Entrümpeln tut der Seele gut
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Vollgestopfte Keller und überquellende Schubladen sind mehr als nur ein Platzproblem. Sie belasten unser Unterbewusstsein und erzeugen Dauerstress.
Wer konsequent entrümpelt, schafft Ordnung und gewinnt Lebensenergie zurück.
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Das Gerümpel in seinem Keller steht Mathias Gruber im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Hals. Durch Umzugskartons, alte Computermonitore und Plastiksackerl sieht es in dem acht Quadratmeter großen Raum aus wie auf einer Müllhalde. „Ich weiß, dass ich das alles nicht mehr brauche. Aber ich entsorge es einfach nicht“, sagt der 35jährige Computer-Fachmann aus Völkermarkt (K).
„Es herrscht die Meinung, Unordnung sei nur ein Schönheitsfehler“, erklärt die Aufräumexpertin Anna Klein, 45, die seit zehn Jahren Haushalte in der Steiermark organisiert. „Aber meistens steckt viel mehr dahinter. An vielen Dingen hängen Erinnerungen, Gefühle oder auch ein schlechtes Gewissen. Und jedes Mal, wenn wir eine Entscheidung aufschieben, kostet uns das Kraft.“
Gruber kennt dieses Gefühl. „Ich denke ständig daran, was ich noch machen müsste. Selbst wenn ich oben in der Wohnung sitze, habe ich den Keller im Hinterkopf.“
Psychologen nennen das die „offenen Gedankenschleifen“. Unerledigte Aufgaben verschwinden nicht einfach – sie laufen im Hintergrund weiter. Ein voller Keller wird auf diese Weise zur Dauerbaustelle im Kopf. „Unordnung macht Stress, obwohl wir ihn nicht sofort bemerken“, erklärt Klein. „Unser Gehirn nimmt ständig wahr, was sich um uns herum abspielt. Je mehr herumliegt, desto mehr Reize muss es verarbeiten. Und das bedeutet weniger innere Ruhe.“
Studien zeigen, dass Menschen in chaotischen Umgebungen häufiger erhöhte Cortisolwerte, also mehr Stresshormone, ausschütten. Gleichzeitig sinkt die Konzentrationsfähigkeit. Ordnung ist deshalb keine oberflächliche Disziplinfrage. Sie ist Selbstfürsorge.
Und kann, wie im Fall der Japanerin Marie Kondo, sogar zum erfolgreichen Geschäftsmodell werden. Die 41jährige hat sich zur berühmtesten Aufräumexpertin der Welt emporgearbeitet. Und sie hat mit ihrem Bestseller „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“ sowie mit ihrer Netflix-Serie das Thema Entrümpeln weltweit bekannt gemacht.
Ihre KonMari-Aufräummethode beruht auf einer klaren Leitfrage: „Löst es Freude in mir aus?“ Dahinter steckt der einfache Gedanke, dass derjenige, der aufräumt, auch auswählt, was bleiben darf. Er entscheidet damit, wie er leben möchte. Es geht nicht darum, möglichst wenig zu besitzen, sondern bewusst zu wählen – und nur das zu behalten, was wirklich einen Wert im eigenen Leben hat.
Der entscheidende Unterschied zu herkömmlichen Aufräumaktionen ist, dass Kondo nicht nach Räumen, sondern nach Kategorien sortiert. Zuerst die Kleidung, dann Bücher, danach Papier, Kleinkram und zuletzt Erinnerungsstücke.
„Wer nur einen Raum aufräumt, sieht nie die Gesamtmenge“, weiß Klein. „Erst wenn alles aus einer Kategorie vor uns liegt, begreifen wir, wie viel wir tatsächlich besitzen.“
Wobei das Loslassen freilich für viele der schwierigste Schritt ist. „Menschen behalten Gegenstände aus Schuldgefühlen“, erklärt Klein. „Weil sie teuer waren oder ein Geschenk. Oder weil sie an eine frühere, vielleicht bessere Zeit erinnern.“
Marie Kondo empfiehlt deshalb ein bewusstes Abschiedsritual: sich innerlich bei einem Gegenstand bedanken und ihn dann gehen lassen.
