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Ausgabe Nr. 10/2026 vom 04.03.2026, Fotos: ServusTV/Christian Leopold/Neumayr, GEPA
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Der Experte Christian Klien, 43, erklärt die Änderungen in der PS-Königsklasse
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Sergio Perez im „Cadillac“.
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George Russell im Mercedes
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Verstappen im Red Bull.
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Altmeister Fernando Alonso, 44
Formel 1: Mehr Denken statt Lenken
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Mit neuer Technik, zusätzlichen Elektromotoren und klimaneutralem Sprit beginnt die neue WM der Formel 1, in der die Piloten plötzlich vermehrt denken statt nur lenken müssen. Der ServusTV-Experte und Ex-Pilot Christian Klien, 43, erklärt die komplizierten Neuerungen.
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Früher, so erinnert sich der Vierfach-Weltmeister Max Verstappen, 28, gaben die Piloten in ihren Formel-1-Geschossen so lange Vollgas, bis sie rausflogen. Wer die Schwerkraft am meisten ausreizen konnte, gewann.

„Doch diese Zeiten des puren Rennsports sind vorbei“, klagt der Niederländer, denn heuer beginnt ein neues Zeitalter. Die Boliden sind nicht nur kleiner und leichter geworden, sondern rufen als größte Neuerung nur noch die Hälfte der rund 1.000 verfügbaren PS von einem Verbrennermotor ab.

Die andere Hälfte stammt nun von einem Elektromotor, dessen Batterie immer wieder, etwa durch Bremsenergie, nachgeladen werden muss. „Damit kann ein Fahrer kurzfristig enorme Leistungen abrufen, wenn die Batterie jedoch leer ist, hat er nur noch die 500 PS des Verbrenners und droht zum Kanonenfutter der Gegner zu werden“, weiß Christian Klien, 43.

Der Ex-Formel-1-Pilot und nunmehrige Fernseh-
Kommentator ist in Australien vor Ort, wenn am Sonntag live auf ServusTV der WM-Startschuss fällt. Danach überträgt der Privatsender abwechselnd mit dem ORF
alle 24 WM-Rennen, auch jenes in Spielberg (Stmk., 28.6.).

Weniger CO2-Emissionen

Hintergrund des Elektromotors sowie eines neuen vollsynthetischen Sprits ist ein geplantes Senken der CO2-Emissionen. Ob das entstehende Spannungsfeld zwischen kurzfristiger „Superkraft“ und drohendem Leistungsverfall auch spannende Rennen garantiert, weiß noch niemand.

„Vor allem gilt, ab heuer reicht es nicht mehr, nur schnell zu fahren. Der Pilot muss auch noch etwas in der Birne haben, um zu gewinnen“, präzisiert Klien, der zudem neue Machtverhältnisse erwartet. „Nach der Dominanz von McLaren und Red Bull 2025 sehe ich nach den Tests heuer vor allem Ferrari und Mercedes ganz vorne, erst dahinter die anderen beiden Teams.“ Sauber wurde von Audi übernommen, neu bei der WM dabei ist das US-Team von „Cadillac“ mit den Fahrern Sergio Perez, 36, und Valtteri Bottas, 36.

Drei neue Knöpfe im Cockpit

Zu erwarten ist, dass in der WM heuer die Kurven an Bedeutung verlieren und um bis zu 50 km/h langsamer gefahren wird, um Energie zu sparen und beim Bremsen die Batterie für Überholmanöver auf der Geraden zu laden. Für die verfügbaren Strategien gibt es drei Knöpfe in den Cockpits. „Mit dem ,Overtake‘-Knopf wird zusätzliche Leistung fürs Überholen freigemacht und mit dem ,Boost‘-Knopf sogar alle verfügbare E-Energie in einem Moment abgerufen“, erklärt der Experte.

„Das ist der größte Spaßknopf, aber danach ist die Batterie leer.“ Ein völlig neues Spiel eröffnet der Zugriff auf die Flügel. „Mit dem sogenannten ,Aktive Aero‘-Knopf können erstmals auch während der Fahrt Heckflügel und Frontflügel verstellt und damit Abtrieb und Luftwiderstand verändert werden“, weiß Klien. Dass freilich dadurch statt permanentem Vollgas taktisch teilweise recht langsam gefahren werden muss, stößt Altmeister Fernando Alonso, 44, sauer auf.

„Früher war das fahrerische Können entscheidend“, klagt er. „Bei unserem langsamen Tempo könnte jedoch sogar mein Koch das Auto steuern.“

Zu kompliziert für die Zuseher

Auch Klien sieht die Neuerungen nicht nur positiv.
„Aus meiner Sicht wurde mit dem neuen 50 Prozent-Anteil vom E-Motor ein wenig übers Ziel hinausgeschossen“, glaubt er.

Außerdem wird von außen nur schwer zu durchschauen sein, mit welcher Flügeleinstellung, welchen Reifen oder welchem Energiemodus gefahren wird.

„Das birgt die Gefahr einer massiven Verkomplizierung, sodass die Zuseher die Formel 1 nicht mehr verstehen.“ W. Kreuziger
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