Psychologin Dr. Sabine Viktoria Schneider:
„Die Seele spricht über unseren Körper“
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Rückenschmerzen, Durchfall oder chronische Müdigkeit. Viele Krankheiten sind nicht nur körperlichen Ursprungs. Ein neues Buch hilft dabei, den Zusammenhang zu verstehen.
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Es ist der Albtraum jedes Patienten. Der Körper schmerzt, das Unwohlsein ist ein täglicher Begleiter, doch kein Arzt kann die körperliche Ursache dahinter finden.
Befunde und Laborwerte geben keine (hinreichende) Erklärung, Therapien zeigen meist nur kurze Erfolge.
„Laut Studien leiden drei bis vier von zehn Patienten in unserem Land unter Beschwerden, die psychosomatisch sind. Das heißt, ihre Gefühle, innere Spannungen, ungelöste Konflikte und alte Erfahrungen zeigen sich in körperlichen Symptomen, die keineswegs eine Einbildung sind. Psychosomatische Schmerzen sind so echt wie organische Schmerzen, nur dass sie sich nicht in Blutbefunden oder Röntgenbildern widerspiegeln“, erklärt Dr. Sabine Viktoria Schneider.
Die Psychologin aus Salzburg (drsabine-schneider.com) hat das Nachschlagewerk „Wenn der Arzt nicht weiter weiß“ veröffentlicht.
Darin listet sie zweihundert Beschwerden auf, deren mögliche seelische Ursachen und bietet Lösungen an.
Dr. Schneider, kommt es heutzutage häufiger vor, dass Ärzte bei Schmerzen oder körperlichen Beschwerden keine Ursache finden?
Psychosomatische Leiden, also Leiden ohne organische Ursache, gibt es schon lange. Nur heute reden Menschen offener darüber, was den Eindruck vermitteln kann, dass es mehr davon gibt. Vielen Ärzten fehlt heute die Zeit. Ihr Fokus liegt darauf, ob der Patient organisch gesund ist. Ist das der Fall, dann ist das Problem nicht weiter sein tatsächlicher Aufgabenbereich.
Was macht das mit dem Patienten?
Es verunsichert massiv, wenn jemand Schmerzen hat, aber der Arzt hat keinen Befund dafür. Viele beginnen dann, im Internet zu suchen und finden dort ein Dutzend Krankheiten, die ihre Schmerzen erklären. Es beginnt ein Ärzte-Marathon, weil der Patient meint, der Arzt habe etwas übersehen. Viele verlieren den Glauben an sich. Sie meinen irgendwann, sie seien Hypochonder, weil ihre Umgebung die Schmerzen oft nicht richtig einordnen kann und dadurch zu wenig ernstnimmt. Sie spüren einen Schmerz, aber niemand findet die Ursache.
Welche nicht-organischen Ursachen gibt es, die Krankheiten, Schmerzen und Leid auslösen können?
Das wären beispielsweise Stress, Ärger, Sorgen, Ängste, beruflich, privat, familiär. Diese Faktoren sind auf die Dauer nicht gesund. Es findet eine dauerhafte innere Überforderung statt. Ab wann sich ein Mensch tatsächlich emotional überfordert fühlt, ist bei jedem anders.
Wie kommt es, dass auf diese Überforderung der Körper reagiert?
Jeder von uns hat eine körperliche Schwachstelle. Wird es in unserem Inneren zu viel, sucht sich die Seele ein Ventil und das wird die individuelle körperliche Schwachstelle sein. Das können chronische Kopf- oder Rückenschmerzen sein, Tinnitus, Reizdarm und viele andere.
Stimmt es, dass bei vielen Krankheiten auch die Psyche ursächlich ist?
Ja. Die Psyche hat ein starkes Mitspracherecht bei vielen Krankheiten, bei Leiden und Beschwerden.
Wie stark ist ihr Einfluss?
