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Ausgabe Nr. 08/2026 vom 18.02.2026, Fotos: AdobeStock, zvg
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Essen schonend zuzubereiten, wie im Dampfgarer, tut dem Magen gut.
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Völlegefühl und Blähbauch plagen bei
Milz-Qi-Schwäche.
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In der TCM gilt der „Nei Guan“-Punkt als „Meisterpunkt“ zur Beruhigung von Magen und Geist.
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TCM-Ärztin Mag. Shichun Wen aus Wien.
Heißhunger –
Signal des Körpers
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Für die Abnehmwilligen ist die Fastenzeit ein willkommenes „Sprungbrett“. Als größte Hürde gelten Heißhunger-Attacken. Die in den Griff zu bekommen, ist laut TCM eine Typ-Sache.
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Der gefürchtete Gegner aller Diäten ist nicht zu sehen, jedoch umso mehr zu spüren. Es ist der plötzlich, intensiv und oft unkontrollierbar einsetzende Heißhunger.

„Viele Menschen kennen das Gefühl, wenn sich unvermittelt der unwiderstehliche Drang nach Essen einstellt. Manchmal sogar, obwohl zuvor gegessen wurde. Besonders bei Stress, Langeweile, Frust oder Traurigkeit beginnen wir zu essen und können damit nicht aufhören. Danach folgen Reue, Selbstvorwürfe und oft entsteht daraus ein Teufelskreis“, berichtet Mag. Shichun Wen, Ärztin der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) aus Wien (Tel.: 0664/543 1286).

Vorwiegend ist es der Drang nach Süßem, Fettigem oder Salzigem. Im Gegensatz zum Hunger tritt der Heißhunger völlig abrupt auf. Er signalisiert einen akuten, teils emotional- oder stoffwechselbedingten Energiebedarf. „Aus Sicht der TCM ist Heißhunger ein Signal für ein Ungleichgewicht der inneren Organfunktionen“, sagt Mag. Wen und stellt drei Typen und deren Ursachen für Heißhunger-Attacken auf den Grundlagen der TCM vor.

Der Heißhunger-Typ mit
„Magen-Feuer“


Bei diesen Patienten ist der Heißhunger stark ausgeprägt, mit einer Vorliebe für kalte Getränke und stark gewürzte Speisen. Dahinter steckt ein Magen-Yin-Mangel. Betroffene merken das an ihrem trockenen Mund, an Mundgeruch und geschwollenem, schmerzendem Zahnfleisch. Die Zunge ist dunkelrot, ohne Belag.

„Scharfe und stark erhitzende Gewürze wie Chili, Pfeffer, Ingwer, Knoblauch, Zimt, Currypulver sowie Wasabi sollten gemieden werden“, rät die TCM-Ärztin. „Ebensowenig geeignet sind frittierte und fettige Speisen, stark Gesüßtes wie Schokolade, süße Backwaren und gesüßte Getränke. Auch Alkohol, starker Kaffee, starker Tee, zu viel Lammfleisch, gegrilltes oder gebackenes Fleisch fördern das Magen-Feuer.“

Gut für einen geplagten Magen sind Gurken, Sellerie, Paradeiser, Spargel, Spinat, Brokkoli und Zucchini. Dazu sollten Wassermelonen, Birnen, Äpfel, Kiwi und Erdbeeren regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Wohltuend sind Mungobohnen, Tofu, Gerste, und Weizen und zum Trinken regelmäßig Pfefferminztee, Chrysanthementee, Grüner Tee und Löwenzahnblätter-Tee. „Bevorzugen Sie als Zubereitungsart das Dämpfen oder ein kurzes Anbraten im Wok. Frittieren oder Grillen sind nicht empfehlenswert“, sagt Mag. Wen.

Rezept gegen Magen-Feuer:
Birnen-Reis-Suppe


Zutaten:
1 reife Birne (geschält, entkernt, gewürfelt), 2 bis 3 EL weißer Reis, Wasser.

Zubereitung:
Reis waschen, Zutaten mit Wasser in einen Topf geben, aufkochen, 30 bis 40 Minuten köcheln. Die Suppe soll leicht breiig sein.


Gier nach Süßem durch eine
Milz-Qi-Schwäche


„Menschen mit Milz-Qi-Schwäche haben ein stark ausgeprägtes Verlangen nach Süßem. Nach dem Essen oder einer Heißhunger-Attacke spüren sie ein Völlegefühl und einen Blähbauch“, sagt Mag. Wen. Zu den Symptomen gehören weicher, ungeformter Stuhl, Müdigkeit nach dem Essen, Schwere im Körper, Blässe im Gesicht, leichte Schwellungen um die Lider oder ein Gefühl von Schwere im Kopf. Die Zunge ist blass und ge-schwollen.

