Ausgabe Nr. 11/2026 vom 11.03.2026, Fotos: AdobeStock, zukunft.lehre.österreich, Nadine Studeny
Hobeln statt Hörsaal
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Die Zahl der Lehrlinge sinkt ebenso wie jene der Ausbildungsbetriebe. Dabei haben gerade Handwerker Zukunft. Sie laufen nicht Gefahr, durch die KI ersetzt zu werden.
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Auf der Liste der Berufe, die am ehesten Gefahr laufen, durch Künstliche Intelligenz (KI) überflüssig zu werden, steht kein Handwerk. Übersetzer, Mathematiker oder Unternehmensberater hingegen müssen um ihre Arbeitsplätze zittern.
„Wir haben hierzulande nach wie vor eine zu schwache Berufs- und Bildungsorientierung. In der Gesellschaft – und oft auch im Elternhaus – wird Kindern vermittelt: Du musst Matura machen, sonst wird nichts aus dir. Aber wir sollten uns die Frage stellen: Ist die Matura wirklich
für alle der richtige Weg, um erfolgreich zu sein?“, sagt Monika Sandberger, die Geschäftsführerin der Lehrlingsinitiative „zukunft.lehre.österreich“ (z.l.ö.).
Sie hat selbst eine Lehre als Bürokauffrau im Geld- und Kreditwesen absolviert. Heute leitet sie die größte unabhängige Lehrlingsinitiative des Landes, in der sich rund 250 Betriebe zusammengeschlossen haben, die gemeinsam mehr als 20.000 Lehrlinge ausbilden. In vielen Köpfen gebe es noch immer „veraltete Bilder“ der Lehre. Auch das „Umdenken darüber, welche Auswirkungen die Künstliche Intelligenz auf das Berufsleben haben wird, beginnt erst langsam. Gleichzeitig steigt die Arbeitslosenquote bei Akademikerinnen und Akademikern.“ Aber Facharbeiter sind weiterhin unverzichtbar. „Einen Fliesenleger oder einen Maler wird so schnell kein Roboter ersetzen.“
Die Zahl der Lehrlinge sinkt jedoch ebenso wie jene der Betriebe, die sie ausbilden. 2005 absolvierten noch insgesamt 122.000 Burschen und Mädchen eine Lehre. Im Vorjahr waren es 102.000. Derzeit entscheiden sich rund vier von zehn 15jährigen für einen Lehrplatz. Auch die Lehrbetriebe werden weniger. Heute gibt es um ein Drittel weniger als vor zwanzig Jahren.
Das liegt zum einen an der sinkenden Geburtenzahl, zum anderen aber auch an Politik und Gesellschaft.
„Für die Lehrbetriebe sind fehlende schulische Grundkompetenzen, wie sinnerfassend Lesen, Schreiben und die Grundrechnungsarten ein großes Thema geworden“, weiß Melina Schneider-Lugger, die Leiterin der Abteilung Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer (WKÖ). „Betriebe bilden junge Menschen mittlerweile nicht nur für den gewählten Beruf aus, sondern stecken erhebliche personelle wie finanzielle Ressourcen in die ,Aufschulung‘ ihrer Lehrlinge, sprich Lesen, Schreiben, Rechnen. Deshalb fordern wir eine ,Bildungsgarantie‘: Jeder Jugendliche muss am Ende der Schulpflicht fit sein für den Berufseinstieg. Und vom Schulsystem dafür ausgebildet werden.“ Vor allem kleinere und mittlere Betriebe stoßen angesichts dessen an ihre Grenzen, wenn es um den Aufwand bei der Lehrlings-Ausbildung geht.
Zudem sorgt der Sparkurs der Regierung für Unmut. Die Lehre ist für den Staat die volkswirtschaftlich „billigste“ Berufsausbildung. „Trotzdem ist die Basisförderung für Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, derzeit mit rund 280 Millionen Euro pro Jahr gedeckelt, obwohl die Lehrlingseinkommen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind“, erklärt Monika Sandberger von der Lehrlingsinitiative z.l.ö. Der tatsächliche Bedarf liege bereits bei rund 320 Millionen Euro, sagt sie. Dennoch „stehen sogar Kürzungen im Raum“.
Bei dieser Basisförderung bekommen die Unternehmen einen Teil des kollektivvertraglichen Lehrlingseinkommens ersetzt, je nach Lehrjahr sind es ein bis drei Gehälter.
