Keinen Kontakt zu den Eltern mehr
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Wenn erwachsene Kinder den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen, ist das selten eine spontane Entscheidung. Meist gehen Jahre voller Enttäuschungen, Konflikte und unerfüllter Erwartungen voraus.
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Die britische Prinzessin Eugenie, die Nichte von
König Charles III. und lange als besonders loyale
Tochter von Prinz Andrew, 66, bekannt, lebt heute mit ihrem Mann Jack Brooksbank und ihren beiden Söhnen in Portugal.
Die 35jährige Kunstmanagerin spricht derzeit weder mit ihrer Mutter Sarah Ferguson, 66, noch mit ihrem Vater.
Der Schritt gilt als klare Distanzierung von den anhaltenden Missbrauchs-skandalen in der Epstein-Affäre rund um Andrew Mountbatten-Windsor, der alle Adelstitel verloren hat.
Auch Brooklyn Beckham, 26, der älteste Sohn des ehemaligen Fußball-Spielers David Beckham, 50, und der Designerin Victoria Beckham, 51, hat Anfang des Jahres öffentlich den vollständigen Kontaktabbruch zu seinen Eltern erklärt. Er wirft ihnen Einmischung in seine Ehe und wiederholte Demütigungen vor.
Was in Königshäusern und Familien von Prominenten vor sich geht, passiert auch in unserem Land. Verlässliche Zahlen gibt es zwar nicht, doch internationale Studien aus Großbritannien und den USA gehen davon aus, dass zwischen fünf und zehn Prozent der Erwachsenen zeitweise oder dauerhaft keinen Kontakt zu mindestens einem Elternteil haben. Am häufigsten erfolgt der Bruch mit der Familie zwischen dem zwanzigsten und dem fünfzigsten Lebensjahr. „Ein Kontaktabbruch ist fast nie eine spontane Entscheidung“, sagt die Familientherapeutin Claudia Haarmann. „Meist steht am Ende eine lange Geschichte von Verletzungen.“
Die Gründe für den Bruch reichen von Gewalt und massiver Abwertung bis zu ständiger Kontrolle oder fehlender Akzeptanz von Partnern. „Menschen berichten, dass sie in Gegenwart ihrer Eltern wieder in alte Rollen zurückfallen.“ Besonders die Konflikte rund um eine Heirat, Kinder oder berufliche Entscheidungen können alte Muster wieder aufbrechen. Wenn Gespräche keine Veränderung bringen, wächst die Distanz.
Der vollständige Abbruch der Beziehung zu den Eltern bedeutet dann Funkstille – es gibt keine Besuche mehr, keine Zusammenkünfte an Feiertagen, oft auch keinen Kontakt zu den Geschwistern.
Für Eltern ist dieser Schritt meist ebenso schmerzhaft. Manche reagieren mit Wut oder Abwehr, andere suchen das Gespräch. „Ohne Einsicht und Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, bleibt der Abstand jedoch bestehen“, sagt Claudia Haarmann.
Für die Expertin ist der Kontaktabbruch selten eine Trotzreaktion. In den meisten Fällen ist er das Ende eines langen Prozesses – und der einzige Weg, sich selbst
zu schützen.
„Anerkennung habe ich nie erfahren“
Gerda Weiß
„Ich war in meiner Familie nie die, auf die man stolz war“, sagt Gerda Weiß (Name von der Redaktion
geändert) aus der Steiermark. Nach außen wirkte alles geordnet und erfolgreich. Die Eltern lebten in einer großzügigen Wohnung, es gab Musikunterricht und Sommerurlaube. Es fehlte nicht an Geld, aber es fehlte an Anerkennung – zumindest für sie. Mit zwölf Jahren bekam Weiß Akne, und statt Trost hörte sie: „Kein Wunder, dass dich so keiner anschaut.“
Später wurde ihre Figur regelmäßig kommentiert, beim Abendessen folgte der prüfende Blick auf ihren Teller, auch ihre Kleidung und Entscheidungen wurden bewertet. Ihr Bruder hingegen erhielt Applaus. „Er war der König“, sagt sie. „Wenn er eine mittelmäßige Note nach Hause brachte, wurde er getröstet. Wenn ich einen Einser hatte, war das selbstverständlich.“ Der Vater widersprach selten und stellte sich meist hinter die Mutter.
Weiß reagierte mit Disziplin und Ehrgeiz, schrieb Bestnoten, studierte mit Auszeichnung und machte Karriere in einer großen Beratungsfirma. Doch selbst ihr beruflicher Aufstieg änderte nichts. „Hoffentlich hältst du dem Druck stand“, sagte die Mutter. Der Wendepunkt kam bei einem gemeinsamen Essen, als die Mutter bemerkte: „Für dein Alter bist du aber noch nicht weit.“ Der Bruder lächelte, der Vater schwieg.