„Gehören Sie zu diesem Typ, meiden Sie kalte sowie rohe Speisen und halten Sie feste Essenszeiten ein. Große Mahlzeiten, spätes Essen, Milchprodukte, Zucker, Frittiertes und viel Weizen fördern die Schwäche.“

Zu den Milz-Qi-stärkenden Lebensmitteln gehören Süßerdäpfel, Kürbis, Karotten, Reis, Hafer, gekochtes Gemüse, Mais, Bohnen, Orangen, Ingwer, Papaya und Sojaprodukte. „Der TCM-Arzt verschreibt unterstützende Kräuter.“

Rezept für Milz-Qi:
Kürbis-Ingwer-Suppe mit Mungobohnen


Zutaten (3 bis 4 Portionen):
500 g Kürbis oder Süßerdäpfel gewürfelt,
1 kleine Handvoll getrocknete Mungobohnen,
1 kleine Karotte gewürfelt, 1 Stück Ingwer daumengroß, in Scheiben, 1 Liter Wasser oder Gemüsebrühe,
1 TL Kurkuma, etwas schwarzer Pfeffer, Salz.

Zubereitung:
Mungobohnen in einem Sieb waschen, alle Zutaten (außer Gewürze) in einen Topf geben, zum Kochen bringen. Bei mittlerer Hitze 30 bis 40 Minuten köcheln, bis Kürbis und Mungobohnen weich sind. Ingwerstücke herausnehmen. Suppe pürieren, mit Kurkuma, einer Prise schwarzem Pfeffer und Salz würzen.


Stress-Hunger durch Blockade im
Leber-Funktionskreis


„Menschen mit einem Leber-Qi-Stau sind leicht reizbar, schnell frustriert oder wütend. Das Gefühl von Depression oder Stagnation tritt auf, oder das Gefühl, bei emotionaler Belastung einen „Kloß im Hals“ zu haben. Sie neigen zum Grübeln, Entscheidungen zu treffen, fällt ihnen schwer. Häufiges Seufzen ist ein unbewusster Reflex, um den Brustkorb zu weiten und das gestaute Qi zu bewegen“, beschreibt die TCM-Ärztin den Heißhunger-Typ, der vor allem Lust auf Süßes hat.

Die typischen Symptome sind ein Engegefühl in der Brust, das Gefühl, nicht tief durchatmen zu können. Der Zungenrand ist rot, die Zungenfarbe leicht violett gefärbt.

„Vermeiden Sie, Ärger, Frust oder Groll in sich hineinzufressen. Dies ist die Hauptursache für die Stagnation. Ein lang anhaltender Druck ohne Ventile verschlimmert die Blockade. Schlecht für die Leber sind ein unregelmäßiger Tagesrhythmus und ein Schlafbeginn nach 23 Uhr. Die Leber benötigt die Nacht zur Erholung. Langes Sitzen führt zu körperlicher und energetischer Stagnation“, erklärt Mag. Wen.

„Kommt der Heißhunger“, rät die TCM-Ärztin, „den ,Nei Guan‘-Punkt zu drücken. Sie finden den Punkt
an der Innenseite des Unterarms. Er liegt zweieinhalb Fingerbreit oberhalb der Handgelenksfalte, zwischen den beiden tastbaren Sehnen. Dieser Punkt beruhigt den Magen und stoppt Übelkeit oder Völlegefühl. Er öffnet die Brust und löst emotionale Enge. Er harmonisiert das Herz und verringert innere Unruhe.

Drücken Sie mit dem Daumen der einen Hand fest, aber sanft auf den ,Nei Guan‘-Punkt des anderen Armes. Massieren Sie mit kreisenden Bewegungen oder halten Sie einen Druck für ein bis zwei Minuten. Wiederholen Sie dies am anderen Arm. Atmen Sie tief und langsam in den Bauch hinein.“ Lebensmittel und Gewürze,
die das Leber-Qi befreien, sind Artischocken, Rucola, Radieschen, Rettich, Zucchini, Brokkoli, Petersilie, Basilikum, Minze, Kurkuma, Kardamom, Hirse, grüne Linsen, Mungobohnen, Pflaumen, Rosenblütentee und Kamillentee.

Um die Energieblockade im Leber-Funktionskreis aufzuheben, ist ein gesunder Lebensstil wichtig. „Praktizieren Sie täglich 30 Minuten zügiges Gehen, Yoga, Meridianbewegung oder Qi Gong. Gehen Sie vor 23 Uhr ins Bett. Die Leberzeit von ein bis drei Uhr nachts dient der Erholung und Entgiftung. Ein guter Schlaf vor Mitternacht ist essenziell.“
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