Verstoßener Bub fand sein Familienglück
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Zwanzig Mal wechselte Luke Kissinger in nur neun Lebensjahren das Zuhause. Als Baby von seiner Mutter abgegeben, wurde er von Waisenhäusern und Pflegefamilien weitergereicht. Über ein Internet-Video wurde eine Mutter aus Arkansas (USA) auf den Buben aufmerksam. Sie holte ihn zu sich. Nun ist er Teil ihrer Familie und darf bleiben, dieses Mal für immer.
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Der Bub in dem Internet-Video richtete seine tieftraurigen Augen direkt in die Kamera. Für einen nicht einmal Zehnjährigen klang die Stimme außergewöhnlich schwermütig und betrübt. „Ich bin es leid, ständig
herumgeschubst zu werden“, brachte er leise über die Lippen.
Hinter dem kurzen Satz verbergen sich Abschiede, vielerlei Enttäuschungen und die unerfüllte Sehnsucht nach einer Familie.
Der elfjährige Luke Kissinger wurde in Brookland geboren, einer Kleinstadt im amerikanischen Bundesstaat Arkansas. Seine Mutter war erst siebzehn Jahre alt, als sie ihn zur Welt brachte. Weil sie weder die Kraft noch die Möglichkeiten hatte, für ein Kind zu sorgen, gab sie ihn kurz nach der Geburt ab. Was folgte, war eine Reihe von Pflegefamilien. In keiner davon fühlte sich der Bub wohl.
Da er ein ungewöhnlich aufgewecktes und neugieriges Kind war, wurde er für die Erwachsenen schnell zur Herausforderung, der sie sich nicht gewachsen fühlten. Statt seine Lebendigkeit als Stärke zu sehen, empfanden sie den Buben als Belastung. Und so geschah es immer wieder, dass er weitergereicht wurde. Zwanzig Mal wechselte er in den ersten neun Lebensjahren das Zuhause. Jedes Mal gewöhnte er sich an neue Gesichter, andere Regeln und unterschiedliche Erwartungen – und jedes Mal erlebte er, wie sein Traum, endlich bleiben zu dürfen, zerplatzte.
Cassie Kissinger, 32, konnte schließlich nicht mehr wegsehen. Der Moment, in dem sie das Kind in dem Internet-Video der gemeinnützigen Organisation „The Call“ (der Weckruf) sah, wurde zum Wendepunkt. Die Organisation betreut verstoßene und von den Behörden übernommene Kinder. Cassie Kissinger und ihr Mann Bradley, 44, halfen dort bereits ehrenamtlich in ihrer Freizeit aus.
Als sie nun an jenem Abend vor dem Computer saß, war es vor allem der Ausdruck in den Augen des Buben, in dem sich eine tiefe, stille Erschöpfung spiegelte. „Ich habe sofort gespürt, wie viel Schmerz in ihm steckt“, erinnert sie sich.
Kissinger ist auf einem Bauernhof groß geworden. Ihr Vater und ihre Mutter haben früher selbst immer wieder elternlos gewordene Kinder aufgenommen. „Wir waren eine große Familie“, erzählt sie lachend. „Ich genoss die vielen Geschwister rund um mich. Am schönsten war es immer zu Weihnachten, wenn wir alle in der Küche gemeinsam Kekse gebacken haben. Mit einigen von ihnen pflege ich immer noch regelmäßigen Kontakt.“
Mit diesem Hintergrund übernahmen sie und ihr Mann die Pflegeelternschaft für Luke, bis sich ein dauerhafter Platz in einer Familie für ihn fände.
Als Cassie und Bradley Kissinger den Buben, der zu diesem Zeitpunkt „Remington“ hieß, im Waisenhaus besuchten, trafen sie dort auf ein überaus nervöses Kind.
Doch je länger sie miteinander sprachen, desto mehr löste sich seine Anspannung. Der Bub begann plötzlich zu erzählen, zunächst zögerlich, aber dann offener und sogar stolz, als er beiden sein gutes Schulzeugnis zeigte.
Gleichzeitig wurde jedoch deutlich, wie sehr ihn seine Situation belastete. Von den Mitschülern wurde er gehänselt, weil er nie lange blieb, weil immer wieder jemand anderes ihn zur Schule brachte, und weil er in ihren Augen einfach nicht dazugehörte.
Das Ehepaar verbrachte viele gemeinsame Stunden mit dem Kind, einfach nur mit Spielen und mit Spaziergängen. Dadurch gelang es ihnen, ohne Druck und ohne Erwartungen, sein Vertrauen zu gewinnen.
Die ersten Besuche im Haus der Familie Kissinger verliefen erstaunlich unkompliziert. Der Elfjährige, der so oft sein Zuhause verlassen musste, schien sich wohlzufühlen. Alena, 14, und Aiden, 11, die leiblichen Kinder, nahmen den „neuen Bruder“ mit einer Selbstverständlichkeit auf, die ihm guttat.
Mit der Zeit wurden aus den gelegentlichen Besuchen feste Strukturen. Schließlich entschieden sich Cassie und Bradley Kissinger, den Buben nicht nur als Pflegekind aufzunehmen, sondern auch zu adoptieren. Besonders berührend war für die Mutter ein Moment, in dem Remington sie fragte, ob er ihr bei der Suche nach Pflegeplätzen für Kinder helfen dürfe. „Ich hatte so viel Glück, euch zu finden, dieses Glück wünsche ich auch den anderen“, sagte er.
Im Mai 2024 erfolgte die offizielle Adoption. Damit fand eine langjährige Suche nach Liebe und Zugehörigkeit doch noch ihr glückliches Ende.
