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Ausgabe Nr. 11/2026 vom 11.03.2026, Fotos: ERIK WEISS, zvg
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Das Comback-Album ist ab Freitag erhältlich. Konzerte: 26.6., Graz; 27.6., Clam.
Unheilig: „Ich bin unsicher, sobald das Hemd zwickt“
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Da ist er also wieder. Zwar war der Abschied von der Bühne dann doch nicht für immer, wie er 2016 beteuerte, doch immerhin neun Jahre lang währte die Abstinenz des Mannes, der sich der Graf nennt und nahe Aachen (D) lebt.

Nun kehrt der Musiker mit der Band „Unheilig“ und dem Album „Liebe Glaube Monster“ zurück, das große Emotionen weckt. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat mit dem 56jährigen gesprochen.
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Hallo Graf, äußerlich haben Sie sich gar nicht verändert in den neun Jahren Ihrer Abwesenheit.

Danke, aber ich fürchte, das täuscht (lacht). Der Bart ist grau, und ein paar Fältchen sind dazugekommen. So gut wie alles an mir war auch schon einmal ein wenig knackiger.

Wie haben Sie sich für Ihr Comeback in Form gebracht?

Ich laufe regelmäßig und gehe ins Fitnessstudio. Zudem achte ich darauf, mein Gewicht zu halten. Wenn ich zu schwer bin, dann bin ich nicht fit. Das belastet mich und ich werde unglücklich. Ich bin einfach unsicher, sobald das Hemd ein bisschen zwickt.

Was haben Sie in den neun Jahren Ihrer Auszeit gemacht?

Ich schäme mich fast, das so zu sagen, aber in den ersten drei Jahren habe ich gar nichts gemacht. Wirklich gar nichts. Die zahlreichen Eindrücke der Jahre davor musste ich erst einmal sacken lassen und verarbeiten. Wir waren zwei Jahre auf Abschiedstournee, davor auch fünf Jahre ununterbrochen unterwegs, deshalb war es nötig, wirklich runterzukommen. Und mich auch um die Baustellen zu kümmern, die sich gesundheitlich aufgetan hatten. Ich habe mich durchchecken lassen, bin zum Zahnarzt gegangen und habe auch Zeit mit der Familie verbracht. Ich bin zum Beispiel öfter mit meinen Eltern wandern gegangen. Aus Altersgründen wäre das jetzt nicht mehr möglich. Schon allein deshalb bin ich froh, mir diesen Riesenluxus namens Zeit geleistet zu haben. (Anm.: Vor wenigen Tagen erst ist seine Mutter gestorben.)

Fiel es Ihnen leicht, das Leben so abzubremsen?

Nein. Manchmal bin ich nachts schweißgebadet wachgeworden, weil ich geträumt habe, ich hätte einen Auftritt, aber nichts zum Anziehen. In solchen Augenblicken war ich froh, dass ich aufgehört habe. Meine Frau und ich sind dann immer wieder mit dem Wohnmobil nach Spanien gefahren, haben uns ansonsten treiben lassen und viel miteinander geredet. Im Grunde genommen musste ich ein bisschen therapiert werden.

Wann hat sich die Musik wieder in Ihr Leben geschlichen?

Nach drei Jahren fing ich hier und da wieder an zu schreiben. Das kannst du gar nicht ausschalten. Es entstanden erste Texte, dann fing ich an, darüber nachzudenken, ob ich wieder Musik machen möchte. Der Wunsch war anfangs noch nicht groß, er wuchs aber allmählich. Irgendwann hatte ich auf dem Mobiltelefon einen Ordner mit Liedtexten, der „Unheilig Album“ hieß. Wiederum zwei, drei Jahre später habe ich mir einen Laptop gekauft, um ein bisschen Musik zu produzieren. Immer, wenn meine Frau und ich mit dem Wohnmobil unterwegs waren, haben wir uns diese Musikskizzen angehört. Und waren beide begeistert. Gleichzeitig habe ich so vehement gesagt, ich komme nie wieder, dass ich mir die Vorstellung gar nicht erlaubt habe, meine Meinung zu ändern.

Aber dann?

Kam ich ins Spital mit dem Verdacht auf einen stillen Herzinfarkt. Anfang 2025 war mein Blutdruck plötzlich so hoch, dass die Ärzte Panik bekamen. Als ich im Spitalsbett lag, dachte ich über mein Leben nach. Auf einmal war mir egal, was die Menschen denken und ob ich 10.000 Male gesagt habe, ein Comeback werde es nicht geben. Als ich wieder zu Hause war, rief ich meinen Manager an, der sich natürlich gefreut hat, und beriet mich mit meiner Frau.

Die sich weniger gefreut hat?

Doch, sie hat sich auch gefreut. Im Unterschied zu früher fahren wir nun zu vielen Terminen gemeinsam. Ich will nicht mehr so lange von meiner Frau getrennt sein.

Ist es wahr, dass Sie Ihre Frau schon ewig kennen?

Ja, das stimmt. Seit unserem fünften Lebensjahr. Wir sind den Weg wirklich zusammen gegangen.

Erinnern Sie sich, wo Sie sich zum ersten Mal begegnet sind?

In einer Pension am Bodensee, wo wir beide mit unseren Eltern Urlaub gemacht haben. Sie musste schon eine Woche vorher wieder fahren. Ich war traurig und habe zu meiner Mutter gesagt: „Wenn ich groß bin, werde ich sie heiraten.“ Genauso ist es auch gekommen (lacht).

Handelt das neue Lied „Liebe“, in dem zwei Menschen zusammen alt werden, von Ihnen beiden?

Dieses Lied habe ich hauptsächlich für meine Eltern geschrieben. Sie waren für mich, was Liebe und Beziehung angeht, immer ein großes Vorbild. Kern des Liedes ist meine Überzeugung, dass es Menschen gibt, die füreinander bestimmt sind. Ich glaube daran, dass es die wahre Liebe gibt und dass sich die wahre Liebe findet. Und dass wir uns alle irgendwann wiedersehen.
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