Je mehr Stress, Sorgen, Ängste oder auch Traumata aus Erfahrungen ein Mensch hat, desto zarter, fragiler ist er in seiner Gesundheit.
Sind Patienten erleichtert, wenn sie erfahren, dass ihre Beschwerden psychische Ursachen haben?
Menschen, die zum Psychologen kommen, sind offen dafür und wünschen sich, dass wir gemeinsam die Wurzel der Beschwerden finden. Vor allem, wenn der körperliche Leidensdruck groß ist, dafür aber keine greifbare medizinische Ursache vorliegt, sind Betroffene froh, die psychische Ursache zu erfahren und eine für sie verständliche Erklärung für die Beschwerden zu bekommen.
Das bedeutet, jeder muss sich mit sich selbst auseinandersetzen …
Das ist für manche eine Hürde. Findet der Arzt keine organische Ursache, beginnt zuerst oft die Selbstmedikation. Patienten greifen zu Nahrungsergänzungsmitteln oder rezeptfreien Medikamenten. Damit löst sich nicht die Ursache des gesundheitlichen Problems. Der psychosomatische Schmerz hat seine Wurzeln in der Seele. Medikamente helfen hier oft nicht.
Stress und Sorgen hat jeder Mensch.
Wann ist professionelle Hilfe empfohlen, damit die Seele den Körper nicht krank macht?
Ich rate zu professioneller Hilfe, wenn sich eine Dauerpräsenz von belastenden Gedanken einschleicht. Wenn ich spüre, ich verändere mich und fühle mich hilflos in meinem Ich. Ich bin gefangen in einer emotionalen Sackgasse, ziehe mich zurück. Dinge, die mir früher Spaß gemacht haben, machen keine Freude mehr. Oder ich spüre, ich brauche mehr Zeit für mich. Ich werde ungeduldiger, zynischer, mir geht die Kraft aus. Wenn ich eine Wesensveränderung an mir bemerke oder sie mir von anderen gesagt wird. Und ich merke, nicht mehr glücklich zu sein.
Was darf ich als Patient erwarten? Befreie ich mich von meinem Leid oder lerne ich nur, damit in Zukunft besser umgehen zu können?
Als Psychologin helfe ich, dass Patienten erkennen, was sie für sich tun können und zurückfinden in ihre Selbstwirksamkeit. Patienten sollen die psychische Wurzel ihres Leidens und ihres Schmerzes erkennen und lernen, die unbewusste früher erlernte Schutzstrategie behutsam aufzudecken und loszulassen. Ist das der Fall, können Betroffene beginnen, ihre eigenen Bedürfnisse bewusst wahrzunehmen und zu stillen. Einen Sichtwechsel auf oft selbstverständliche, aber trotzdem ungesunde Gewohnheiten vorzunehmen und mit einer Selbstfürsorge zu beginnen. Viele Menschen verlieren sich im Alltag, sind ständig für andere da, haben aber keine Zeit für die eigenen Bedürfnisse. Sie müssen erst lernen, für sich da zu sein, auch eigene Bedürfnisse zu haben und fühlen zu dürfen.
Es braucht also mehr Egoismus?
Mehr vom gesunden Egoismus. Wer keine Energie hat, kann weder für sich noch für andere da sein.
Wie setze ich das um?
Ein gesunder Lebensstil ist wichtig. Ernährung mit frischen Lebensmitteln, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung sind unerlässliche Stützen für den Körper.
Wichtig ist, sich klar zu werden,
„Wer bin ich?“,
„Was tut mir nicht gut?“,
„Was brauche ich, damit es mir gut geht?“,
„Was sagt mir mein Körper?“,
„Was macht mir Freude?“ und
„Wo wünsche ich mir Grenzen und mehr Autonomie?“
Es ist ein bewusstes In-sich-hinein-Hören und auf
das Bauchgefühl achten. Die Antworten unbedingt ernstnehmen, denn eine Seele, die gehört wird, muss keine Schmerzen schicken, um Aufmerksamkeit zu bekommen.
