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Ausgabe Nr. 12/2026 vom 18.03.2026, Fotos: AdobeStock
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Gesundheit ist oft eine
Frage des Geschlechts
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Abnehm-Spritzen senken den Appetit und verzögern die Magenentleerung.
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Bluthochdruck gefährdet die weibliche Herz-
gesundheit besonders.
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Frauen leiden drei Mal häufiger an Reizdarm als Männer.
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Es besteht keinerlei Grund zur Zurückhaltung,
wenn es darum geht, Erste Hilfe zu leisten.

Mit jeder Minute des Zögerns sinkt die Überlebenschance.
Gesundheit ist oft eine
Frage des Geschlechts
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Der Körper der Frau reagiert bei Krankheit oder Therapie häufig anders als jener des Mannes. Neue Erkenntnisse bestätigen, dass der „kleine“ Unterschied in Fragen der Gesundheit doch größer ist.
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Frauen leben länger, und sie zeigen bei einem Herzinfarkt andere Symptome als Männer. Die Erkenntnisse dazu haben sich vervielfacht.

Abnehmspritzen wirken bei
Frauen besser als bei Männern


Sie sind die Hoffnung von Millionen Übergewichtiger. „Abnehmspritzen“ mit den Wirkstoffen Semaglutid, Liraglutid oder Dulaglutid, die ursprünglich zur Behandlung von Diabetes Typ 2 entwickelt wurden, lassen bei Patienten mit starkem Übergewicht die Kilos purzeln.

US-Wissenschschaftler der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore wollten wissen, ob die Wirkung der Abnehmspritze von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit und Alter abhängig sei. Das Ergebnis überraschte.

In sechs Studien mit knapp 20.000 Patienten, die nach Geschlecht analysiert wurden, war der Gewichtsverlust bei Frauen höher als bei Männern.

Die Forscher stellten eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von fast elf Prozent des Ausgangsgewichtes bei Frauen und 6,78 Prozent bei Männern fest.

Das ist ein statistisch signifikanter Unterschied. Frauen verlieren demnach prozentual mehr Gewicht, obwohl Männer häufiger stark übergewichtig sind.

Die Forscher vermuten die Ursache dafür in Wechselwirkungen mit Östrogen, in den Unterschieden in der Verstoffwechselung des Medikaments sowie in dem meist geringeren Körpergewicht.

Frauen leiden
eher an Reizdarm


Diffuse Bauchschmerzen, Blähungen und Veränderungen im Stuhlverhalten sind typische Merkmale des Reizdarms. Es ist eine funktionelle Störung im Dünn- und besonders im Dickdarm, an der Frauen drei Mal häufiger leiden als Männer.

Der US-Wissenschaftler David Julius, der 2021 den Medizinnobelpreis für seine Schmerzforschung erhielt, konnte belegen, dass das weibliche Hormon Östrogen die Ursache ist. Östrogen verringert die Schmerzschwelle im Darm.

„Die Reizdarm-Beschwerden sind oft vor der Menstruation verstärkt. Daher lag die Vermutung nahe, dass das vor dem Eisprung vermehrt produzierte Östrogen an den Beschwerden beteiligt ist.“ Östrogen aktiviert Rezeptoren im Dickdarm, die Schmerzen auslösen und den Darm empfindlicher gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln machen können, darunter Zwiebel, Knoblauch, Weizen, Bohnen und Honig.

Mehr Infektionen bei
schweren Brandverletzungen


Normalerweise ist eine lebensbedrohliche Ausbreitung von Krankheitserregern im Blutkreislauf (Sepsis, „Blutvergiftung“) seltener als bei Männern. Das weibliche Immunsystem kommt offenbar besser mit Krankheitserregern zurecht.

Bei Brandverletzungen scheint dies nicht der Fall zu sein, wie Wissenschaftler vom Schweizerischen Nationalfonds mit einer Studie darlegen.

„Bei schweren Brandverletzungen können Bakterien über die zerstörte Haut in den Blutkreislauf gelangen.

Bei der Auswertung einer Studie von 269 Patienten zeigte sich, dass bei knapp einem Viertel von ihnen fünf bis 13 Tage nach der Einlieferung Bakterien im Blut nachgewiesen wurden. Frauen waren fast doppelt so häufig betroffen wie Männer“, sagt Silvio Brugger vom Universitätsspital Zürich.

Warum das so ist, wissen die Forscher nicht. Sie mutmaßen, dass die Verbrennungen den Hormonstoffwechsel verändern.

Dadurch könnte sich die Immunreaktion verändern, denn weibliche Geschlechtshormone wie Östrogen werden mit einer besseren Immunreaktion in Verbindung gebracht.

Herz und Gefäße
sind stärker gefährdet


Frauen haben ein deutlich höheres Risiko, eine Herz-Kreislauferkrankung zu bekommen als Männer, wenn sie an Diabetes oder Adipositas leiden. Als stärkster einzelner Risikofaktor gilt Bluthochdruck.

Er steigert das Risiko einer Herz-Kreislauferkrankung um dreißig Prozent. „Zyklusstörungen oder ein unerfüllter Kinderwunsch können bereits in jungen Jahren Hinweise auf ein erhöhtes Risiko geben“, sagt die Stoffwechselexpertin Dr. Alexandra Kautzky-Willer. „Schwangerschafts-Bluthochdruck oder Schwangerschafts-Diabetes gelten als früher Marker für ein lebenslang erhöhtes Herz-Kreislaufrisiko.“

Ein weiterer zentraler Faktor ist Stress. „Herz und Psyche sind bei Frauen besonders eng verbunden.“

Studien zeigen, Stress, Angststörungen und Depressionen beeinflussen das Herz-Kreislaufrisiko messbar. Chronischer Stress verursacht stärkere Entzündungen und Veränderungen in der Gefäßfunktion.

„Die Früherkennung von Diabetes und die konsequente Blutdruck- und Blutfettkontrolle hat bei Frauen einen besonders hohen Vorsorge-Effekt.“

Frauen werden schlechter wiederbelebt

In diesem Fall gibt es zwar keinen medizinischen Unterschied zwischen Männern und Frauen, dennoch haben Frauen, so eine aktuelle Studie mit Medizinstudenten der Medizinischen Universität Innsbruck, schlechtere Überlebenschancen bei der Wiederbelebung.

Das zeigen auch internationale Studien. Frauen haben eine um 14 Prozent geringere Chance, in der Öffentlichkeit wiederbelebt zu werden.

In der Innsbrucker Studie stellte sich heraus, dass das „Geschlecht“ der Übungspuppe die Qualität einer simulierten Wiederbelebung deutlich beeinflusste.

Bei einer Herzdruckmassage erzielten Ersthelfer und Ersthelferinnen bei der männlichen Puppe im Durchschnitt 80,4 Punkte, bei der weiblichen nur 70,5 von 100 möglichen Punkten.

„Bei der weiblichen Puppe begannen viele die Wiederbelebung ohne die vorschriftsmäßige vollständige Entkleidung. Vor allem, wie sie mit dem BH umgehen sollen, war vielen unklar. Der BH wird vollständig entfernt oder aufgeschnitten“, sagt der Student Fabio Rützler.

Andere hatten Sorge, die „Frau“ bei der Wiederbelebung zu verletzen, so mancher fürchtete den Vorwurf der sexuellen Belästigung.

Die Sorge vor der Verletzungsgefahr ist unbegründet. Sie ist bei beiden Geschlechtern gleich. An der Med Uni Innsbruck werden zukünftig auch weibliche Übungspuppen eingesetzt.
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