Karin Thaler:
„Ich habe Mamas Kühlschrank aufgefüllt“
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Zwischen Filmset und Familiensorgen. Karin Thaler, 60, ist als Marie Hofer in der Krimi-Serie „Die Rosenheim-Cops“ nicht mehr wegzudenken.
Eine Bilderbuch-Karriere mit dunklem Kapitel, über das die Darstellerin im Buch „Stark, weil ich stark sein musste“ erzählt – die Spielsucht der Mutter.
Eine Bilderbuch-Karriere mit dunklem Kapitel, über das die Darstellerin im Buch „Stark, weil ich stark sein musste“ erzählt – die Spielsucht der Mutter.
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Frau Thaler, in Ihrer Autobiografie „Stark, weil ich stark sein musste“ klingt die Spielsucht Ihrer Mutter wie eine
riesige Belastung. Wie erging es Ihnen damit?
Ich habe es leider und gleichzeitig Gott sei Dank nicht so empfunden. Erst beim Lesen der einzelnen Kapitel hat es mir teilweise die Kehle zugeschnürt. Mein Gedanke war, warum habe ich das mitgemacht? Man darf aber nicht vergessen, dass sich das alles über einen Zeitraum von 20 Jahren erstreckt hat. Später habe ich erfahren, dass ich co-abhängig bin.
Wie äußert sich das?
Als Zusammenspiel vieler Komponenten, wo der eigene Charakter eine große Rolle spielt. Ich habe ein Retter- und Helfersyndrom, ich will immer, dass alles gut wird. Deshalb habe ich nicht nur mich selbst, sondern auch andere belogen, was Mamas Situation anging. Ich hatte auch immer ein schlechtes Gewissen, das ich lange nicht einordnen konnte. Das hatte mit dem eigenen Selbstwert zu tun, von dem ich eigentlich dachte, dass ich ihn habe. Dazu kam, dass ich einer Generation entstamme, wo es wichtig war, den Schein zu wahren. Das hat uns schon die Oma immer eingetrichtert.
Wann haben Sie gemerkt, dass es ein größeres Problem gibt?
Bewusst gemerkt habe ich es erst, als etwas Größeres passiert ist. Als ich 17 Jahre alt war, stand plötzlich der Möbelwagen vor unserer Tür, und ich hatte ein richtig komisches Gefühl. Aber meine Mama hat immer gesagt: „Karin, ich schaff‘ das. Mach‘ Dir keine Sorgen.“ – Das wollte ich glauben. Ich hatte auch eine wunderschöne Kindheit, meine Mama war ein warmherziger, liebevoller und lustiger Mensch. Aber sie war krank. Der Paukenschlag war, als bekannt wurde, dass sie 193.000 D-Mark (etwa 100.000 Euro) unterschlagen hat. Ich dachte, ich falle vom Glauben ab. Wenn ich darüber rede, merke ich, dass ich immer noch am Heilen bin.
Sie haben Ihrer Mutter immer wieder aus der Patsche geholfen und Geld gegeben. Selbst nachdem sie einen Supermarkt erpresst hat und im Gefängnis saß. Warum?
Weil ich jedes Mal dachte, das war es, jetzt ändert sie sich. Meine Mama war auch manisch-depressiv und konnte in Hochphasen sehr überzeugend sein. Sie hat mir geschworen, dass es nun das letzte Mal sei, dass ich ihr helfen müsse. Das wollte ich glauben.
Irgendwann haben Sie dann doch die Reißleine gezogen und den Kontakt abgebrochen – zumindest für einige Zeit …
Ich habe gemerkt, dass ich zugrunde gehe, wenn ich mich nicht trenne, und habe das mehr als ein Jahr lang durchgezogen. Anfangs war es eine Erleichterung, aber irgendwann habe ich sie sehr vermisst. Mein Mann hat auch bemerkt, dass das Leid ohne Mama schlimmer ist als die Mama mit ihren ganzen Problemen. Deshalb habe ich wieder Kontakt aufgenommen. Darüber war sie so glücklich, dass lange Zeit Ruhe war – irgendwann ging es wieder los. Aber ich wollte nicht streiten und die Zeit, die wir noch hatten, genießen.
