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Ausgabe Nr. 10/2026 vom 04.03.2026, Foto: APA-Images/Franz Neumayr
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Helmfried von Lüttichau: „Alkohol und Rauchen fand ich attraktiv“
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Mit der Krimi-Serie „Hubert und Staller“ wurde Helmfried von Lüttichau weithin bekannt. Seit seinem Ausstieg ist der 69jährige Deutsche unter anderem solo als Kabarettist unterwegs. Jetzt auch in unserem Land.
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Herr von Lüttichau, demnächst sind Sie mit „Weil‘s raus muss“, Ihrem zweiten Kabarett-Programm, in unserem Land unterwegs. Was muss denn raus?

Zum einen muss natürlich das zweite Programm raus (lacht), zum anderen die vielen Themen, die mich umtreiben: Wie finde ich mich in der heutigen Zeit zurecht, in der sich alle Werte zu verschieben scheinen, was denke und fühle ich, was ist mir wichtig.

Und das alles gewürzt mit einer schönen Prise Humor …

Natürlich, weil der Humor wunderbar helfen kann, Probleme zu bewältigen und mit ihnen umzugehen, beispielsweise mit dem Älterwerden, das ja nicht nur mich betrifft. Auch das ist mit einem Lachen oft besser zu meistern. Die Poesie bekommt aber ebenso einen Raum. Und die Musik, die auch viel dazu beitragen kann, besser in der Welt zurechtzukommen.

Sie sprechen vom Altern als Problem. Haben es denn die Jungen leichter?

Nein, überhaupt nicht. Alle Menschen haben doch in ihren unterschiedlichen Lebensphasen immer wieder ähnliche Probleme. Natürlich denke ich mir manchmal, dass meine Generation die 1970er Jahre mit einer gewissen

Unbeschwertheit erlebt hat. Und erst in den 80ern, als auf einmal AIDS in die Welt kam, war die hippiehafte Idylle plötzlich getrübt. Es hat zu allen Zeiten Furchtbares in dieser Welt gegeben. Und persönliche Schwierigkeiten gibt es in jedem Lebenslauf.

Heute wird ja oft die Frage gestellt, „Alles gut“? Wenn Sie Ihren Lebenslauf betrachten, ist da in Summe alles gut?

Alles kann gar nicht gut sein, genauso, wie nicht alles schlecht sein kann. Glück und Traurigkeit gehören zum Leben dazu, das ist auch Thema in meinem Programm. Diese Ambivalenz. Oder wie Karl Valentin es auf den Punkt gebracht hat: „Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische.“ Und damit sind wir wieder beim Lachen.

Befindet sich die Welt im Chaos?

Manchmal empfinde ich das so, und dann befinde ich mich gleich selbst mit im Chaos. Darüber nachzudenken und unterschiedliche Aspekte zuzulassen, kann schon hilfreich sein. Das möchte ich gerne mit dem Publikum erkunden – mit allen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen und die mir Spaß machen.

Gehen Sie dabei bis in Ihre Kindheit zurück?

Das erste Programm hat sich intensiv mit meiner Biografie und mit meinem Traum, ein „Rockstar“ zu werden, beschäftigt. Nun widme ich mich eher der Jetztzeit. Ich hatte anfangs einige Anekdoten im Programm, aber das fühlte sich auf einmal so an, als würde der Opa vom Krieg erzählen (lacht). Es geht diesmal mehr um mein Denken und Empfinden, zum Beispiel werde ich in diesem Jahr siebzig, aber ich fühle mich nicht so.

Wie halten Sie sich fit?

Wenn ich mehr als zwei Stunden auf der Bühne stehe, geht das nur mit einer gewissen Fitness, sonst würde ich so eine Ein-Mann-Show mit Singen, Gitarre spielen und
szenischem Erzählen gar nicht durchhalten.

Ich versuche, mich jeden Tag sportlich zu betätigen, meine Beweglichkeit und Kraft zu trainieren – vor allem die im Alter wichtige Beinkraft. Die trainiere ich mit Gewichten und stelle fest, dass mich das insgesamt stabilisiert.

Waren Sie immer so diszipliniert?

Nein, im Gegenteil, ich hatte Phasen, in denen ich eher nach der Devise „Sport ist Mord“ gelebt habe. Alkohol und Rauchen fand ich attraktiver. Mit über vierzig habe ich das Rauchen aufgehört und gleichzeitig gedacht, okay, jetzt kann ich ja zum Ausgleich mehr trinken.

Also diszipliniert war ich keineswegs, aber zum Glück bin ich nie abgestürzt. Insofern ist es vielleicht doch die Disziplin, die die Oberhand behielt und weshalb ich mich jetzt so fit fühle.

Oder weil Sie Ihre Frau so gut bekocht?

Na ja, ich würde sagen, wir bekochen uns gegenseitig gut und ernähren uns ausgewogen, was ja Spaß macht. Seit 15 Jahren bin ich Vegetarier und merke, dass es mir guttut, und zwar nicht nur dem Körper, sondern auch meiner Seele, weil ich kein Tier mehr essen muss.

Sie werden also kein Wiener Schnitzel essen, wenn Sie in unserer Hauptstadt auftreten?

Als Kind war das für mich das Höchste. Meine Eltern haben sich immer darüber aufgeregt, dass ich in jedem Lokal nur „Wiener Schnitzel mit gemischtem Salat“ bestellen wollte. Ich habe also ausreichend Schnitzel gegessen, sodass ich es jetzt nicht mehr unbedingt haben muss. Zumal ich neulich gesehen habe, wie jemand Karfiol in Scheiben nach Art des Wiener Schnitzels fein herausgebacken hat.

Wird Sie hierzulande ein anderes Verständnis von Humor erwarten als in Ihrer deutschen Heimat?

Ich hatte bei meinem ersten Programm das Gefühl, dass meine Art von Bühnen-Show in Österreich fast noch besser verstanden wird, weil es da mehr Kollegen gibt, die diese „Sportart“ praktizieren.

Thomas Stipsits nimmt die Gitarre in die Hand, Manuel Rubey und Simon Schwarz machen auch kein Kabarett im klassischen Sinne. Bei mir gibt es diesmal noch mehr Musik als im ersten Programm.

Da habe ich unter anderem das Lied „Wenn der Herrgott net will, nutzt es gar nix“ gesungen und wurde in Wien nicht dafür abgewatscht, dass ein Piefke den Wiener Dialekt verhunzt. Im Gegenteil, ich bekam viele Komplimente.


Helmfried von Lüttichau wurde am 20. November 1956 in Hannover (D) geboren. Nach einer langjährigen Theaterkarriere wurde er an der Seite von Christian Tramitz in der Krimiserie „Hubert und Staller“ sowie in „Der letzte Bulle“ bekannt.

Er ist seit 2015 mit einer Architektin verheiratet.
Das Paar lebt in München/Schliersee (D).

Seit 2021 tritt er mit Solo-Programmen auf. Mit „Weil’s raus muss“ tourt er nun durch unser Land. Am 6.3. ist er in Hohenems (V), am 13.3. in Linz, am 14.3. in Wals-Siezenheim (S) und am 29.4. sowie am 30.4. im Kabarett Niedermair in Wien zu sehen. Karten: oeticket.com
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