Und dann traf der junge Mann eine Entscheidung, die symbolischer nicht sein könnte. Er trennte sich von seinem bisherigen Namen, um fortan „Luke“ zu sein. Die Mutter ist stolz auf ihren Sohn. „Ein neuer Name für ein neues Leben – Luke will mit seiner Vergangenheit abschließen und sich voll und ganz auf die Zukunft konzentrieren.“
herumgeschubst zu werden“, brachte er leise über die Lippen.
Hinter dem kurzen Satz verbergen sich Abschiede, vielerlei Enttäuschungen und die unerfüllte Sehnsucht nach einer Familie.
Der elfjährige Luke Kissinger wurde in Brookland geboren, einer Kleinstadt im amerikanischen Bundesstaat Arkansas. Seine Mutter war erst siebzehn Jahre alt, als sie ihn zur Welt brachte. Weil sie weder die Kraft noch die Möglichkeiten hatte, für ein Kind zu sorgen, gab sie ihn kurz nach der Geburt ab. Was folgte, war eine Reihe von Pflegefamilien. In keiner davon fühlte sich der Bub wohl.
Da er ein ungewöhnlich aufgewecktes und neugieriges Kind war, wurde er für die Erwachsenen schnell zur Herausforderung, der sie sich nicht gewachsen fühlten. Statt seine Lebendigkeit als Stärke zu sehen, empfanden sie den Buben als Belastung. Und so geschah es immer wieder, dass er weitergereicht wurde. Zwanzig Mal wechselte er in den ersten neun Lebensjahren das Zuhause. Jedes Mal gewöhnte er sich an neue Gesichter, andere Regeln und unterschiedliche Erwartungen – und jedes Mal erlebte er, wie sein Traum, endlich bleiben zu dürfen, zerplatzte.
Cassie Kissinger, 32, konnte schließlich nicht mehr wegsehen. Der Moment, in dem sie das Kind in dem Internet-Video der gemeinnützigen Organisation „The Call“ (der Weckruf) sah, wurde zum Wendepunkt. Die Organisation betreut verstoßene und von den Behörden übernommene Kinder. Cassie Kissinger und ihr Mann Bradley, 44, halfen dort bereits ehrenamtlich in ihrer Freizeit aus.
Als sie nun an jenem Abend vor dem Computer saß, war es vor allem der Ausdruck in den Augen des Buben, in dem sich eine tiefe, stille Erschöpfung spiegelte. „Ich habe sofort gespürt, wie viel Schmerz in ihm steckt“, erinnert sie sich.
Kissinger ist auf einem Bauernhof groß geworden. Ihr Vater und ihre Mutter haben früher selbst immer wieder elternlos gewordene Kinder aufgenommen. „Wir waren eine große Familie“, erzählt sie lachend. „Ich genoss die vielen Geschwister rund um mich. Am schönsten war es immer zu Weihnachten, wenn wir alle in der Küche gemeinsam Kekse gebacken haben. Mit einigen von ihnen pflege ich immer noch regelmäßigen Kontakt.“
Mit diesem Hintergrund übernahmen sie und ihr Mann die Pflegeelternschaft für Luke, bis sich ein dauerhafter Platz in einer Familie für ihn fände.
Als Cassie und Bradley Kissinger den Buben, der zu diesem Zeitpunkt „Remington“ hieß, im Waisenhaus besuchten, trafen sie dort auf ein überaus nervöses Kind.
Doch je länger sie miteinander sprachen, desto mehr löste sich seine Anspannung. Der Bub begann plötzlich zu erzählen, zunächst zögerlich, aber dann offener und sogar stolz, als er beiden sein gutes Schulzeugnis zeigte.
Gleichzeitig wurde jedoch deutlich, wie sehr ihn seine Situation belastete. Von den Mitschülern wurde er gehänselt, weil er nie lange blieb, weil immer wieder jemand anderes ihn zur Schule brachte, und weil er in ihren Augen einfach nicht dazugehörte.
Das Ehepaar verbrachte viele gemeinsame Stunden mit dem Kind, einfach nur mit Spielen und mit Spaziergängen. Dadurch gelang es ihnen, ohne Druck und ohne Erwartungen, sein Vertrauen zu gewinnen.
Die ersten Besuche im Haus der Familie Kissinger verliefen erstaunlich unkompliziert. Der Elfjährige, der so oft sein Zuhause verlassen musste, schien sich wohlzufühlen. Alena, 14, und Aiden, 11, die leiblichen Kinder, nahmen den „neuen Bruder“ mit einer Selbstverständlichkeit auf, die ihm guttat.
Mit der Zeit wurden aus den gelegentlichen Besuchen feste Strukturen. Schließlich entschieden sich Cassie und Bradley Kissinger, den Buben nicht nur als Pflegekind aufzunehmen, sondern auch zu adoptieren. Besonders berührend war für die Mutter ein Moment, in dem Remington sie fragte, ob er ihr bei der Suche nach Pflegeplätzen für Kinder helfen dürfe. „Ich hatte so viel Glück, euch zu finden, dieses Glück wünsche ich auch den anderen“, sagte er.
Im Mai 2024 erfolgte die offizielle Adoption. Damit fand eine langjährige Suche nach Liebe und Zugehörigkeit doch noch ihr glückliches Ende.
Und dann traf der junge Mann eine Entscheidung, die symbolischer nicht sein könnte. Er trennte sich von seinem bisherigen Namen, um fortan „Luke“ zu sein. Die Mutter ist stolz auf ihren Sohn. „Ein neuer Name für ein neues Leben – Luke will mit seiner Vergangenheit abschließen und sich voll und ganz auf die Zukunft konzentrieren.“
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