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Ausgabe Nr. 09/2026 vom 25.02.2026, Fotos: AdobeStock, zvg, Alexander Haiden, APA-Images
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Hermann Glettler,Diözesanbischof von Innsbruck.
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Von Aschermittwoch bis Ostersonntag wird in der katholischen Kirche gefastet.

Beim klassischen Heilfasten gibt‘s hauptsächlich Wasser.
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Maya Hakvoort, 59, Sängerin: „Der Körper braucht Zeit und Ruhe, um zu entschlacken“
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Christoph Maria Herbst, 60, Schauspieler: „Am dritten oder vierten Tag könnte ich Bäume ausreißen“
Verzichten mit Sinn
Fasten macht glücklich
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Fasten gibt es in fast allen Kulturen und Religionen. Warum Fasten guttut, hat ebenso viele Gründe, wie es Formen des Verzichtens und Methoden des Fastens gibt. Einige davon werden in dieser Serie vorgestellt. Zudem erzählen Persönlichkeiten, wie und warum sie fasten.
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Sei mäßig in allem, atme reine Luft, treibe täglich Hautpflege und Körperübung und heile ein kleines Weh eher durch Fasten als durch Arznei“, sagte schon Hippokrates, einer der berühmtesten Ärzte der Antike und „Vater der Heilkunde“.

Grundsätzlich ist Fasten, gemeint ist damit die Energiezufuhr aus den körpereigenen Kalorien-Depots, zum Beispiel nach Ernteausfällen oder in kriegerischen Zeiten, nicht mehr als ein ganz natürlicher Prozess, dem wir unser Überleben verdanken. Haben doch unsere Vorfahren Dürre- sowie Eiszeiten überstanden und waren damit großen Hungersnöten ausgesetzt.

Der Begriff „Fasten“ entstammt dem Althochdeutschen „fasten“ und steht für „an den Geboten der Enthaltsamkeit festhalten“. Seit dem Jahr 300 nach Christus wird als Vorbereitung auf das Osterfest 40 Tage vor Ostern gefastet. Früher wurde in manchen Klöstern nur jeden zweiten Tag gegessen.

Als Fastenspeisen galten Brot, Salz und Wasser, angereichert durch Hülsenfrüchte, Kräuter, rohes Gemüse und getrocknete Beeren. Fasten galt nicht als Privatangelegenheit, sondern war eine Form des gemeinsamen „Betens und Wachens“.

Traditionell verzichten Christen in der Fastenzeit vor allem auf Fleisch. Der Verzicht auf Alkohol ist dagegen alles andere als ein althergebrachtes Ritual. Die Mönche brauten in der Fastenzeit sogar ein starkes, kalorienreiches „Fastenbier“, damit sie auch ohne Fleisch schneller satt wurden.

Das Fasten im christlichen Sinne dient der Vorbereitung auf das Osterfest und geht über den bloßen Verzicht auf Nahrung hinaus. Darüber und wie er selbst fastet, spricht Hermann Glettler, der seit dem Jahr 2017 Diözesanbischof von Innsbruck ist.

Herr Bischof, welche Bedeutung hat religiös motiviertes Fasten?

Die 40 Tage dauernde Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt, entspricht den 40 Tagen, die Jesus mit Fasten und Gebet in der Wüste verbrachte. Fasten ist der Versuch, der unersättlichen Gier nach immer mehr etwas entgegenzuhalten. Durch das Fasten wird das Leben mit seiner Schönheit und Zerbrechlichkeit bewusster wahrgenommen. Nichts ist selbstverständlich – wer fastet, entdeckt meist auch, dass es für das Wesentliche im Leben, für Vertrauen und Zuversicht noch eine andere Quelle braucht.

Erkennen Sie eine Entwicklung hin zum Fasten im christlichen Sinne?

Mir scheint, dass doch einige Menschen die spirituelle Dimension des Fastens neu entdecken. Christliches Fasten ist ein Sich-Freispielen von ungesunden Abhängigkeiten. Durch einen konkreten Verzicht entsteht ein Freiraum, um für das Leben, für Gott und für Menschen „besuchbar“ zu werden. Als Einstieg empfehle ich zehn Minuten Stille pro Tag. Das wirkt sich hundertprozentig heilsam aus – auf uns selbst und die ganze Umgebung.

Wie lässt sich Ihres Erachtens am besten erreichen, dass das Fasten eine befreiende Wirkung erzielt?

Nicht verkrampfen, weniger ist mehr. Das Fasten ist ein Verzicht und nicht zuletzt ein Loslassen von schädlichen Gewohnheiten. Das macht uns verständnisvoller für jene, die es im Leben schwer haben. Befreiend wirkt das Fasten, wenn es zur Entgiftung und „Entfeindung“ des Herzens beiträgt. Dazu braucht es manchmal auch Gesprächsangebote und Seelsorge.