Lesen Sie:
„Wenn der Arzt nicht weiter weiß.
Symptome verstehen, wenn die Diagnose fehlt“,
edition a,
ISBN: 978-3-99001-887-3,
€ 28,99
Befunde und Laborwerte geben keine (hinreichende) Erklärung, Therapien zeigen meist nur kurze Erfolge.
„Laut Studien leiden drei bis vier von zehn Patienten in unserem Land unter Beschwerden, die psychosomatisch sind. Das heißt, ihre Gefühle, innere Spannungen, ungelöste Konflikte und alte Erfahrungen zeigen sich in körperlichen Symptomen, die keineswegs eine Einbildung sind. Psychosomatische Schmerzen sind so echt wie organische Schmerzen, nur dass sie sich nicht in Blutbefunden oder Röntgenbildern widerspiegeln“, erklärt Dr. Sabine Viktoria Schneider.
Die Psychologin aus Salzburg (drsabine-schneider.com) hat das Nachschlagewerk „Wenn der Arzt nicht weiter weiß“ veröffentlicht.
Darin listet sie zweihundert Beschwerden auf, deren mögliche seelische Ursachen und bietet Lösungen an.
Dr. Schneider, kommt es heutzutage häufiger vor, dass Ärzte bei Schmerzen oder körperlichen Beschwerden keine Ursache finden?
Psychosomatische Leiden, also Leiden ohne organische Ursache, gibt es schon lange. Nur heute reden Menschen offener darüber, was den Eindruck vermitteln kann, dass es mehr davon gibt. Vielen Ärzten fehlt heute die Zeit. Ihr Fokus liegt darauf, ob der Patient organisch gesund ist. Ist das der Fall, dann ist das Problem nicht weiter sein tatsächlicher Aufgabenbereich.
Was macht das mit dem Patienten?
Es verunsichert massiv, wenn jemand Schmerzen hat, aber der Arzt hat keinen Befund dafür. Viele beginnen dann, im Internet zu suchen und finden dort ein Dutzend Krankheiten, die ihre Schmerzen erklären. Es beginnt ein Ärzte-Marathon, weil der Patient meint, der Arzt habe etwas übersehen. Viele verlieren den Glauben an sich. Sie meinen irgendwann, sie seien Hypochonder, weil ihre Umgebung die Schmerzen oft nicht richtig einordnen kann und dadurch zu wenig ernstnimmt. Sie spüren einen Schmerz, aber niemand findet die Ursache.
Welche nicht-organischen Ursachen gibt es, die Krankheiten, Schmerzen und Leid auslösen können?
Das wären beispielsweise Stress, Ärger, Sorgen, Ängste, beruflich, privat, familiär. Diese Faktoren sind auf die Dauer nicht gesund. Es findet eine dauerhafte innere Überforderung statt. Ab wann sich ein Mensch tatsächlich emotional überfordert fühlt, ist bei jedem anders.
Wie kommt es, dass auf diese Überforderung der Körper reagiert?
Jeder von uns hat eine körperliche Schwachstelle. Wird es in unserem Inneren zu viel, sucht sich die Seele ein Ventil und das wird die individuelle körperliche Schwachstelle sein. Das können chronische Kopf- oder Rückenschmerzen sein, Tinnitus, Reizdarm und viele andere.
Stimmt es, dass bei vielen Krankheiten auch die Psyche ursächlich ist?
Ja. Die Psyche hat ein starkes Mitspracherecht bei vielen Krankheiten, bei Leiden und Beschwerden.
Wie stark ist ihr Einfluss?
Je mehr Stress, Sorgen, Ängste oder auch Traumata aus Erfahrungen ein Mensch hat, desto zarter, fragiler ist er in seiner Gesundheit.
Sind Patienten erleichtert, wenn sie erfahren, dass ihre Beschwerden psychische Ursachen haben?