Sie schreiben auch, dass die Krankheit Ihrer Mutter Ihre Ehe belastet habe. Ihr Mann Milos sei immer bei Ihnen geblieben. Was macht Ihre Liebe so stark?
Das Dilemma mit Mama ging los, ein paar Wochen, nachdem ich Milos kennengelernt hatte. Ich habe ihm gleich reinen Wein eingeschenkt und wäre ihm nicht böse gewesen, wenn er gegangen wäre. Er hat einmal gesagt, dass er sich blitzverliebt hat, als er mich zum ersten Mal gesehen hat. Das muss ein Band zwischen uns gewesen sein. Er ist auch geblieben, als ich ihn weggestoßen habe.
Sie hatten auch eine Oma, die am Lebensende alkoholsüchtig war. Sucht wird oft vererbt. Warum ist dieser Kelch an Ihnen vorübergegangen?
Vielleicht, weil ich gesehen habe, was so etwas auslösen kann. Ich habe 30 Jahre geraucht wie ein Schlot, bin aber nie mit Drogen in Kontakt gekommen. Alkohol reizt mich auch nicht. Ich meide aber jedes Casino, weil ich schon spüre, dass ich eine Zockermaus bin. Mit meinen Freundinnen spiele ich gerne Rommé (Kartenspiel) oder Kniffel (Würfelspiel), wo wir kleine Einsätze machen – mehr nicht. Meine Mutter war am Ende ja auch von Altersarmut betroffen. Ich habe sie bis zum Schluss unterstützt und ihr den Kühlschrank regelmäßig aufgefüllt. Mir selbst habe ich geschworen, dass ich „safe“ sein will, wenn ich alt bin. Da kann ich für mich die Hände ins Feuer legen. Ich konnte es zwar zwischendurch richtig krachen lassen, mehr aber nicht. Das hatte sicher auch mit meinem Beruf zu tun, der auch ziemlich anstrengend ist.
Leben Sie eher im Moment, oder blicken Sie lieber zurück?
Wer die Probleme der Vergangenheit nicht abschließt, kann die Zukunft nicht genießen. In 20 Jahren bin ich 80, wie viele gute Jahre bleiben mir also noch? Vielleicht werde ich 90 oder 100, aber wer weiß, wie gut es mir geht? Die verbliebene Zeit möchte ich verdammt noch einmal genießen, darum arbeite ich auch ein bisschen weniger. Das Buch über Mama zu schreiben, hat mich doch ausgelaugt, und ihr Tod ist gerade einmal vier Jahre her.
Haben Sie ihr verziehen?
Als sie krank wurde, habe ich einen Strich darunter gemacht. Ich wollte alles vergessen und vergeben. Das ist meiner Meinung nach auch der Schlüssel zum Glück und zur Heilung, dass man anderen und sich selbst vergibt.
Sie schreiben im Buch, dass Sie mehrere Drehbücher verfassten, die nie verfilmt wurden. Sie können sich Ihre Rollen selbst schreiben.
Ich könnte versuchen, meine Lebensgeschichte zu verfilmen und würde vielleicht sogar meine Mama spielen. Das ist eigentlich eine gute Idee …
Zur Person
Karin Thaler wurde am 12. Juni 1965 in Deggendorf (D) geboren. Ihr Fernseh-Debüt gab sie im Jahr 1986 in einem Film von Senta Bergers Mann Michael Verhoeven. Ausgangspunkt war ein Bewerbungs-Brief, den sie an Berger geschrieben hat. Mit deren Hilfe kam Thaler zu namhaften Agenturen und wurde regelmäßig besetzt.
