Anmelden
Abonnieren
Ausgabe Nr. 11/2026 vom 11.03.2026, Fotos: zvg
Artikel-Bild
Artikel-Bild
Koppler mit seinen Eltern.
Artikel-Bild
Bei seiner Radtour durch unser Land.
Artikel-Bild
Auf Urlaub in Indien.
Mit kurzen Beinen,
aber langem Atem
Jetzt neu: Hier klicken
und Artikel an Freunde verschenken.
Mit einer Körpergröße von 133 Zentimetern gilt der Oberösterreicher Felix Koppler als kleinwüchsig. Davon lässt sich der 20jährige nicht einschränken und setzt sich immer neue Ziele.
Auf Play drücken
um Artikel vorlesen
zu lassen.
Es ist Montagabend, Felix Koppler steht am Ufer der Salzach und rückt sein Stirnband zurecht. Dann drückt er auf seine Sportuhr und läuft los. Bei dem 20jährigen steht heute Intervalltraining am Programm.

Der gebürtige Steyrer (Oberösterreich) läuft fünf Mal pro Woche, insgesamt 70 bis 75 Kilometer. „Der Körper gewöhnt sich an die Distanz, der Kopf an die Disziplin.“ In zwei Monaten steht der Student an der Startlinie des „Vienna City Marathons“, es wird sein erster sein. „Mein Ziel ist, die 42 Kilometer in vier Stunden und 45 Minuten zu laufen.“

Koppler studiert im vierten Semester „Ernährung, Bewegung und Gesundheit“ an der Universität Salzburg.
Bewegung, Marathon, Laufen, all dies hatte er „lange nicht am Schirm“. Der Oberösterreicher hat eine Körpergröße von 133 Zentimetern und gilt, so wie jeder Erwachsene kleiner als 150 Zentimeter, als kleinwüchsig. „Dabei gibt es 400 bis 500 Formen der Ausprägung. Die häufigste ist Achondroplasie. Das bedeutet verkürzte Arme und Beine, während der Rumpf nahezu normal entwickelt ist. So wie das bei mir der Fall ist.“

Der 20jährige ist als Einzelkind aufgewachsen. Seine Eltern sind ebenfalls kleinwüchsig, mit ihm sind es die einzigen drei in der Familie.

Dabei ist Koppler wichtig, zu betonen, „Ich bin kein ‚armer Bua‘. Und ich will auch nicht, dass diese Mentalität verbreitet wird. Ich möchte und brauche kein Mitleid.“

Mit dem Thema Körper solle offen umgegangen werden. „Es gibt keine Tabus, keine Geheimnisse. Vor allem Kinder sollen fragen dürfen“, sagt er. „Wenn Eltern sagen: ‚Schau nicht hin, starr nicht‘, ist das eigentlich der falsche Weg. Wegschauen schafft Distanz. Nur Offenheit schafft Verständnis und hilft, Vorurteilen entgegenzuwirken.“

Felix Kopplers Geschichte ist eine positive, eine von gelebter Inklusion. „Natürlich gab es hin und wieder ein paar lustige Bemerkungen. ‚Ach wie süß‘ oder ‚Mah, der is‘ so lieb klein.‘ Aber ich wurde nie gehänselt oder ausgeschlossen.“

Doch er kennt auch andere Schicksale – von Müttern, die ihre kleinwüchsigen Kinder aus der Schule nehmen mussten. „Dabei ist gerade das persönliche Umfeld enorm wichtig, um Selbstvertrauen aufzubauen.“

Durch sein gesundes Selbstvertrauen hat es in Kopplers Leben kaum bis wenige Einschränkungen gegeben. „Bis jetzt habe ich immer alles geschafft, was ich mir vorgenommen habe“, erklärt er stolz.

Vor einigen Jahren hat er den Führerschein gemacht. Heute fährt er mit Pedalverlängerung und Schaltgetriebe. Zum Sport kam er allerdings erst über Umwege. Der Student wurde als Fußball-Torwart im Nationalteam der kleinwüchsigen Sportler auserkoren.

Im Jahr 2023 fuhr er mit einer zwölfköpfigen Mannschaft zu den „Dwarf Games“ (Kleinwuchssportspiele) nach Köln (D). „Das sind quasi die Olympischen Spiele für kleinwüchsige Menschen.“ Für diese Torwartposition musste er an seiner Fitness arbeiten und begann zu laufen. „Da hat‘s angefangen.“

Aus dem anfänglichen Hobby wurde eine Leidenschaft und bereits im Frühjahr 2024 ging er bei seinem ersten Halbmarathon am Traunsee (Salzburg) an den Start.

Dass er sich selbst keine Grenzen setzen will, zeigte sich schon früher. Vor einigen Jahren fuhr er mit seinem Vater mit dem Rad von Steyr nach Bregenz. „Das waren 700 Kilometer in zwei Wochen. Darauf bin ich heute noch unglaublich stolz.“

Außerdem merkt er an, „Sport wirkt sich direkt auf die Psyche aus. Laufen gibt mir Durchhaltevermögen, macht mich in stressigen Phasen des Studiums ausgeglichener und stärkt mein Selbstbild nach außen.“

Für Koppler ist Laufen auch eine Form der Therapie. „Wenn ich einen schlechten Tag habe, gehe ich laufen. Dann komme ich nach Hause und bin ein neuer Mensch.“

Natürlich gibt es auch Tage, an denen er nicht vor die Tür gehen will. „Wenn es schneit oder der Weg gatschig ist. Wenn Minusgrade herrschen und das Sofa mit einer Tasse Tee verlockender scheint als 15 Kilometer Dauerlauf. Dann geht es darum, den inneren Schweinehund zu überwinden“, sagt er. „Der Erfolg danach belohnt einen aber immer.“

Erfolgreich, das war er bereits bei einigen Laufbewerben. „Die meisten unterschätzen mich. Oft werde ich beim Start noch schief angeschaut. Manche Menschen werfen mir verwirrte Blicke zu. Als würden sie fragen wollen, ‚Was machst du denn hier?‘“

Dabei sieht er sich auch als Vorbild. Seine Botschaft ist einfach: „Egal, ob mit 20, 30 oder 70 Jahren – es ist nie zu spät, um eine Leidenschaft zu entwickeln. Wichtig ist, das Leben nicht auf später zu verschieben.“

Koppler ist jedoch nicht nur Läufer. Er spielt Trompete in einer Band, kocht und bäckt leidenschaftlich gerne. Im vorigen Jahr war er mit einem Freund zwei Wochen in Indien unterwegs.

Sein Lebensmotto ist so klar wie sein Trainingsplan: „Bloß nicht aufgeben, nur weil etwas zu hart erscheint. In zwei Monaten will ich das in Wien beweisen. Auf 42,195 Kilometern, mit kurzen Beinen, aber einem langen Atem.“ Schuh
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung