Bischof Manfred Scheuer im Gespräch: „Die Fastenzeit führt uns dahin, Ostern als Kraftquelle zu sehen“
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Nach der 40-tägigen Fastenzeit feiern wir Ostern, das höchste Fest im Kirchenjahr. Dr. Manfred Scheuer, Bischof von Linz, spricht über den Ausklang des Fastens und die Vorfreude auf Ostern.
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Herr Bischof, worauf basiert die christliche
Fastenzeit, die nun mit dem Karsamstag, einen Tag vor dem Ostersonntag, endet?
Die christliche Fastenzeit basiert auf der biblischen Überlieferung, dass Jesus 40 Tage in der Wüste gefastet und gebetet hat. Sie lädt Christinnen und Christen dazu ein, sich auf Ostern vorzubereiten. Um diese besondere Zeit bewusst zu erleben, hilft es, auf das eigene Leben zu schauen. Wie gehe ich mit dem um, was ich täglich nutze und brauche? Was ist wirklich wichtig für mich? Wie verhalte ich mich gegenüber anderen Menschen? Und wo könnte es gut sein, Maß zu halten und mich bewusst zurückzunehmen?
Wie bedeutend ist in Ihrer Wahrnehmung die Fastenzeit?
Der bewusste Umgang bei der Ernährung ist sicher mehr im Bewusstsein der Menschen als noch vor wenigen Jahrzehnten. Freilich stelle ich fest, dass die Fastenzeit weniger als früher als Vorbereitungszeit auf Ostern wahrgenommen wird.
Fasten liegt im Trend. Wieso ist das Fasten für nichtgläubige Menschen so anziehend?
Fasten spricht auch viele Menschen an, die nicht
religiös sind, weil es eine Sehnsucht aufgreift, die viele teilen, und zwar den Wunsch nach mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innerer Ordnung. In diesem Sinn berührt das Fasten eine grundlegende menschliche Erfahrung.
Den meisten Menschen geht es beim Fasten vorrangig darum, das Körpergewicht zu reduzieren und gesünder sowie bewusster zu leben. Welchen Mehrwert bietet das Fasten im christlichen Sinne?
Es ist verständlich und sinnvoll, wenn Fasten mit gesundheitlichen Motiven verbunden wird. Der christliche Mehrwert liegt darin, dass Fasten nicht beim eigenen Körper stehenbleibt. Es lädt dazu ein, auch innerlich aufzuräumen, den Blick zu weiten und sensibler zu werden für andere Menschen und für Gott. Auf diese Weise kann Fasten nicht nur dem Körper guttun, sondern auch dem Herzen und dem Zusammenleben.
Wie kann man Ihres Erachtens am besten erreichen, dass Fasten eine befreiende Wirkung erzielt?
Fasten wirkt dann befreiend, wenn es nicht als Zwang oder bloßer Verzicht verstanden wird, sondern als bewusste Entscheidung. Es geht darum, Raum zu schaffen – für sich selbst, für andere und für Gott. Wer beim Fasten nicht nur fragt, worauf er verzichtet, sondern auch, wofür, kann erfahren, dass ein „Weniger“ nicht nur Verlust bedeutet, sondern eine neue Freiheit eröffnet. Fasten wird befreiend, wenn es das Herz weitet, den Blick schärft und hilft, das Wesentliche neu zu entdecken.
Früher war im katholischen Glauben jeder Freitag des Jahres fleischlos. Sind Ihnen viele Menschen bekannt, die noch immer entsprechend diesem Grundsatz leben?
Alle Freitage des Jahres gelten in der katholischen Kirche als Bußtage, weil sie an den Tod Jesu erinnern. Der Verzicht auf Fleisch ist eine früher übliche und auch weiterhin sinnvolle Form des Bußgebotes am Freitag, aber nicht mehr die einzige Möglichkeit. Die Kirche ermutigt ausdrücklich auch zu anderen Formen, etwa zu einem bewussten Verzicht auf Genussmittel, Zeit für andere Menschen, Hilfe für Bedürftige, zu Gebet oder Zeiten der Stille. Und da kenne ich schon viele Menschen, die sich daran halten.
Wie halten Sie es persönlich mit dem Fasten?
Und wie haben Sie die Fastenzeit als Kind erlebt?
