Hiobsbotschaft und Lästermaul
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Religion und Kirche haben heute kaum noch Platz in unserer Gesellschaft. Aber die Bibel, übersetzt von Martin Luther, hat tiefe Spuren in unserer Alltags-Sprache hinterlassen.
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Bei manchen Redensarten ist ganz klar, dass sie aus der Bibel stammen. Der Spruch „von Pontius zu Pilatus rennen“ hat seinen Ursprung in den Oster-Evangelien. Jesus wurde nach seiner Verhaftung zum römischen Statthalter Pontius Pilatus gebracht, der schickte ihn zum vermeintlich zuständigen König Herodes, doch der sandte ihn wieder zurück. Pontius Pilatus verurteilte Jesus zum Tode.
Heute verwenden wir die Redewendung, wenn wir etwa ohne Ergebnis von einer Behörde zur nächsten rennen. Das Wortspiel mit den beiden Namen des Statthalters Pontius Pilatus zeigt die Absurdität des Hin- und Herschiebens von Jesus, der schlussendlich wieder am Ausgangspunkt landete.
Bei anderen Wörtern ist die biblische Herkunft nicht auf den ersten Blick sichtbar. Das „Lippenbekenntnis“ geht auf das Buch Jesaja im Alten Testament zurück. Dort heißt es: „Weil dies Volk mir naht mit seinem Munde und mit seinen Lippen mich ehrt, aber ihr Herz fern von mir ist …“ Gemeint ist, dass sich das Volk zwar zu Gott bekennt, aber nur oberflächlich. Als „Lippenbekenntnis“ bezeichnen wir deshalb eine oft heuchlerische Aussage ohne innere Überzeugung.
Der evangelische Theologe und Pfarrer Rainer Metzner hat in seinem neuen Buch „Mit Feuereifer und Engelszungen“ (Verlag C. H. Beck) fast 300 Wörter und Redewendungen zusammengetragen. „Die Sprache der Bibel hat viele Dichter, Denker und Künstler beeinflusst, selbst solche, die der Kirche kritisch gegenüberstanden, zum Beispiel Bertolt Brecht“, sagt Rainer Metzner.
„Das zeigt, dass die Bibel Themen anspricht, die dem Menschen ureigen sind.“ Aber auch Menschen, die „der christlichen Tradition fernstehen“, gebrauchen biblische Wendungen. „Ich erinnere mich an ein Gespräch im Sportverein, wo es darum ging, einen säumigen Mitspieler zur Teilnahme beim nächsten Punktspiel zu bewegen. Der Trainer sagte: ,Da müssen wir wohl mit Engelszungen auf ihn einreden.‘ Alle Anwesenden haben verstanden, was gemeint war, ohne den biblischen Hintergrund von 1. Korinther 13,1 zu kennen.“
Das betreffende Hohelied der Liebe aus dem 13. Kapitel des ersten Korintherbriefes beginnt mit den Worten: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.“
Mit Engelszungen ist dabei jene Sprache gemeint, „die von Engeln im himmlischen Gottesdienst“ verwendet wird, erklärt Rainer Metzner in seinem Buch. Sie sei reich „an Lauten, Silben, Worten.“ Daher stünden „die Engelszungen heute übertragen für Sprachgewalt und Beredsamkeit, oft im Sinn von ,eindringlich, aber vergeblich reden‘.“
Es sei „sicher nicht nötig, dass man immer weiß, woher eine sprachliche Wendung kommt“, zieht der deutsche Theologe Metzner Bilanz. „Schade wäre es nur, wenn diese ,geflügelten Worte‘ aus unserem Sprachgebrauch verschwinden würden.“
Es war der Reformator Martin Luther (1483–1546), der unter Mithilfe von Kollegen mit seiner Übersetzung der Bibel ins Deutsche viele Ausdrücke prägte. Sein Ziel war, die Heilige Schrift in eine lebendige Alltagssprache zu übersetzen. „Man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gasse, den gemeinen Mann auf dem Markte darüber befragen und ihnen auf das Maul sehen, wie sie reden, und danach dolmetschen“, schrieb Luther einmal.
