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Ausgabe Nr. 13/2026 vom 25.03.2026, Fotos: AdobeStock, Dominik Rößler, zvg, Andreas Tischler / Vienna Press
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Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann, Ernährungs- und Sportmedizinerin sowie Autorin.
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Elisabeth „Lizz“ Görgl, 45, ehemalige Schirennläuferin, Trainerin und Autorin:

„Ich höre auf mein inneres Gefühl – mit Zwang wird das nichts“
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Johanna Katzera, Fastenleiterin:

„Alle Teilnehmer verzichteten auf das Bittersalz“
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Verzichten mit Sinn –
Fasten macht glücklich
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Fasten-Kuren gibt es seit mehr als hundert Jahren. Einiges davon ist überholt. Eine neue Methode soll die Lücke zwischen traditionellen Ansätzen und aktuellem Wissen schließen.
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Fasten ist eine hervorragende Maßnahme, die Gesundheit zu fördern. Dazu gehört ein artenreiches sowie gesundes Darmmikrobiom, es ist für unser Wohlbefinden wichtig. Bei der neuen Methode werden die Vorteile des Fastens genutzt und gleichzeitig das Mikrobiom gestärkt“, erklärt Prof. Dr. Michaela
Axt-Gadermann.

Die Ernährungs- und Sportmedizinerin sowie Dermatologin nimmt in ihrem Buch „Der neue Fasten-Code“ (Südwest Verlag) althergebrachte Fasten-Mythen ins Visier. Seit rund dreißig Jahren beschäftigt sie sich mit dem Darm- und Hautmikrobiom und forscht dazu an der Hochschule Coburg (D). „Da mir die erhebliche Bedeutung der Bakterien bekannt ist, habe ich ein Fastenkonzept entwickelt, bei dem auf jegliche Darmreinigungs- und Abführmaßnahmen verzichtet wird, um das Mikrobiom nicht zu schädigen“, erklärt die Professorin für Gesundheitsförderung.

„Probiotische Bakterien sind enorm wichtig für die gesunde Darmflora. Die finden wir im Alltag in Joghurt, Kefir, Sauerkraut, Kimchi, Miso und Kombucha. Um den Fastenstoffwechsel nicht zu stören, empfehle ich, während der Fastenzeit aber ausgewählte Bakterien als probiotisches Pulver zuzuführen. Außerdem sollten wir die nützlichen Bakterien mit präbiotischen Ballaststoffen in Form von Flohsamen, Leinsamen, Chiasamen, Nüssen oder Mandeln ,füttern‘ und pflanzliche Öle zu uns nehmen“, erläutert die Ernährungsmedizinerin.

„Dadurch wird nicht nur das Mikrobiom gesünder, sondern es werden auch Sättigungshormone angeregt, das Durchhalten fällt leichter.“ Nach dem Fasten sind auch Chicorée, Artischocken, Zwiebeln, Knoblauch, Spargel, Bärlauch, Lauch, Schwarzwurzeln, Topinambur, Haferflocken oder Hülsenfrüchte gut geeignet, den Artenreichtum im Darm zu fördern.

Bei der neuen Methode wird den Fastenden empfohlen, Kaffee zu trinken. „Kaffee ist bei vielen Fastenkuren streng verboten, zu Unrecht, wie wir heute wissen, da Kaffee das Mikrobiom fördert und die Effekte des Fastens auf die Zellregeneration unterstützt“, sagt die Ärztin.

Sie bezieht sich auf Studien, die belegen, dass regelmäßiges Trinken von Kaffee – zwei bis vier Tassen pro Tag – gesund ist. „Kaffee verringert das Risiko für eine Fettleber, hält die Arterien elastisch, reduziert das Risiko für Herzrhythmusstörungen, wirkt sich günstig auf Gehirnfunktionen aus und sorgt für ein gesundes Darmmikrobiom. Fasten regt einen Prozess an, der sich Autophagie nennt. Darunter verstehen wir einen Regenerations-Prozess innerhalb der Zellen. Normalerweise beginnt die Autophagie nach 14 bis 16 Stunden Fasten. Aus Studien geht hervor, dass dieser Prozess schon nach vier bis sechs Stunden beginnt, wenn wir beim Fasten nicht auf den Kaffee verzichten“, meint Axt-Gadermann.

