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Ausgabe Nr. 11/2026 vom 11.03.2026, Foto: Thomas&Thomas
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Hannes Jaenicke:
„Umweltschutz ist nicht in Mode“
Hannes Jaenicke:
„Umweltschutz ist nicht in Mode“
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Er war für die Natur unterwegs. Gut 18 Jahre lang machte Hannes Jaenicke, 66, in der ZDF-Reihe „Im Einsatz für …“ auf die menschlichen Umweltsünden
aufmerksam. Er wurde für sein Engagement auch ausgezeichnet.
Jetzt wurde die Produktion eingestellt und Jaenicke ist sauer.
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Herr Jaenicke, wie haben Sie erfahren, dass
Sie nicht mehr „Im Einsatz für …“ das ZDF sind?


Interessanterweise war das ein Anruf des Abteilungsleiters, einen Tag vor der Ausstrahlung. Es hatte also nichts mit den Quoten zu tun. Es wurde mir gesagt, der Sender müsse sparen – und das verstehe ich. Die Frage ist nur: Wo sollten sie sparen? Warum eigentlich nicht an der Bürokratie? Ein Blick in die USA, nach Großbritannien oder Skandinavien reicht, um zu sehen, dass dort für Verwaltung viel weniger Geld ausgegeben wird.

Sie haben öffentlich den Vergleich mit dem „Traumschiff“ gezogen, das munter weiterfährt,
während Ihre Sendung …


Es war natürlich extrem unklug, sich öffentlich so zu äußern. Aber manchmal platzt mir halt der Kragen. Ein Sender hat auch die Verpflichtung, Unterhaltung zu machen. Ob die allerdings als Dauerwerbesendung für Kreuzfahrten daherkommen muss, möchte ich in den Raum stellen. Kreuzfahrtschiffe haben nachweislich den CO₂-Ausstoß von fünf bis sechs Millionen Pkw. Mehr als drei Millionen Deutsche buchen jedes Jahr Kreuzfahrten – vermutlich auch, weil sie „Traumschiff“ schauen.

Warum bezeichnen Sie Ihren Vergleich im Nachhinein
als unklug? Jeder weiß doch, was Sie damit sagen wollen?


Weil in Deutschland Rückgrat, Haltung und große Klappe nicht unbedingt angesagt sind. Ich habe keine Ahnung, ob man mich jemals wieder beschäftigen wird. Ich bin auch dankbar, die Sendung als dahergelaufener Schauspieler 18 Jahre gemacht zu haben. Welcher Umweltaktivist durfte schon so lange sein Unwesen treiben? Dafür bin ich dankbar und versuche jetzt, einen neuen Sender zu finden. Ich habe keine Ahnung, ob das gelingt. Umweltschutz ist gerade nicht in Mode.

Warum nicht?

Die Politik will das Thema nicht mehr haben. Wir haben einen Bundeskanzler, der Windrotoren abbauen möchte, weil er sie hässlich findet. Wir haben eine Wirtschaftsministerin, die 70 Gaskraftwerke bauen will in Deutschland – und wir haben einen Landwirtschaftsminister, der den Zusammenhang zwischen Fleischproduktion und CO₂-Ausstoß leugnet. Ein anderer Grund ist, dass im Moment der Leidensdruck noch zu gering ist. Sobald wir wieder eine Flutkatastrophe oder eine Feuersbrunst haben, wird das Thema wiederkommen.

Müsste sich der Mensch nicht komplett abschaffen, um der Umwelt gerecht zu werden? Wir dürften zum Beispiel
nicht mehr mobil sein. Sie selbst fliegen berufsbedingt ziemlich viel. Das könnten Kritiker nicht gut finden …


Diese Art von Kritik kommt nur aus dem deutschsprachigen Raum. Hierzulande sind die Dinge entweder schneeweiß oder pechschwarz. Ich müsste meinen Beruf an den Nagel hängen, wenn ich nicht mehr fliegen könnte. Dazu kommt, dass ich mehr CO₂-Ausgleich mache als jeder, den ich je getroffen habe – allein durch unser Regenwaldprojekt (Anm.: Jaenickes Umwelt-Stiftung Pelorus Jack). Außerdem darf ich als Veganer fünf Mal pro Jahr rund um den Globus fliegen und habe eine bessere CO₂-Bilanz als jeder Fleischesser.