Das tat er und machte etwa den Begriff „Lästermaul“ populär, den er häufig verwendete. In seiner Übersetzung des „Buches der Sprichwörter“, einer Sammlung von Lebensweisheiten im Alten Testament, wird geraten, „die Falschheit des Mundes“ zu vermeiden, ebenso wie „kein Lästermaul“ zu sein. Für uns ist das bis heute jemand, der gerne über andere abfällig redet.
Begriffe wie „Machtwort“, mit dem Luther die Erschaffung der Gestirne in der Schöpfungsgeschichte kommentiert, oder „Feuereifer“ hat er für seine Bibelübersetzung neu geprägt oder „erfunden“. Letzterer Begriff stammt aus einer Passage des Hebräerbriefes des Neuen Testaments und stand bildlich für den Zorn Gottes. In einer neueren Übersetzung ist stattdessen vom „wütenden Feuer“ die Rede. Umgangssprachlich wurde aus dem Feuereifer im Laufe der Jahrhunderte der engagierte Einsatz für oder gegen eine Sache.
Rainer Metzner selbst findet „Redewendungen schön, die Lebensweisheiten auf den Punkt bringen“. Dazu gehört zum Beispiel „wie ein Blinder im Dunkeln tappen“. Das Zitat stammt aus dem Alten Testament, wo Moses den Menschen droht, die den Geboten Gottes nicht gehorchen: „Und du wirst tappen am Mittag, wie ein Blinder tappt im Dunkeln, und wirst auf deinem Wege kein Glück haben und wirst Gewalt und Unrecht leiden müssen dein Leben lang und niemand wird dir helfen.“
Tatsächlich übel wird in der Bibel Hiob mitgespielt. Der reiche und gottesfürchtige Mann muss als Spielball einer Wette zwischen Gott und dem Satan herhalten. Der Teufel glaubt, dass Hiob Gott den Rücken kehrt, wenn ihm Leid widerfährt.
Hiob „erhält von vier Boten nacheinander schreckliche Nachrichten über den Verlust von Vieh, Knechten und Kindern durch Raub, Feuer, Krieg und Sturm“, schreibt der Theologe Metzner in seinem „Kleinen Lexikon deutscher Wörter biblischer Herkunft“. Aber er wendet sich nicht von Gott ab. Die „Hiobsbotschaften“ sind uns als Unglücks- oder Schreckensnachrichten nach wie vor geläufig. Auch „sein Licht unter den Scheffel stellen“ ist ein geflügeltes Wort, das seine Wurzeln in der Bibel hat. Es geht auf das Evangelium nach Matthäus zurück. Darin heißt es: „Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.“
Der Scheffel war ein kübelartiges Gefäß, das meistens zum Abmessen von Getreidemengen verwendet wurde. Das Fassungsvermögen war unterschiedlich, zwischen 17 und 310 Liter. Der Spruch bedeutet – so wie man eine Lampe sinnvollerweise nicht verdunkelt, sowenig sollten wir aus falsch verstandener Bescheidenheit unsere Fähigkeiten verbergen.