Seither spielte sie in zahlreichen Filmen und Serien mit, darunter „Der Landarzt“, „Hubert und Staller“ und seit dem Jahr 2002 „Die Rosenheim-Cops“. Thaler lebt
in der Nähe von München (D) und hat mit ihrem Mann Milos (verheiratet seit 1997) ein Haus in Slowenien.
Ihre Autobiografie „Stark, weil ich stark sein musste“
erschien im Verlag Knaur, € 23,50,–.
riesige Belastung. Wie erging es Ihnen damit?
Ich habe es leider und gleichzeitig Gott sei Dank nicht so empfunden. Erst beim Lesen der einzelnen Kapitel hat es mir teilweise die Kehle zugeschnürt. Mein Gedanke war, warum habe ich das mitgemacht? Man darf aber nicht vergessen, dass sich das alles über einen Zeitraum von 20 Jahren erstreckt hat. Später habe ich erfahren, dass ich co-abhängig bin.
Wie äußert sich das?
Als Zusammenspiel vieler Komponenten, wo der eigene Charakter eine große Rolle spielt. Ich habe ein Retter- und Helfersyndrom, ich will immer, dass alles gut wird. Deshalb habe ich nicht nur mich selbst, sondern auch andere belogen, was Mamas Situation anging. Ich hatte auch immer ein schlechtes Gewissen, das ich lange nicht einordnen konnte. Das hatte mit dem eigenen Selbstwert zu tun, von dem ich eigentlich dachte, dass ich ihn habe. Dazu kam, dass ich einer Generation entstamme, wo es wichtig war, den Schein zu wahren. Das hat uns schon die Oma immer eingetrichtert.
Wann haben Sie gemerkt, dass es ein größeres Problem gibt?
Bewusst gemerkt habe ich es erst, als etwas Größeres passiert ist. Als ich 17 Jahre alt war, stand plötzlich der Möbelwagen vor unserer Tür, und ich hatte ein richtig komisches Gefühl. Aber meine Mama hat immer gesagt: „Karin, ich schaff‘ das. Mach‘ Dir keine Sorgen.“ – Das wollte ich glauben. Ich hatte auch eine wunderschöne Kindheit, meine Mama war ein warmherziger, liebevoller und lustiger Mensch. Aber sie war krank. Der Paukenschlag war, als bekannt wurde, dass sie 193.000 D-Mark (etwa 100.000 Euro) unterschlagen hat. Ich dachte, ich falle vom Glauben ab. Wenn ich darüber rede, merke ich, dass ich immer noch am Heilen bin.
Sie haben Ihrer Mutter immer wieder aus der Patsche geholfen und Geld gegeben. Selbst nachdem sie einen Supermarkt erpresst hat und im Gefängnis saß. Warum?
Weil ich jedes Mal dachte, das war es, jetzt ändert sie sich. Meine Mama war auch manisch-depressiv und konnte in Hochphasen sehr überzeugend sein. Sie hat mir geschworen, dass es nun das letzte Mal sei, dass ich ihr helfen müsse. Das wollte ich glauben.
Irgendwann haben Sie dann doch die Reißleine gezogen und den Kontakt abgebrochen – zumindest für einige Zeit …
Ich habe gemerkt, dass ich zugrunde gehe, wenn ich mich nicht trenne, und habe das mehr als ein Jahr lang durchgezogen. Anfangs war es eine Erleichterung, aber irgendwann habe ich sie sehr vermisst. Mein Mann hat auch bemerkt, dass das Leid ohne Mama schlimmer ist als die Mama mit ihren ganzen Problemen. Deshalb habe ich wieder Kontakt aufgenommen. Darüber war sie so glücklich, dass lange Zeit Ruhe war – irgendwann ging es wieder los. Aber ich wollte nicht streiten und die Zeit, die wir noch hatten, genießen.
Sie schreiben auch, dass die Krankheit Ihrer Mutter Ihre Ehe belastet habe. Ihr Mann Milos sei immer bei Ihnen geblieben. Was macht Ihre Liebe so stark?
