Anmelden
Abonnieren
Ausgabe Nr. 10/2026 vom 04.03.2026, Fotos: APA-Images
Artikel-Bild
Proteste in der Türkei gegen den Angriff auf den Iran.
Artikel-Bild
Hoffnungsträger:
Der Sohn des Schahs, Reza Pahlavi.
Artikel-Bild
Mohammad Mossadegh:
Öl nur in iranischen Händen.
Artikel-Bild
Der Schah mit seiner Familie:
Größenwahn und Prunksucht.
Artikel-Bild
Ayatollah Ali Khamenei:
Er führte das Unterdrücker-Regime.
Artikel-Bild
Verhüllungsvorschriften:
Ein Verstoß kann tödlich enden.
Der lange Schatten der CIA
Jetzt neu: Hier klicken
und Artikel an Freunde verschenken.
Donald Trump will einen Regime-Wechsel im Iran erzwingen. Vor mehr als 70 Jahren stürzte der amerikanische Geheimdienst CIA den damals demokratischen Regierungschef des Landes. Das gilt als die „Ur-Sünde“ im iranisch-amerikanischen Verhältnis.
Auf Play drücken
um Artikel vorlesen
zu lassen.
Jahrzehntelang leugnete der amerikanische Geheimdienst jede Beteiligung am Sturz des iranischen Premiers 1953. Erst 2013 zeigten neue Dokumente das Ausmaß der „Operation Ajax“. Benannt nach einem bekannten Reinigungsmittel, richtete sich die CIA-Aktion gegen den iranischen Regierungschef Mohammad Mossadegh, einen vehementen Verfechter der Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie.

Ein britischer Geschäftsmann hatte 1908 im damaligen Persien das erste große Ölfeld im Nahen Osten entdeckt. Seither war das schwarze Gold in den Händen der Briten. Die Iraner wurden mit einem Bruchteil der Erlöse abgespeist. Die Bezahlung der Arbeiter auf den Ölfeldern war schlecht, die Lebenssituation katastrophal – ihre Behausungen hatten weder Wasser noch Strom. Versuche, von den Briten zumindest die Hälfte des Gewinnes zu bekommen, scheiterten. Mit der Enteignung der Ölfelder wurde Mossadegh zum iranischen Nationalhelden. „Wir werden nie mehr Ausländern die Ausbeutung unserer Ölvorkommen anvertrauen“, erklärte er 1951 vor den Vereinten Nationen. Damit machte er sich die Briten zum Feind. Sie wollten ihr Öl zurück, die Amerikaner fürchteten, dass die Sowjetunion im Iran an Einfluss gewinnen könnte. Was folgte, war ein Staatsstreich der CIA und des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6.

Die CIA-Zentrale stellte eine Million Dollar zur Verfügung, für „jedwede Maßnahme“, die geeignet war, „zum Sturz Mossadeghs zu führen“. Der Schah, der iranische „König“, wurde unter Druck gesetzt, er fürchtete um seinen Thron. Der Geheimdienst zersetzte Mossadeghs politischen Rückhalt im Volk, letztendlich wurde er gestürzt.

Für Beobachter ist der Putsch von 1953 die Ur-Sünde in den iranisch-amerikanischen Beziehungen. Kurzfristig ging das Kalkül der Geheimdienst-Operation auf. Internationale Konzerne übernahmen die Erdöl-Förderung im Iran. Langfristig war es der Anfang einer desaströsen politischen Entwicklung. Der Schah Reza Pahlavi regierte autoritär mit Rückendeckung durch die USA. Viele Reformen scheiterten, politische Gegner wurden gefoltert. Korruption war allgegenwärtig, der Schah lebte in Saus und Braus.

Im Jahr 1971 feierte er etwa ein Fest in den Ruinen der ehemaligen Hauptstadt Persiens. Dafür wurde nicht nur ein Flughafen gebaut, sondern auch eine 80 Kilometer lange Autobahn. 50.000 eigens aus Europa importierte Singvögel umflatterten die geladenen Staatsoberhäupter. Das Geld kam aus der Staatskasse.