Als die Mittdreißigerin später das Gespräch suchte, wurde ihr gesagt, sie sei zu empfindlich. Vor zwei Jahren brach sie den Kontakt zur Familie vollständig ab –
zur Mutter, zum Vater und auch zum Bruder. In einem Brief erklärte sie, dass sie Abstand brauche, weil sie
nicht länger diejenige sein wolle, die sich ständig rechtfertigt. „Ich habe lange gedacht, Familie bedeutet,
alles auszuhalten“, sagt Weiß. „Heute ist mir klar,
dass Selbstschutz kein Verrat ist.“
„Erst gab es Ohrfeigen, dann Schläge mit dem Gürtel“
Markus Müller
„Nach außen waren wir eine ganz normale Familie“, sagt Markus Müller (Name geändert). Sein Gesicht will der Kärntner nicht zeigen. Zu viele Menschen kennen ihn – oder zumindest seinen Vater. „Er war angesehen in der Gemeinde, meine Mutter engagiert. Wir hatten ein Haus, wir fuhren auf Urlaub. Niemand hätte etwas vermutet.“ Doch hinter der Fassade begann die Gewalt früh. Erst gab es Ohrfeigen, später Schläge mit dem Gürtel. Manchmal reichte ein falscher Blick oder eine schlechte Note. Alkohol machte seinen Vater unberechenbar.
„Ich habe als Kind gelernt, die Stimmung im Raum zu lesen. Ich wusste genau, wann sie kippt.“
Noch schmerzhafter als die Schläge war das Schweigen der Mutter. „Ihr Satz war immer: ,Reiz ihn nicht.‘ Das war alles.“ Mit 19 Jahren zog Müller aus, studierte, baute sich ein eigenes Leben auf. Den Kontakt hielt er dennoch.
Zu den Feiertagen machte er kurze Besuche und führte daneben Telefonate. „Ich dachte, ich sei darüber hinweg. Aber jedes Treffen hat mich innerlich zurückgeworfen.“
Mit Ende 30 machten ihm schließlich Panikattacken und Schlaflosigkeit das Leben schwer. In der Therapie sprach Müller erstmals aus, was er jahrzehntelang relativiert hat. „Ich habe immer gesagt: Andere hatten es schlimmer. Aber es war Gewalt. Und sie hat Spuren hinterlassen.“ Als er seine Eltern damit konfrontierte, folgte keine Entschuldigung, sondern Abwehr. Er übertreibe, das sei früher eben so gewesen.
Für Müller war das der Wendepunkt. „Ich habe gemerkt, wenn ich den Kontakt halte, bleibe ich in dieser Dynamik gefangen.“ Vor drei Jahren zog er die Grenze und beendete den Kontakt endgültig. „Ich will nicht, dass meine Kinder lernen, Angst zu haben sei normal. Dieser Kreislauf endet bei mir.“
König Charles III. und lange als besonders loyale
Tochter von Prinz Andrew, 66, bekannt, lebt heute mit ihrem Mann Jack Brooksbank und ihren beiden Söhnen in Portugal.
Die 35jährige Kunstmanagerin spricht derzeit weder mit ihrer Mutter Sarah Ferguson, 66, noch mit ihrem Vater.
Der Schritt gilt als klare Distanzierung von den anhaltenden Missbrauchs-skandalen in der Epstein-Affäre rund um Andrew Mountbatten-Windsor, der alle Adelstitel verloren hat.
Auch Brooklyn Beckham, 26, der älteste Sohn des ehemaligen Fußball-Spielers David Beckham, 50, und der Designerin Victoria Beckham, 51, hat Anfang des Jahres öffentlich den vollständigen Kontaktabbruch zu seinen Eltern erklärt. Er wirft ihnen Einmischung in seine Ehe und wiederholte Demütigungen vor.
Was in Königshäusern und Familien von Prominenten vor sich geht, passiert auch in unserem Land. Verlässliche Zahlen gibt es zwar nicht, doch internationale Studien aus Großbritannien und den USA gehen davon aus, dass zwischen fünf und zehn Prozent der Erwachsenen zeitweise oder dauerhaft keinen Kontakt zu mindestens einem Elternteil haben. Am häufigsten erfolgt der Bruch mit der Familie zwischen dem zwanzigsten und dem fünfzigsten Lebensjahr. „Ein Kontaktabbruch ist fast nie eine spontane Entscheidung“, sagt die Familientherapeutin Claudia Haarmann. „Meist steht am Ende eine lange Geschichte von Verletzungen.“
Die Gründe für den Bruch reichen von Gewalt und massiver Abwertung bis zu ständiger Kontrolle oder fehlender Akzeptanz von Partnern. „Menschen berichten, dass sie in Gegenwart ihrer Eltern wieder in alte Rollen zurückfallen.“ Besonders die Konflikte rund um eine Heirat, Kinder oder berufliche Entscheidungen können alte Muster wieder aufbrechen. Wenn Gespräche keine Veränderung bringen, wächst die Distanz.
Der vollständige Abbruch der Beziehung zu den Eltern bedeutet dann Funkstille – es gibt keine Besuche mehr, keine Zusammenkünfte an Feiertagen, oft auch keinen Kontakt zu den Geschwistern.