Menschen, die zum Psychologen kommen, sind offen dafür und wünschen sich, dass wir gemeinsam die Wurzel der Beschwerden finden. Vor allem, wenn der körperliche Leidensdruck groß ist, dafür aber keine greifbare medizinische Ursache vorliegt, sind Betroffene froh, die psychische Ursache zu erfahren und eine für sie verständliche Erklärung für die Beschwerden zu bekommen.
Das bedeutet, jeder muss sich mit sich selbst auseinandersetzen …
Das ist für manche eine Hürde. Findet der Arzt keine organische Ursache, beginnt zuerst oft die Selbstmedikation. Patienten greifen zu Nahrungsergänzungsmitteln oder rezeptfreien Medikamenten. Damit löst sich nicht die Ursache des gesundheitlichen Problems. Der psychosomatische Schmerz hat seine Wurzeln in der Seele. Medikamente helfen hier oft nicht.
Stress und Sorgen hat jeder Mensch.
Wann ist professionelle Hilfe empfohlen, damit die Seele den Körper nicht krank macht?
Ich rate zu professioneller Hilfe, wenn sich eine Dauerpräsenz von belastenden Gedanken einschleicht. Wenn ich spüre, ich verändere mich und fühle mich hilflos in meinem Ich. Ich bin gefangen in einer emotionalen Sackgasse, ziehe mich zurück. Dinge, die mir früher Spaß gemacht haben, machen keine Freude mehr. Oder ich spüre, ich brauche mehr Zeit für mich. Ich werde ungeduldiger, zynischer, mir geht die Kraft aus. Wenn ich eine Wesensveränderung an mir bemerke oder sie mir von anderen gesagt wird. Und ich merke, nicht mehr glücklich zu sein.
Was darf ich als Patient erwarten? Befreie ich mich von meinem Leid oder lerne ich nur, damit in Zukunft besser umgehen zu können?
Als Psychologin helfe ich, dass Patienten erkennen, was sie für sich tun können und zurückfinden in ihre Selbstwirksamkeit. Patienten sollen die psychische Wurzel ihres Leidens und ihres Schmerzes erkennen und lernen, die unbewusste früher erlernte Schutzstrategie behutsam aufzudecken und loszulassen. Ist das der Fall, können Betroffene beginnen, ihre eigenen Bedürfnisse bewusst wahrzunehmen und zu stillen. Einen Sichtwechsel auf oft selbstverständliche, aber trotzdem ungesunde Gewohnheiten vorzunehmen und mit einer Selbstfürsorge zu beginnen. Viele Menschen verlieren sich im Alltag, sind ständig für andere da, haben aber keine Zeit für die eigenen Bedürfnisse. Sie müssen erst lernen, für sich da zu sein, auch eigene Bedürfnisse zu haben und fühlen zu dürfen.
Es braucht also mehr Egoismus?
Mehr vom gesunden Egoismus. Wer keine Energie hat, kann weder für sich noch für andere da sein.
Wie setze ich das um?
Ein gesunder Lebensstil ist wichtig. Ernährung mit frischen Lebensmitteln, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung sind unerlässliche Stützen für den Körper.
Wichtig ist, sich klar zu werden,
„Wer bin ich?“,
„Was tut mir nicht gut?“,
„Was brauche ich, damit es mir gut geht?“,
„Was sagt mir mein Körper?“,
„Was macht mir Freude?“ und
„Wo wünsche ich mir Grenzen und mehr Autonomie?“
Es ist ein bewusstes In-sich-hinein-Hören und auf
das Bauchgefühl achten. Die Antworten unbedingt ernstnehmen, denn eine Seele, die gehört wird, muss keine Schmerzen schicken, um Aufmerksamkeit zu bekommen.
Lesen Sie:
„Wenn der Arzt nicht weiter weiß.
Symptome verstehen, wenn die Diagnose fehlt“,
edition a,
ISBN: 978-3-99001-887-3,
€ 28,99
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