Wieso ist Fasten auch für nicht gläubige Menschen anziehend?

Vermutlich ist es die Sehnsucht, sich selbst in Balance zu bringen. Vom Unwichtigen haben wir zu viel und vom Wichtigen zu wenig – das ist unser Dilemma. Wichtiger als die Abnahme von Kilos ist die Zunahme von Liebenswürdigkeit. Jesus sagt, dass er eindeutig ein fröhliches Fasten einer verbissenen, letztlich gottlosen Selbstkasteiung vorzieht.

Fasten ist ein lukratives Geschäftsfeld geworden.
Wie sinnvoll ist Fasten ohne religiöse Basis?


Es ist selbstverständlich auch gut. Jeder Mensch entscheidet frei darüber, ob und wie er fastet. Durch ein religiös motiviertes Fasten wird jedoch die Verbundenheit mit Gott, den Menschen und der Schöpfung gestärkt. Mit Sicherheit sollte nicht der Kult um das super gestylte Ego im Mittelpunkt stehen. Anstelle teurer Fastenprogramme kann eine Spende für Notleidende viel Gutes bewirken. In die Fastenzeit fällt daher nicht nur der traditionelle Suppensonntag der Katholischen Frauenbewegung, sondern ebenso die Haussammlung der Caritas.

Den meisten Menschen geht es beim Fasten vorrangig darum, ihr Körpergewicht zu reduzieren, zu entgiften und zu entschlacken …

Dagegen ist nichts einzuwenden, das würde mir auch guttun (lacht). Zu einem gesünderen Leben gehört allerdings auch die Sorge um die Seele. Jesus hat einmal kritisch angemerkt: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert?“ Unser Herz muss wieder durchatmen können, das ist entscheidend.

Welche Akzente werden in Ihrer Diözese in Innsbruck während der Fastenzeit gesetzt?

In der Diözese Innsbruck bieten wir „Exerzitien im Alltag“ an. Das sind wöchentliche Impulse, um sich vom Geist Gottes im Alltag inspirieren zu lassen. Das Thema ist heuer „Vergebung“. Dazu braucht es viele kleine Schritte. Jeder Versuch einer Bitte um Entschuldigung ist wertvoll. Auch sich selbst zu vergeben, ist wichtig.

Wie haben Sie die Fastenzeit Ihrer Kindheit erlebt? Und wie fasten Sie heute?

Das Leben am Bauernhof war das ganze Jahr über eher einfach, oft sogar karg. Die Fastenzeit bedeutet mir viel, weil es eine innere Vorbereitung auf Ostern ist – auf die Begegnung mit Christus. Was das Fasten betrifft, bin ich leider kein großartiges Vorbild, sondern eher ein österlicher Genießer (lacht). Ich möchte auf jeden Fall meinen Konsum der sozialen Medien reduzieren und auf Alkohol verzichten. Vor allem werde ich jedoch versuchen, die Zeit für das Gebet zu intensivieren.

Die 40 Tage sind eine lange Zeit, in der die Gefahr des Scheiterns lauert.
Wie lässt sich hier gegensteuern?


Das Scheitern gehört ganz wesentlich zum Fasten dazu. Wer zu souverän ist, wird hochmütig und eingebildet. Letztlich ist christliches Fasten kein Leistungssport, sondern ein Einüben von Herzensgüte und mehr Verständnis füreinander. Wichtig ist, nach jedem Versagen wieder aufzustehen und sich neu am Ziel zu orientieren.

Maya Hakvoort, 59, Sängerin:
„Der Körper braucht Zeit und Ruhe, um zu entschlacken“


Für mich steht das körperliche Wohlbefinden an erster Stelle. Ich benötige auf der Bühne ein hohes Maß an Energie, um die Konzentration halten zu können. Heilfasten und verschiedene Methoden zum Entsäuern, Entschlacken und Entgiften nehmen daher seit vielen Jahren einen festen Platz in meinem Leben ein“, sagt die Musicaldarstellerin Maya Hakvoort, 59.

Kürzlich hat sie eine ayurvedische Heilfastenkur gemacht. Die sogenannte Panchakarma-Kur gilt als Königsdisziplin in der Ayurveda-Heilkunst. Die Behandlung zielt darauf ab, Gifte aus dem Körper zu leiten. Ayurveda, das „Wissen vom Leben“, stammt aus Indien. Dorthin zu reisen, war ihr zeitlich nicht möglich. Also suchte sie nach einem nahegelegenen Hotel, das auf Ayurveda spezialisiert ist, und wurde in Tschechien, unweit unserer Grenze, fündig.

„An den ersten drei Tagen erlebte ich ein Tief, das mich in Form einer intensiven Müdigkeit übermannte. Was verständlich ist, da der Körper auf Hochtouren damit beschäftigt ist, die Giftstoffe auszuleiten. Nach dem vierten Tag spürte ich dann schon bedeutend mehr Energie in mir. Ich bin ja bewegungshungrig und halte ein langes Liegen gar nicht gut aus. Aber da musste ich durch, denn die Ruhe gehört zu dieser Fastenkur dazu, sonst sind die Öl-Massagen wirkungslos“, erzählt Hakvoort, die den ganzen Tag hindurch heißes Wasser und Tee trank. „Das ist ein wesentlicher Faktor beim Ayurveda-Heilfasten. Der Körper entgiftet und
benötigt umso mehr Flüssigkeit, um die Giftstoffe ausleiten zu können.“

Zum Essen gab es während der Fastenkur wenig. „Serviert wurden Klassiker aus der indischen Küche wie Linsensuppe oder Reis, verfeinert mit wärmenden Gewürzen wie Ingwer, Chili, Zimt, Kurkuma und Kreuzkümmel. Es hat mir zwar geschmeckt, aber nach dieser Woche habe ich gerne wieder in ein Stück gutes Fleisch hineingebissen (lacht).“ In ihrem Alltag achtet die 59jährige darauf, „die Balance zu halten. Das beginnt damit, dass ich in der Früh, gleich nach dem Aufstehen, 15 Minuten lang auf einem kleinen Trampolin die Fußspitzen wippend bewege. Das Lymphsystem kommt dadurch in Schwung. Danach bewege ich mich 15 Minuten auf dem Heimtrainer und erst dann gibt es Frühstück. Ich liebe ein warmes Frühstück mit Hirse, Hafer, Bananen, Äpfeln, Ingwer und Zimt.“ Zum regelmäßigen Entschlacken und Entsäuern schwört sie auf „ein spezielles Fußbad, dem natürliche Salze hinzugefügt werden, die durch einen leichten Stromfluss ionisiert werden. Die Ionen holen die Giftstoffe, meistens ist es Schwermetall, über die Fußsohle heraus.“ Hakvoort weiß, wie wichtig es ist, den Körper nicht zu überfordern. „Er braucht Zeit, um zu entschlacken. Vor meinen Auftritten unterlasse ich dies tunlichst – sonst würde ich auf der Bühne einschlafen.“

Das wird bei ihrem Auftritt am 29.3, „Best of Maya Hakvoort“, Baden (NÖ), Stadttheater, nicht passieren.

Termine: maya-hakvoort.com


Christoph Maria Herbst, 60, Schauspieler:
„Am dritten oder vierten Tag könnte ich Bäume ausreißen“


Der Schauspieler Christoph Maria Herbst ist aufgrund seiner katholischen Prägung zum „begeisterten Fastenden“ geworden. „Ich faste, um meine Batterien aufzuladen, und nicht, um mich zu quälen. Nach der Fastenzeit gehe ich mit größerer Energie in mein Leben hinein, denn Fasten reinigt und macht den Kopf frei“, sagt der 60jährige, der einem katholischen Haushalt entstammt.

„Das Fasten spielt im Kirchenjahr eine große Rolle. Jesus fastete 40 Tage lang in der Wüste. Diesem Mehrwert, den Fasten bieten soll, wollte ich in meiner Jugend auf die Schliche kommen, um herauszufinden, ob ich das überhaupt schaffe und über mich hinauswachse.“

Der Schauspieler, der sich seit seinem 18. Lebensjahr eine regelmäßige Auszeit vom Essen nimmt, fastet zwei bis drei Mal jährlich für eine Dauer von zehn bis 14 Tagen. Dabei bevorzugt er das klassische Heilfasten, bei dem gänzlich auf feste Nahrung verzichtet wird. „Ich nehme in dieser Zeit hauptsächlich Wasser zu mir. Dadurch räumt man nicht nur innerlich, sondern auch um sich herum auf und regelt Dinge. An meinen Fastentagen bin ich schon auf die großartigsten Ideen gekommen.“

„In den ersten Tagen, in denen man normalerweise zu Kreuze kriecht, zittrig ist und Kopfschmerzen bekommt, bin ich mittlerweile beschwerdefrei. Denn mein Körper erinnert sich und weiß, dass nun das Fasten beginnt.“ Es gelingt ihm auch, „relativ normal“ weiterzuarbeiten. „Am dritten oder vierten Tag könnte ich Bäume ausreißen. Ich habe sogar schon fastend Theater gespielt oder Filme gedreht. Die Auszeiten tun mir gut.“
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