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Ausgabe Nr. 13/2026 vom 25.03.2026, Fotos: AdobeStock, MedUni Wien-Matern
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Die Corona-Pandemie.

Die Sorge um das Klima auf unserem Planeten.

Auch die vielen Kriege machen Angst.
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Im Extremfall verlassen Kinder und Jugendliche mit Angststörungen das Haus nicht mehr.
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Prof. Paul Plener, MedUni Wien
Wenn Angst die Kraft zum Leben raubt
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Psychische Erkrankungen bei Jugendlichen sind seit der Corona-Pandemie keine Ausnahme, sondern alltägliche Realität.
Häufig sind es Angststörungen, die vor allem Mädchen betreffen.
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Ängste sind Teil des Lebens. Sie begleiten uns von Kindesbeinen an.

Zu den ersten Ängsten gehören die Angst vor Dunkelheit, vor Fremden („Fremdln“) oder die meist vorübergehende Angst der Kinder vor Hunden.

Später kann die Angst vor Keimen auftreten oder die Angst vor Alter und Tod. „Nicht alles, was mit Angst zu tun hat, ist eine Angststörung. Besonders bei Schulkindern beobachten wir häufig Angst vor Tieren, bestimmten Dingen oder Situationen.

Sie sind klinisch irrelevant, solange Kinder damit umgehen können, sodass es zu keinen Einbußen in ihrem alltäglichen Leben kommt. In der Jugend dominieren die sozialen Ängste, etwa ständig prüfenden Blicken ausgesetzt zu sein“, erklärt Prof. Dr. Paul Plener, Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wien.

Während harmlose Ängste mit der Zeit milder werden, wieder vergehen oder kaum Einschränkungen im Alltag mit sich bringen, stellen Angststörungen das Leben auf eine harte Probe.

Angststörungen haben viele Gesichter. Es gibt die Panikstörung mit auftretenden Panikattacken, oder die Agora-Phobie, bei der Menschen den Aufenthalt in Menschenmengen, Warteschlangen, weit entfernt von zu Hause oder auch das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel fürchten. Menschen mit einer sozialen Phobie fürchten, von anderen negativ beurteilt zu werden, und bei der Zwangsstörung leiden Betroffene unter Zwangsgedanken oder -handlungen.

Die spezifische Phobie kennzeichnet die Angst vor Tieren, vor der Höhe oder vor dem Fliegen.

Die Hauptmerkmale der generalisierten Angststörung sind übergroße Befürchtungen und Sorgen, die Betroffene nicht mehr zur Ruhe kommen lassen.

Angststörungen entstehen durch ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, biologisch-chemischen Faktoren wie veränderte Botenstoffe im Gehirn, traumatischen Erlebnissen, chronischem Stress und ungünstigen Lernerfahrungen. Körperliche Erkrankungen, soziale Isolation und Drogenkonsum können als Auslöser wirken.

„Nach der Corona-Pandemie haben Studien zufolge Symptome depressiver Erkrankungen und Angststörungen sowie Suizidversuche bei Kindern und Jugendlichen stark zugenommen.

Laut einer Befragung denken in unserem Land neun Prozent der Jugendlichen täglich an Suizid. Bei Kindern und Jugendlichen haben sich Angst und Depressionen
im Vergleich zu vor der Pandemie verdoppelt“, sagt Prof. Plener.

Auswertungen der deutschen Krankenkasse haben gezeigt, dass sich aufgrund fehlender sozialer Kontakte und Entwicklungsschritte aus der Pandemiezeit vor allem Mädchen zurückgezogen und Ängste entwickelt hätten. Mädchen seien beim Konsum sozialer Medien verletzlicher, weil sie dort oft Körperbilder sowie Glücks- und Zufriedenheitsideale sähen, die nicht erfüllt werden könnten, heißt es. Das erhöhe den Stressgrad und könne die Ausprägung psychischer Erkrankungen fördern.

Die generell hohe Rate an psychischen Belastungen, vor allem an Ängsten, sei laut Experten damit erklärt, dass die Krisen nicht abreißen.

Corona-Pandemie, Klimawandel, Kriege, gesellschaftlicher Druck und Zukunftsängste, all das ist im Alltag junger Menschen präsent. „Der Übergang von einer Angst zu eine Angststörung ist fließend“, sagt
Prof. Plener. „Für Eltern ist das nicht einfach zu erkennen, denn den Betroffenen sind ihre Ängste peinlich. Sie verschleiern ihr Vermeidungsverhalten oft kreativ. Daher ist es wichtig, die ersten Warnsignale bei Kindern und Jugendlichen zu erkennen.“

Signale, auf die Eltern achten sollten

Die Chance, dass das eigene Kind eine Angststörung entwickelt, war bereits vor und ist auch seit der Corona-Pandemie deutlich gestiegen, wie Günter Klug, Präsident von promente Austria bestätigt. „Jeder zehnte Jugendliche zeigt deutliche Anzeichen von hoher psychischer Belastung, Tendenz steigend.“

Angststörungen gehören neben Depressionen und Essstörungen zu den Erkrankungen, die stark angestiegen sind. Vermeiden Kinder oder Jugendliche plötzlich Dinge oder Situationen, die früher unproblematisch waren, kann das ein Kriterium für eine bestehende oder entstehende Angststörung sein, so die Experten.

„Als käme ein Fremder mit einem Messer“

„Eltern müssen wissen, dass ihr Kind die scheinbar lächerliche Quelle der Angst so wahrnimmt, wie sie selbst einen Fremden mit einem Messer in der Hand“, sagt Prof. Plener.

„Gewarnt sollten Eltern jedenfalls sein, wenn Kinder wegen entstehender Trennungsängste zu stark klammern und Jugendliche anfangen, Situationen zu vermeiden, in denen sie sozial exponiert sind. Oder wenn sie zeigen oder äußern, dass sie sich ständig ,unter Beobachtung‘ fühlen, auch wenn das nicht der Fall ist.“

Angststörungen schränken die Lebensqualität ein und hemmen die Betroffenen im Alltag. Dinge, die uns einfach vorkommen, wie das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel, verlangen ihnen große Überwindung ab.

„Häufig sehen wir diese Patienten kaum, weil bei einigen Formen die Angst so groß wird, dass sie das Haus nicht verlassen können.“

Können die jungen Patienten aufgrund ihrer Ängste den Alltag nicht mehr bewältigen, also etwa wegen eines Referates nicht in die Schule gehen, ist eine professionelle Behandlung durch Psychotherapeuten oder Psychiater erforderlich.

Wie lange die Therapie dauert, hängt von der Schwere der Erkrankung ab.
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