Im Land stieg hingegen der Unmut. Der Hass auf den Monarchen und die USA gipfelte im Jahr 1979 in der Islamischen Revolution. Der Schah floh ins Ausland. Die Schweiz weigerte sich, die dortigen Konten einzufrieren. Damals wurde über ein angebliches Milliarden-Vermögen spekuliert.

In seiner Heimat setzte der islamistische Gottesstaat auf Unterdrückung und Gewalt. Strenge islamische Gesetze regeln das private und öffentliche Leben. Frauen müssen sich seit Jahrzehnten einer rigorosen Verhüllungsvorschrift unterwerfen, kontrolliert von sogenannten Sittenwächtern. Wer sich nicht daran hält, dem drohen Geldstrafen oder mehr. Laut einem UNO-Bericht werden sogar Drohnen und ein „Vernaderungs“-Onlinemeldesystem genutzt, um die Verhüllung durchzusetzen.

Die 22jährige Jina Masha Amini bezahlte ein angeblich nicht richtig getragenes Kopftuch vor vier Jahren mit dem Leben. Die iranische Kurdin fiel in Polizeigewahrsam ins Koma, nachdem sie von der Sittenpolizei festgenommen wurde. Sie starb Tage später im Spital, laut Berichten an einem Schädel-Hirn-Trauma. Die Folge waren blutige Massenproteste.

Seither „hat sich die Hinrichtungspraxis dramatisch verschärft“, sagt Shoura Hashemi, die Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als tausend Menschen hingerichtet.

„Die iranischen Behörden setzen die Todesstrafe als Waffe gegen die eigene Bevölkerung ein. Ihr Ziel ist, Proteste zu brechen, Angst zu säen und Menschen zum Schweigen zu bringen.“ Rund um den Jahreswechsel gingen wieder Zigtausende Iraner auf die Straße. Ausgelöst wurde das durch den rasanten Wertverlust der iranischen Währung Rial. Mehr als 30.000 Menschen sollen bei den Massenprotesten von den iranischen Sicherheitskräften getötet worden sein.

Der Iran fordert seit Jahrzehnten die Vernichtung Israels. Der Angriff der USA und Israels auf das Land soll jetzt den schlimmsten Feind Israels im Nahen Osten zum militärischen Zwerg machen und einen Regime-Wechsel erzwingen. „Die Stunde Ihrer Freiheit ist nahe“, sagte Donald Trump in seiner Videobotschaft nach dem Beginn der Luftschläge. „Bleiben Sie in Sicherheit. Verlassen Sie nicht Ihr Haus. Draußen ist es sehr gefährlich. Überall werden Bomben fallen. Wenn wir fertig sind, übernehmen Sie Ihre Regierung. Sie wird Ihnen gehören. Das ist wahrscheinlich Ihre einzige Chance für Generationen.“

Der Hauptgrund für den völkerrechtswidrigen Iran-Angriff ist für den Präsidenten aber ein anderer. „Wir werden dafür sorgen, dass Iran keine Atomwaffen bekommt. Die Botschaft ist einfach: Sie werden niemals
Atomwaffen besitzen.“

Wie weit das Atomprogramm des Iran fortgeschritten war, ist unklar. Laut einem amerikanischen Geheimdienstbericht aus dem Vorjahr soll der Iran aber auf Jahre hinaus keine Atomraketen bauen können.

Nach dem Tod des obersten geistlichen Führers des 90-Millionen-Landes, Ayatollah Ali Khamenei ist keineswegs sicher, dass die Regimegegner das Ruder im Iran übernehmen. Der 86jährige Khameini prägte das Land jahrzehntelang. Den entscheidenden Hinweis zu seinem Aufenthaltsort lieferte die CIA.

Beobachter warnen davor, dass die Angriffe Israels und der USA der Opposition schaden könnten. Dann, wenn das Regime mit der Sichtweise durchkommt, dass hinter den Protesten Feinde von außen stehen und sich dann Radikale durchsetzen.

Für manche Iraner ist ausgerechnet Reza Pahlavi, der Sohn des früheren Schahs, ein Hoffnungsträger für ihr Land. Er hat sich als Übergangsführer ins Spiel gebracht. „Ein demokratischer Iran würde den Nahen Osten grundlegend verändern“, hofft er.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung