konflikt kommen. „Viele der jungen Menschen haben selbst häufig Gewalt erfahren, und zwar als Opfer, zum Beispiel in der Familie. Ihnen wurde Gewalt als eine vermeintliche Lösung bei Problemen vorgelebt und nun versuchen sie selbst, ihre Probleme mit Gewalt zu lösen“, sagt Thomas Marecek. Bei vielen fehlen verantwortungsvolle erwachsene Bezugspersonen. Sind sie nicht in der Schule, Lehre oder Arbeit, fehlt ihnen zudem die Tagesstruktur.
Das sollte bei Gesetzesbrechern, die noch keine 14 Jahre alt sind, nicht der Fall sein – sie sind noch schulpflichtig. Fast 2.200 Kinder und Jugendliche wurden im Schuljahr 2024/25 wegen Gewalt von der Schule suspendiert. Sie dürfen dann bis zu vier Wochen nicht in die Schule gehen. Ab Herbst ist für sie eine Suspendierungsbegleitung vorgesehen.
Dazu gehört nicht nur ein Unterricht ohne Noten. Sie müssen während ihrer „Klassen-Sperre“ auch bis zu zehn Stunden pro Woche an „psychosozialen“ Maßnahmen zur Wiedereingliederung teilnehmen.
Straftaten Jugendlicher, die angezeigt wurden:
Im Jahr 2025 konnte die Polizei in der Altersgruppe bis 18 Jahren 49.067 Tatverdächtige ausforschen. Das ist rund ein Siebentel aller Verdächtigen.
Gezählt werden allerdings nicht Einzelpersonen, sondern
Anzeigen von Straftaten, die mutmaßlichen Tätern zugeordnet werden. Eine Person kann für mehrere Delikte verantwortlich sein, wird aber für jede Tat extra in der Kriminalitätsstatistik verzeichnet!
1.119 unter 10jährige
Davon sind 47,5 % Ausländer.
13.179 10- bis 14jährige
Davon sind 51,3 % Ausländer.
34.769 14- bis 18jährige
Davon sind 42,2 % Ausländer.
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