Gefordert wird seit Langem auch die Streichung der Lehrabschluss-Prüfungsgebühr. „Bisher leider ohne Erfolg“, kritisiert Monika Sandberger. Knapp 140 Euro müssen in der Regel die Betriebe zahlen. „Für die Matura fallen schließlich ebenfalls keine Prüfungsgebühren an. Wenn wir Bildungswege gleichwertig behandeln wollen, sollte das auch hier gelten.“
Rund 6.600 sofort verfügbare Lehrstellen gibt es derzeit, rechnet das Arbeitsmarktservice (AMS) vor. Gut 8.700 Mädchen und Burschen suchen jetzt eine Lehrstelle. Die meisten Betriebe stellen Lehrlinge aber im Herbst ein, wenn die Berufsschulen beginnen. „Wer nur ,sofort verfügbare‘ Ausbildungsplätze zählt, lässt den Großteil der Lehrstellen einfach unter den Tisch fallen“, meint die Wirtschaftskammer-Lehrlingsexpertin Schneider-Lugger. „Das ergibt klarerweise ein verzerrtes Bild. Österreichweit gibt es in Wahrheit rund 13.500 Lehrstellensuchende, diesen stehen aber knapp 19.000 offene Lehrstellen gegenüber. Deshalb finden viele Betriebe keine ausbildungswilligen Lehrlinge.“
Eine „Lehrstellen-Lücke“, also mehr Bewerber, als es Ausbildungsplätze gibt, existiert zur Zeit nur in Wien. In der Bundeshauptstadt leben mehr Jugendliche, es gibt mehr Zuzug, aber weniger Industrie- und Handwerks-Firmen. Einzelne Branchen wie die Gastronomie finden derzeit allerdings schwer Lehrlinge. Manchmal passen auch Angebot und Nachfrage nicht zusammen, also die Berufswünsche der Jugendlichen nicht mit den angebotenen Lehrstellen.
Der vor Kurzem veröffentlichte Lehrlingsmonitor, in Auftrag gegeben von Gewerkschaftbund (ÖGB) und Arbeiterkammer, zeigt, dass für rund ein Zehntel der Jugendlichen die Lehrstellensuche schwierig war. Für jeden zwanzigsten Lehrling war sein Beruf sogar nur „eine Notlösung“, weil er keinen anderen Lehrplatz bekommen hat. Rund 6.000 Lehrlinge im letzten Lehrjahr gaben für die Studie Auskunft.
Laut Berufsausbildungsgesetz dürfen Lehrlingen auch keine „berufsfremden Tätigkeiten“ übertragen werden. Nur vier von zehn befragten Lehrlingen geben aber an, dass es bei ihnen noch nie der Fall war. Das berühmte „Wurstsemmel holen“ für die Belegschaft ist teils noch immer gang und gäbe.
Seit 2009 gibt es hierzulande die „Lehre mit Matura“, die zum Studium berechtigt. Im Vorjahr haben sie 15.000 Mädchen und Burschen absolviert. Mit den Berufsschulen ist so mancher aber weniger zufrieden, teilweise hapert es an der Ausstattung. Dafür sind die Bundesländer zuständig, für den Lehrplan sind es Wirtschafts- und Bildungsministerium. Letzteres will auch eine Lehrplan-Reform in der Berufsschule, mit mehr „zukunftsorientierten Kompetenzen“ wie Digitalisierung, KI, aber auch Demokratiebildung.
„Wir haben hierzulande nach wie vor eine zu schwache Berufs- und Bildungsorientierung. In der Gesellschaft – und oft auch im Elternhaus – wird Kindern vermittelt: Du musst Matura machen, sonst wird nichts aus dir. Aber wir sollten uns die Frage stellen: Ist die Matura wirklich
für alle der richtige Weg, um erfolgreich zu sein?“, sagt Monika Sandberger, die Geschäftsführerin der Lehrlingsinitiative „zukunft.lehre.österreich“ (z.l.ö.).
Sie hat selbst eine Lehre als Bürokauffrau im Geld- und Kreditwesen absolviert. Heute leitet sie die größte unabhängige Lehrlingsinitiative des Landes, in der sich rund 250 Betriebe zusammengeschlossen haben, die gemeinsam mehr als 20.000 Lehrlinge ausbilden. In vielen Köpfen gebe es noch immer „veraltete Bilder“ der Lehre. Auch das „Umdenken darüber, welche Auswirkungen die Künstliche Intelligenz auf das Berufsleben haben wird, beginnt erst langsam. Gleichzeitig steigt die Arbeitslosenquote bei Akademikerinnen und Akademikern.“ Aber Facharbeiter sind weiterhin unverzichtbar. „Einen Fliesenleger oder einen Maler wird so schnell kein Roboter ersetzen.“
Die Zahl der Lehrlinge sinkt jedoch ebenso wie jene der Betriebe, die sie ausbilden. 2005 absolvierten noch insgesamt 122.000 Burschen und Mädchen eine Lehre. Im Vorjahr waren es 102.000. Derzeit entscheiden sich rund vier von zehn 15jährigen für einen Lehrplatz. Auch die Lehrbetriebe werden weniger. Heute gibt es um ein Drittel weniger als vor zwanzig Jahren.
Das liegt zum einen an der sinkenden Geburtenzahl, zum anderen aber auch an Politik und Gesellschaft.