Es gibt auch Menschen und Medien, die Sie kritisieren, obwohl Sie nur das Beste für die Umwelt wollen. Wie ist das möglich?

Das kommt vor allem von der rechten Presse. Die haben ja auch immer schon gesagt, dass die Klimadiskussion eine Ersatzreligion sei. Reine Hysterie, das gibt es doch alles gar nicht. Der Rest ist eindeutig AfD-gesteuert. Ich habe vor drei Jahren ein Buch über die Agrar- und Lebensmittel-Industrie geschrieben (Anm.: „Die große Sauerei“) und bin seither oft verklagt worden. Als ich recherchiert habe, woher das kommt, waren das immer irgendwelche Bauernverbände aus dem AfD-Territorium. Ehrlich gesagt ist mir das völlig egal.

Wie haben Sie Ihre Liebe zur Umwelt eigentlich entdeckt?

Angefangen hat es wohl damit, dass mein Opa jeden Sonntag mit allen Enkerln in den Frankfurter Zoo (D) gegangen ist. Dort entstand mein Interesse für Tiere. Meine Mutter war grün und begeisterte Gärtnerin und Selbstversorgerin. Was mich aber tatsächlich geprägt hat, war die Zeit, in der ich geboren wurde. Ich bin Jahrgang 1960 und war 26, als Tschernobyl in die Luft geflogen ist und die Sandoz-Katastrophe in der Schweiz passierte mit dem größten Fischsterben im Rhein. Als Kind meiner Generation habe ich auch die Diskussion um den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen Mitte der 1970er hautnah miterlebt. Das Verwunderliche ist, dass wir immer wussten, was zu tun ist. Trotzdem machen wir seit 50 Jahren das Gegenteil.

Wie gestalten Sie Ihren Alltag, damit er so umweltfreundlich wie möglich ist?

Also zunächst einmal den Fleisch- und Fischkonsum reduzieren. Alles, was geht, gebraucht kaufen – vom Fahrrad über den Staubsauger, Möbel oder Kinderkleidung. Ich weiß nicht, warum immer alles neu sein muss. Ich versuche, im Kreislauf zu denken, fahre im Dorf Fahrrad, wenn es nicht gerade schüttet – und fahre Elektroauto. Das werden die Deutschen nie verstehen, dass das besser ist als ein Verbrenner.

Ist Ihr Einsatz für die Umwelt nicht ein Kampf gegen Windmühlen?

Aufgeben geht natürlich nicht. Positiv erzählt: Wir managen mittlerweile 90.000 Hektar Primärwald im Nordosten von Borneo. Den kann uns auch keiner mehr wegnehmen. Und wenn wir dieses Jahr genug Geld sammeln und auf eine Million Euro kommen, können wir noch einmal 38.000 Hektar dazupachten. Neuseeland ist bei 86 Prozent regenerativen Energien. Es gibt viele Beispiele, die Hoffnung machen.

Zur Person:

Hannes Jaenicke wurde am 26. Februar 1960 in Frankfurt am Main (D) geboren und hat zwei Geschwister. Sein Vater war Biochemiker, seine Mutter Musikerin. Als er in einer Bar arbeitete, fand er durch die Begegnung mit einer Schauspieltruppe zu seinem Beruf.

Jaenicke absolvierte das Max-Reinhardt-Seminar in Wien und wurde 1984 im Film „Abwärts“ an der Seite von
Götz George bekannt. 2021 gründete der Schauspieler die „Pelorus-Jack-Foundation“ für Klimaschutz, Artenschutz und Nachhaltigkeit.

Der Darsteller ist unverheiratet und kinderlos. Derzeit
ist er mit seiner Schauspielkollegin Stephanie Krogmann, 40, liiert. Gerade hat er zwei Amsterdam-Krimis gedreht.
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