Dass die Vertreter traditioneller Heilfastenkonzepte den neuen Ansätzen eher skeptisch gegenüberstehen, bedauert die Professorin. „Die Grundkonzepte der klassischen Fastenkuren im deutschsprachigen Raum entstanden vor mehr als hundert Jahren. Seitdem hat sich das Wissen über Ernährung, Stoffwechsel und Darmmikrobiom rasant entwickelt. Bei vielen Heilfastenkuren wird jedoch, mit kleinen Anpassungen, an den historischen Konzepten festgehalten. Abführmaßnahmen mit Glauber- oder Bittersalz sind heute noch immer fester Bestandteil, obwohl wir längst wissen, dass Abführmittel dem Darm und dem Mikrobiom mehr schaden als nutzen“, betont die Ärztin.

Der gesundheitliche Nutzen des Fastens liegt ihres Erachtens vielmehr in der Stoffwechselregulation und in der Zellregeneration, nicht in einer „mystischen Reinigung“ des Körpers. Zudem fehle uns eine wichtige Entgiftungskapazität, wenn das Darmmikrobiom durch eine sogenannte Darmreinigung geschädigt wird.

„Die altbewährten Methoden werden weiterhin mit
großer Überzeugung vertreten, auch wenn die wissenschaftliche Datenlage nicht in allen Punkten überzeugend ist“, übt sie zum einen Kritik an festgefahrenen Strukturen. Zum anderen ist sie überzeugt, „dass unterschiedliche Fastenansätze durchaus nebeneinander bestehen und einander bereichern können“.

„Die Vorstellung, der Verdauungstrakt müsse während des Fastens gründlich ,gereinigt‘ werden, beruht auf einer falschen Vorstellung“, will sie mit althergebrachten Fasten-Mythen aufräumen. „Unser Darm ist kein schmutziges Abflussrohr, das von Rückständen befreit werden muss“, erklärt sie. Tatsächlich beherbergt der Darm mit dem Darmmikrobiom eines der artenreichsten Ökosysteme unseres Planeten. Es besteht aus rund 100 Billionen (1 Billion ist 1 Million mal 1 Million) Mikroorganismen – vor allem Bakterien –, die in komplexer Gemeinschaft an der Aufrechterhaltung unserer Gesundheit beteiligt sind. Ein vielfältiges Mikrobiom stärkt das Immunsystem, schützt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, beugt Übergewicht und Diabetes vor, kann depressive Symptome mildern und spielt sogar eine Rolle beim gesunden Altern. Die Wirkung der Maßnahmen zur „Darmreinigung“ vergleicht Axt-Gadermann mit einer Brandrodung im Regenwald, da „nützliche Bakterien ausgespült werden, das mikrobielle Gleichgewicht gestört und das Wachstum entzündungsfördernder Keime angeregt wird.

Eine Darmreinigung ist keine Maßnahme zum Entgiften“, widerspricht sie weitverbreiteten Thesen, „der Körper verfügt über eigene hocheffiziente Entgiftungssysteme wie Leber, Nieren und Darmmikrobiom, die Schadstoffe kontinuierlich abbauen und ausscheiden. Weder Abführmaßnahmen noch spezielle Detox-Produkte können diesen physiologischen Prozess beschleunigen oder gar ersetzen.“

Bislang zieht die Ernährungsmedizinerin eine positive Bilanz über die Anwendung der neuen Grundlagen. „Wir durften bereits mehr als tausend Menschen beim Mikrobiom-Fasten begleiten. Bei fast allen blieben die typischen Fastenkrisen aus, die vor allem durch den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust als Folge der Darmreinigung hervorgerufen werden. Kaum jemand klagte über Kopfschmerzen – und die Fastenden waren vom ersten bis zum letzten Tag fit und leistungsfähig.“


Elisabeth „Lizz“ Görgl, 45, ehemalige Schirennläuferin, Trainerin und Autorin:

„Ich höre auf mein inneres Gefühl – mit Zwang wird das nichts“


Solange ich im Schirennsport aktiv war, konnte ich nicht
fasten, weil ich dadurch zu viel Substanz verloren hätte und es nötig war, meine Muskelmasse zu halten. Bei meinem intensiven Training wäre das vermutlich auch nicht gesund gewesen.

Das ist jetzt anders. Vor zwei Jahren habe ich eine interessante Fastenkur ausprobiert“, erzählt Lizz Görgl, 45. „Dabei mussten Dragees, mit Wasser angerührt, rasch getrunken werden, denn nach zwei Minuten wäre die dickflüssige Mixtur kaum noch hinunterzubekommen gewesen. Die Tagesration des magenfüllenden Getränkes, das einem dabei hilft, sich ein paar Tage lang nur flüssig zu ernähren, hatte dreihundert Kalorien und schmeckte nicht besonders gut, beziehungsweise nach nichts.

Aber ich habe die Kur sieben Tage lang durchgezogen. Am zweiten Tag bekam ich starkes Kopfweh und befand mich in einer Fastenkrise. Am dritten Tag waren dann die Kopfschmerzen weg, und am vierten Tag dachte ich mir, dass ich nie mehr in meinem Leben etwas zu essen brauche, und, dass Essen total überbewertet wird.

In den ersten Tage nach der Beendigung der Fastenkur begann ich, nur die Hälfte von dem, was ich vorher zu mir nahm, zu essen.
Das war wie ein Neubeginn, wo ich mit alten Gewohnheiten brechen konnte. Dass das nicht ewig andauerte, brauche ich nicht zu betonen (lacht).

Im Frühling des vorigen Jahres habe ich mich entschieden, neun Tage lang zu fasten. Ich habe dabei auf den Grundlagen meiner ersten Kur aufgebaut und sie mit einer anderen Mixtur kombiniert, die mir nicht nur gutgetan, sondern die mir auch noch geschmeckt hat.

Deshalb werde ich sie heuer wiederholen. Ich bekam dabei kein Kopfweh und nahm am Tag 800 Kalorien in Form von Säften und Shots (kleine, hochkonzentrierte Getränke, etwa 4 cl) zu mir. Bei dieser Kur trinkt man alle zwei Stunden und hat damit ein genussvolles Fasten, bei dem der Alltag gut bewältigt werden kann.

Auf die Pause-Taste zu drücken und das Verdauungssystem zu entlasten, hilft dem Körper, vor allem in Begleitung von moderater Bewegung wie
Spazierengehen, Radfahren oder lockerem Laufen.

Ich habe mich zu diesem Zweck nach Spanien zurückgezogen und mir zusätzliche Massagen und Akupunktur-Behandlungen gegönnt.

Um den richtigen Zeitpunkt fürs Fasten zu finden, höre ich auf mein inneres Gefühl.
Denn mit Zwang wird das nichts“, sagt die ehemalige Rennläuferin, die gemeinsam mit dem Mentaltrainer Michael von Kunhardt das Buch „Die Magie des Flows“ (Campus Verlag) verfasste.


Der Schlüssel zu einem gesunden Leben

Als Mikrobiom wird die Gesamtheit aller Mikroorganismen bezeichnet, die auf und in unserem Körper leben.

99 Prozent davon befinden sich im Dickdarm. Neben einem kleineren Anteil an Viren und Pilzen bilden etwa
100 Billionen Bakterienzellen den mit Abstand größten Teil dieser komplexen Lebensgemeinschaft.

Umgangssprachlich ist der Begriff Darmflora
gebräuchlich, in medizinischen Fachkreisen wird
vom Darmmikrobiom gesprochen. Das Wort „Flora“
ordnete die Mikroorganismen fälschlicherweise
der Pflanzenwelt zu. Heute ist bekannt, dass Bakterien eine eigenständige Form von Lebewesen sind.


Johanna Katzera, Fastenleiterin:

„Alle Teilnehmer verzichteten auf das Bittersalz“


Als ich das erste Mal von den Nachteilen der Darmreinigung vor und während einer Fastenkur
berichtete, blickte ich in erschrockene, überraschte und
auch in erleichterte Gesichter.

Dass Fasten nur mit einer vorhergehenden Darmentleerung funktionieren kann, schien in vielen Köpfen fest verankert.

Erleichtert waren vor allem diejenigen, für die das Trinken des Bitter- oder Glaubersalzes die größte Herausforderung war. Nicht nur wegen des Geschmackes, sondern vor allem, weil sie mit Durchfällen, Kreislaufproblemen, Schwächegefühlen und
Kopfschmerzen zu kämpfen hatten.

Nachdem ich den Teilnehmern die Erkenntnisse hinsichtlich der Darmreinigung auf das Mikrobiom erläuterte, stellte ich es ihnen frei, das Bittersalz zu trinken. Alle verzichteten darauf und erlebten eine gute Basenfasten-Woche“, berichtet die Fastenleiterin Johanna Katzera.
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