Was ungewohnt klingt, hat einen psychologischen Effekt. Rituale helfen, Entscheidungen abzuschließen und nicht aus schlechtem Gewissen festzuhalten. „Erinnerungen sitzen nicht im Gegenstand“, sagt Anna Klein. „Sie sitzen in uns. Das müssen wir uns immer wieder bewusst machen.“
Entrümpeln wirkt dabei wie ein Neubeginn. Wer konsequent aussortiert, trifft Entscheidungen, übernimmt Verantwortung und gewinnt Kontrolle zurück. „Viele meiner Kundinnen und Kunden sagen nach einem Aufräumtag, dass sie sich leichter fühlen“, berichtet Klein.
„Entrümpeln schafft Klarheit. Und Klarheit tut der Seele gut.“ Das lässt sich neurowissenschaftlich erklären. Jede abgeschlossene Aufgabe aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn. Gleichzeitig nimmt die Reizüberflutung ab. Weniger Gerümpel bedeutet weniger visuelle Ablenkung und mehr innere Ruhe.
Damit die Ordnung bleibt, braucht es jedoch eine neue Haltung zum Konsum. „Wir kaufen aus einem momentanen Gefühl heraus, aus Langeweile, Frust oder als Belohnung“, sagt Anna Klein. „Aber erworbene Produkte lösen selten Probleme.“
Entrümpeln endet deshalb nicht mit einem aufgeräumten Raum. Schon der bewusste Umgang mit dem Besitz ist wichtig. „Es geht nicht um Perfektion oder Minimalismus um jeden Preis. Es geht um Klarheit. Um Entscheidungen. Und um das gute Gefühl, Ballast loslassen zu dürfen.“
Tipps und Regeln, um Ordnung zu halten
Nach Kategorien, nicht nach Räumen aufräumen
Nicht Küche, Keller oder Schlafzimmer einzeln durchgehen, sondern alles einer Kategorie zusammentragen: erst Kleidung, dann Bücher, dann Papier, dann Kleinkram, zuletzt Erinnerungsstücke.
So sehen Sie die tatsächliche Menge und können Entscheidungen treffen.
Alles in die Hand nehmen
Keine Schnellurteile aus der Distanz fällen. Jeder Gegenstand wird bewusst angefasst, dabei sollten Sie sich fragen: Brauche ich das wirklich noch? Nutze ich es? Würde ich es heute noch einmal kaufen?
Radikale Ehrlichkeit statt „Vielleicht“-Stapel
„Vielleicht“ bedeutet meist „Nein“. Aufgeschobene Entscheidungen erzeugen neues Chaos.
Treffen Sie eine klare Wahl: behalten, spenden/verkaufen
oder entsorgen.
Fester Platz für jeden Teil
Jeder Gegenstand braucht einen definierten Ort.
Wenn er keinen Platz hat, gehört er vermutlich nicht mehr in Ihr Zuhause.
Die Zwölf-Monats-Regel
Alles, was Sie in den vergangenen zwölf Monaten nicht benutzt haben (Ausnahme: saisonale oder formelle Gegenstände oder Schriftstücke), darf gehen.
Die Nutzung ist wichtiger als der ursprüngliche Preis.
Vertikal lagern statt stapeln
Kleidung und Dokumente aufrecht einordnen.
Sie sehen auf einen Blick, was da ist und vermeiden doppelte Käufe.
Kleine Einheiten festlegen
Nehmen Sie sich nicht „den Keller“ vor, sondern „ein Regalbrett“. Klare, erreichbare Etappen verhindern Frust.
Sofort handeln, nicht zwischenlagern
Abfall sofort entsorgen. Was liegenbleibt, wandert oft wieder zurück.
Kein neuer Krempel: Die 24-Stunden-Regel
Bei nicht lebensnotwendigen Käufen mindestens 24 Stunden warten. Impulse verfliegen – Fehlkäufe ebenso.
Eins-rein-eins-raus-Prinzip
Kommt etwas Neues ins Haus, verlässt ein Gegenstand das Haus.
Digitale Ordnung
E-Mails, Fotos, heruntergeladene Dokumente regelmäßig aussortieren.