Das Dilemma mit Mama ging los, ein paar Wochen, nachdem ich Milos kennengelernt hatte. Ich habe ihm gleich reinen Wein eingeschenkt und wäre ihm nicht böse gewesen, wenn er gegangen wäre. Er hat einmal gesagt, dass er sich blitzverliebt hat, als er mich zum ersten Mal gesehen hat. Das muss ein Band zwischen uns gewesen sein. Er ist auch geblieben, als ich ihn weggestoßen habe.
Sie hatten auch eine Oma, die am Lebensende alkoholsüchtig war. Sucht wird oft vererbt. Warum ist dieser Kelch an Ihnen vorübergegangen?
Vielleicht, weil ich gesehen habe, was so etwas auslösen kann. Ich habe 30 Jahre geraucht wie ein Schlot, bin aber nie mit Drogen in Kontakt gekommen. Alkohol reizt mich auch nicht. Ich meide aber jedes Casino, weil ich schon spüre, dass ich eine Zockermaus bin. Mit meinen Freundinnen spiele ich gerne Rommé (Kartenspiel) oder Kniffel (Würfelspiel), wo wir kleine Einsätze machen – mehr nicht. Meine Mutter war am Ende ja auch von Altersarmut betroffen. Ich habe sie bis zum Schluss unterstützt und ihr den Kühlschrank regelmäßig aufgefüllt. Mir selbst habe ich geschworen, dass ich „safe“ sein will, wenn ich alt bin. Da kann ich für mich die Hände ins Feuer legen. Ich konnte es zwar zwischendurch richtig krachen lassen, mehr aber nicht. Das hatte sicher auch mit meinem Beruf zu tun, der auch ziemlich anstrengend ist.
Leben Sie eher im Moment, oder blicken Sie lieber zurück?
Wer die Probleme der Vergangenheit nicht abschließt, kann die Zukunft nicht genießen. In 20 Jahren bin ich 80, wie viele gute Jahre bleiben mir also noch? Vielleicht werde ich 90 oder 100, aber wer weiß, wie gut es mir geht? Die verbliebene Zeit möchte ich verdammt noch einmal genießen, darum arbeite ich auch ein bisschen weniger. Das Buch über Mama zu schreiben, hat mich doch ausgelaugt, und ihr Tod ist gerade einmal vier Jahre her.
Haben Sie ihr verziehen?
Als sie krank wurde, habe ich einen Strich darunter gemacht. Ich wollte alles vergessen und vergeben. Das ist meiner Meinung nach auch der Schlüssel zum Glück und zur Heilung, dass man anderen und sich selbst vergibt.
Sie schreiben im Buch, dass Sie mehrere Drehbücher verfassten, die nie verfilmt wurden. Sie können sich Ihre Rollen selbst schreiben.
Ich könnte versuchen, meine Lebensgeschichte zu verfilmen und würde vielleicht sogar meine Mama spielen. Das ist eigentlich eine gute Idee …
Zur Person
Karin Thaler wurde am 12. Juni 1965 in Deggendorf (D) geboren. Ihr Fernseh-Debüt gab sie im Jahr 1986 in einem Film von Senta Bergers Mann Michael Verhoeven. Ausgangspunkt war ein Bewerbungs-Brief, den sie an Berger geschrieben hat. Mit deren Hilfe kam Thaler zu namhaften Agenturen und wurde regelmäßig besetzt.
Seither spielte sie in zahlreichen Filmen und Serien mit, darunter „Der Landarzt“, „Hubert und Staller“ und seit dem Jahr 2002 „Die Rosenheim-Cops“. Thaler lebt
in der Nähe von München (D) und hat mit ihrem Mann Milos (verheiratet seit 1997) ein Haus in Slowenien.
Ihre Autobiografie „Stark, weil ich stark sein musste“
erschien im Verlag Knaur, € 23,50,–.
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