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Ausgabe Nr. 15/2026 vom 08.04.2026, Fotos: APA-Images, zvg
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Musik-Legende Paul Anka, 84:
„Ich liebe meine Einsamkeit“
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Das noble Anwesen in Los Angeles.
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Mit seiner ersten Frau Anne De Zogheb und einer von fünf Töchtern.
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Das ist sein erster Schwarm Diana. Anka hat sie in seinem berühmten Lied verewigt.
Musik-Legende Paul Anka, 84:
„Ich liebe meine Einsamkeit“
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Er war drei Mal verheiratet und hat sechs Kinder. Doch seine Sucht nach Anerkennung als Künstler hat seine Beziehungen zerstört. Zu den Frauen ebenso wie zu den Kindern. Dennoch genießt er heute sein Leben als Single ebenso wie jenes als Sänger mit neuem Album.
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Mit seiner geliebten Gitarre unter dem Arm schlüpfte der 15 Jahre alte Paul Anka in seiner Heimatstadt Ottawa (Kanada) durch eine Hintertür ins Stadt-Theater. Drinnen pirschte sich der Bursch zur Künstlergarderobe, wo er den Musiker Chuck Berry zu finden hoffte. Er war einer der Väter des Rock ‘n‘ Roll und Ankas Idol. Der 15jährige wollte ihm ein Liebeslied vortragen, das er selbst geschrieben hatte, und ihn fragen, was er davon halte. Der Titel des Liedes lautete „Diana“.

Es war Frühling in Ottawa, wo der am 30. Juli 1941 geborene Anka zur Welt kam, und er war zum ersten Mal verliebt. Sein Schwarm hieß Diana, ein drei Jahre älteres, dunkelhaariges Mädchen aus dem Kirchenchor, in dem er mitsang. Die Musik war seine Leidenschaft, schon mit sechs Jahren hatte er zuhause Lieder komponiert und sie den Gästen im Restaurant seiner Eltern vorgetragen. Nun dachte er an eine berufliche Karriere als Musik-Schreiber.

„Nicht als Sänger“, betont der 84 Jahre alte Künstler heute. „Ich hatte nur eine quietschige, dünne Stimme.“

Chuck Berry war bekannt dafür, dass er „Konkurrenten“ im Musikgeschäft hasste, aber er sagte zu dem Burschen, er solle loslegen. Kaum hatte Anka zu singen begonnen „I am so young and you‘re so old“, da unterbrach der Rocker ihn butal: „Das ist das mieseste Lied, das ich je gehört habe. Geh heim und zurück in die Schule.“

Die raue Abfuhr schreckte Paul Anka, dessen Großeltern arm aus dem Mittleren Osten nach Kanada eingewandert waren, nicht ab. „Ich nahm die Ablehnung als Herausforderung an“, berichtet der Musiker. „Revanche wurde die Leitlinie meines Lebens.“

Trotz der Kritik des „Kollegen“ schoss Paul Ankas sentimentales „Diana“-Lied nicht einmal ein Jahr später an die Spitze der Hitparade und begründete damit den Beginn einer sagenhaften Karriere, die nach sieben Jahrzehnten mit 900 Liedern und 125 Alben noch immer andauert. Hits wie „Put Your Head on My Shoulder“, „Lonely Boy“, „(You‘re) Having my Baby“ und „You are My Destiny“ machten den Sohn Ottawas berühmt und reich. Ankas Wohlstand wird auf knapp 80 Millionen Euro geschätzt.

Die meisten Balladen sang er selbst, andere schrieb er für Frank Sinatra („My Way“), Tom Jones („She‘s A Lady“), Sammy Davis Jr. („I‘m Not Anyone“) und Michael Jackson („This is It“). „Es gibt da draußen viele Menschen, die nicht wissen, dass die letzten drei Jackson-Hits von mir stammten“, klagt der Komponist. Auch sei vergessen worden, dass er nicht nur die Musik des bekannten Kriegsfilmes „Der Längste Tag“ geschrieben habe, sondern in dem Streifen auch an der Seite von John Wayne und Sean Connery aufgetreten sei.

