Die Schuhlegende aus dem Salzkammergut
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Seit mehr als 150 Jahren wird das Original mit der typischen Zwienaht in Bad Goisern (OÖ) hergestellt. Seine Bekanntheit verdankt der „Goiserer“ Kaiser Franz Joseph I.
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Das Salzkammergut, das sich über die Bundesländer
Steiermark, Oberösterreich und Salzburg erstreckt, ist voller Mythen und Legenden. Eine davon berichtet von dem Schuhmacher und Bergführer Franz Neubacher aus Bad Goisern am Hallstättersee (OÖ), der um das Jahr 1875 bei einer Wanderung in eine Doline (ein großer Hohlraum im Gestein) fiel. Das steife, rutschige Schuhwerk des Mannes erschwerte dessen Rettung.
Angeblich barfuß und ziemlich verärgert, machte sich der Schuster auf den Heimweg und sogleich daran, einen weitaus geschmeidigeren Schuh zu erschaffen – den mit Einstich- und Aufdoppelnaht zweifach genähten „Goiserer“.
Dessen handgeschmiedeten Eisennägel in der Sohle, die sogenannten „Schernken“ und Zackeneisen garantierten fortan Trittsicherheit und Rutschfestigkeit und schützten den Schuh gegen Verschleiß. Der „grobg‘nahte Schua“ musste schließlich lange halten, kostete er doch damals gut einen Monatslohn. Richtig bekannt wurde der Goiserer dann durch Kaiser Franz Joseph I. (1830–1916). Der Monarch und passionierte Jäger hatte in seiner Sommerresidenz im nahen Bad Ischl (OÖ) von dem strapazierfähigen Bergschuh erfahren.
Und schon bald ließ auch er sich in Bad Goisern das passende Schuhwerk für seine Jagdausflüge maßanfertigen.
Die echten Goiserer erfreuen sich heute noch großer Beliebtheit, stehen sie doch für präzise Handwerkskunst. Jeder Schuh ist einzigartig. Der Kunde kann das Material, die Farbe und das Design selbst auswählen, denn mittlerweile wird der Goiserer nicht nur als Bergschuh, sondern auch als moderner Maßschuh angeboten – aber immer mit der originalen Zwienaht.
„Die bringt Robustheit, Langlebigkeit und Wasserundurchlässigkeit. Früher gab es ja noch keine modernen Klebstoffe, also wurde mit Pech und Wachs gearbeitet“, erklärt der Orthopädie-Schuhmachermeister Simon Volgger. „Das feine Garn wurde dabei in einem Schwung mit der Hand vernäht. Die Zimmertemperatur in der Werkstatt musste mindestens 23 Grad betragen, damit das Pech warm genug blieb, um es zu verarbeiten. Die Schuster sind deshalb auf einer Art Podest gesessen, weil es oft vom Boden her kalt war.“
Der einstige Arbeits- und Bergschuh hat auch heute noch seinen Preis. „Maßgefertigte Goiserer gibt es bei uns
ab € 2.500,–. Dazu kommen bei der Erstanfertigung einmalig € 700,– für den Leisten, der nach den Maßen des Kunden-Fußes gefertigt wird. Nach oben gibt es – je nach Leder, etwa Strauß – preismäßig keine Grenze“, sagt Volgger. Der 28jährige hat erst vor Kurzem das Goiserer Maßschuhgeschäft von seinem Vorgänger Philip Schwarz übernommen. „Wir kennen uns von der Schuhmacherschule in Hall in Tirol, die wir beide absolviert haben. Da war es naheliegend, dass er mich gefragt hat, ob ich das Traditionsgeschäft weiterführen möchte“, erzählt Volgger, wie es ihn als gebürtigen Südtiroler ins Salzkammergut verschlagen hat.
Simon Volgger stammt aus einer Familie, die bereits in dritter Generation Maßschuhe fertigt. „Unser Unternehmen gibt es seit 1957.“ Damals hatte der Großvater, Peter Volgger, eine kleine Werkstatt in Moos in Passeier (I). Auch Volggers Vater Markus, 61, lernte das Schuhmacherhandwerk und machte zusätzlich die Orthopädieschuhmachermeisterprüfung in St. Pölten. Mittlerweile ist er in Pension, unterstützt seinen Sohn aber bei dessen Neuübernahme.