Bewusst einkaufen
Fragen Sie sich im Geschäft:
Habe ich dafür wirklich Platz?
Werde ich es mindestens 30 Mal nutzen?
Macht es meinen Alltag besser?
Entrümpeln endet nicht beim Ausmisten.
Es beginnt bei der Entscheidung, bewusster zu besitzen.
„Es herrscht die Meinung, Unordnung sei nur ein Schönheitsfehler“, erklärt die Aufräumexpertin Anna Klein, 45, die seit zehn Jahren Haushalte in der Steiermark organisiert. „Aber meistens steckt viel mehr dahinter. An vielen Dingen hängen Erinnerungen, Gefühle oder auch ein schlechtes Gewissen. Und jedes Mal, wenn wir eine Entscheidung aufschieben, kostet uns das Kraft.“
Gruber kennt dieses Gefühl. „Ich denke ständig daran, was ich noch machen müsste. Selbst wenn ich oben in der Wohnung sitze, habe ich den Keller im Hinterkopf.“
Psychologen nennen das die „offenen Gedankenschleifen“. Unerledigte Aufgaben verschwinden nicht einfach – sie laufen im Hintergrund weiter. Ein voller Keller wird auf diese Weise zur Dauerbaustelle im Kopf. „Unordnung macht Stress, obwohl wir ihn nicht sofort bemerken“, erklärt Klein. „Unser Gehirn nimmt ständig wahr, was sich um uns herum abspielt. Je mehr herumliegt, desto mehr Reize muss es verarbeiten. Und das bedeutet weniger innere Ruhe.“
Studien zeigen, dass Menschen in chaotischen Umgebungen häufiger erhöhte Cortisolwerte, also mehr Stresshormone, ausschütten. Gleichzeitig sinkt die Konzentrationsfähigkeit. Ordnung ist deshalb keine oberflächliche Disziplinfrage. Sie ist Selbstfürsorge.
Und kann, wie im Fall der Japanerin Marie Kondo, sogar zum erfolgreichen Geschäftsmodell werden. Die 41jährige hat sich zur berühmtesten Aufräumexpertin der Welt emporgearbeitet. Und sie hat mit ihrem Bestseller „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“ sowie mit ihrer Netflix-Serie das Thema Entrümpeln weltweit bekannt gemacht.
Ihre KonMari-Aufräummethode beruht auf einer klaren Leitfrage: „Löst es Freude in mir aus?“ Dahinter steckt der einfache Gedanke, dass derjenige, der aufräumt, auch auswählt, was bleiben darf. Er entscheidet damit, wie er leben möchte. Es geht nicht darum, möglichst wenig zu besitzen, sondern bewusst zu wählen – und nur das zu behalten, was wirklich einen Wert im eigenen Leben hat.
Der entscheidende Unterschied zu herkömmlichen Aufräumaktionen ist, dass Kondo nicht nach Räumen, sondern nach Kategorien sortiert. Zuerst die Kleidung, dann Bücher, danach Papier, Kleinkram und zuletzt Erinnerungsstücke.
„Wer nur einen Raum aufräumt, sieht nie die Gesamtmenge“, weiß Klein. „Erst wenn alles aus einer Kategorie vor uns liegt, begreifen wir, wie viel wir tatsächlich besitzen.“
Wobei das Loslassen freilich für viele der schwierigste Schritt ist. „Menschen behalten Gegenstände aus Schuldgefühlen“, erklärt Klein. „Weil sie teuer waren oder ein Geschenk. Oder weil sie an eine frühere, vielleicht bessere Zeit erinnern.“
Marie Kondo empfiehlt deshalb ein bewusstes Abschiedsritual: sich innerlich bei einem Gegenstand bedanken und ihn dann gehen lassen.
Was ungewohnt klingt, hat einen psychologischen Effekt. Rituale helfen, Entscheidungen abzuschließen und nicht aus schlechtem Gewissen festzuhalten. „Erinnerungen sitzen nicht im Gegenstand“, sagt Anna Klein. „Sie sitzen in uns. Das müssen wir uns immer wieder bewusst machen.“
Entrümpeln wirkt dabei wie ein Neubeginn. Wer konsequent aussortiert, trifft Entscheidungen, übernimmt Verantwortung und gewinnt Kontrolle zurück. „Viele meiner Kundinnen und Kunden sagen nach einem Aufräumtag, dass sie sich leichter fühlen“, berichtet Klein.