Sonst könnten einem unter Umständen die Probleme „über den Kopf wachsen“, also nicht mehr zu meistern sein. Eine Formulierung, die aus einem Bußgebet im Alten Testament stammt. Gemeint war, erklärt Rainer Metzner in seinem Buch, „dass die Sündenmenge sich bis zu einem bis zum Himmel reichenden Haufen auftürmt, der sich weder verbergen noch bewältigen lässt.“
Die Bibel gehört in unserer heutigen Gesellschaft auch in gläubigen Familien so gut wie nie zur häufigen Lektüre. Für den Autor Rainer Metzner ist sie aber „kein Buch abstrakter theologischer Lehrsätze (Dogmen)“, ist der evangelische Pfarrer überzeugt, „sondern ein Buch voller Lebenserfahrungen und -weisheiten“, die sich in der Begegnung mit Gott ausgebildet hätten. „Die Bibel zu lesen bedeutet, sowohl ihre Sinnpotentiale als auch ihre poetische Sprache zu entdecken und wachzuhalten.“
Heute verwenden wir die Redewendung, wenn wir etwa ohne Ergebnis von einer Behörde zur nächsten rennen. Das Wortspiel mit den beiden Namen des Statthalters Pontius Pilatus zeigt die Absurdität des Hin- und Herschiebens von Jesus, der schlussendlich wieder am Ausgangspunkt landete.
Bei anderen Wörtern ist die biblische Herkunft nicht auf den ersten Blick sichtbar. Das „Lippenbekenntnis“ geht auf das Buch Jesaja im Alten Testament zurück. Dort heißt es: „Weil dies Volk mir naht mit seinem Munde und mit seinen Lippen mich ehrt, aber ihr Herz fern von mir ist …“ Gemeint ist, dass sich das Volk zwar zu Gott bekennt, aber nur oberflächlich. Als „Lippenbekenntnis“ bezeichnen wir deshalb eine oft heuchlerische Aussage ohne innere Überzeugung.
Der evangelische Theologe und Pfarrer Rainer Metzner hat in seinem neuen Buch „Mit Feuereifer und Engelszungen“ (Verlag C. H. Beck) fast 300 Wörter und Redewendungen zusammengetragen. „Die Sprache der Bibel hat viele Dichter, Denker und Künstler beeinflusst, selbst solche, die der Kirche kritisch gegenüberstanden, zum Beispiel Bertolt Brecht“, sagt Rainer Metzner.
„Das zeigt, dass die Bibel Themen anspricht, die dem Menschen ureigen sind.“ Aber auch Menschen, die „der christlichen Tradition fernstehen“, gebrauchen biblische Wendungen. „Ich erinnere mich an ein Gespräch im Sportverein, wo es darum ging, einen säumigen Mitspieler zur Teilnahme beim nächsten Punktspiel zu bewegen. Der Trainer sagte: ,Da müssen wir wohl mit Engelszungen auf ihn einreden.‘ Alle Anwesenden haben verstanden, was gemeint war, ohne den biblischen Hintergrund von 1. Korinther 13,1 zu kennen.“
Das betreffende Hohelied der Liebe aus dem 13. Kapitel des ersten Korintherbriefes beginnt mit den Worten: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.“
Mit Engelszungen ist dabei jene Sprache gemeint, „die von Engeln im himmlischen Gottesdienst“ verwendet wird, erklärt Rainer Metzner in seinem Buch. Sie sei reich „an Lauten, Silben, Worten.“ Daher stünden „die Engelszungen heute übertragen für Sprachgewalt und Beredsamkeit, oft im Sinn von ,eindringlich, aber vergeblich reden‘.“
Es sei „sicher nicht nötig, dass man immer weiß, woher eine sprachliche Wendung kommt“, zieht der deutsche Theologe Metzner Bilanz. „Schade wäre es nur, wenn diese ,geflügelten Worte‘ aus unserem Sprachgebrauch verschwinden würden.“
Es war der Reformator Martin Luther (1483–1546), der unter Mithilfe von Kollegen mit seiner Übersetzung der Bibel ins Deutsche viele Ausdrücke prägte. Sein Ziel war, die Heilige Schrift in eine lebendige Alltagssprache zu übersetzen. „Man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gasse, den gemeinen Mann auf dem Markte darüber befragen und ihnen auf das Maul sehen, wie sie reden, und danach dolmetschen“, schrieb Luther einmal.