Für Eltern ist dieser Schritt meist ebenso schmerzhaft. Manche reagieren mit Wut oder Abwehr, andere suchen das Gespräch. „Ohne Einsicht und Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, bleibt der Abstand jedoch bestehen“, sagt Claudia Haarmann.
Für die Expertin ist der Kontaktabbruch selten eine Trotzreaktion. In den meisten Fällen ist er das Ende eines langen Prozesses – und der einzige Weg, sich selbst
zu schützen.
„Anerkennung habe ich nie erfahren“
Gerda Weiß
„Ich war in meiner Familie nie die, auf die man stolz war“, sagt Gerda Weiß (Name von der Redaktion
geändert) aus der Steiermark. Nach außen wirkte alles geordnet und erfolgreich. Die Eltern lebten in einer großzügigen Wohnung, es gab Musikunterricht und Sommerurlaube. Es fehlte nicht an Geld, aber es fehlte an Anerkennung – zumindest für sie. Mit zwölf Jahren bekam Weiß Akne, und statt Trost hörte sie: „Kein Wunder, dass dich so keiner anschaut.“
Später wurde ihre Figur regelmäßig kommentiert, beim Abendessen folgte der prüfende Blick auf ihren Teller, auch ihre Kleidung und Entscheidungen wurden bewertet. Ihr Bruder hingegen erhielt Applaus. „Er war der König“, sagt sie. „Wenn er eine mittelmäßige Note nach Hause brachte, wurde er getröstet. Wenn ich einen Einser hatte, war das selbstverständlich.“ Der Vater widersprach selten und stellte sich meist hinter die Mutter.
Weiß reagierte mit Disziplin und Ehrgeiz, schrieb Bestnoten, studierte mit Auszeichnung und machte Karriere in einer großen Beratungsfirma. Doch selbst ihr beruflicher Aufstieg änderte nichts. „Hoffentlich hältst du dem Druck stand“, sagte die Mutter. Der Wendepunkt kam bei einem gemeinsamen Essen, als die Mutter bemerkte: „Für dein Alter bist du aber noch nicht weit.“ Der Bruder lächelte, der Vater schwieg.
Als die Mittdreißigerin später das Gespräch suchte, wurde ihr gesagt, sie sei zu empfindlich. Vor zwei Jahren brach sie den Kontakt zur Familie vollständig ab –
zur Mutter, zum Vater und auch zum Bruder. In einem Brief erklärte sie, dass sie Abstand brauche, weil sie
nicht länger diejenige sein wolle, die sich ständig rechtfertigt. „Ich habe lange gedacht, Familie bedeutet,
alles auszuhalten“, sagt Weiß. „Heute ist mir klar,
dass Selbstschutz kein Verrat ist.“
„Erst gab es Ohrfeigen, dann Schläge mit dem Gürtel“
Markus Müller
„Nach außen waren wir eine ganz normale Familie“, sagt Markus Müller (Name geändert). Sein Gesicht will der Kärntner nicht zeigen. Zu viele Menschen kennen ihn – oder zumindest seinen Vater. „Er war angesehen in der Gemeinde, meine Mutter engagiert. Wir hatten ein Haus, wir fuhren auf Urlaub. Niemand hätte etwas vermutet.“ Doch hinter der Fassade begann die Gewalt früh. Erst gab es Ohrfeigen, später Schläge mit dem Gürtel. Manchmal reichte ein falscher Blick oder eine schlechte Note. Alkohol machte seinen Vater unberechenbar.
„Ich habe als Kind gelernt, die Stimmung im Raum zu lesen. Ich wusste genau, wann sie kippt.“
Noch schmerzhafter als die Schläge war das Schweigen der Mutter. „Ihr Satz war immer: ,Reiz ihn nicht.‘ Das war alles.“ Mit 19 Jahren zog Müller aus, studierte, baute sich ein eigenes Leben auf. Den Kontakt hielt er dennoch.
Zu den Feiertagen machte er kurze Besuche und führte daneben Telefonate. „Ich dachte, ich sei darüber hinweg. Aber jedes Treffen hat mich innerlich zurückgeworfen.“
Mit Ende 30 machten ihm schließlich Panikattacken und Schlaflosigkeit das Leben schwer. In der Therapie sprach Müller erstmals aus, was er jahrzehntelang relativiert hat. „Ich habe immer gesagt: Andere hatten es schlimmer. Aber es war Gewalt. Und sie hat Spuren hinterlassen.“ Als er seine Eltern damit konfrontierte, folgte keine Entschuldigung, sondern Abwehr. Er übertreibe, das sei früher eben so gewesen.
Für Müller war das der Wendepunkt. „Ich habe gemerkt, wenn ich den Kontakt halte, bleibe ich in dieser Dynamik gefangen.“ Vor drei Jahren zog er die Grenze und beendete den Kontakt endgültig. „Ich will nicht, dass meine Kinder lernen, Angst zu haben sei normal. Dieser Kreislauf endet bei mir.“
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