„Entrümpeln schafft Klarheit. Und Klarheit tut der Seele gut.“ Das lässt sich neurowissenschaftlich erklären. Jede abgeschlossene Aufgabe aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn. Gleichzeitig nimmt die Reizüberflutung ab. Weniger Gerümpel bedeutet weniger visuelle Ablenkung und mehr innere Ruhe.
Damit die Ordnung bleibt, braucht es jedoch eine neue Haltung zum Konsum. „Wir kaufen aus einem momentanen Gefühl heraus, aus Langeweile, Frust oder als Belohnung“, sagt Anna Klein. „Aber erworbene Produkte lösen selten Probleme.“
Entrümpeln endet deshalb nicht mit einem aufgeräumten Raum. Schon der bewusste Umgang mit dem Besitz ist wichtig. „Es geht nicht um Perfektion oder Minimalismus um jeden Preis. Es geht um Klarheit. Um Entscheidungen. Und um das gute Gefühl, Ballast loslassen zu dürfen.“
Tipps und Regeln, um Ordnung zu halten
Nach Kategorien, nicht nach Räumen aufräumen
Nicht Küche, Keller oder Schlafzimmer einzeln durchgehen, sondern alles einer Kategorie zusammentragen: erst Kleidung, dann Bücher, dann Papier, dann Kleinkram, zuletzt Erinnerungsstücke.
So sehen Sie die tatsächliche Menge und können Entscheidungen treffen.
Alles in die Hand nehmen
Keine Schnellurteile aus der Distanz fällen. Jeder Gegenstand wird bewusst angefasst, dabei sollten Sie sich fragen: Brauche ich das wirklich noch? Nutze ich es? Würde ich es heute noch einmal kaufen?
Radikale Ehrlichkeit statt „Vielleicht“-Stapel
„Vielleicht“ bedeutet meist „Nein“. Aufgeschobene Entscheidungen erzeugen neues Chaos.
Treffen Sie eine klare Wahl: behalten, spenden/verkaufen
oder entsorgen.
Fester Platz für jeden Teil
Jeder Gegenstand braucht einen definierten Ort.
Wenn er keinen Platz hat, gehört er vermutlich nicht mehr in Ihr Zuhause.
Die Zwölf-Monats-Regel
Alles, was Sie in den vergangenen zwölf Monaten nicht benutzt haben (Ausnahme: saisonale oder formelle Gegenstände oder Schriftstücke), darf gehen.
Die Nutzung ist wichtiger als der ursprüngliche Preis.
Vertikal lagern statt stapeln
Kleidung und Dokumente aufrecht einordnen.
Sie sehen auf einen Blick, was da ist und vermeiden doppelte Käufe.
Kleine Einheiten festlegen
Nehmen Sie sich nicht „den Keller“ vor, sondern „ein Regalbrett“. Klare, erreichbare Etappen verhindern Frust.
Sofort handeln, nicht zwischenlagern
Abfall sofort entsorgen. Was liegenbleibt, wandert oft wieder zurück.
Kein neuer Krempel: Die 24-Stunden-Regel
Bei nicht lebensnotwendigen Käufen mindestens 24 Stunden warten. Impulse verfliegen – Fehlkäufe ebenso.
Eins-rein-eins-raus-Prinzip
Kommt etwas Neues ins Haus, verlässt ein Gegenstand das Haus.
Digitale Ordnung
E-Mails, Fotos, heruntergeladene Dokumente regelmäßig aussortieren.
Bewusst einkaufen
Fragen Sie sich im Geschäft:
Habe ich dafür wirklich Platz?
Werde ich es mindestens 30 Mal nutzen?
Macht es meinen Alltag besser?
Entrümpeln endet nicht beim Ausmisten.
Es beginnt bei der Entscheidung, bewusster zu besitzen.
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