„Für die Lehrbetriebe sind fehlende schulische Grundkompetenzen, wie sinnerfassend Lesen, Schreiben und die Grundrechnungsarten ein großes Thema geworden“, weiß Melina Schneider-Lugger, die Leiterin der Abteilung Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer (WKÖ). „Betriebe bilden junge Menschen mittlerweile nicht nur für den gewählten Beruf aus, sondern stecken erhebliche personelle wie finanzielle Ressourcen in die ,Aufschulung‘ ihrer Lehrlinge, sprich Lesen, Schreiben, Rechnen. Deshalb fordern wir eine ,Bildungsgarantie‘: Jeder Jugendliche muss am Ende der Schulpflicht fit sein für den Berufseinstieg. Und vom Schulsystem dafür ausgebildet werden.“ Vor allem kleinere und mittlere Betriebe stoßen angesichts dessen an ihre Grenzen, wenn es um den Aufwand bei der Lehrlings-Ausbildung geht.
Zudem sorgt der Sparkurs der Regierung für Unmut. Die Lehre ist für den Staat die volkswirtschaftlich „billigste“ Berufsausbildung. „Trotzdem ist die Basisförderung für Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, derzeit mit rund 280 Millionen Euro pro Jahr gedeckelt, obwohl die Lehrlingseinkommen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind“, erklärt Monika Sandberger von der Lehrlingsinitiative z.l.ö. Der tatsächliche Bedarf liege bereits bei rund 320 Millionen Euro, sagt sie. Dennoch „stehen sogar Kürzungen im Raum“.
Bei dieser Basisförderung bekommen die Unternehmen einen Teil des kollektivvertraglichen Lehrlingseinkommens ersetzt, je nach Lehrjahr sind es ein bis drei Gehälter.
Gefordert wird seit Langem auch die Streichung der Lehrabschluss-Prüfungsgebühr. „Bisher leider ohne Erfolg“, kritisiert Monika Sandberger. Knapp 140 Euro müssen in der Regel die Betriebe zahlen. „Für die Matura fallen schließlich ebenfalls keine Prüfungsgebühren an. Wenn wir Bildungswege gleichwertig behandeln wollen, sollte das auch hier gelten.“
Rund 6.600 sofort verfügbare Lehrstellen gibt es derzeit, rechnet das Arbeitsmarktservice (AMS) vor. Gut 8.700 Mädchen und Burschen suchen jetzt eine Lehrstelle. Die meisten Betriebe stellen Lehrlinge aber im Herbst ein, wenn die Berufsschulen beginnen. „Wer nur ,sofort verfügbare‘ Ausbildungsplätze zählt, lässt den Großteil der Lehrstellen einfach unter den Tisch fallen“, meint die Wirtschaftskammer-Lehrlingsexpertin Schneider-Lugger. „Das ergibt klarerweise ein verzerrtes Bild. Österreichweit gibt es in Wahrheit rund 13.500 Lehrstellensuchende, diesen stehen aber knapp 19.000 offene Lehrstellen gegenüber. Deshalb finden viele Betriebe keine ausbildungswilligen Lehrlinge.“
Eine „Lehrstellen-Lücke“, also mehr Bewerber, als es Ausbildungsplätze gibt, existiert zur Zeit nur in Wien. In der Bundeshauptstadt leben mehr Jugendliche, es gibt mehr Zuzug, aber weniger Industrie- und Handwerks-Firmen. Einzelne Branchen wie die Gastronomie finden derzeit allerdings schwer Lehrlinge. Manchmal passen auch Angebot und Nachfrage nicht zusammen, also die Berufswünsche der Jugendlichen nicht mit den angebotenen Lehrstellen.
Der vor Kurzem veröffentlichte Lehrlingsmonitor, in Auftrag gegeben von Gewerkschaftbund (ÖGB) und Arbeiterkammer, zeigt, dass für rund ein Zehntel der Jugendlichen die Lehrstellensuche schwierig war. Für jeden zwanzigsten Lehrling war sein Beruf sogar nur „eine Notlösung“, weil er keinen anderen Lehrplatz bekommen hat. Rund 6.000 Lehrlinge im letzten Lehrjahr gaben für die Studie Auskunft.
Laut Berufsausbildungsgesetz dürfen Lehrlingen auch keine „berufsfremden Tätigkeiten“ übertragen werden. Nur vier von zehn befragten Lehrlingen geben aber an, dass es bei ihnen noch nie der Fall war. Das berühmte „Wurstsemmel holen“ für die Belegschaft ist teils noch immer gang und gäbe.
Seit 2009 gibt es hierzulande die „Lehre mit Matura“, die zum Studium berechtigt. Im Vorjahr haben sie 15.000 Mädchen und Burschen absolviert. Mit den Berufsschulen ist so mancher aber weniger zufrieden, teilweise hapert es an der Ausstattung. Dafür sind die Bundesländer zuständig, für den Lehrplan sind es Wirtschafts- und Bildungsministerium. Letzteres will auch eine Lehrplan-Reform in der Berufsschule, mit mehr „zukunftsorientierten Kompetenzen“ wie Digitalisierung, KI, aber auch Demokratiebildung.
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