Das tat er und machte etwa den Begriff „Lästermaul“ populär, den er häufig verwendete. In seiner Übersetzung des „Buches der Sprichwörter“, einer Sammlung von Lebensweisheiten im Alten Testament, wird geraten, „die Falschheit des Mundes“ zu vermeiden, ebenso wie „kein Lästermaul“ zu sein. Für uns ist das bis heute jemand, der gerne über andere abfällig redet.
Begriffe wie „Machtwort“, mit dem Luther die Erschaffung der Gestirne in der Schöpfungsgeschichte kommentiert, oder „Feuereifer“ hat er für seine Bibelübersetzung neu geprägt oder „erfunden“. Letzterer Begriff stammt aus einer Passage des Hebräerbriefes des Neuen Testaments und stand bildlich für den Zorn Gottes. In einer neueren Übersetzung ist stattdessen vom „wütenden Feuer“ die Rede. Umgangssprachlich wurde aus dem Feuereifer im Laufe der Jahrhunderte der engagierte Einsatz für oder gegen eine Sache.
Rainer Metzner selbst findet „Redewendungen schön, die Lebensweisheiten auf den Punkt bringen“. Dazu gehört zum Beispiel „wie ein Blinder im Dunkeln tappen“. Das Zitat stammt aus dem Alten Testament, wo Moses den Menschen droht, die den Geboten Gottes nicht gehorchen: „Und du wirst tappen am Mittag, wie ein Blinder tappt im Dunkeln, und wirst auf deinem Wege kein Glück haben und wirst Gewalt und Unrecht leiden müssen dein Leben lang und niemand wird dir helfen.“
Tatsächlich übel wird in der Bibel Hiob mitgespielt. Der reiche und gottesfürchtige Mann muss als Spielball einer Wette zwischen Gott und dem Satan herhalten. Der Teufel glaubt, dass Hiob Gott den Rücken kehrt, wenn ihm Leid widerfährt.
Hiob „erhält von vier Boten nacheinander schreckliche Nachrichten über den Verlust von Vieh, Knechten und Kindern durch Raub, Feuer, Krieg und Sturm“, schreibt der Theologe Metzner in seinem „Kleinen Lexikon deutscher Wörter biblischer Herkunft“. Aber er wendet sich nicht von Gott ab. Die „Hiobsbotschaften“ sind uns als Unglücks- oder Schreckensnachrichten nach wie vor geläufig. Auch „sein Licht unter den Scheffel stellen“ ist ein geflügeltes Wort, das seine Wurzeln in der Bibel hat. Es geht auf das Evangelium nach Matthäus zurück. Darin heißt es: „Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.“
Der Scheffel war ein kübelartiges Gefäß, das meistens zum Abmessen von Getreidemengen verwendet wurde. Das Fassungsvermögen war unterschiedlich, zwischen 17 und 310 Liter. Der Spruch bedeutet – so wie man eine Lampe sinnvollerweise nicht verdunkelt, sowenig sollten wir aus falsch verstandener Bescheidenheit unsere Fähigkeiten verbergen.
Sonst könnten einem unter Umständen die Probleme „über den Kopf wachsen“, also nicht mehr zu meistern sein. Eine Formulierung, die aus einem Bußgebet im Alten Testament stammt. Gemeint war, erklärt Rainer Metzner in seinem Buch, „dass die Sündenmenge sich bis zu einem bis zum Himmel reichenden Haufen auftürmt, der sich weder verbergen noch bewältigen lässt.“
Die Bibel gehört in unserer heutigen Gesellschaft auch in gläubigen Familien so gut wie nie zur häufigen Lektüre. Für den Autor Rainer Metzner ist sie aber „kein Buch abstrakter theologischer Lehrsätze (Dogmen)“, ist der evangelische Pfarrer überzeugt, „sondern ein Buch voller Lebenserfahrungen und -weisheiten“, die sich in der Begegnung mit Gott ausgebildet hätten. „Die Bibel zu lesen bedeutet, sowohl ihre Sinnpotentiale als auch ihre poetische Sprache zu entdecken und wachzuhalten.“
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