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass in meiner Kindheit der Aschermittwoch, Karfreitag und der Karsamstag bis zum Mittag streng gehalten wurden. Auf Süßigkeiten oder Fernsehen musste ich nicht verzichten, weil es das bei uns sowieso nicht gab (lacht). Ich bin in der Fastenzeit auf der Suche nach einer Ordnung meines Lebens, einer Ausgewogenheit von Wachen und Schlafen, Arbeit und Ruhe, Gebet und Muße, Bewegung und Stabilität. Ich suche nach einem guten Maß in Beziehungen und Freundschaften, auch in der Beziehung zur Mitwelt in der Schöpfung.
Wie gut kann uns eine bewusst gelebte Fastenzeit auf Ostern einstimmen?
Eine bewusst gelebte Fastenzeit schärft unseren Blick für das, worauf es im Leben wirklich ankommt. In dieser Achtsamkeit wächst die Sensibilität für Gottes Nähe. So führt uns die Fastenzeit Schritt für Schritt dahin, Ostern als Kraftquelle für das eigene Leben zu erfahren. Nicht das Scheitern und der Tod haben das letzte Wort, sondern das Leben – das sagt uns Gott zu, wenn wir zu Ostern die Auferstehung Jesu feiern.
Was ist für Sie der Höhepunkt der Kartage
(Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag) und der Osterzeit?
Die Kartage und die Osternacht, also die Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag, mit ihren unterschiedlichen liturgischen Prägungen hängen zusammen. Man spricht auch von den drei österlichen Tagen. Die Feier dieser Gottesdienste nimmt mich in das dramatische Geschehen hinein: Letztes Abendmahl, Leiden, Tod und Auferstehung Jesu. Die Osternacht mit ihrem unverwechselbaren und existentiellen
Charakter ist natürlich der Höhepunkt. Aber klar ist auch, Ostern ohne Karfreitag wäre nur eine Illusion, Karfreitag ohne Ostern bliebe eine Katastrophe.
Was ist die Kernbotschaft des Osterfestes?
Im Zentrum steht die biblische Zusage, dass das
Leben stärker ist als der Tod. Zu Ostern können wir das Aufblühen der Natur als Fingerzeig dafür erfahren, dass Leben und Lieben Bestand haben. Freundschaften, Gemeinschaften und Beziehungen sind solche Fingerzeige. Sie eröffnen eine andere Dimension des Lebens. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Gott kann mit den Toten – auch mit dem Toten in mir – Neues anfangen.
Fastenzeit, die nun mit dem Karsamstag, einen Tag vor dem Ostersonntag, endet?
Die christliche Fastenzeit basiert auf der biblischen Überlieferung, dass Jesus 40 Tage in der Wüste gefastet und gebetet hat. Sie lädt Christinnen und Christen dazu ein, sich auf Ostern vorzubereiten. Um diese besondere Zeit bewusst zu erleben, hilft es, auf das eigene Leben zu schauen. Wie gehe ich mit dem um, was ich täglich nutze und brauche? Was ist wirklich wichtig für mich? Wie verhalte ich mich gegenüber anderen Menschen? Und wo könnte es gut sein, Maß zu halten und mich bewusst zurückzunehmen?
Wie bedeutend ist in Ihrer Wahrnehmung die Fastenzeit?
Der bewusste Umgang bei der Ernährung ist sicher mehr im Bewusstsein der Menschen als noch vor wenigen Jahrzehnten. Freilich stelle ich fest, dass die Fastenzeit weniger als früher als Vorbereitungszeit auf Ostern wahrgenommen wird.
Fasten liegt im Trend. Wieso ist das Fasten für nichtgläubige Menschen so anziehend?
Fasten spricht auch viele Menschen an, die nicht
religiös sind, weil es eine Sehnsucht aufgreift, die viele teilen, und zwar den Wunsch nach mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innerer Ordnung. In diesem Sinn berührt das Fasten eine grundlegende menschliche Erfahrung.
Den meisten Menschen geht es beim Fasten vorrangig darum, das Körpergewicht zu reduzieren und gesünder sowie bewusster zu leben. Welchen Mehrwert bietet das Fasten im christlichen Sinne?
Es ist verständlich und sinnvoll, wenn Fasten mit gesundheitlichen Motiven verbunden wird. Der christliche Mehrwert liegt darin, dass Fasten nicht beim eigenen Körper stehenbleibt. Es lädt dazu ein, auch innerlich aufzuräumen, den Blick zu weiten und sensibler zu werden für andere Menschen und für Gott. Auf diese Weise kann Fasten nicht nur dem Körper guttun, sondern auch dem Herzen und dem Zusammenleben.