Dass der Altmeister romantischer Lieder die Herzen mit seiner kraftvoll gewordenen Stimme immer noch schmelzen lassen kann, beweist er auf seiner gegenwärtigen Musik-Tour durch die USA und Kanada. Im Februar ist außerdem sein neues Album „Inspirations of Life and Love“ erschienen. „Ehrlich gesagt: Ich mag mein Alter nicht“, verriet Anka kürzlich. „Dass ich wieder unterwegs bin, tue ich für meine Gesundheit. Wenn du stillstehst, werfen sie Dreck auf dich. Bleib also nicht stehen.“

Das hat er von Anfang an nicht getan. Und er war in der Wahl seiner Arbeitgeber nicht zimperlich. Nach dem Erfolg mit „Diana“ gab ihm die Plattenfirma einen Vertrag für Las Vegas (US-Staat Nevada), wo er im „Sands“-Hotel zusammen mit dem legendären „Rat Pack“ Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr. auftrat. „Mit meinen 16 Jahren war ich der jüngste Künstler, der je in Vegas gearbeitet hat. Frank und seine Freunde wurden meine Lehrmeister“, erzählt Anka. „Ich war wie ein Schwamm, saugte alles auf. Ich studierte, was sie anzogen, wie sie sich bewegten. Dabei beging ich nie die Fehler, die anderen das Leben zerstörten. Alkohol interessierte mich nicht, ebensowenig Zigaretten.“

Dies sei der Gund für seine hervorragende Gesundheit im hohen Alter, findet Anka. „Wenn ich für Tests zum Doktor gehe, lobt er mich: ‚Sie sind ein vierzig Jahre alter Mann.‘“ Gesundbleiben sei kein Zufall. Zum Beispiel schluckt er jeden Tag in der Früh einen Löffel Olivenöl mit Zitronensaft, um seine Stimme zu pflegen.

Zu Paul Ankas Anhängern in der „Sin City“ (Sünden-Stadt) gehörten in den 60er und 70er Jahren auch die Mafia-Bosse, die das Spielerparadies beherrschten. Für sie findet er nur gute Worte. „Ich wusste, wozu sie fähig waren, aber für mich waren sie Gentlemen. Du konntest ihnen die Hand schütteln und hattest einen Vertrag.“

Über seinen Erfolgsschlager „Diana“ urteilt er heute kritisch. „Es ist ein dummes, kleines Lied über ein Mädchen, das mich nicht einmal anblickte.“ Millionen Bewunderer dachten indes anders über den Ohrwurm und kauften die Platte. Wohl auch die drei Frauen, die es wagten, den Herzensbrecher zu heiraten.

Am längsten, 38 Jahre, dauerte die Ehe mit dem Fotomodell Anne de Zogheb, aus der fünf Töchter hervorgingen. Zur Scheidung kam es, weil Anne darauf bestand, dass Anka in Pension geht, er aber fand, dafür noch nicht reif zu sein. Anna Aberg, seine persönliche Trainerin, mit der Anka von 2008 bis 2010 verheiratet war, schenkte ihm seinen Sohn Ethan, 20. Er lebt als einziges Anka-Kind noch beim Papa in der großen, zweistöckigen Villa über Los Angeles (US-Staat-Kalifornien). Die sechs Parkplätze des Anwesens sind meist leer.

Selten kommt jemand vorbei. Denn mit seinen Töchtern hat Anka kaum Kontakt, was er mit seiner Sucht nach Anerkennung als Künstler erklärt. „Ich habe jede Minute mit ihnen genossen, doch da war immer der Widerspruch zwischen meiner beruflichen Abwesenheit und dem häuslichen Leben. Ich erschien daheim und war dann wieder weg.“

Zum dritten Mal versuchte der Sänger sein Glück in der Liebe, als er 2016 eine Verbindung mit der englischen Filmschauspielerin Lisa Pemberton, 58, einging. Vier Jahre später war es auch damit vorbei. Er werde nie mehr heiraten, versichert er. „Ich liebe meine Einsamkeit. Sie gibt mir die Chance, in Würde zu altern.“ kauck






Mit Diana Ayoub, seinem ersten Schwarm, hielt Anka all die Jahre ueber eine lose Verbindung. Er schickte ihr, wie sie berichtet, von Zeit zu Zeit eine Postkarte „von irgendwo auf der Welt“. Als der Song, der sie beruehmt gemacht hatte, die Radiowellen fuellte, liess Diana sich mit dem Musiker am Klavier fotografieren. „Ein Fehler“, wie sie spaeter einraeumte: „Ich konnte nirgendwo hingehen, ohne angesprochen zu werden.“ Verheiratet und Mutter von zwei Soehnen, starb sie im Dezember 2022 im Alter von 83 Jahren.

Paul Anka sagt, bevor er mit seiner Musik triumphierte, habe er „absolut keinen Erfolg“ bei Frauen gehabt. „Dann schraubte ich mich vom Nichtswisser hoch mit franzoesischen, italienischen und japanischen Frauen, die mir alles beibrachten, was ich gern gewusst haette.“

Heute meint der falsche Charmeur zynisch: „Wenn du mit jemandem im Bett liegst und gern allein waerst, bis tu tot. Die Zeit des Verliebtseins ist unecht. Du wirst reingelegt, manipuliert.“ Er werde nie mehr heiraten, versichert er. „Ich liebe meine Einsamkeit. Sie gibt mir die Chance, in Wuerde zu altern. kauck
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