„Mein Vater kann es nicht lassen“, muss Simon Volgger schmunzeln. Dass die beiden ein eingespieltes Team sind, wissen auch die Kunden zu schätzen. Auch den Servicegedanken, denn zum Maßnehmen kommen die Volggers auf Wunsch auch zu ihrer Klientel nach Hause.
Bis die sich dann an ihren echten Goiserern erfreuen können, dauert es rund sechs Monate. „Nach dem Maßnehmen folgt der Termin für den Probeschuh. Wenn der passt, wird der Holzleisten gefertigt. Das ist ja alles Handarbeit“, meint Volgger.
Damals wie heute wird Wert auf Qualität und Beständigkeit gelegt. Deshalb sind auch maßgefertigte Einlagen und Schuhspanner im Preis inbegriffen. „Für den Tragekomfort und die Langlebigkeit“, erklärt der Schuhmacher. „Nach dem Tragen wird die Einlage herausgenommen, dann kann sie durchlüften. Dann unbedingt den Schuhspanner hineingeben, der nimmt die komplette Feuchtigkeit vom Leder auf. Damit bleiben Schuhe und Leisten schön“, weiß der Profi.
Wer lange Freude an seinen Schuhen haben will, sollte sie nicht täglich tragen. „Am besten immer einen Tag ruhen lassen und auch regelmäßig zur Revision bringen.“
Für die Volggers, deren Hauptsitz in Südtirol bleibt, war die Übernahme des letzten „Originalen Goiserer“ Schuhmacherbetriebes Ehrensache. „Weil uns die Kultur, der Name und die Geschichte wichtig sind. Da geht es uns nicht nur ums Verkaufen, du musst auch im Stande sein, das zu machen“, weiß Volgger.
Und weil gut Ding‘ Weile braucht, werden auch nur rund 100 Paar der Original Goiserer Maßschuhe pro Jahr gefertigt. „Dafür braucht es Genauigkeit und eine ruhige Hand. Deshalb bitten wir auch um telefonische Terminvereinbarung“, sagt der Schuhmachermeister.
Steiermark, Oberösterreich und Salzburg erstreckt, ist voller Mythen und Legenden. Eine davon berichtet von dem Schuhmacher und Bergführer Franz Neubacher aus Bad Goisern am Hallstättersee (OÖ), der um das Jahr 1875 bei einer Wanderung in eine Doline (ein großer Hohlraum im Gestein) fiel. Das steife, rutschige Schuhwerk des Mannes erschwerte dessen Rettung.
Angeblich barfuß und ziemlich verärgert, machte sich der Schuster auf den Heimweg und sogleich daran, einen weitaus geschmeidigeren Schuh zu erschaffen – den mit Einstich- und Aufdoppelnaht zweifach genähten „Goiserer“.
Dessen handgeschmiedeten Eisennägel in der Sohle, die sogenannten „Schernken“ und Zackeneisen garantierten fortan Trittsicherheit und Rutschfestigkeit und schützten den Schuh gegen Verschleiß. Der „grobg‘nahte Schua“ musste schließlich lange halten, kostete er doch damals gut einen Monatslohn. Richtig bekannt wurde der Goiserer dann durch Kaiser Franz Joseph I. (1830–1916). Der Monarch und passionierte Jäger hatte in seiner Sommerresidenz im nahen Bad Ischl (OÖ) von dem strapazierfähigen Bergschuh erfahren.
Und schon bald ließ auch er sich in Bad Goisern das passende Schuhwerk für seine Jagdausflüge maßanfertigen.
Die echten Goiserer erfreuen sich heute noch großer Beliebtheit, stehen sie doch für präzise Handwerkskunst. Jeder Schuh ist einzigartig. Der Kunde kann das Material, die Farbe und das Design selbst auswählen, denn mittlerweile wird der Goiserer nicht nur als Bergschuh, sondern auch als moderner Maßschuh angeboten – aber immer mit der originalen Zwienaht.