Wie kann man Ihres Erachtens am besten erreichen, dass Fasten eine befreiende Wirkung erzielt?
Fasten wirkt dann befreiend, wenn es nicht als Zwang oder bloßer Verzicht verstanden wird, sondern als bewusste Entscheidung. Es geht darum, Raum zu schaffen – für sich selbst, für andere und für Gott. Wer beim Fasten nicht nur fragt, worauf er verzichtet, sondern auch, wofür, kann erfahren, dass ein „Weniger“ nicht nur Verlust bedeutet, sondern eine neue Freiheit eröffnet. Fasten wird befreiend, wenn es das Herz weitet, den Blick schärft und hilft, das Wesentliche neu zu entdecken.
Früher war im katholischen Glauben jeder Freitag des Jahres fleischlos. Sind Ihnen viele Menschen bekannt, die noch immer entsprechend diesem Grundsatz leben?
Alle Freitage des Jahres gelten in der katholischen Kirche als Bußtage, weil sie an den Tod Jesu erinnern. Der Verzicht auf Fleisch ist eine früher übliche und auch weiterhin sinnvolle Form des Bußgebotes am Freitag, aber nicht mehr die einzige Möglichkeit. Die Kirche ermutigt ausdrücklich auch zu anderen Formen, etwa zu einem bewussten Verzicht auf Genussmittel, Zeit für andere Menschen, Hilfe für Bedürftige, zu Gebet oder Zeiten der Stille. Und da kenne ich schon viele Menschen, die sich daran halten.
Wie halten Sie es persönlich mit dem Fasten?
Und wie haben Sie die Fastenzeit als Kind erlebt?
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass in meiner Kindheit der Aschermittwoch, Karfreitag und der Karsamstag bis zum Mittag streng gehalten wurden. Auf Süßigkeiten oder Fernsehen musste ich nicht verzichten, weil es das bei uns sowieso nicht gab (lacht). Ich bin in der Fastenzeit auf der Suche nach einer Ordnung meines Lebens, einer Ausgewogenheit von Wachen und Schlafen, Arbeit und Ruhe, Gebet und Muße, Bewegung und Stabilität. Ich suche nach einem guten Maß in Beziehungen und Freundschaften, auch in der Beziehung zur Mitwelt in der Schöpfung.
Wie gut kann uns eine bewusst gelebte Fastenzeit auf Ostern einstimmen?
Eine bewusst gelebte Fastenzeit schärft unseren Blick für das, worauf es im Leben wirklich ankommt. In dieser Achtsamkeit wächst die Sensibilität für Gottes Nähe. So führt uns die Fastenzeit Schritt für Schritt dahin, Ostern als Kraftquelle für das eigene Leben zu erfahren. Nicht das Scheitern und der Tod haben das letzte Wort, sondern das Leben – das sagt uns Gott zu, wenn wir zu Ostern die Auferstehung Jesu feiern.
Was ist für Sie der Höhepunkt der Kartage
(Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag) und der Osterzeit?
Die Kartage und die Osternacht, also die Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag, mit ihren unterschiedlichen liturgischen Prägungen hängen zusammen. Man spricht auch von den drei österlichen Tagen. Die Feier dieser Gottesdienste nimmt mich in das dramatische Geschehen hinein: Letztes Abendmahl, Leiden, Tod und Auferstehung Jesu. Die Osternacht mit ihrem unverwechselbaren und existentiellen
Charakter ist natürlich der Höhepunkt. Aber klar ist auch, Ostern ohne Karfreitag wäre nur eine Illusion, Karfreitag ohne Ostern bliebe eine Katastrophe.
Was ist die Kernbotschaft des Osterfestes?
Im Zentrum steht die biblische Zusage, dass das
Leben stärker ist als der Tod. Zu Ostern können wir das Aufblühen der Natur als Fingerzeig dafür erfahren, dass Leben und Lieben Bestand haben. Freundschaften, Gemeinschaften und Beziehungen sind solche Fingerzeige. Sie eröffnen eine andere Dimension des Lebens. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Gott kann mit den Toten – auch mit dem Toten in mir – Neues anfangen.
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