„Die bringt Robustheit, Langlebigkeit und Wasserundurchlässigkeit. Früher gab es ja noch keine modernen Klebstoffe, also wurde mit Pech und Wachs gearbeitet“, erklärt der Orthopädie-Schuhmachermeister Simon Volgger. „Das feine Garn wurde dabei in einem Schwung mit der Hand vernäht. Die Zimmertemperatur in der Werkstatt musste mindestens 23 Grad betragen, damit das Pech warm genug blieb, um es zu verarbeiten. Die Schuster sind deshalb auf einer Art Podest gesessen, weil es oft vom Boden her kalt war.“
Der einstige Arbeits- und Bergschuh hat auch heute noch seinen Preis. „Maßgefertigte Goiserer gibt es bei uns
ab € 2.500,–. Dazu kommen bei der Erstanfertigung einmalig € 700,– für den Leisten, der nach den Maßen des Kunden-Fußes gefertigt wird. Nach oben gibt es – je nach Leder, etwa Strauß – preismäßig keine Grenze“, sagt Volgger. Der 28jährige hat erst vor Kurzem das Goiserer Maßschuhgeschäft von seinem Vorgänger Philip Schwarz übernommen. „Wir kennen uns von der Schuhmacherschule in Hall in Tirol, die wir beide absolviert haben. Da war es naheliegend, dass er mich gefragt hat, ob ich das Traditionsgeschäft weiterführen möchte“, erzählt Volgger, wie es ihn als gebürtigen Südtiroler ins Salzkammergut verschlagen hat.
Simon Volgger stammt aus einer Familie, die bereits in dritter Generation Maßschuhe fertigt. „Unser Unternehmen gibt es seit 1957.“ Damals hatte der Großvater, Peter Volgger, eine kleine Werkstatt in Moos in Passeier (I). Auch Volggers Vater Markus, 61, lernte das Schuhmacherhandwerk und machte zusätzlich die Orthopädieschuhmachermeisterprüfung in St. Pölten. Mittlerweile ist er in Pension, unterstützt seinen Sohn aber bei dessen Neuübernahme.
„Mein Vater kann es nicht lassen“, muss Simon Volgger schmunzeln. Dass die beiden ein eingespieltes Team sind, wissen auch die Kunden zu schätzen. Auch den Servicegedanken, denn zum Maßnehmen kommen die Volggers auf Wunsch auch zu ihrer Klientel nach Hause.
Bis die sich dann an ihren echten Goiserern erfreuen können, dauert es rund sechs Monate. „Nach dem Maßnehmen folgt der Termin für den Probeschuh. Wenn der passt, wird der Holzleisten gefertigt. Das ist ja alles Handarbeit“, meint Volgger.
Damals wie heute wird Wert auf Qualität und Beständigkeit gelegt. Deshalb sind auch maßgefertigte Einlagen und Schuhspanner im Preis inbegriffen. „Für den Tragekomfort und die Langlebigkeit“, erklärt der Schuhmacher. „Nach dem Tragen wird die Einlage herausgenommen, dann kann sie durchlüften. Dann unbedingt den Schuhspanner hineingeben, der nimmt die komplette Feuchtigkeit vom Leder auf. Damit bleiben Schuhe und Leisten schön“, weiß der Profi.
Wer lange Freude an seinen Schuhen haben will, sollte sie nicht täglich tragen. „Am besten immer einen Tag ruhen lassen und auch regelmäßig zur Revision bringen.“
Für die Volggers, deren Hauptsitz in Südtirol bleibt, war die Übernahme des letzten „Originalen Goiserer“ Schuhmacherbetriebes Ehrensache. „Weil uns die Kultur, der Name und die Geschichte wichtig sind. Da geht es uns nicht nur ums Verkaufen, du musst auch im Stande sein, das zu machen“, weiß Volgger.
Und weil gut Ding‘ Weile braucht, werden auch nur rund 100 Paar der Original Goiserer Maßschuhe pro Jahr gefertigt. „Dafür braucht es Genauigkeit und eine ruhige Hand. Deshalb bitten wir auch um telefonische Terminvereinbarung“, sagt der Schuhmachermeister.
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